Sonntag, 7. Februar 2021

Schneeschuhtouren im Avers

@wandernohneende
Ich hatte - um wieder einmal etwas zu haben, worauf ich mich freuen konnte - bereits im Dezember ein verlängertes Schneeschuhwochenende im Lötschental gebucht. Doch Rekordniederschläge, Lawinengefahr und einfach furchtbar schlechte Wetteraussichten verpassten meiner Vorfreude einen deutlichen Dämpfer. Als dann der Veranstalter anrief und mitteilte, dass die Tour vom Wallis ins Graubünden verlegt wurde, war ich einen Moment lang in Versuchung, dies als Gelegenheit zur Absage zu nutzen; ich hatte wenig Lust, drei Tage in der Kälte durch Schneegestöber zu stapfen. Doch mein freier Tag war bereits genehmigt und andere Pläne hatte ich schlichtweg nicht.

Also stieg ich am Freitag sehr früh am Morgen in den Zug und fuhr Richtung Graubünden. Irgendwo zwischen Thusis und Andeer verwandelte sich der strömende Regen in Schneefall und ich bewunderte die Fahrkünste des Busfahrers, der uns sicher und pünktlich über die schneebedeckte Strasse durchs abgelegene Avers nach Juf brachte.

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In Juf, seines Zeichens das höchstgelegene dauerhafte bewohnte Dorf der Schweiz, bezogen wir zunächst unser Hotel, bevor wir direkt davor in die Schneeschuhe schlüpften. Aufgrund der schlechten Sicht und der angespannten Lawinensituation begannen wir mit einer einfachen Schneeschuhwanderung entlang des Talbodens. Doch kaum waren wir etwas talauswärts gelaufen, drückte plötzlich die Sonne durch die Wolken. Zur Mittagspause machten wir es uns auf einer sonnigen Bank vor einem kleinen Stall gemütlich, und unsere einzige Sorge war, keinen Sonnenbrand zu bekommen. Am späteren Nachmittag stiegen wir in Cresta wieder ins Postauto und liessen uns zurück zu unserem Hotel fahren.

Am nächsten Tag begrüsste uns der Vollmond, der am fast wolkenlosen Himmel stand. Nach der lockeren Aufwärmtour vom Vortag sollte es diesmal höher hinaus gehen. Mit dem Postauto - der Busfahrer kannte uns bereits - ging es ein kurzes Stück das Tal hinab bis zur Station Rufana. Von hier bogen wir ins Bergalgatal ein, das zunächst noch im Schatten lag. Das erste Stück führte über präparierte Winterwanderwege, bis wir schliesslich in den unberührten Hang hinein zogen. 

Damit begann - zumindest für Adi, unseren Bergführer - die Schwerstarbeit uns einen Weg durch den kniehohen Neuschnee zu bahnen. Der Rest der Gruppe hatte trotz der Steigung genug Zeit und Musse, ausgiebig Fotos von den schneebedeckten Hängen zu machen. Nach gut fünfhundert Höhenmeter wurde der Anstieg sanfter und es begann eine lange Traverse. Eine Spur, die zwei Tourenfahrer hinterlassen hatten, erleichterte unserem Bergführer die Arbeit. Dafür zog gegen Mittag ein böiger Wind auf und die Wolken begannen, die Berggipfel um uns herum zu verhüllen. 

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Als es schliesslich Zeit wurde, an eine Umkehr zu denken, waren wir so kurz unter dem Bödagrat, dass wir nicht anders konnten, als auch noch die letzten Höhenmeter dranzuhängen. Belohnt wurden wir für unsere Anstrengung, den höchsten Punkt des Bödagrat (2'951 m) auch noch erklommen zu haben, mit einer kurzen Windstille und einem freien Blick unter der Wolkendecke hindurch auf die italienischen Alpen. Danach begann der lange Abstieg entlang der Aufstiegspur und die anstrengende Tour begann sich langsam in meinen Beinen bemerkbar zu machen. Trotzdem mussten die Kräfte noch für einen Schlussspurt reichen, um den Bus nicht zu verpassen, denn das hätte eine unfreiwillige Verlängerung der Tour um eine weitere Stunde bedeutet.

