Donnerstag, 23. Juni 2022

Mattstock - vom See auf den Berg

@wandernohneende
Nachdem ich die Woche zuvor den Pilatus bestiegen hatte, suchte ich nach einem weiteren Gipfel, um Höhenmeter zur trainieren. Der Mattstock ist ein Berg oberhalb von Amden, der an seinen zahlreichen Lawinenverbauung gut erkennbar ist. Normalerweise besteigt man ihn von Amden aus, doch eben - Höhenmeter. Also startete ich in Weesen am Ufer des Walensees.

Am Anfang folgte der Weg dem Flibach, der - zum Teil stark verbaut, zum Teil frei und wild - ins Tal hinab rauschte. Das Flibachtal trennt die Federikette von der Mattstockkette. Beim Aufstieg versuchte ich wieder einmal erfolglos, unter den zahlreichen Spitzen den Federispitz, den ich zwei Jahre zuvor bestiegen hatte, zu identifizieren.

Bei Gufler warnte ein Schild, dass der folgende Abschnitt nach Gewittern wegen Rutsch- und Steinschlaggefahr nicht begehbar sei. Ich zögerte einen Moment, da es in der Woche zuvor geregnet hatte. Weil es aber keine Alternative gab, liess ich es darauf ankommen und ging weiter. Tatsächlich war die Passage in gutem Zustand, offenbar waren auch Arbeiten im Gang, den rutschigen Hang zu stabilisieren. Richtig schlecht war der Weg dann aber bei der Alp Brand, wo eine Herde Kühe den nassen Untergrund in einen umgepflügten Matsch verwandelt hatten.

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Unterhalb von senkrechten Kalkwänden ging es weiter bis Schafbett, wo es weder Schafe noch ein Bett gab, dafür eine schöne Aussichtsbank mit Sicht auf den Walensee. Von dort wäre es nur noch ein (flacher) Katzensprung nach Amden gewesen, aber ich wollte ja einen Berg besteigen. Also wandte ich mich wieder bergwärts und gewann über Durschlegi und den langgezogenen Bannwald allmählich an Höhe. 

Bei Oberfurgglen war der Mattstock erstmals auf dem Wegweiser als Ziel angegeben. Ich konnte auch schon bald sein Gipfelkreuz erkennen, doch von dieser Seite ist er von glatten, senkrechten Felsplatten umgeben. Also folgte ich seinem steinigen Fuss durch blühende Alpenwiesen, während mich Schmetterlinge umflatterten.

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Schliesslich erreichte ich den finale Anstieg: Im Zickzack führte der Weg zunächst über eine Weide, dann zwischen den eisernen Lawinenverbauungen immer höher. Kurz vor dem Gipfel stand ein kleines Häuschen mit einer sonnigen Terrasse, erschlossen durch eine kleine Transportseilbahn. Ich wunderte mich über den Zweck dieser Hütte.

Die letzten Meter zum Gipfel führten über den nackten Fels und waren mit einer Kette gesichert. Nachdem ich diese letzte Hürde gemeistert hatte, stand ich auf dem Mattstock (1'935 m; auch als Mattstogg bezeichnet). Sein Panorama bot Blick auf den Walensee und die gesamte Ostschweizer Bergwelt vom Alpstein, über die Glarneralpen mit Mürtschenstock und Vrenelisgärtli bis hin zum Zürichsee. Segelflugzeuge umschwirrten den Gipfel wie Bergdohlen.

Beim Abstieg folgte ich bis zur ersten Abzweigung in Richtung Amden dem Aufstiegsweg. Dann ging es eigentlich nur noch der Falllinie entlang abwärts. Und bei einem Rückblick auf die zahlreichen Berggipfel rund um die Sonnenterrasse von Amden stellte ich fest, dass der Speer der letzte Gipfel der Runde ist, der mir noch fehlt. Dieser hätte auch noch ein paar Trainingshöhenmeter anzubieten.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 11. Juni 2022
  • Route: Weesen, See - Gufler - Brand - Schafbett - Durschlegi - Bannwald - Under-/Oberfurggle - Obloch - Mattstock (Mattstogg) - Waldau - Niederschlag - Hag - Amden, Post
  • Meine Wanderzeit: 5 h 30 min
  • Distanz: 16 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'650 m
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Sonntag, 12. Juni 2022

Pilatus Ostaufstieg

@wandernohneende
Ich stellte fest, dass meine Wandersaison für das Jahr 2022 bereits gut durchgeplant war, ich konditionsmässig aber noch nicht auf der Höhe war, um mit meinen Plänen mitzuhalten. Also galt es, ein paar Höhenmeter zu trainieren, und dafür bot sich der Pilatus an.

