Seiten

▼

Donnerstag, 15. Oktober 2026

Hitzewanderung zur Spannorthütte

@wandernohneende
Unser diesjähriges Wanderprojekt beinhaltete sehr wenige Wanderungen. Doch zumindest André und Uschi nahmen ihre Organisatorenrolle ernst und stellten ein Besuch auf der Spannorthütte auf die Beine. 

Wir waren beileibe nicht die einzigen, die an diesem heissen Juliwochenende in die Berge wollten. Der Bus vom Bahnhof Engelberg zur Talstation der Fürenalpbahn war so überfüllt, dass sein Hyrauliksystem versagte und einige Passagiere wieder austeigen mussten, damit der Chauffeur überhaupt die Türen schliessen konnte.

@wandernohneende
Der erste Teil der Wanderung verlief dann gemütlich. Es ging zwar aufwärts, aber sanft, so dass sich die Anstrengung trotz der warmen Temperaturen in Grenzen hielt. Beim Berggasthaus Stäfeli machten wir zudem eine ausgiebige Mittagspause. Damit waren wir ausreichend gestärkt für das Pièce de résistance des Tages: Der Zustieg zur Spannorthütte. Meter um Meter, Kurve um Kurve arbeiteten wir uns bei brütender Hitze die baumlose Bergflanke hoch. Die Schlüsselstelle war ein glattgeschliffener Fels, den man mit Hilfe von in den Stein eingelassene Metallbügel hochkraxeln musste. 

Nassgeschwitzt kamen wir schliesslich in der Spannorthütte (1'956 m) an. Auf der Terrasse genossen wir unser wohlverdientes Bier, während hinter uns die Sonne die spitzigen Zacken des Gross Spannorts erleuchten liess und vor uns der mächtige Titlis in den Himmel ragte. 

@wandernohneende
Die Hütte war von ein paar Jahren renoviert und erweitert worden. Wir waren in einem modernen Achterzimmer mit eingebauten Etagenbetten untergebracht, und bei so viel Platz schlief ich für eine Hüttennacht ungewöhnlich tief und fest. Ich liess mich auch von den Fussballverrückten nicht stören, die morgens um drei Uhr aufstanden, um das WM-Viertelfinalspiel der Schweiz gegen Argentinien auf dem Laptop des Hüttenwarts anzuschauen. 

Am nächsten Tag stiegen wir über die Aufstiegsroute wieder ab. Der einzige Unterschied war, dass wir statt im Stäfeli im Restaurant Alpenrösli einkehrten. Es war ein schönes Ausflugswochenende gewesen mit der Übernachtung in einer der Hütten meines "Heim" SAC Uto.

 

Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 11./12. Juli 2026
  • Route:  Engelberg, Führenalp Bahn Talstation - Herrenrüti - Stäfeli - Spannorthütte (Samstag; Sonntag gleiche Route umgekehrt)
  • Unsere Wanderzeit: 2 h 30 min (Samstag); 2 h (Sonntag)
  • Distanz:  6 km (Samstag); 6 km (Sonntag)
  • Höhenmeter: ↑900 m; ↓20 m (Samstag); ↑20 m; ↓900 m (Sonntag)
  • Übernachten: Spannorthütte SAC

 

@wandernohneende

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Bahn-Quadrilogie zum Lac d'Emosson und tückischer Abstieg vom Col de Barberine

@wandernohneende
Vor drei Jahen hatte ich eine Gletschertour über das Plateau du Trient gemacht und dabei mit der südwestlichen Ecke des Wallis ein mir bisher gänzlich unbekanntes Wandergebiet entdeckt. Mit Basecamp in Martigny nahm ich mir diesen Sommer ein paar Tage Zeit, dieses Gebiet näher zu erkunden.

Ausgangspunkt der längsten Wanderung dieses Abstechers war der Lac d'Emosson. Bereits die Anreise dahin war ein Erlebnis: Von Martigny ging es mit der Bahn kurvenreich ins Trienttal hinein. In Le Châtelard wechselte ich in eine Standseilbahn, die so steil war, dass das Seil von den Rollen abhob und frei in der Luft hing. 