Wir schafften es schliesslich rechtzeitig und als wir zurück fuhren, passierten wir einen Rega-Helikopter, der am Strassenrand gelandet war. Es war eine Ermahnung an die kritische Lawinensituation in den Alpen: Nur etwas weiter hinten im Avers war eine Lawine auf einen Wanderweg niedergegangen und hatte zwei Wanderer verschüttet. Glücklicherweise war das Ganze nochmals glimpflich abgelaufen.

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Beim Abendessen füllten wir unseren Kalorienspeicher mit Fondue auf. Meine Sportuhr, welche meinen Trainingszustand in den letzten Wochen, die ich vornehmlich im Home Office verbracht hatte, als "unproduktiv" eingestuft hatte, riet mir nach dieser Anstrengung zu einer dreitägigen Erholungspause. Doch daraus wurde nichts, insbesondere da auch am nächsten Tag das Wetter viel besser war als prognostiziert. 

Von Pürt aus überquerten wir den Averser Rhein - nicht mehr als ein kleiner Bach - und danach ging es gleichmässig aber stetig aufwärts durch den glitzernden Schnee. Während wir an den letzten beiden Tagen fast alleine unterwegs gewesen waren, teilten wir heute den Berg mit zahlreichen anderen Touren- und Schneeschuhgängern, so dass es auf jeden Fall genug Aufstiegsspuren gab, von denen man profitieren konnte. Auf dem windigen Gipfel des Grosshorns (2'780 m) verweilten wir gerade lange genug, um ein paar Fotos von der Aussicht zu machen. Der Abstieg durch den kniehohen, weichen Neuschnee machte sehr viel Spass, auch wenn es mehr als eine unfreiwillige und unelegante Landung im Schnee gab. 

In Pürt endete dann das Schneeschuhwochenende, an dem wir wider Erwarten nie durch Schneegestöber stapfen mussten, sondern nur durch herrlichen Neuschnee. Mit dem Postauto ging es entlang von steilen, mit unzähligen gefrorenen Wasserfällen geschmückten Steilwänden das Avers hinunter zurück ins verregnete Unterland. Und ich beschloss, dass ich mir dieses abgelegene Tal auch im Sommer unbedingt mal näher ansehen musste.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Freitag/Samstag/Sonntag, 30./31. Januar / 1. Februar 2021
  • Route: Juf - Podestatenhaus - Pürt - Cresta (Freitag): Avers, Rufana - Vorderbergalga - Fürgabärg - Bödagrat - Avers, Rufana (Samstag); Pürt - Grosshorn - Pürt (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h (Freitag); 6 h 30 min (Samstag); 4 h 15 min (Sonntag)
  • Distanz: 6,8 km (Freitag); 12 km (Samstag); 6,5 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 140 m (Freitag); 1000 m (Samstag); 900 m (Sonntag)
  • Übernachten: Pension Edelweiss, Juf


Freitag, 1. Januar 2021

Furggelenstock mit Schneeschuhen zum Jahresabschluss

@wandernohneende
Am letzten Tag des Jahres machte ich die erste Schneeschuhtour der Saison. Ich wählte dafür die Schneeschuhtrails bei Brunni in der Mythenregion aus, auf denen ich bereits öfters unterwegs gewesen war. Normalerweise herrscht hier ziemlich viel Trubel, weil es sich auch um ein beliebtes Familienskigebiet handelt, doch wegen/dank Corona waren die Bahnen geschlossen und die (zahlreichen) Schneeschuhläufer und Skitourenfahrer unter sich. 

Der Aufstieg durch den Wald via Furggelen bis auf den Furggelenstock (1'655 m) war mir eigentlich gut bekannt, trotzdem liess ich mich von einer schönen Spur, die ein paar Tourenfahrer gelegt hatten, verführen, so dass ich zwei extra Schlaufen machen musste, um auf den Gipfel zu kommen.

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Für den Abstieg wählte ich eine neue Variante: Statt via Holzegg zurück nach Brunni oder via Furggelen direkt nach Oberiberg, wählte ich die Schlaufe via Ibergeregg. Fast flach ging es bis zum Brünnelistock, wo ich ein sonniges Bänkchen fand, um eine Pause zu machen und die Sicht auf die Berge zu geniessen, wobei sich einige Gipfel in den Wolken versteckten. Der Skipiste entlang ging es dann hinunter zur Ibergeregg - bei Skibetrieb ist dieses Stück vermutlich nicht ganz so gemütlich; an diesem Tag musste ich aber nur ein paar Schlittlern ausweichen.