Ich probierte eine für mich neue Route mit Start in Stansstad und damit eine Annährung an den Pilatus von Osten. Zu Beginn war die grösste Schwierigkeit, zwischen Bahn, Autobahn und Vogelvolière die Brücke für die Überquerung des Alpnachersees zu finden, und einmal zeigte der Wegweiser direkt in eine Autoeinstallhalle hinunter. Nach etwas Suchen fand ich schliesslich doch noch den richtigen Einstieg in die Wanderung. 

Vorbei an einer kleinen Kapelle begann der Anstieg, wobei der Strassenlärm mich noch lange begleitete. Eine Tafel informierte mich nicht nur darüber, dass ich mich in einem Waldreservat befand, in welchem der Alpenbock, der schönste, grösste und seltenste Käfer des Landes heimisch ist, sondern ich mich auch noch auf einem historischen Verkehrsweg aus dem 2. Weltkrieg bewegte.

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Als ich die erste Steigung hinter mich gebracht hatte, führte die Strecke bis zum Renggpass fast flach der Höhenlinie entlang, so dass ich Zeit und Musse hatte, die schöne Waldlandschaft zu geniessen (auch wenn ich keinen Alpenbock entdecken konnte). Mit der Musse war es aber am Renggpass vorbei; unmittelbar nachdem ich den Übergang gekreuzt hatte, stieg der Pfad schroff an und führte über Wurzeln und Felsen den Kamm hoch. Eine Unachtsamkeit brachte mich vom richtigen Weg ab und ich landete wieder mal in einem Steilhang, aus dem ich mühsam wieder herauskraxeln musste.

Ab der Tellenpfadlücke wurde der Weg wieder besser und kurz danach hatte ich den Wald hinter mir gelassen. In der Ferne hörte ich bereits die Zahnradbahn rumpeln. Bald kam sie auch in Sicht und bei der Mattalp unterquerte ich ihr Trassee. Hier traf ich auf die Wanderroute ab Alpnachstad. Von Alpnach her hatte ich den Pilatus bereits vor fünf Jahren bestiegen; damit hätte mir der Rest der Strecke eigentlich bekannt sein sollen. Doch an den Aufstieg zwischen Mattalp und Chilchsteine konnte ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Vermutlich hatte ich diese Erinnerung verdrängt, denn unzählige, schweisstreibende Kehren sind in der felsdurchsetzten Alpenwiese zu bewältigen, bevor man das Plateau mit den grossen Felsbrocken - eben den Chilchsteinen - erreicht.

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Gut konnte ich mich daran erinnern, was danach kam: Der Schlussaufstieg. Hoch oben war das Gipfelrestaurant schon gut zu erkennen, doch zwischen mir und dem Gipfelbier lagen noch zweihundert Höhenmeter und ein Geröllfeld. Doch Umkehren war keine Option.

Als ich schliesslich den Pilatus (2'106 m) erreichte, ging ich schnurstracks Richtung Restaurant und Bier - zumal die Wolken ohnehin die Aussicht verdeckten. Für den Abstieg gönnte ich mir die Gondelbahn nach Kriens.




Wanderinfos:

  • Gewandert: Pfingstmontag, 6. Juni 2022
  • Route: Stansstad - Lopper - Renggpass - Tellenpfadlücke - Mattalp - Chilchsteine - Pilatus
  • Meine Wanderzeit: 4 h 45 min
  • Distanz: 11,5 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'790 m

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Sonntag, 5. Juni 2022

Zwinglipasshütte - Saisoneröffnung im Alpstein

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Das Motto des diesjährigen Wanderprojekts ist "Hütten, die ich schon immer mal besuchen wollte" und Luzia suchte zum Projektstart mit der Zwinglipasshütte eine Hütte aus, der ich tatsächlich auch schon lange mal einen Besuch abstatten wollte. 

