Donnerstag, 30. Januar 2020

Längs über die Albiskette auf den Üetliberg

Grenze des Schutzgebietes
Sihlwald
Der Nicht-Winter im Flachland machte einen Strich durch allfällige Schneeschuhtouren, und eine generelle Unlust für lange Anreisen verringerte die Auswahl der in Frage kommenden Wanderungen. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn die Nebelgrenze so nah ist: Ein Blick auf die Webcam bestätigte, dass der Üetliberg nebelfrei war. Damit sich die Wanderung zumindest distanzmässig lohnte, startete ich in Sihlbrugg.

Bereits nach wenigen Höhenmetern liess ich den Nebel hinter mir und hatte damit das Hauptziel des Tages bereits erreicht. Ich hatte in der Vergangenheit die Albiskette schon unzählige Male kreuz und quer bewandert, daher gab es nicht wirklich viel Neues zu entdecken. Doch der Blick auf das Nebelmeer zur Rechten über dem Zürichsee und zur Linken über dem Knonauer Amt hatte durchaus seinen Reiz. Und schliesslich lernte ich sogar auch etwas Neues: Der höchste Punkt der Albiskette ist nicht etwa der Üetliberg, sondern der Bürglen (914 m), ein "Gipfel", der mir bei meinen bisherigen Ausflügen nie aufgefallen war.

Blick nach vorne über die Albiskette
Nachdem ich den Albispass gequert hatte, nahm mit jedem Kilometer, um den ich mich dem Uetliberg näherte, die Anzahl der Wanderer und Spaziergänger exponentiell zu. Zudem verwandelte sich der Wanderweg immer mehr zur breiten Autobahn.

Als ich schliesslich den Üetliberg (870 m) erreichte, hatte sich der Nebel über dem See fast ganz aufgelöst, so dass die Sicht auf die Stadt Zürich frei war - sofern man sich durch die Massen der Sonntagsausflügler zum Aussichtspunkt kämpfen konnte. Für eine komplette Albisüberschreitung hätte ich bis nach Schlieren absteigen müssen. Doch als ich bei der Bahnstation vorbeikam, stand dort gerade ein abfahrtbereiter Zug, dem ich nicht widerstehen konnte. Entsprechend war ich im Nu wieder zu Hause.





Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag, 26. Januar 2020
  • Route: Sihlbrugg, Dorf - Schweikhof - Mätteli - Bürglen - Schnabellücken - Hochwacht - Albispasshöhe - Buchenegg - Felsenegg - Staffel - Üetliberg 
  • Meine Wanderzeit: 4 h 20 min
  • Distanz: 21 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 990 m



Donnerstag, 16. Januar 2020

Waldbaden am Pilatus

Ich war wieder einmal mit Bergstrolch Michael unterwegs und damit abseits markierter Pfade. Ziel des Streifzuges war diesmal die Krienseregg am Pilatus.

Bei der Talstation der Gondelbahn in Kriens stauten sich die Autos und die sonnenhungrigen Gondelfahrer. Wir liessen Auto- und Menschenmasse indessen bald hinter uns, indem wir bereits kurz nach dem Start der Wanderung vom offiziellen Wanderweg ab- und in einen Trampelpfad einbogen. Auf einer Geländerippe, entlang einer kaum sichtbaren Wegspur, ging es in direkter Linie den Hang hoch.

Umherliegende Baumstämme verführten einige Mitwanderer zu Balanceakten. Obwohl der Pilatus - gerade am Wochenende - ein beliebtes und belebtes Ausflugsziel ist, waren wir wie in einer anderen, eigenen Welt. Rund um uns herum gab es nichts als Wald. Nur ab und zu sah man durch eine Lücke in den Baumkronen eine Gondel vorüberschweben.

Bei der Krienseregg mischten wir uns dann wieder unter die Sonntagsausflügler und tranken Kaffee auf einer sonnigen Restaurantterrasse. Beim Abstieg suchten wir nach einem sonnigen Plätzchen für eine Mittagsrast - kein einfaches Unterfangen an einem Schattenhang. Doch plötzlich leuchtete uns ein Bänkchen geradezu entgegen. Auf dem einzigen noch sonnenbestrahlten Flecken hatte am Tag zuvor ein Bauer ein paar Bretter gesägt und netterweise für uns liegen lassen.