@wandernohneende
Bei Les Montuires stieg ich wiederum um, diesmal in ein  kleines, an ein Spielzeug erinnerndes Bähnchen (der Lokführer wendete seine Lokomotive denn auch per Fernbedienung), das flach und mit viel Aussicht auf das Mont Blanc-Massiv um den Berg herumführte bis zum Fuss der mächtigen Staumauer des Lac d'Emosson. Für das letzte Stück hoch zum See stieg ich schliesslich in einen kleinen Lift. Für die Fahrt in diesen vier Bahnen - keine wie die andere - hatte sich lange Anreise ins Unterwallis bereits gelohnt.

@wandernohneende
Doch ich wollte ja auch noch wandern. Durch einen langen, sehr dunklen Tunnel erreichte ich direkt das Seeufer. Diesem folgte ich für eine Weile auf einer breiten Strasse, bis der Wanderweg schliesslich Richtung Col de Barberine abbog. Hier fing das richtige Wandern an, sprich: Der Weg wurde alpin und führte aufwärts. Alpenrosen säumten den Weg und bildeten einen farblichen Kontrast zum tiefblauen Himmel und türkisfarbenen See.

Bis zum Col de Barberine (2'481 m) verlief die Wanderung problemlos und genussvoll. Der Abstieg auf der anderen Seite des Passes war dann weder noch: Der steile Schotterweg war rutschig und die Wegspur im Geröll teilweise schlecht sichtbar. Richtig weiche Knie bekam ich dann bei einem abschüssigen Restschneefeld, das ich nicht umgehen konnte. Am Schluss kam ich zwar heil auf der anderen Seite an, aber wirklich sicher war die Querung nicht gewesen. Die - natürlich zu Hause liegen gebliebenen - Spikes hätten hier gute Dienste geleistet.

@wandernohneende
Weiter ging es über rotgefärbte Steinplatten und direkt neben einem Wasserfall in eine Mulde hinunter. Ein steiler Wiederanstieg hätte zum Lac de Salante hochgeführt, doch ich hatte genug vom Wandern für den Tag und bog ins Vallon d'Emaney ab. Der erste Teil des Abstiegs war hier wieder problemlos und genüsslich. Erst nach La Tinde wurde der Weg steiler und vor allem von kniehohen Blumen und Gebüsch überwuchert. Offenbar war dies keine oft begangene Variante. Dafür wurde ich von tanzenden Schmetterlingen umflattert.

In Le Trétien stieg ich wieder in den Zug. Dieser hält nur auf Verlangen - und man verlangt den Halt, indem man sich gut sichtbar auf das Perron stellt. Entgegen meinen Befürchtungen klappte dies reibungslos.

 

Wanderinfos:

  • Gewandert: Montag, 6. Juli 2026
  • Route: Lac d'Emosson Minifunic - Lac d'Emosson - Pkt. 1954 - Combe du Col - Col de Barberine - Emaney - La Tinde - La Crette - Le Trétien
  • Meine Wanderzeit: 5 h
  • Distanz: 14,1 km
  • Höhenmeter: ↑880 m; ↓1'650 m

 

@wandernohneende


Donnerstag, 1. Oktober 2026

Cima dell'Uomo - Hitze und Hagel im Tessin

@wandernohneende
Sommer ist ja eigentlich nicht meine übliche Jahreszeit für Abstecher ins Tessin, doch wenn es nördlich der Alpen genauso heiss ist wie südlich davon, spielt es keine Rolle mehr, wo man schwitzt. Auf dem Programm fürs Wochenende stand ein unbekannter Gipfel zwischen Leventina und Verzascatal sowie eine Übernachtung in einer Selbstversorgerhütte.