Wir starteten in Brülisau und um das ungeliebte Brüeltobel zu umgehen, wählten wir den Weg über den Ruhsitz. Damit hatten wir den ersten Teil der Höhenmeter konzentriert am Anfang. Der nächste Abschnitt der bewaldeten Bergflanke entlang mit Blick auf den Sämtisersee war dann fast flach. 

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Pünktlich zur Mittagszeit erreichen wir das Berggasthaus Bollenwees am Ufer des Fälensees. Dort schlugen wir uns die Bäuche voll mit Rösti und Spiegelei und genossen die Appenzeller Gastfreundschaft - an diesem Wochenende wurden wir ausnahmslos überall äusserst freundlich und aufmerksam willkommen geheissen und bedient.

In Bollenwees war das Tagesziel aber noch in weiter Ferne. Also schulterten wir wieder unsere Rucksäcke und wanderten weiter entlang des Fälensees, welcher pittoresk zwischen steilen Felswänden liegt. Am gegenüberliegenden Ufer konnten wir eine Gämsdame mit ihrem verspielten Gämskitz beobachten. 

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Als wir das Ende des Sees erreichten, wurden die Schneefelder zahlreicher und ausgedehnter und der zweite Teil der zu absolvierenden Höhenmeter lag vor uns. Wir versuchten dem Schnee so gut wie möglich auszuweichen, indem wir abschüssige Grasnarben hochkraxelten. Gesellschaft leisteten uns dabei Murmeltiere, die über die Schneefelder hasteten, und eine Herde von Steinböcken, die hoch über uns auf einem Grat weidete.

Schliesslich erreichten wir den Zwinglipass (2'011 m) und von da waren es nur noch paar Schritte zur gleichnamigen Hütte, die prominent auf einem Felsvorsprung mit freier Sicht ins Toggenburg liegt. Auf der Terrasse stiessen wir mit einem Bier auf die gelungene Eröffnung der diesjährigen Hüttentourensaison an.

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Am nächsten Tag war das Wetter so gut, dass wir nicht anders konnten, als nochmals eine längere Wanderung zu unternehmen. Vom Zwinglipass stiegen wir ein paar Meter hoch zur Chreialpfirst, einem breiten, ausgedehnten Bergkamm. Beim Mutschensattel deponierten wir - dem Ratschlag des temporären Hüttenwarts der Zwinglipasshütte folgend - unsere Rucksäcke und machten einen kurzen Abstecher auf den Mutschen (2'122 m). Die paar Zusatzhöhenmeter lohnten sich, denn der Mutschen stellte sich als erstklassiger Aussichtsberg mit Blick ins Rheintal und über den ganzen Alpstein heraus.

Der folgende Abstieg bis zur Roslenalphütte war dann eine eher rutschige Angelegenheit dank den ausgedehnten Altschneefeldern. Luzia zeigte vor, wie man elegant auf dem Hosenboden den Hang hinunter rutschte. 

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Ab der Saxerlücke mussten wir den Wanderweg mit zahlreichen Sonntagsausflüglern teilen; der Höheweg zum Hohen Kasten ist ein bekannter "Grüezi-Weg". Nicht wenige der Sonntagswanderer trugen leichte Turnschuhe und ich wunderte mich, wie man in solchen Schuhen die paar sehr abschüssigen Schneefelder überqueren konnte, die noch übrig geblieben waren. 

Beim Berggasthaus Stauberen unterstützen wir nochmals die appenzellische Wirtschaft und stärkten uns für das letzte Wegstück. Notwendig war die zusätzliche Energie vor allem für den finalen Anstieg auf den Hohen Kasten (1'794 m). 