Ruhig war es dann wieder auf dem letzten Stück und das einzige Geräusch, das mich auf dem Abstieg begleitete, war das Klappern der Schneeschuhe auf dem zusammengepressten Schnee. Der Trail führte abwechslungsreich entlang von kleinen Wäldchen und über offene Hänge ins Tal hinab, und ich konnte mit den Schneeschuhen (fast) bis zur Busstation laufen.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Donnerstag, 31. Dezember 2020
  • Route: Brunni - Langried - Furggelen - Furggelenstock - Halbegg - Brünnelistock - Ibergeregg - Rätigstutz - Änglisfang - Oberiberg/Hoch-Ybrig, Talst. Lauchern (violett ausgeschildeter Schneeschuhtrail)
  • Meine Wanderzeit: 3 h 25 min
  • Distanz: 10,2 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 670 m

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Samstag, 5. Dezember 2020

Salbithütte im Sonnenschein - Salbithütte im Mondschein

@wandernohneende
Nach einer Woche Homeoffice unter dem Hochnebel freute ich mich auf das letzte Wochenende in den Bergen vor dem absehbaren Wintereinbruch. Bereits in Göschenen, wo sich unser kleines Grüppchen versammelte, zeigte sich der blaue Himmel und kaum hatten wir etwas an Höhe gewonnen, schien die Sonne durch die kahlen Bäume. Im Zickzack ging es den bewaldeten Steilhang hinauf. Vor einer Hütte beim Regliberg machten wir Mittagspause mit Sicht auf den Dammagletscher. Aus dem Cappuccino zum Dessert wurde dann aber nichts, das auf der Karte eingezeichnete Restaurant auf dem Regliberg gibt es nicht mehr, stattdessen warnten zahlreiche Schilder Wanderer vor dem Verweilen oder dem blossen Näherkommen.

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Etwas später erreichten wir die Waldgrenze und ab hier lagen ein paar Schneereste auf dem Weg, die vorsorglich eingepackten Spikes konnten aber im Rucksack bleiben. Überraschend bald kam dann bereits die Salbithütte (2'105 m) in Sicht. 

Wir genossen die sonnige Terrasse bis die Sonne hinter einem Berg verschwand und richteten uns dann im gemütlichen Winterraum der Hütte ein. Michel, der Organisator des Wochenendes, hatte in seinem Rucksack nicht nur die Zutaten für Fondue, sondern auch für echten Hüttenkafi die tausend Höhenmeter hinaufgeschleppt, so dass es einen stilgerechten Einstieg in einen vergnüglichen Hüttenabend gab. In der sternenklaren Nacht stieg dann der (Fast-) Vollmond über der Bergkette auf und machte selbst den Gang zum Klohäuschen, das ein Stück von der Hütte entfernt lag, zum spirituellen Erlebnis.

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Am nächsten Morgen war der Himmel immer noch blau, so dass es niemand eilig hatte, in den Nebel zurückzukehren. Stattdessen wanderten wir über den blau/weiss markierten Pfad - zuletzt etwas ausgesetzt über eine Leiter - bis zur Salbitbrücke (2'325 m). Weiter wagten wir uns aber nicht, der Klettersteig zur Voralphütte wird im Winter nicht unterhalten. Also kehrten wir um und machten uns über den gleichen Weg - mit einem zusätzlichen Schlenker über das Gruebenseeli - an den Abstieg zurück ins Tal. 