Auf den ersten Metern durch das Verzascatal hatten wir Sicht auf die Römerbrücke von Lavertezzo, wo sich die Touristenmassen im blauen Flusswasser abkühlten. Wir dagegen bogen nach rechts ins Val Carecchio ab, wo wir Abkühlung im schattigen Wald fanden. Dieses Tal war für mich die schönste Entdeckung des Tages: Der namensgebende Bach rauschte in kleinen und grossen Wasserfällen die Felsen hinunter und sammelte sich immer wieder in türkisfarbenen Becken aus geschliffenen Steinen, die zum Baden einluden. Leider hatten wir eine lange Wanderung vor uns, so dass wir auf den Badehalt schweren Herzens verzichteten.

@wandernohneende
Das Tal endete bei der Alpe Rognoi, einem ausgedehnten, locker bewaldeten Felskessel, aus dem es nur einen Weg hinaus gab: Steil aufwärts. Der Aufstieg in der Hitze setzte mir ziemlich zu und ich war ganz froh, als ein paar Wolken aufzogen und leichter Nieselregen einsetzte. Die Freude endete, als sich der Nieselregen in eine heftige Hagelschauer verwandelte, welcher wir schutzlos ausgesetzt waren.

Der Spuck war aber schnell vorbei und als wir die Bocchetta di Rognoi (2'219 m) - der höchste Punkt des Tages - erreichten, zogen die Wolken bereis wieder ab und gaben den Blick auf den Lago Maggiore frei. Die nassen Kleider hängten wir auf der Terrasse der Capanna Borgna zum Trocknen auf und gönnten uns ein Bier.

Die Hütte - oder vielmehr die verschiedenen kleinen Hütten - sind liebevoll restauriert worden. Die modernste von ihnen befand sich bei unserem Besuch noch kurz vor der definitiven Fertigstellung. Die Unterkunft ist grundsätzlich unbewartet, freiwillige Helfer schauen aber nach dem Rechten. 

@wandernohneende
Der zweite Tag war Gipfeltag: Wir liessen die Capanna Borgna hinter uns und stiegen in Richtung Bocchetta di Medee auf. Den Cima dell'Uomo - unser Ziel - umrundeten wir zunächst halb, bevor es über Geröll zum Gipfel hinauf ging. Die Schlüsselstelle - im Aufstieg einfacher zu erklimmen als später im Abstieg - war ein kurzer Kamin, der etwas Kraxelei erforderte.

Es war nicht einmal neun Uhr, als wir am Gipfelkreuz des Cima dell' Uomo (2'390 m) standen und ungestört und ausgiebig das 360°-Panorama genosswen.

Cima dell'Uomo
Danach ging es praktisch nur noch abwärts. An einer schattigen Stelle hatte es noch ein paar Schneereste und wir rätselten zusammen mit zwei Wanderer, die uns entgegen kamen, ob der grosse Pfotenabdruck im Schnee von einem Bär stammte. Bei der Capanna Albagno machten wir Pause bei Kaffee und Kuchen (und wehrten ohne grossen Erfolg lästige Bremsen ab), bevor wir auch noch das letzte Wegstück bis Mornera hinab wanderten. Der Rest des Abstiegs nach Monte Carasso war dann ganz knieschonend mit der Gondel.

Es war ein tolles Wochenende gewesen, mit der Entdeckung eines neuen Tals, eines neuen Gipfels und einer neuen Hütte - alles perfekt organisiert von SAC-Tourenleiter Heidi.

  

Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 20./21. Juni 2026
  • Route: Lavertezzo, Ai Poss - Rancone - Val Carecchio - Alpe Rognoi - Bocchetta di Rognoi - Capanna Borgna (Samstag); Capanna Borgna - Bocchetta di Medee - Cima dell'Uomo - Bocchetta d'Erbea - Capann Alpagno - Mornera (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 6 h 15 min (Samstag); 4 h 10 min (Sonntag)
  • Distanz: 13,3 km (Samstag); 7,2 km (Sonntag)
  • Höhenmeter: ↑1'732 m; ↓395 m (Samstag); ↑455 m; ↓1'084 m (Sonntag)
  • Übernachten: Capanna Borgna (Selbstversorgerhütte)

 

@wandernohneende
Route Samstag & Sonntag

Donnerstag, 24. September 2026

Kindheitserinnerungen am Chasseral: Zwei Schluchten und ein Skilift

@wandernohneende
Es war wieder einmal Zeit für einen Abstecher in den Jura. Als Startpunkt hatte ich St. Imier ausgewählt. Im Nachhinein gesehen wäre Villeret, eine Haltestelle früher, die bessere Wahl gewesen - das hätte mir erspart, dass ich zu Beginn dem Waldrand entlang wieder ein gutes Stück in Anfahrtsrichtung zurück wandern musste.