Zurück nach Brülisau ging es eng zusammengedrängt mit der Gondel, doch das tat der Freude über den gelungenen Saisonstart keinen Abbruch.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 14./15. Mai 2022
  • Route: Brülisau - Ruhsitz - Hüttenbüel - Rainhütten - Bollenwees - Fählensee - Zwinglipass - Zwinglipasshütte (Samstag); Zwinglipasshütte - Zwinglipass - Chreialpfirst - Muttschensattel (- Abstecher auf den Mutschen) - Roslenalphütte - Saxerlücke - Stauberen - Hoher Kasten (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 5h (Samstag); 5h (Sonntag)
  • Distanz: 14,5 km (Samstag); 14 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'300 m (Samstag); 750 m (Sonntag)
  • Übernachten: Zwinglipasshütte SAC

 

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Sonntag, 24. April 2022

Bruder Klausen Weg - Wandern auf den Spuren von Niklaus von der Flüe

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Niklaus von der Flüe - oder Bruder Klaus, wie er volksmundlich genannt wird - ist der Schweizer Schutzpatron, der dafür heilig gesprochen wurde, dass er seine Frau und seine zehn Kinder verliess und aufhörte zu essen. Schweizer-geschichtlich ist er für die Vermittlung des Stanser Verkommnis von 1481 bekannt, das den Streit zwischen den eidgenössischen Land- und Stadtorten beilegte, den Weg für die Aufnahme von Freiburg und Solothurn in die alte Eidgenossenschaft ebnete und verbot, dass sich die Untertanen zusammenrotten und gegen die Obrigkeit auflehnen.

Der "Bruder-Klausen-Weg" (SchweizMobil Route Nr. 571) ist diesem schillernden Eremiten gewidmet. Ich beging die Route von Sachseln aus. Der Weg stieg zu Beginn etwas an und bald schon konnte ich auf den Sarnersee hinunterschauen. Der Hügelflanke entlang ging es vorbei an Wiesen und blühenden Obstbäumen. Nach etwa einer Stunde erreichte ich Flüeli. Vor der prominent auf einem Felsen thronenden Ranft-Kirche stand Niklaus in Übergrösse. Im kleinen Dörfchen war mehr los, als ich erwartet hatte; tote Heilige scheinen ein gutes Geschäftsmodell zu sein.

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303 Stufen führen in die Ranftschlucht hinunter zur Oberen Ranftkapelle mit der Klause, wo Bruder Klaus gewohnt hat. Zahlreiche Plaketten danken ihm für erhörte Gebete - offenbar sind bestandene Prüfungen und Diplome heutzutage Klaus' Spezialität. Ich habe zwar keine Prüfung anstehen, zündete aber trotzdem eine Kerze an. Die Votivkerzen konnte man mit Twint bezahlen; zumindest wenn es ums Geld geht, scheint die katholische Kirche im 21. Jahrhundert angekommen zu sein.

Vorbei an der Unteren Ranftkapelle führte der Weg weiter über den Bach und dann auf der anderen Seite steil wieder aus der Schlucht heraus - die Anzahl Stufen war hier nicht angegeben. Beim Ausgang der Schlucht stattete ich zunächst der Kapelle Mösli und dann etwas weiter oben am Hügel - mit einer schönen Aussicht - der Kapelle St. Niklausen einen kurzen Besuch ab. Danach wurden die Kirchen weniger und ich konzentrierte mich mehr aufs Wandern.

Ohne grosse Höhendifferenzen führte die Strecke durch die offene, landwirtschaftlich geprägte Landschaft. Fixpunkt war das Stanserhorn, auf welches ich in ziemlich gerader Linie zusteuerte. Ich passierte unzählige sauber herausgeputzte Bauernhöfe und grüne Weiden mit Kühen, Pferden und Ziegen. Leider gab es zwischendurch immer wieder asphaltierte Wegstücke. 

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An auffällig vielen Hauswänden waren bunte Namensschilder für Kinder angebracht. Ich wunderte mich über die kinderreichen Obwaldner, bis ich am "Chindlibrunnen" vorbeikam. Ein an ihm angebrachtes Schild versprach, dass Mutter wird, wer von seinem Wasser trinkt. Scheinbar funktioniert der Brunnen für Nachwuchs ebenso gut wie Gebete an Bruder Klaus für Prüfungserfolge.