Bei der Hütte beim Regliberg setzten wir uns nochmals an die Sonne und tanken die letzten Sonnenstrahlen. Nur ein paar Höhenmeter tiefer tauchten wir schliesslich in den Nebel ein und im Eilzugstempo ging es steil hinab zurück nach Göschenen - und ins Homeoffice.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 28./29. November 2020
  • Route: Göschenen - Regliberg - Trögenstäfeli - Salbithütte (Samstag); Salbithütte - Salbitbrücke (T4) - Salbithütte - Gruebenseeli - Trägenstäfeli - Regliberg - Göschenen (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 2 h 20 min (Samstag); 4 h (Sonntag)
  • Distanz: 6 km (Samstag); 10.4 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'040 m (Samstag); 420 m (Sonntag)
    • Übernachten: Salbithütte SAC


    Donnerstag, 12. November 2020

    Rundtour Schwyz - Grosser Mythen

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    Auf der Suche nach der Sonne wiederholte ich eine Wanderung, die ich vor Jahren mit zwei Kollegen gemacht hatte. Ich erinnere mich noch, wie ich damals in Schwyz am Bahnhof stand, die senkrechte Wand des Grossen Mythen hochschaute und mich fragte, wie es überhaupt möglich sein sollte, diesen Berg ohne Kletterausrüstung zu besteigen.  

    Dieses Mal stellte ich mir diese Frage nicht. Einerseits weil ich die Antwort bereits kannte, andererseits weil der Nebel in Schwyz so dicht war, dass man kaum weiter als bis zum nächsten Haus sehen konnte. Zudem war es empfindlich kühl, doch das gab sich von alleine, als ich den Wald erreichte und die Route anfing anzusteigen. Kurz darauf strahlte die Sonne immer stärker durch den Nebel, bis ich ihn schliesslich ganz hinter mir liess, und über mir nur noch blauer Himmel war - und die senkrechte Steilwand des Grossen Mythen.

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    Bei Günterigs Grüebli gab es einen gemütlichen Unterstand, wo ich eine erste Pause machte und die Aussicht über das Nebelmeer genoss, an dessen anderem "Ufer" sich die Rigikette aus den Wolken erhob. Jemand hatte "Wir wollen ne Bergbahn!" an die Holzwand des Häuschens geschrieben und nur kurze Zeit später hatte ich diesen Wunsch auch: Über zahlreiche Treppenstufen führte der Weg steil unter der Felswand empor und ich erinnerte mich, dass diese mir bereits bei meiner Erstbegehung zugesetzt hatten.

    Beim Kreuz der Zwischenmythen gab es eine Verschnaufpause und auf einem breiten, fast ebenen Weg umrundete ich den Mythen halb bis zur Holzegg. Danach kam der berüchtigte Aufstieg durch die Mythenwand: Auf dem ausgesetzten, felsigen Pfad war ich alles andere als alleine. Eine Karawane von Wanderern bewegte sich in der steilen Wand und es war ein andauerndes Kreuzen, Überholen und überholt werden. In einer fast senkrechten Wiese am Rand grasten ein paar Gämsen, die sich von der Völkerwanderung, die an ihnen vorbeizog, nicht im Geringsten stören liessen. 

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    Mich trieb die Aussicht auf einen der berühmten Mandelgipfel im Berghaus des Grossen Mythen aufwärts. Doch als ich endlich oben ankam, musste ich feststellen, dass dieses bereits geschlossen hatte. Nach einer kurzen Pause - ohne Mandelgipfel - auf dem dicht bevölkerten Gipfel machte ich mich daher bald wieder an den Abstieg zurück zur Holzegg.

    Damit hatten meine Knie mehr als genug von negativen Höhenmetern und ich wanderte das kurze Stück bis zur Rotenflue, von wo aus ich mich bequem mit der Bergbahn wieder zurück in den Nebel hinab gondeln liess.




    Wanderinfos:

    • Gewandert: Samstag, 7. November 2020
    • Route: Schwyz, Post - Klösterli St. Josef - Güntrigsgruebli - Zwischenmythen - Holzegg - Grosser Mythen - Holzegg - Stäglerenegg - Rotenflue
    • Meine Wanderzeit: 4 h 45 min
    • Distanz: 12,3 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1'600 m
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    Donnerstag, 5. November 2020

    Alpine Erlebnisse im Bödmerenwald

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    Die Idee für diese Wanderung in der hintersten Ecke des Muotatals hatte ich von den Wanderfreaks geklaut. Das Urwaldreservat Bödmerenwald liegt im Karstgebiet zwischen Muotathal und Pragelpass und bedeckt damit das Hölloch. Bei der Busstation "Hölloch" startete ich denn auch mit meiner Tour.