Zum Abschluss verliessen wir nochmals den Wanderweg und kletterten in ein Tobel hinunter. Entlang eines kleinen Baches - manchmal auch einfach quer durch den Bach - erreichten wir wieder unseren Startpunkt.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag, 12. Januar 2020
  • Route: Kriens, Pilatusbahn - Rappentobel - Brunnemösli - Krienseregg - Ghöl - Geeriwald - Kriens Pilatusbahn (teilweise abseits markierter Wege)
  • Unsere Wanderzeit: 2 h 30 min
  • Höhenmeter (Aufstieg): 540 m

Donnerstag, 9. Januar 2020

Blau-weisse Tage in der Jenatschhütte

@wandernohneende
Blick Richtung Fuorcla d'Agnel
Schon (fast) traditionsgemäss verbrachte ich Silvester im Schnee. Diesmal diente die Jenatschhütte im Graubünden als Basis für die Schneeschuhtouren. Die Wetterprognosen für den Jahreswechsel versprachen viel Sonne, wenn auch bei eher niedrigen Temperaturen. Die SBB half mir netterweise bei der Akklimatisation an die Kälte, indem sie auf der Strecke zwischen Zürich und Chur einen ihrer "Dosto-Problemzüge" einsetzte, dessen Heizung ausgefallen war. Eine lange (aber warme) Postautofahrt brachte mich dann zum Julierpass, wo ich auf meine Mitschneeschuhläufer traf und auf Bergführer Jörn, der uns die nächsten Tag über die Berge führen würde.

Trotz der langen Anreise wurde uns keine Zeit für eine Verschnaufpause gegönnt, sondern wir schnallten direkt unsere Schneeschuhe an und wanderten den sonnenbeschienenen Hang hoch. Der Anstieg machte mir an diesem Tag ziemlich zu schaffen. Neben der Höhe - der Startpunkt lag bereits über 2000 m - half auch der Umstand nicht, dass ich die Festtage vor allem Fondue essend und Netflix schauend verbracht hatte.

@wandernohneende
Chamanna Jenatsch
Ich war entsprechend ziemlich ausser Atem, als wir die Fuorcla d'Agnel (2'982 m) erreichten. Von diesem Übergang aus sah man unten im Tal bereits die Jenatschhütte, die auf einem kleinen Hügel thront. Der Abstieg war schnell geschafft, doch dann kam zum Abschluss der Wiederaufstieg zur Hütte. Eigentlich betrug er nur etwas mehr als hundert Höhenmeter, mir kam es aber schier endlos vor, bevor endlich die Terrasse der Hütte in Sicht kam und ich bei einem Sauren Most wieder etwas Energie tanken konnte.

Am nächsten Tag stand als Abschluss des Jahres 2019 ein Gipfel auf dem Programm: Wir wanderten von der Hütte aus nordwärts über den schneebedeckten Valdret Calderas. Der Himmel war zwar wolkenlos blau, doch ein kalter Wind blies uns den ganzen Tag um die Ohren und sorgte für ein "Kühlschrankfeeling". Beim Aufstieg hatte man einen guten Blick auf die Flanke des Piz Calderas. Dort hatten zwei Tage zuvor Tourenfahrer ein Schneebrett ausgelöst. Der Lawinenabgang verlief glücklicherweise glimpflich, doch die lange Anrisskante war noch deutlich und eindrucksvoll sichtbar.

@wandernohneende
Triebschneemuster 
Auf einem windausgesetzten Kamm genossen wir kurz die Aussicht ins Surses, bevor wir den restlichen Anstieg unter die Schneeschuhe nahmen. Die meisten (inkl. mir) begnügten sich mit dem kleinen Vorgipfel, während nur wenige noch über den ausgesetzten Grat bis zum Gipfel der Tschima da Flix (3'315 m) kletterten. Über die Aufstiegsroute stiegen wir wieder zur Hütte ab, wo ich mich bei einer "Schoggi mit Schuss" wieder aufwärmen und darüber hinweg trösten konnte, dass ich auf der Tour die Winterteller an (beiden!) Stöcken verloren hatte.

Das neue Jahrzehnt begann schliesslich so wie das alte geendet hatte: Mit einer Gipfeltour. Diesmal ging es auf die andere Talseite, wofür wir zunächst absteigen mussten und es graute mir bereits vor dem absehbaren Wiederanstieg am Abend.