Das letzte Stück der Strecke führte durch den Wald am Fuss des Stanserhorns. Dieses verhüllte sich aber - wie bei meinem letzten Besuch auf dem Gipfel - in den Wolken. Beim Abstieg nach Stans legte ich einen Endspurt ein, so dass ich gerade noch den Zug nach Luzern erwischte. Mein Kirchenpensum für dieses Jahr hatte ich mit dieser Wanderung mehr als erfüllt.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag, 23. April 2022
  • Route: Sachseln - Lanzenbüel - Flüeli - Ranft - St. Niklausen - Bethanien - St. Anton - Ifängi - Oberhostatt - Murmatt - Hubel - Stans (Bruder-Klausen-Weg/lokale Route Nr. 571)
  • Meine Wanderzeit: 4 h 30 min
  • Distanz: 20,8 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 820 m
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Sonntag, 17. April 2022

Cima della Trosa - Vorfrühling im Tessin

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Ich entschied mich spontan, die diesjährige Wandersaison mit einem Abstecher ins Tessin zu eröffnen. Die passende Wanderung dazu fand ich in der Facebookgruppe "Berg und Alpinwandern - Ausflüge Tessin". 

Der Start lag in Mergoscia, von wo man eine gute Sicht auf den immer noch leeren Verzasca-Stausee hatte. Die Wanderung begann - typisch Tessin - mit vielen Treppenstufen, zunächst durch das hübsche Dörfchen Mergoscia, dann durch einen blattlosen Birkenwald. Ein paar wenige Blümchen hoben sich farbig vom braunen Laub ab, ansonsten waren die Frühlingszeichen noch spärlich. 

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Immer wieder passierte ich kleine Rustici-Siedlungen, wobei einige der Steinhäuschen zu lauschigen Ferienhäuschen ausgebaut waren. Ich fantasierte gerade von einen ausgedehnten Urlaub in einem abgelegenen Rustico, als eine Bewegung im Augenwinkeln mich aus aus meinen Träumereien herausholte: Eine gefleckte Schlange brachte sich - nicht besonders eilig - vor mir in Sicherheit. 

Nach dem kleinen Weiler Faedo hatte ich die Waldgrenze erreicht und mein Gipfelziel, die Cima della Trosa, erhob sich direkt vor mir. Braune Farbtöne dominierten die Landschaft und an der Flanke der Trosa lag noch etwas Restschnee - auch hier stellte sich der Frühling zur zögerlich ein. 

Bei der Alpe di Bietri begann der Schlussanstieg. Der Weg wand sich in weiten Serpentinen den Hang hoch, bis ich eine meiner grundlegenden Wanderregeln über den Haufen warf: Keine weiss/blauen Routen zu gehen, wenn ich alleine unterwegs bin. Doch mir schien die blau/weisse Strecke direkt über den Kamm nicht nur massiv kürzer, sondern auch weniger schneebedeckt als die rot/weisse Alternativroute, die weiter in grossen Kurven zum Gipfel führte.

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Tatsächlich war der Aufstieg technisch nicht besonders schwierig - dafür teilweise sehr steil. Rechterhand hatte ich Sicht in ein breites Tal hinein, wobei es eine Weile dauerte, bis ich mich orientieren konnte und feststellte, dass ich ins Maggiatal blickte. 

Ich kam ziemlich ins Schnaufen, bis ich endlich das grosse Gipfelkreuz der Cima della Trosa (1'869 m) erreicht hatte. Doch die Anstrengung hatte sich gelohnt. Der Gipfel scheint nicht unbekannt zu sein, denn während ich beim Aufstieg alleine unterwegs gewesen war, hatten sich hier schon zahlreiche Wanderer versammelt, wobei die meisten den Aufstieg wohl mit der Sesselbahn zum Cimetta abgekürzt hatten. In umgekehrter Richtung kommt man bei dieser Wanderung vermutlich kaum ins Schwitzen.

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In meiner Richtung ging es zum Gipfel des Cimettas (1'672 m) mehrheitlich abwärts und nach einem Abstecher auf die Aussichtsplattform belohnte ich mich mit einer Pizza auf der Terrasse des Bergrestaurants. Mit zahlreichen anderen Sonntagsausflüglern spazierte ich zum Abschluss weiter zum Cardada (1'329 m) hinunter, von wo ich mit der Gondel bequem nach Locarno hinunterschaukelte. Die Wandersaison hätte schlechter anfangen können. 