Das erste Etappenziel des Tages war die Combe Grède. Zuerst auf breiten Waldstrassen, dann entlang immer enger stehenden senkrechten Felswänden ging es aufwärts dem ausgetrockneten Flussbett entlang. Der Weg durch die Schlucht - an der Schlüsselstelle gab es zwei kurze Leitern zu erklimmen  - war zwar abwechslungsreich, so ganz ohne Wasser aber auch etwas enttäuschend. Die Schlucht endete in einem halbkreisförmigen Felskessel, aus dem ein steiler Zickzackweg hinausführte. 

@wandernohneende
Bei Pré aux Auges erreichte ich ein Plateau, doch als ich aus dem Wald heraustrat, fand ich schnell heraus, dass ich den höchsten Punkt noch nicht erreicht hatte. Über eine offene Jurawiese - vorbei an einer grasenden Gämsenfamilie - erklomm ich die letzten Meter zum Chasseral. Den markanten Antennenturm liess ich aber links liegen und bog stattdessen direkt zum Restaurant ab.

Auf der sonnigen Terrasse genoss ich bei Kaffee und Erdbeertörtli den Blick über das Seeland mit den drei Seen im Vorder- und dem Alpenbogen im Hintergrund. Da liessen sich Heimatgefühle kaum unterdrücken. Wie heisst es so treffend in der Seeländerhymne des Sängers George: "Wenn d Sunne hinger em Jura ungergeit...Wenn d Erinnerig a früecher mi dört häretreit...Hie bin i deheim." 

Nach diesem nostalgischen Zwischenspiel machte ich mich an den Abstieg durch den schattigen Wald während Gleitschirme über mich hinweg segelten. Bei Nods führte der Wanderweg direkt dem kleinen Skilift entlang, wo ich als Kind das Skifahren gelernt hatte. Da kamen die nächsten Kinderheitserinnerungen auf - vornehmlich an kalte Füsse und mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, auf dem Bügellift das Gleichgewicht zu halten.

@wandernohneende
Es folgte ein eher langweiliges Wegstück durch ausgedehnte Felder und quer durch das kleine Dörfchen Lamboing (Kommissar Bärlach lässt grüssen!), bis ich schliesslich den Eingang der Twannbachschlucht erreichte. 

Als Kind hatten wir oft mit den Grosseltern Ausflüge zur Twannbachschlucht gemacht. Ich hatte aber gar keine Erinnerungen mehr daran gehabt, wie schön und eindrucksvoll die Schlucht war. Der Weg war teilweise direkt in den Felsen gehauen. Ich fand die Twannbachschlucht viel schöner als die Combe Grède. Der grosse Unterschied war das Wasser: Der Twannbach rauschte über Felsen und durch dichte grüne Vegetation und versetzte einem in eine verschwunschene Welt.  

Der Schluchtausgang befand sich nur wenige Meter vom Bahnhof Twann entfernt und von dort fuhr ich mit dem Zug entlang des Bielersees zurück nach Hause - mit dem Kopf voller aufgefrischter und neuer Erinnerungen.

 

Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag, 30. Mai 2026
  • Route: St-Imier - La Combe Grède - Pré aux Auges - Chasseral - Nods - Diesse - Lamboing - Twannbachschlucht - Twann
  • Meine Wanderzeit: 4 h 45 min
  • Distanz: 19 km
  • Höhenmeter: ↑900 m; ↓1'240 m 
@wandernohneende