Durch ein namenlosen Seitental ging es mit einer angenehmen Steigung zur Fuorcla Margun hoch. Dort legten wir eine "Handypause" ein, denn zum ersten Mal im neuen Jahr hatten wir Empfang, so dass wir Neujahrswünsche erhalten und senden konnten. Danach ging es kurz abwärts, bevor der Schlussanstieg zum Piz Surgonda begann. Eine lange Querung eines Steilhangs war technisch etwas anspruchsvoller, doch im Gegensatz zum Montag war meine Kondition zurück und ich konnte den Aufstieg und dann insbesondere den Gipfel geniessen.
@wandernohneende
Ausblick vom Piz Surgonda
Vom Piz Surgonda (3'195 m) aus hatte man Ausblick auf schneebedeckte Berge soweit das Auge reichte. Besonders prominent war der Piz Bernina mit Biancograt erkennbar. Im Gegensatz zum Vortag war es zudem windstill, so dass man den Gipfelhalt ausgiebig und ohne Frostbeulen geniessen konnte. Für den Abstieg hatte unser Bergführer bereits am Vorabend zwei Varianten ausgearbeitet. Aufgrund der guten Verhältnisse entwickelte er auf dem Gipfel spontan "Plan C". Dafür schnallten wir die Schneeschuhe vorerst auf den Rucksack und wanderten ein Stück dem Grat entlang, bevor wir rückwärts eine kurze Schneewand hinunterkletterten.

@wandernohneende
Schneehuhn im Schnee
Im etwas flacheren Gelände zogen wir die Schneeschuhe wieder an. Dank "Plan C" und einer verbesserten Lawinensituation blieb mir sogar der mühsame Wiederaufstieg zur Hütte erspart, denn wir konnten sie von oben ohne zusätzliche Höhenmeter direkt ansteuern.

Schliesslich brach bereits der letzte Tag unserer Tour an. Der Himmel war erneut wolkenlos, doch von der Sonne hatten wir trotzdem wenig, da das ganze Val Bever noch im Schatten lag, als wir früh am Morgen den Heimweg antraten. Wir suchten uns unsere Spur durch den weichen, unberührten Schnee zwischen kleinen Hügelchen und gefrorenen Bächen. Pause machten wir auf der einzigen sonnenbeschienen Kuppe. Auf einem Schneehügel - gut getarnt weiss vor weiss - entdeckten wir zwei Schneehühner.

Schliesslich erreichten wir die Waldgrenze und schlängelten uns durch die Bäume. Der Weg durch das Val Bever war weit, aber abwechslungsreich, bis wir schliesslich in Spinas unsere Tour beendeten.





Toureninfos:
  • Gewandert: Montag, 31. Dezember 2019 bis Donnerstag, 2. Januar 2020
  • Route: Julier, La Verduta - Val d'Agnel - Fuorcla d'Agnel - Chamanna Jenatsch (Montag); Chamanna Jenatsch - Vadret Calderas - Tschima da Flix - Vadret Calderas - Chamanna Jenatsch (Dienstag); Chamanna Jenatsch - Fuorcla Margun - Piz Surgonda - (namenloses) Eisfeld bei Fuorcla Traunter Ovas - Chamanna Jenatsch (Mittwoch); Chamanna Jenatsch - Alp Suvretta - Palüd Marscha - Spinas (Donnerstag)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 50 min (Montag); 4 h 30 min (Dienstag); 5 h 15 min (Mittwoch); 4 h (Donnerstag)
  • Distanz: 9 km (Montag); 9,5 km (Dienstag); 10 km (Mittwoch); 13 km (Donnerstag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 900 m (Montag); 700 m (Dienstag); 870 m (Mittwoch); 100 m (Donnerstag)
  • Übernachten: Chamanna Jenatsch SAC




Donnerstag, 26. Dezember 2019

Keine Haie im Rhein

@wandernohneende
Keine Haie im Rhein
Nachdem ich die Woche zuvor alleine in Steilhängen herumgeirrt war, erachtete ich es als sicherer, mich eine Weile auf Flachwanderungen in der Gruppe zu beschränken. Thomas organisierte den ganzen Winter über Wanderungen entlang der ViaRhenana, welche - wie der Name unschwer erkennen lässt - dem Rhein entlang führt. An der Reihe war die dritte Etappe von Stein am Rhein nach Schaffhausen.