Wanderinfos:

  • Gewandert: Sonntag, 10. April 2022
  • Route: Mergoscia - Fossei - Bresciàdiga - Faedo - Alpe di Bietri - Pkt. 1656 (Wegstück bis Gipfel T4) - Cima della Trosa - Cimetta - Alpe Cardada - Cardada
  • Meine Wanderzeit: 4 h 30 min
  • Distanz: 13,3 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'200 m

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Sonntag, 20. März 2022

Wintertage auf der Greina

@wandernohneende
Vor fast sechs Jahren machte ich im Sommer eine zweitägige Wanderung über die Greina, die ich seither unbedingt im Winter wiederholen wollte. Mehrere Anläufe in den letzten Jahren scheiterten an schlechten Wetter- und Lawinenbedingungen, doch diesmal klappte es: Bei schönstem Wetter und wolkenlosem Himmel fuhren wir mit dem Bus das Val Lumnezia hoch. 

Die Wanderung - zunächst noch ohne Schneeschuhe - begann beim kleinen Weiler Sogn Giusep. Die Schneeschuhe brauchten wir erst, als wir bei Parvalsauns einen kleinen Bach überquert hatten und der Aufstieg anfing. Die Sonne sorgte schon fast für sommerliche Temperaturen. Über die ausgedehnte Alp Diesrut erreichten wir den gleichnamigen Pass (2'428 m) und damit das Tor zur Greina. Die weitläufige Hochebene lag unter einer dicken Schneedecke, die im Lichte der Sonne glänzte, doch selbst mit all dem Schnee waren die Wasserläufe erkennbar, welche die Ebene durchziehen. Genauso hatte ich mir die Greina im Winter vorgestellt! 

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Gut zu sehen und eigentlich ganz nah war auch die Terrihütte, die prominent auf einem Felsen thront. Leider war der direkte Zustieg nicht passierbar. So mussten wir einen grossen Bogen um den Muot la Greina machen, um die Hütte von Süden her anzusteuern. 

Die Terrihütte lag bereits im Schatten, als wir sie schliesslich erreichten. Schnell heizten wir den Winterraum ein und begannen Mengen an Schnee zu schmelzen, so dass es nicht nur angenehm warm wurde, sondern wir auch bald ein leckeres, selbst gekochtes Abendessen auf dem Tisch hatten. Die Nacht unter einem dicken Duvet und zwei Wolldecken war dann aber eher kühl.

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Am nächsten Morgen waren die Berge in dicke Wolken gehüllt. Wir wanderten entlang der Greinaebene, ohne etwas von ihr zu sehen oder auch nur zu erkennen, wo der Schnee aufhörte und der Nebel anfing. Das entsprach eindeutiger weniger meinen Vorstellung einer Schneeschuhwanderung über die Greina. 

Bis zum Passo della Greina (2'358 m) war die Strecke fast flach, doch dann fing der Anstieg zur Fuorcla Sura da Lavaz an. Ich hätte zugegebenermassen den Abzweiger nicht gefunden, die Wolken verdeckten sämtliche Orientierungspunkte. Doch Tal, unser Bergführer, hatte die Routenführung trotz den miserablen Sichtverhältnissen jeder Zeit fest im Griff.

Der Schnee im abschüssigen Hang war hart gepresst, so dass wir in die Steigeisen wechselten und die Schneeschuhe auf den Rucksack banden. Ein kalter Wind blies uns um die Ohren und liess die Eiseskälte noch etwas kälter erscheinen. Wir kamen zudem nur extrem langsam vorwärts, weil einer unserer Mitwanderer sowohl konditionell wie auch technisch Schwierigkeiten mit der anspruchsvollen Tour hatte. Dies führte zu einem ständigen Stop-and-go, so dass es mir trotz des steilen Aufstiegs nie richtig warm wurde. 

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Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten die Fuorcla Sura da Lavaz (2'702 m). Bei schönem Wetter bietet sich hier sicher ein toller Blick über die Greina und ins Val Lavaz, doch an diesem Tag gab es nichts ausser frostige Windböen, so dass wir uns sofort an den Abstieg machten. Irgendwann erreichten wir die Reste des Lavaz-Gletschers, doch davon war natürlich auch nichts zu sehen, vielmehr hatte ich das Gefühl, mich durch einen weissen Windkanal zu kämpfen.