    Am Anfang führte der Weg - immer ansteigend - durch kleine Weiler und bunte Herbstwälder. Doch ganz plötzlich änderte sich der Charakter der Wanderung und im Schatten mächtiger Steilwände passierte man ein ausgedehntes Geröllfeld auf liebevoll drapierten Steinplatten - ich wähnte sich fast im Hochgebirge. Entlang eines rauschenden Wildbachs überquerte ich ausgedehnte Alpen mit verstreuten Ferienhäuschen, deren Zonenkonformität mir zumindest zweifelhaft erschien; das neue Raumplanungsgesetz scheint in der abgelegenen Gegend noch nicht angekommen zu sein. Am Wegrand bauten Ameisen an ihrem Hügel und ich fragte mich, was die berühmten Muotataler Wetterschmöcker wohl aus dem emsigen Tun fürs nächstjährige Wetter ableiten werden.

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    Beim Grossen Bärenloch kam dann der steile Aufstieg auf das Plateau des Bödmerenwalds. Ein schmaler  Pfad führte zwischen zwei Felswänden hindurch und schliesslich weglos über moosbedeckte Karstformationen und Baumwurzeln. Urwaldmässig war nicht nur die üppig grüne Vegetation, sondern auch die Einsamkeit - die meisten Spuren im nassen Untergrund waren eher tierischen als menschlichen Besuchern zuzuordnen. 

    Beim Unterroggenloch gelangte ich dann wieder auf breite Wanderwege und hier waren auch andere (menschliche) Wanderer unterwegs. Quer durch den "Urwald" erreichte ich Mittenwald, von wo aus es eine kürzere und eine längere Variante für den Rückweg nach Muotathal gab. Nach einem ziemlich langen, unentschlossenen Starren auf den Wegweiser entschied ich mich schliesslich für den langen Weg über das Gross Band. 

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    Damit gab es ein weiteres alpines Erlebnis: Der ausgesetzte Wanderweg führte direkt am Fuss einer hohen, teilweise überhängenden Felswand entlang. Der gelbe Stein passte farblich zu dem gelb gefärbten Grasstauden, die den Pfad säumten. Aussichtspunkte boten einen Tiefblick ins Tal, wobei es empfohlen war, die Aufmerksamkeit nicht zu lange vom schmalen Weg abzuwenden.

    Über zahlreiche Treppenstufen und laubbedeckte Waldwege verlor ich Höhenmeter um Höhenmeter, bis ich die Pragelpassstrasse erreichte, der ich die letzten Meter zurück zum Ausgangspunkt folgte.





    Wanderinfos:
    • Gewandert: Sonntag, 1. November 2020
    • Route: Muotathal, Hölloch - Egg - Haselbach - Schafmatt - Fruttli - Vorder Bärenloch - Unterroggenloch - Stägen - Mittenwald - Gschwänd - Gross Band - Fedli - Muotathal, Hölloch
    • Meine Wanderzeit: 5 h 30 min
    • Distanz: 18,5 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1'150 m
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    Donnerstag, 15. Oktober 2020

    Tümpelwanderung in den jurassischen Freibergen

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    Es war Zeit für meinen Beitrag an unser diesjähriges Wanderprojekt unter dem Motto "See". Meine Wetterapp verschickte im Vorfeld Überschwemmungswarnungen und ich befürchtete schon, dass das Wochenende wieder einmal in eine Regenwanderung ausarten würde. Doch dann stellte sich heraus, dass ich - in schon fast prophetischer Voraussicht - den einzigen Zipfel der Schweiz für die Wanderung ausgesucht hatte, an dem man von Regen verschont wurde. Auf der Anfahrt prasselte der Regen noch heftig auf den Zug herunter, doch als wir in Glovelier ausstiegen, fiel kein einziges Tröpfchen mehr vom Himmel und die blauen Lücken zwischen den Wolken wurden immer grösser.

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    Nach der Durchquerung des kleinen Dörfchens bogen wir in die Combe Tabeillon ein. Wir folgten dem Bach durch ein breites, üppig grünes Tal. Die Reste eines mit Moos überzogenen Wasserrades zeugten davon, dass das Wasser früher industriell genutzt wurde. Für die Mittagspause fanden wir eine bequeme Hütte beim Bahnhof Combe-Tabeillon, der im Nichts zu liegen scheint und wo die Schienen ebenso im Nichts zu enden scheinen. 