MeteoSchweiz hatte für die ganze Schweiz Sturmwarnungen herausgegeben und der Wind bliess uns und den Schwänen auf dem Wasser auch ziemlich um die Ohren. Einen bequemen Rastplatz in einem kleinen Wäldchen verliessen wir fast fluchtartig, als wir sahen, wie sich die Bäume in den Windböen bogen. Abgesehen davon war das Wetter aber insgesamt besser als gedacht. Zu einem Bad im Rhein liess sich trotzdem niemand überreden, auch wenn die lokale Polizei ausdrücklich garantiert, dass es im Fluss keine Haie gibt.

@wandernohneende
Schaffhausen
Die Wanderung selber war eher unspektakulär und führte - erwartungsgemäss - immer flach dem Rhein entlang. Aus geopolitischer Sicht erwähnenswert ist höchstens, dass wir auf der Strecke die deutsche Enklave Büsingen durchquerten. Die mangelnden geländebedingten Herausforderungen machte unser Grüppchen aber mit einem horrenden Tempo wieder wett. Insbesondere wenn man kurz anhielt, um ein Foto zu machen oder die Jacke auszuziehen, war man anschliessend gezwungen, fast in Laufschritt zu verfallen, um wieder aufzuschliessen.

Das Eilzugstempo führte dazu, dass wir anstatt der angekündigten fünfeinhalb Stunden keine vier für die Strecke bis nach Schaffhausen benötigten. Hätte ich etwas für die Wanderung bezahlt, ich hätte eine Minderung wegen blosser Teilerfüllung verlangt. So genossen wir zum Abschluss einfach das milde Wetter mit einem Kaffee auf einer Terrasse direkt am Rhein.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 14. Dezember 2019
  • Route: Stein am Rhein - Diessenhofen - Büsingen (D) - Schaffhausen (Etappe 3 der ViaRhenana/regionale Route Nr. 60)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 50 min
  • Distanz: 21,4 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 150 m



Donnerstag, 19. Dezember 2019

Vom Monte Boglia zu den Denti della Vecchia - Alleine und verloren im Schneehang (Tessiner-Dezember Wochenende 2/2)

@wandernohneende
Grat bei den
Denti della Vecchia
Der zweite Teil meines Tessiner Wochenendes begann mit einer Fahrt über die schmale, kurvenreiche Strasse nach Brè sopra Lugano. Ich war der einzige Fahrgast, der so früh am Morgen zum kleinen Dörfchen am Monte Brè unterwegs war und hatte Bus und Chauffeur für mich alleine. Ich war zeitig unterwegs, weil ich eine lange Wanderung geplant hatte. Meine SchweizMobil-App hatte die Wanderzeit mit knapp sechseinhalb Stunden berechnet, ich war aber guten Mutes, dass ich sie in unter fünf Stunden schaffen würde - dies war meine erste Fehleinschätzung des Tages.

Wie bereits am Vortag folgte ich dem Sentiero Lago di Lugano und beim Aufstieg kam ich immer wieder an Aussichtspunkten vorbei, die einen schönen Blick auf den See erlaubten, welcher als Namensgeber der Route gedient hatte. Über einen zerklüfteten, sonnenbeschienenen Grat gewann ich schnell an Höhe und in einer der zahlreichen Kehren des Zickzackwegs kam erstmals das grosse Kreuz des Monte Boglia in Sicht. Über einen baumlosen Kamm erreichte ich nach nicht einmal zwei Stunden den Gipfel des Monte Boglia (1'516 m). Damit lag ich (noch) gut in meinem Zeitplan.

Die Nordseite des Monte Boglia war mit mehr Schnee bedeckt, als ich erwartet hatte. Der Abstieg war aber zunächst gut gespurt. Doch als ich Wald erreichte, fingen die ersten Schwierigkeiten an: Die dicke Laubschicht war mit einer dünnen Eiskruste bedeckt, was sich als heimtückische Rutschfalle herausstellte. Ich war daher erleichtert, als ich die Plan di Scagn erreichte, von wo aus es zu den Denti della Vecchia wieder hochging. Ich erwartete, dass ich damit den Schnee hinter mir gelassen hatte und ich nur noch auf sonnenbeschienenen Pfaden unterwegs sein würde. So falsch bin ich noch selten gelegen!