Zum Abschluss stand dann noch der Gegenaufstieg zur Medelserhütte an. Hoch oben sah man bereits die Fahne im Wind flattern, doch es dauerte noch eine ganze Weile, bis wir endlich vor der Hütte standen, wo wir von den Hüttenwarten mit heissem Tee begrüsst wurden. Fast zehn Stunden waren wir alles im allem bei diesen garstigen Wetterbedingungen unterwegs gewesen. 

In der gemütlichen Gaststube wurde es mir aber schnell wieder warm, und als selbst das Gefühl in den Fingerspitzen zurückkehrte, war ich schon fast wieder bereit für die Gipfeltour auf den Piz Medel vom nächsten Tag.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Donnerstag/Freitag, 10./11. März 2022
  • Route: Vrin, Sogn Giusep - Puzzatsch - Parvalsauns - Alp Diesrut - Pass Diesrut - Plaun la Greina - Terrihütte (Donnerstag); Terrihütte - Plaun la Greina - Passo della Greina - Fuorcla Sura da Lavaz - Glatscher da Lavaz - Fuorcla da Lavaz - Medelserhütte (Freitag)
  • Unsere Wanderzeit: 5 h (Donnerstag); 8 h (Freitag)
  • Distanz: 9 km (Donnerstag); 10,6 km (Freitag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'050 m (Donnerstag): 1'060 m (Freitag)
    • Übernachten: Camona da Terri CAS (Donnerstag); Camona da Medel CAS (Freitag)

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    Terrihütte - Medelserhütte (Freitag)



    Donnerstag, 24. Februar 2022

    San Bernardino: Passüberquerung in Schneeschuhen

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    Es war ein ungewöhnlich später Start für eine Schneeschuhtour. Geschuldet war er den spärlichen Postautoverbindungen am Hinterrhein und den Wetterprognosen, welche für den frühen Morgen noch dicke Wolken vorhergesagt hatten. Als wir aber kurz vor halb elf Uhr am Nordportal des San Bernardino-Tunnels aus dem Bus und in unsere Schneeschuhe stiegen, hatte sich die Sonne bereits durchgesetzt.

    Wir folgten der schneebedeckten Passstrasse, die sich in unzähligen Haarnadelkurven in die Höhe schlängelte. Es war ein sehr sanfter Anstieg, der nach dem "Oberscht Cheer" sogar noch etwas flacher wurde. Das Gelände öffnete sich und wir folgten weiter der Strasse entlang von schneebedeckten Felsen. Grosse Betontürme - Lüftungsschächte des unter uns liegenden Strasentunnels - hoben sich futuristisch von der unberührten Winterlandschaft ab.

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    Unterdessen hatte der Wind aufgefrischt und als wir die Passhöhe (2'066 m) erreichten, fanden wir an einer sonnigen Hauswand nahe des geschlossenes Hospiz ein geschütztes Plätzchen für einen Mittagsrast. Danach führte uns Martin, unser Bergführer, quer über den gefrorenen Laghetto Moesola. Etwas zögerlich folgten wir ihm über die Eisfläche, die sich aber als stabil erwies.

    Beim Abstieg auf der Südseite entwickelte sich die Schneeschuhtour dann zu einer Schneesuchtour: Wind und Sonne hatten den Schnee über weite Teile zum Verschwinden gebracht und mehr als einmal kratzten die Zacken unserer Schneeschuhe mit einem unangenehmen Geräusch über Asphalt und Steine.

    Ein sehr hässliches Hochhaus zeigte uns schliesslich an, dass wir das kleine Dörfchen San Bernardino erreicht hatten, das auf den ersten Blick keinen besonders heimeligen Eindruck machte. Für einen zweiten hatten wir keine Zeit, denn wir erreichten minutengenau die Busstation und das Postauto brachte uns - diesmal durch den Tunnel - auf die andere Seite des San Bernardino-Passes zurück.


    Wanderinfos:

    • Gewandert: Sonntag, 19. Februar 2022
    • Route: Hinterrhein, Tunnel Nordportal - Dürrenbüel - Villa Thöni - Passo del San Bernardino - S. Bernardino
    • Unser Wanderzeit: 3 h 45 min
    • Distanz: 10,6 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 485 m

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    Donnerstag, 10. Februar 2022

    Von Rothenthurm auf den Nüsellstock: Aussichtsreiche Schneeschuhtour in der Innerschweiz

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    Endlich gab es wieder eine Portion Schnee und ich nutzte die Gunst der Stunde für eine verlängerte Variante einer Schneeschuhtour, die ich vor zwei Jahren zum ersten Mal gemacht hatte: Von Rothenthurm auf den Nüsellstock und dann in einem grossen Bogen via Näbekenfirst zurück nach Biberegg.