    Mit dem Étang de Bollement erreichten wir schliesslich den ersten Tümpel, der still und mit grünen Seerosenblättern überzogen im Wald lag. Kurz darauf endete die Schlucht. Auf der sonnigen Terrasse des Buffet de la Gare stiessen wir mit einem Bier (oder zwei) auf unser Wetterglück an und ich bereute es, nicht meine Sonnenbrille statt meiner Regenhose eingepackt zu haben.

    Am Étang de Plain de Saigne vorbei ging es weiter und ein kurzer Aufstieg brachte uns in den kleinen Ort Montfaucon. Mittlerweile hatte der Wind etwas aufgefrischt und das letzte Stück über eine langgezogene Kante zog sich dann gefühlsmässig (fast) endlos hin. Die fast zwanzig Kilometer, die wir schon zurückgelegt hatten, machten sich deutlich in meinen Beinen bemerkbar. Die Tagesetappe endete in der Jugendherberge von Le Bémot.

    Am nächsten Tag war uns das Wetter weiterhin hold. Wir wanderten über die Weite der jurassischen Freiberge und durchquerten ausgedehnte Weiden, wo Pferde friedlich neben Kühen weideten. Wir waren begeistert von den teilweise sehr zutraulichen Pferden. Neben Tieren gab es natürlich auch an diesem Tag Tümpel zu bestaunen: Als Erstes erreichten wir den Étang des Royes, bevor wir über ein paar ausladende Schlenker den bekanntesten See der Wanderung erreichten, den Étang de la Gruère. 

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    Der idyllische See (für einen Tümpel ist er eindeutig zu gross) ist umgeben von einem lichten Wald und bietet viele Ecken zum Verweilen und Geniessen an. Er ist offenbar auch ein beliebtes Ausflugziel, auf jeden Fall begegneten wir hier zum ersten Mal an diesem Wochenende zahlreichen Spaziergängern. Wir umrundeten den See halb und machten immer wieder Fotostopps.

    Schliesslich mussten wir uns von dem schönen Ort losreissen, um auch noch das letzte Stück der Wanderung unter die Füsse zu nehmen. Über Wanderwege, die oft gleichzeitig als Reitwege dienten, ging es weiter bis nach Tramelan, wo wir rechtzeitig zur Mittagszeit eintrafen und das Wochenende mit einer Pizza beschlossen.



    Wanderinfos:

    • Gewandert: Samstag/Sonntag, 3./4. Oktober 2020
    • Route: Glovelier - Combe Tabeillon - Bollement - La Combe - Le Prépetitjean - Montfaucon - Le Bémont (Samstag); Le Bémont - Étang des Royes - Sous-la-Neuvevie - Les Cerlatez - La Petit Theuree - Étang de la Gruère - La Gruère - La Chaux - Les Reussilles - Tramelan (Sonntag)
    • Unsere Wanderzeit: 4 h 50 min (Samstag); 3 h 30 min (Sonntag)
    • Distanz: 20,1 km (Samstag); 13,9 km (Sonntag)
    • Höhenmeter (Aufstieg): 650 m (Samstag); 250 m (Sonntag)
    • Übernachten: Jugendherberge Le Bémont








    Sonntag, 20. September 2020

    Gratwanderung über den Marwees

    @wandernohneende
    Nach einer unfreiwilligen Wanderpause wagte ich es wieder, meine Wanderschuhe zu schnüren. Rico hatte im Rahmen unseres Wanderprojekts "See" zu einer zweitägigen Tour in den Alpstein geladen, die ich trotz meiner eingebrochenen Kondition auf keinen Fall verpassen wollte. 

    Am Anfang konnte ich mich in der langen Warteschlange der Gondelbahn zur Alp Sigel noch etwas schonen: Die Kapazität der kleinen Bahn ist sehr begrenzt und an diesem sonnigen Tag waren wir bei weitem nicht die Einzigen, die im Alpstein unterwegs waren. Es dauerte daher eine ganze Weile, bis unsere Gruppe vollständig bei der Bergstation versammelt war und die Tour beginnen konnte.