@wandernohneende
Blick vom Monte Boglia
Nur Minuten später kam ich auf unerklärliche Weise vom Wanderweg ab und endete in einem abschüssigen, schneebedeckten Hang, wobei ich eine blamable lange Zeit brauchte, bis ich überhaupt feststellte, dass ich falsch war. Um aus der misslichen Lage wieder herauszukommen, musste ich den Steilhang - ebenfalls mit überfrorenem Laub überzogen - auf allen Vieren hochklettern. Das war auch der Moment, als mir in den Sinn kam, dass niemand wusste, wo ich war.

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Denti della Vecchia
Ich schaffte es zurück auf den Wanderweg, der auf der Rückseite der auffälligen Felsformationen der Denti della Vecchia immer der schweizerisch-italienischen Grenze entlang verlief. Neben schweizerischen Wegweisern gab es an jeder Abzweigung auch italienische. Der Pfad war schmal und teilweise ausgesetzt. Bei trockenem Wetter wäre dies eine abwechslungsreiche, aber nicht besonders anspruchsvolle Wanderung gewesen. Die Schneereste auf dem Grat und den nackten Felsen machten die Sache indes zu einer wackeligen Rutschpartie. Nicht wirklich beruhigend war zudem der Umstand, dass ich den ganzen Tag nur einem anderer Wanderer begegnet war: Er hatte mich am Morgen überholt und kam mir am Nachmittag wieder entgegen - offenbar hatte er es für ratsamer gehalten umzudrehen.

Nachdem ich die Denti della Vecchia hinter mir hatte und der Weg zunächst wieder breiter wurde, dachte ich erneut, dass ich das Schlimmste hinter mir hatte - bis ich mich schon wieder verlief! Diesmal zeugten wenigstens Spuren im Schnee davon, dass ich nicht die Einzige gewesen war, die an der Kreuzung die Orientierung verloren hatte. Ich folgte prompt den falschen Spuren und endete wiederum in einem schneebedeckten Steilhang, aus dem ich mühsam herauskraxeln musste.

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Blick über den Grat zurück
kurz vor dem Monte Boglia
Während dem Rest der Wanderung kontrollierte ich zur Sicherheit alle fünf Minuten meine Position mit dem GPS. Dies verhinderte aber nicht meinen nächsten unfreiwilligen Abstecher in einen Steilhang: Diesmal nicht, weil ich falsch abgebogen wäre, sondern weil ein grosser Baum mit einer ausladenden Krone über den Weg gefallen war, dem ich ausweichen wusste. Durch die Bäume konnte ich dann endlich die Capanna Pairolo erspähen. Doch bis dahin musste ich mich noch eine ganze Weile durch knöchelhohen Schnee kämpfen.

Auf der Terrasse der geschlossenen Capanna machte schliesslich ich eine Pause. Der Weg von dort weiter war zwar auch schneebedeckt, doch breit und nicht zu übersehen. Da konnte eigentlich nichts mehr schief gehen, dachte ich - bis ich zu einem Wegweiser gelangte, der quer über eine schneebedeckte Wiese zeigte, auf der nicht einmal mehr Fussspuren zu sehen waren. Da ich aber keine Lust auf noch einen Umweg hatte, stapfte ich entschlossen durch den Schnee. Kurz darauf tauchte ich wieder in den Wald ein. Zwar musste ich da wieder auf eisbedeckte Blätter acht geben, dafür gab es an gefühlt jedem zweiten Baum eine weiss/rote Markierung. So lief ich wenigstens nicht Gefahr, mich nochmals zu verirren.

Bei Murio hatte ich genug an Höhe verloren, dass ich Schnee und Eis hinter mir lassen konnte und es endlich wieder die sonnige Wanderung durch raschelndes Herbstlaub wurde, die ich mir eigentlich ausgemalt hatte. Zudem traf ich auch wieder auf andere Menschen, was beruhigend war. Die letzte Herausforderung war dann, im kleinen Dörfchen Villa Luganese die Bushaltestelle zu finden, wofür ich geschlagene zehn Minuten brauchte. Auf mein Orientierungsvermögen war an diesem Tag wirklich kein Verlass! Wenigstens fand ich in Lugano problemlos den richtigen Zug zurück in den Norden.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag, 8. Dezember 2019
  • Route: Brè sopra Lugano, Paese - Crus - Sasso Rosso - Monte Boglia - Plan di Scagn - Bocchetta di Brumea - Denti della Vecchia - Capanna Pairolo - Murio - Creda - Villa Luganese (bis Capanna Pairolo Etappe 6 des Sentiero Lago di Lugano)
  • Meine Wanderzeit: 5 h 50 min
  • Distanz: 17 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'100 m
  • Weitere Etappen des Sentiero Lago di Lugano gibt es hier
@wandernohneende


