Das erste Etappenziel des Tages war die Combe Grède. Zuerst auf breiten Waldstrassen, dann entlang immer enger stehenden senkrechten Felswänden ging es aufwärts dem ausgetrockneten Flussbett entlang. Der Weg durch die Schlucht - an der Schlüsselstelle gab es zwei kurze Leitern zu erklimmen - war zwar abwechslungsreich, so ganz ohne Wasser aber auch etwas enttäuschend. Die Schlucht endete in einem halbkreisförmigen Felskessel, aus dem ein steiler Zickzackweg hinausführte.
Bei Pré aux Auges erreichte ich ein Plateau, doch als ich aus dem Wald heraustrat, fand ich schnell heraus, dass ich den höchsten Punkt noch nicht erreicht hatte. Über eine offene Jurawiese - vorbei an einer grasenden Gämsenfamilie - erklomm ich die letzten Meter zum Chasseral. Den markanten Antennenturm liess ich aber links liegen und bog stattdessen direkt zum Restaurant ab.Auf der sonnigen Terrasse genoss ich bei Kaffee und Erdbeertörtli den Blick über das Seeland mit den drei Seen im Vorder- und dem Alpenbogen im Hintergrund. Da liessen sich Heimatgefühle kaum unterdrücken. Wie heisst es so treffend in der Seeländerhymne des Sängers George: "Wenn d Sunne hinger em Jura ungergeit...Wenn d Erinnerig a früecher mi dört häretreit...Hie bin i deheim."
Nach diesem nostalgischen Zwischenspiel machte ich mich an den Abstieg durch den schattigen Wald während Gleitschirme über mich hinweg segelten. Bei Nods führte der Wanderweg direkt dem kleinen Skilift entlang, wo ich als Kind das Skifahren gelernt hatte. Da kamen die nächsten Kinderheitserinnerungen auf - vornehmlich an kalte Füsse und mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, auf dem Bügellift das Gleichgewicht zu halten.
Es folgte ein eher langweiliges Wegstück durch ausgedehnte Felder und quer durch das kleine Dörfchen Lamboing (Kommissar Bärlach lässt grüssen!), bis ich schliesslich den Eingang der Twannbachschlucht erreichte.Als Kind hatten wir oft mit den Grosseltern Ausflüge zur Twannbachschlucht gemacht. Ich hatte aber gar keine Erinnerungen mehr daran gehabt, wie schön und eindrucksvoll die Schlucht war. Der Weg war teilweise direkt in den Felsen gehauen. Ich fand die Twannbachschlucht viel schöner als die Combe Grède. Der grosse Unterschied war das Wasser: Der Twannbach rauschte über Felsen und durch dichte grüne Vegetation und versetzte einem in eine verschwunschene Welt.
Der Schluchtausgang befand sich nur wenige Meter vom Bahnhof Twann entfernt und von dort fuhr ich mit dem Zug entlang des Bielersees zurück nach Hause - mit dem Kopf voller aufgefrischter und neuer Erinnerungen.
Wanderinfos:
- Gewandert: Samstag, 30. Mai 2026
- Route: St-Imier - La Combe Grède - Pré aux Auges - Chasseral - Nods - Diesse - Lamboing - Twannbachschlucht - Twann
- Meine Wanderzeit: 4 h 45 min
- Distanz: 19 km
- Höhenmeter: ↑900 m; ↓1'240 m