    Das erste Stück der Wanderung über die Alp Sigel war eher flach und damit durchaus noch schonend. Anstrengend wurde es aber beim Aufstieg zur Bogartenlücke und kaum hatten wir den schmalen Durchgang in der Felsenkette erreicht, sah man bereits den nächsten, noch steileren Anstieg. Ab der Borgartenlücke war der Weg zudem blau/weiss markiert. 

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    Wie bei meiner letzten Gratwanderung - damals über den Federigrat - fand ich den Zustieg auch dieses Mal die grössere Herausforderung als die Wanderung über den Grat selber, denn es gab einige abschüssige Stellen aus kahlem Kalkstein, wo ich die Hände zu Hilfe nehmen musste, um mein Gleichgewicht zu halten. 

    Entlang der schmalen Graskante ging es dann über den Marweesgrat, direkt in Richtung Säntis, den man mit seiner prominenten Antenne nicht übersehen konnte. Beim Gipfelkreuz (1'991 m) machten wir ein kurze Rast und ich konnte den Blick auf die spitzen Felsformationen, die so typisch für den Alpstein sind, ausgiebig geniessen. 

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    Für den Abstieg richtete ich meine ungeteilte Aufmerksamkeit wieder auf meine Füsse und die felsigen Absätze. In einem weiten Bogen ging es via Widderalpsattel zur Alphütte Widderalp, wo wir auf die gelungene Wanderung anstiessen. Ganz waren wir aber noch nicht am Ziel: Nach einem weiteren Abstieg, kam der letzte Gegenanstieg: Entlang von senkrechten Felswänden ging es hoch zum Fälensee, der idyllisch in die Felsen eingebettet liegt. Im Berghaus Bollenwees an seinem Ufer verköstigten wir uns mit einer leckeren Rösti und übernachteten im Massenlager. 

    Der nächste Morgen brachte ein reichhaltiges Frühstück - und Regen. Die Wolken hingen tief und sehr fotogen über dem Fälensee und wir entschlossen uns, auf dem kürzesten und einfachsten Weg zurück nach Brülisau zu wandern. Ausgerüstet mit unseren Regenschirmen spazierten wir entlang des Sämtisersees und durch das Brüeltobel - der abschüssige Taleinschnitt ist weder hinab noch hinauf ein Genuss.

    Gegen Mittag erreichten wir bereits Brülisau und trotz des regnerischen Sonntags war es ein schönes und erlebnisreiches Wochenende mit einer eindrücklichen Gratwanderung gewesen. Bei der Kondition gibt es aber Aufholbedarf.



    Wanderinfos:

    • Gewandert: Samstag/Sonntag, 5./6. September 2020
    • Route: Alp Sigel, Bergstation - Alp Sigel - Obere Mans - Borgartenlücke - Marwees - Widderalpsattel - Alphütte Widderalp - Stiefel - Bollenwees (Samstag); Bollenwees - Plattenbödeli - Brülisau (Sonntag)
    • Unsere Wanderzeit: 3 h 45 min (Samstag); 1 h 30 min (Sonntag)
    • Distanz: 10 km (Samstag); 6,8 km (Sonntag)
    • Höhenmeter (Aufstieg): 700 m (Samstag); 80 m (Sonntag)

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    Gratwanderung Marwees (Samstag)


    Sonntag, 30. August 2020

    Südlicher Abstecher mit kulinarischen Genüssen und einem verlorenen Hut

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    Die von Reto [recte: Nicole] organisierte Etappe unseres Projekts "See" brachte uns nach Chiasso ins südliche Ende der Schweiz. Der erste Teil der Strecke führte durch den Grenzort und zu sagen, dass Chiasso jeglicher Tessiner Charme abgeht, wäre immer noch eine Beschönigung. Es dauerte eine Weile, bis wir die grauen Strassen hinter uns gelassen hatten und der Wanderweg endlich in den Wald einbog. Das kleine Örtchen Sagno, das wir später durchquerten, war dann schon einiges hübscher als Chiasso und kurze Zeit danach hatten wir mit San Martino (740 m) bereits den höchsten Punkt des Tages erreicht. 