Donnerstag, 12. Dezember 2019

Monte San Giorgio - Aussichtsgipfel im Sottoceneri (Tessiner Dezember-Wochenende 1/2)

@wandernohneende
Blick vom Monte San Giorgio
Richtung Lugano
Nach einem Blick auf die Wettervorhersage fasste ich spontan den Entschluss, über das Wochenende dem ungemütlichen Winterwetter in Zürich zu entfliehen und ein sonniges Wochenende im Tessin zu verbringen.

Ein Hotel war schnell gebucht und so stieg ich am Samstagmorgen in den Zug und fuhr durch den Gotthard, an dessen südlichem Ausgang mich die erhoffte Sonne bereits erwartete. Von Lugano aus ging es mit S-Bahn und Bus bis nach Brusino am Fusse des Monte San Giorgio, den ich mir als erstes Gipfelziel des Wochenendes ausgesucht hatte. Die Strecke ist Teil des Sentiero Lago di Lugano, von welchem ich bereits früher einige Etappen gewandert war.

@wandernohneende
Ruine unterhalb des San Giorgio
Der bewaldete Hang lag noch im Schatten, als ich mit dem Aufstieg begann. Die blattlosen Bäume machten zwar einen etwas trostlosen Eindruck, doch dafür liessen sie den Blick auf das gegenüberliegend Seeufer frei und damit auf die gesamte Hügelkette vom San Salvatore bis zur auffälligen Kirche von Morcote (übrigens ebenfalls eine sehr aussichtsreiche Wanderung). Das Grotto auf der Alpe di Brusino wäre ein guter Platz für eine Kaffeepause gewesen, doch es war leider geschlossen. Es war eindeutig keine Wandersaison im Tessin!

Beim ganzen Aufstieg war mir keine andere Menschenseele begegnet, umso überraschter war ich, als ich auf dem Gipfel zahlreiche Wanderer antraf. Wenn man aber die spektakuläre Aussicht über den Lago di Lugano und die schneebedeckten Tessiner Berggipfel betrachtete, war es kaum erstaunlich, dass der Monte San Giorgio (1'096 m) ein beliebtes Ausflugsziel ist.

@wandernohneende
Damm von Melide und San Salvatore
Auf der Sonnseite ging es schliesslich wieder in Richtung See hinunter. Während der Aufstieg von Brusino her über schmale, aber angenehme Pfade geführt hatte, waren die breiten Wege auf der Südseite mit Natursteinen gepflastert. Sicher eine aufwändige Wegbaumethode, doch bei mir lösen solche Wege immer die Angst aus, dass ich mir einen Knöchel breche.

Unbeschadet kam ich im kleinen, von Reben umgebenen Dörfchen Meride an. Der Wanderweg führte direkt durch seine engen Gässchen, bevor das letzte Stück bis zum See bei Riva San Vitale wieder durch den Wald verlief und vom lauten Rauschen der Autobahn begleitet wurde.

Bereits vom Monte San Giorgio aus hatte ich den Gipfel für den nächsten Tag, den Monte Boglia, in Augenschein genommen und festgestellt, dass er fast schneefrei erschien. Wie falsch ich mit dieser Einschätzung lag und wie es dazu kam, dass ich mich (mehrmals) in schneebedeckten Steilhängen verirrte, kann man in meinem zweiten Blog zu meinem Tessiner Dezember-Wochenende nachlesen.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 7. Dezember 2019
  • Route: Brusino Arsizio, Rondello - Alpe di Brusino - Monte San Giorgio - Cassina - Meride - Ronco dei Bòch - Riva San Vitale - Capolago (Etappe 8 des Sentiero Lago di Lugano/regionale Route Nr. 52)
  • Meine Wanderzeit: 3 h 40 min
  • Distanz: 12,3 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 810 m
  • Weitere Etappen des Sentiero Lago di Lugano gibt es hier
@wandernohneende




Donnerstag, 28. November 2019

Kemptnertobel: (Spät-)herbstliche Wanderung durch das Zürcher Oberland

@wandernohneende
Kemptner Tobel
Ungefähr Ende November bis Mitte Dezember ist wandertechnisches Niemandsland: Der erste Schnee in den Bergen bereitet dem Alpinwandern ein Ende und nebliges, kaltes Wetter im Flachland nimmt einem die Lust, die Wohnung überhaupt erst zu verlassen. Doch wenn man es aus den wohlig warmen eigenen vier Wänden schafft, kann man auch in dieser wanderfeindlichen Zeit versteckte Perlen ganz in der Nähe entdecken: Ivan hatte die Wanderung durchs Zürcher Oberland von Uster nach Bauma organisiert, eine Gegend mit der ich mich auch nach fast zehn Jahren in Zürich nie näher auseinandergesetzt hatte.