    Dank dem Schneefall der letzten Tage konnte ich die Schneeschuhe bereits am Dorfrand von Rothenthurm montieren. Hier folgte ich dem ausgeschilderten Schneeschuhtrail, zunächst über offenes Gelände, das den Blick auf die überdimensionierte Kirche von Rothenthurm und die verschneite Moorlandschaft frei liess, später durch ein Wäldchen entlang eines kleinen Bachs.

    Bei der Ruchegg bog ich rechts ab und verliess damit den Schneeschuhtrail. Flach ging es der Strasse entlang, bis ein Wegweiser die Abzweigung zum Nüsellstock markierte. Hier begann das steilste Stück der Tour: Über ein abschüssiges Waldstück erreichte ich einen Grat, dem ich bis zum Gipfel folgte.

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    Der Nüsellstock (1'478 m) bietet eine schöne Sicht auf Sihl- und Ägerisee und die vielfältige Innerschweizer Bergwelt. Er hat auch eine einladende Bank, um sich vom anstrengenden Aufstieg zu erholen. Diese war aber bereits von anderen Schneeschuhwanderern besetzt, so dass ich mit meinem Rucksack vorlieb nehmen musste. Doch bald machte ich mich ohnehin wieder auf, denn es lag noch eine weiter Weg vor mir und die Temperaturen waren trotz Sonne zu winterlich für lange Pausen.

    Ein Abstieg und ein kurzer Gegenanstieg wärmte mich wieder auf und brachte mich zum Höch Tändli (1'523 m). Die weite, unberührte Schneefläche glitzerte in der Sonne. Einzelne Wolkenbänder hoch am blauen Himmel und tief unten in den Tälern verliehen die Landschaft in eine atmosphärische Stimmung.

    Ich folgte dem Kamm von Gipfel zu Gipfel. Nach einem abwechslungsreiche Teilstück durch einen Wald, wo sich der Weg zwischen den Bäumen hindurchschlängelte, erreichte ich die Näbekenfirst (1'542 m). Von da aus hat man nicht nur die beiden Mythen direkt vor den Augen, sondern auch Sicht nach Brunni und ins Alpthal hinunter. Die Gipfelbank war leider auch da schon besetzt. 

    Via Grossbrechenstock (1'559 m; auch ohne freie Gipfelbank) erreichte ich das Skigebiet Haggenegg und bog dort Richtung Banegg ab. Von der Banegg aus konnte ich einen Blick zurück auf die lange Hügelkette werfen, der ich entlang gelaufen war. Ich war zufrieden mit meiner Leistung, so dass es schade gewesen wäre, den letzten Gipfel auszulassen. Also stieg ich noch zur Spilmettlen hoch (1'503 m; keine Bank).

    Für das letzte Stück folgte ich wieder einem ausgeschilderten Schneeschuhtrail. Langsam spürte ich in den Beinen die Länge der Tour und der harte Schnee machte den Abstieg mühsam. Vorbei an der Hängebrücke "Skywalk" führte die Strecke in einem langen Bogen zunächst fast flach und dann steiler hinunter bis nach Biberegg.  

    Als ich die Schneeschuhe zusammenpackte und trotz meinen müden Beinen einen kurzen Sprint einlegte, um den Zug zu erreichen, war klar: Für mich ist diese Tour die schönste Innnerschweizer Schneeschuhwanderungen überhaupt - und beliebig oft wiederholbar.


    Wanderinfos:

    • Gewandert: Samstag, 5. Februar 2022
    • Route: Rothenthurm - Biberstock - Ruchegg - Nüsellstock - Teuffi - Höch Tändli - Chli Tändli - Näbekenfirst - Brüschrainhöchi - Banegg - Spilmettlen - Hals - Halsbann - Mäderen - Geissgütsch - Biberegg
    • Meine Wanderzeit: 5 h 15 min
    • Distanz: 16,8 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 980 m
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