    Der Abstieg brachte uns schnell wieder in die Agglomeration von Chiasso. Bis zu diesem Punkt zeichnete sich die Wanderung nicht gerade durch besondere Schönheit aus. Doch das änderte sich, als wir in die Breggia-Schlucht hinabstiegen. Die Breggia hat sich hier tief in den Fels gefressen und in den zahlreichen natürlichen Wasserbecken tummelten sich an diesem heissen Sommertag die Ausflügler, die auf der Suche nach einer Abkühlung waren. Bei den Einheimischen ist die Breggia-Schlucht wohl alles andere als ein Geheimtipp.

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    Wir folgten der Breggia, die stromabwärts allmählich ihre Wildheit verlor. Die riesige Ruine einer ehemaligen Zementfabrik markierte schliesslich das Ende der Schlucht. In Balerna stiegen wir in den Bus zu unserer Unterkunft in Novazzano. Wir richteten es uns in der geräumigen Ferienwohnung gemütlich ein, bevor wir uns im dazugehörigen Restaurant die Bäuche mit leckerer Pizza vollschlugen.

    Am nächsten Tag nahmen wir den Bus nach Mendrisio und dort begann die Wanderung wie am Vortag eher unattraktiv mit der Durchquerung des Industriequartiers und der Überquerung der Autobahn. Doch danach gelangten wir ins Grüne und gleichzeitig begann auch der Aufstieg.

    Pünktlich zur Mittagszeit erreichten wir Meride, wo Nicole für uns im urigen Grotto Fossati einen Tisch reserviert hatte. Die Reservation war auch nötig gewesen, denn die schattige Terrasse des Restaurants war bis zum letzten Platz besetzt. Es gab Polenta, die traditionell in einem grossen Kessel über dem Feuer gekocht wurde.

    Nach dem Mittagessen teilte sich unsere Gruppe: Ein Teil machte sich direkt an den Abstieg, während der andere der Meinung war, dass man doch noch einen Gipfel machen sollte, um wenigsten ein paar der Kalorien, die wir an diesem Wochenende zu uns genommen hatten, wieder zu verbrennen.

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    Blick vom San Giorgio Richtung Morcote

    Beim Aufstieg zum Monte San Giorgio brannte dann vor allem die Sonne und ich war froh um den Schatten spendenden Wald. Ich war bereits ein paar Monate zuvor auf dem Monte San Giorgio (1'096 m) gewesen, doch die spektakuläre Aussicht über den Lago di Lugano kann man problemlos mehrmals geniessen. Mit dem Blick auf den Lago di Lugano war auch unser Projekt-Motto erfüllt.

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    Für den Weg zurück wählten wir die steilste Variante durch den von einem düsteren Wald bedeckten Osthang. Obwohl der Untergrund völlig trocken war, entpuppte sich der Abstieg als Rutschpartie und ich schaffte es, dreimal (!) auf meinem Hintern zu landen. Mein Sonnenhut hatte bereits beim zweiten Mal genug und machte einen Abflug den Graben hinunter. Eine Bergung wurde als zu gefährlich eingestuft, so dass ich ihn wohl oder übel zurücklassen musste (Vermisst am Monte San Giorgio: Strohhut mit blauem Band).

    Da unsere Vorhut bereits rekognosziert hatte, wo es in Capolago die besten Glacé gab, konnten wir beim Bahnhof zielgenau den entsprechenden Glacé-Stand anpeilen; eine Abkühlung, die wir uns redlich verdient hatten.



    Wanderinfos:

    • Gewandert: Samstag/Sonntag, 18./19. Juli 2020
    • Route: Chiasso - Vacallo - Sagno - Morbio Superiore - Breggia-Schlucht - Balerna (Samstag); Mendrisio - Meride - Monte San Giorgio - Pozzo - Riva San Vitale - Capolago (Sonntag)
    • Unsere Wanderzeit: 3 h 30 min (Samstag); 4 h 30 min (Sonntag)
    • Distanz: 11,3 km (Samstag); 12,5 km (Sonntag)
    • Höhenmeter (Aufstieg): 600 m (Samstag); 860 m (Sonntag)
    • Übernachten: gioiAcasa, Novazzano