Wir liessen Uster - notabene die drittgrösste Stadt im Kanton Zürich - bald hinter uns und durch den Wald ging es einen kleinen Hügel hinauf. Als wir auf der anderen Seite den Wald verliessen, lag vor uns der Pfäffikersee, eingerahmt von einem braunen Schilfgürtel.

@wandernohneende
Beim Erlebnisbauernhof Juckerfarm - den Leuten und der Anzahl reservierter Tischen an alles andere als ein Geheimtipp - machten wir eine erste Pause. Das Buffet für den "BuureZmorge" sah sehr verlockend aus, doch wir widerstanden der Versuchung und begnügten uns mit einem kurzen Kaffeestopp.

Am Ufer des Pfäffikersees ging es weiter Richtung Wetzwil. Dort bogen wir schliesslich ins Kemptner Tobel ein. Wir wanderten entlang des Aabachs, der in zahlreichen kleineren und grösseren Wasserfällen durch das kleine Tälchen rauschte. Ein Turm sowie alte Wasserrohre zeugten davon, dass der Bach früher zur Energiegewinnung genutzt wurde. Im Sommer bieten der Bach und das Wäldchen sicher eine angenehme Abkühlung, doch an diesem Herbsttag liess sich keiner meiner Mitwanderer zu einem Bad überreden.

@wandernohneende
Föhnstimmung über dem
Pfäffikersee
Als wir das Tobel wieder verliessen, blies uns plötzlich ein warmer Wind entgegen. Verantwortlich dafür war der Föhnsturm, der über den Alpen tobte. Der sorgte auch für eine atmosphärische Wolkenstimmung über den Bergen, die zum Greifen nahe schienen.

Mit dem Wissenbach folgten wir dann dem zweiten Bach, der mit einem verstecken Tobel und Wasserfällen aufwarten konnte. In Uster beendeten wir schliesslich die kleine Entdeckungstour durch das Zürcher Oberland und ich hatte wieder einmal ein paar neue Ecken meiner Wahlheimat kennengelernt.






Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 23. November 2019
  • Route: Uster - Oberustermer Wald - Römerbrünneli - Holzweid - Seehalden (Erlebnisbauernhof Juckerhof) - Seegräben - Kempten - Kemptnertobel - Bäretswil - Rüetswil - Wissenbach - Neuthal - Bauma
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 15 min
  • Distanz: 21 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 410 m




Donnerstag, 3. Oktober 2019

Tierbergsattel und Schnidejoch: Durch das Rückzugsgebiet der Gletscher

@wandernohneende
Enzian am Iffighore
Die wohl letzte Zweitagestour der diesjährigen Wandersaison führte mich ins Berner Oberland in die wilde Gegend von Wildstrubel, Wildhorn und den gleichnamigen Hütten. Ivan war der Organisator dieser Wanderung der Superlative, die durch eine Landschaft von rauer Schönheit führte und selbst meine Kistenpasswanderung von der Woche zuvor in den Schatten stellte. Da muss auch nicht unbedingt erwähnt werden, dass der Organisator den Zug verpasste und mit einer Aufholjagd starten musste, um "seine" Gruppe einzuholen.

Der Anfang der Wanderung stand im Zeichen der Wasserfälle: Zunächst passierten wir - noch auf einem breiten Spazierweg - die Simmenfälle. Danach stiegen wir auf einem teilweise ausgesetzten, direkt in den Stein gehauenen Pfad eine Steilwand hoch entlang von Bächen, die über die Felsen hinab fielen. Beim türkisblauen Flueseeli legten wir eine erste Verschnaufpause ein. Ein weiterer Aufstieg brachte uns schliesslich auf das vom Gletscher geformte Plateau des Tierbergs. Das Eis ist hier längst verschwunden, geblieben sind die glatt geschliffenen Felsen und das Geröll der Moränen, über welche das Schmelzwasser des Gletschers hinabrauscht. Das Rezligletscherseeli bildet einen blauen Farbtupfer in der grauen Landschaft. Ein eindrücklicher Ort!

@wandernohneende
Post-Gletscher Landschaft
am Tierberg
Ein weiterer, am Schluss ziemlich steiler Aufstieg brachte uns auf den Tierbergsattel (2'654 m). Die Wildstrubelhütte, unser Tagesziel, lag fast auf gleicher Höhe wie der Übergang, versteckte sich aber noch hinter der Flanke des Wisshore. Um die Hütte zu erreichen, mussten wir zunächst fast bis zu den Rawilseeleni hinunter absteigen. Verlorene Höhenmeter, die wir wieder mühsam zurückholen mussten.

Der Schlussanstieg durch den gerölligen Steilhang war dann einer dieser Momente, wo ich mich fragte, warum ich eigentlich nicht ein weniger schweisstreibendes Hobby gewählt hatte. Ich hatte bereits im letzten Jahr auf der Wildstrubelhütte (2'793 m) übernachtet, ich konnte mich aber nicht daran erinnern, dass der Aufstieg beim letzten Mal auch so anstrengend gewesen war.

@wandernohneende
Sonnenuntergang auf der
Wildstrubelhütte
Beim Bier auf der sonnigen Terrasse der Hütte resp. spätestens beim Anblick des Sonnenuntergangs über den Bergketten waren die fast zweitausend Höhenmeter des Tages bereits vergessen und Selbstzweifel wie weggeblasen. Die kamen erst wieder, als wir am nächsten Morgen den gleichen rutschigen Steilhang wieder hinabsteigen mussten.

Beim Rawilpass überschritten wir die Kantonsgrenze zum Wallis. Wir folgten dem ausgedehnten Hochtal, welches von Wasserläufen durchzogen war, bis zu einem (namenlosen) See, in dessen Oberfläche sich das Wildhorn spiegelte. Danach folgte der Aufstieg über ein zerklüftetes Karrenfeld mittels leichter und abwechslungsreicher Kraxelei. Eine Lücke in der Bergkette gab den Blick frei auf die Walliser Viertausender und den Lac de Tseuzier und weckte Erinnerungen an vergangene Wanderungen. Über lockeres Geröll ging es weiter hoch bis zum Schnidejoch (2'756 m) und damit zurück in den Kanton Bern. Knapp unterhalb des kläglichen Rests des Chilchigletschers führte der Weg einer Moräne entlang. Im letzten Winter hatte ich den gleichen Weg beim Abstieg vom Wildhorn genommen, damals war die Steinwüste unter einer dicken Schneeschicht versteckt gewesen.

@wandernohneende
Rawilseeleni vor Wildhorn
Pünktlich zur Mittagszeit trafen wir in der Wildhornhütte ein. Kurz danach trennte sich unsere Wandergesellschaft auf: Einige stiegen auf direktem Weg zur Iffigenalp ab (mit oder ohne Bad im Iffigensee), während ich mich einem kleinen Grüppchen anschloss, welches noch auf das Iffighore steigen wollte - als hätte ich an diesem Wochenende nicht schon genügend Höhenmeter gemacht. Doch der Abstecher stellte sich als lohnenden heraus, nicht nur wegen der Aussicht vom Iffighore (2'378 m), sondern vor allem wegen dem anschliessenden Abstieg. Dieser führte durch eine mit weissen Felsen durchzogene Heidelandschaft inklusive einer Wiese voller blühender Edelweiss.

Auf der Iffigenalp liessen wir das Wochenende ausklingen und trotz den sch... vielen und steilen Höhenmetern - es war eine geniale Tour durch eine wunderschöne Berglandschaft mit Wiederholungspotential gewesen!




Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 28./29. September 2019
  • Route: Lenk, Simmenfälle - Rezlibergli - Flueseeli - Rezligletscherseeli - Tierbergsattel - Rawilseeleni - Wildstrubelhütte (Samstag); Wildstrubelhütte - Rawilpass - Plan des Roses - Schnidejoch - Wildhornhütte - Sandbode - Iffighore - Groppi - Iffigenalp (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 45 min (Samstag); 6 h (Sonntag)
  • Distanz: 12 km (Samstag); 19 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'920 m (Samstag); 900 m (Sonntag)
  • Übernachten: Wildstrubelhütte SAC