Sonntag, 18. August 2019

Lappland ist...anders (Nordkalottleden Teil 2)

@wandernohneende
Gappohytta
Am zweiten Wandertag meiner Wanderferien fing das Wandern schliesslich ernsthaft an. Als ich meinen Rucksack schulterte, kamen mir aber kurz Zweifel am Erholungsfaktor der gewählten Urlaubsart: Neben unserer persönlichen Ausrüstung hatten wir Nahrungsmittel für acht Tage dabei, die schwer auf unseren Schultern lasteten.

Die Wanderung begann mit der Durchquerung eines Birkenwäldchens voll knorriger Bäume und Scharen hungriger Mücken. Doch schon bald liessen wir den Wald hinter uns und vor uns lag eine mit Flechten und Steinen überzogene, weite Ebene. Wir hielten auf die Berge am Horizont zu, deren Hänge von Schneefeldern bedeckt waren. Von einer Anhöhe aus warfen wir einen letzten Blick auf Finnland zurück. Auf norwegischem Boden, aber immer nahe an der Grenze zu Schweden, wanderten wir durch die karge Landschaft.

In einem Flussbett auf flach geschliffenen Steinen machten wir Pause und gönnten unseren beanspruchten Füssen eine Abkühlung im kühlen Wasser. Auf dem letzten Stück zur Hütte lernten wir dann die norwegische Variante des Nacktwanderns kennen: Bikini-Wandern. Auch wenn es mir in meinen langen Hosen langsam warm wurde, in dieser Mücken verseuchten Gegend schien mir Schwitzen die schmerzfreiere Option.

@wandernohneende
Letzter Blick auf Finnland

Die Nacht verbrachten wir in der Gappohytta und als wir am nächsten Morgen aufstanden, stellten wir fest, dass nicht nur alle Betten der kleinen Hütte besetzt waren, sondern sich auch auf den Bänken während der Nacht weitere müde Wanderer schlafen gelegt hatten. Damit trat ein weiterer Unterschied zwischen schweizerischer und norwegischer Wanderkultur zu Tage: Während man uns Schweizern von Kind auf beigebracht hatte, dass man vor Sonnenuntergang zurück in der Hütte ist, haben die Norweger offensichtlich verinnerlicht, dass es im Sommer keinen Sonnenuntergang gibt und es entsprechend keine Rolle spielt, ob man tagsüber oder nachts wandert.

@wandernohneende
Isdalen
Wir waren also die ersten, die sich an diesem Tag auf den Weg machten. Die Strecken wurden weiter, der Rucksack aber nicht leichter. Den ganzen Vormittag ging es immer leicht aufwärts, doch ohne die ungewohnte Last auf den Schultern wäre die Steigung nicht der Rede wert gewesen. Dazwischen durchquerten wir unseren ersten lappländischen Fluss und einen Zipfel von Schweden.

Der höchste Punkt des Tages war ein Pass, der nur aus Geröll und See bestand, beides teilweise noch dick mit Schnee bedeckt. Eine Herde Rentiere rannte von einem Schneefeld an einer der Bergflanken zum Pass hinunter und an uns vorbei, um sich etwas später auf einem anderen Schneefeld neu zu versammeln.

@wandernohneende
Bei unserem eigenen Abstieg über die steilen Schneefelder konnte man einen ersten Blick ins breite, grüne Tal unter uns werfen. Am Talboden angekommen, musste erneut ein Fluss überquert werden. Sein Ursprung lag im schneebedeckten See auf der Passhöhe - entsprechend eisig war die Wassertemperatur. Kaum waren die Füsse danach wieder etwas aufgewärmt, kam der nächste kalte Bach. Das Durchqueren der Flüsse stellte sich auch als nicht ganz ungefährlich heraus: Eine Mitwanderin holte sich an einem scharfen Stein einen tiefen Schnitt.

Die Zwangspause zur anschliessenden Wundversorgung verbrachten wir an einem grünen See, in welchen ein rauschender Wasserfall hinabstürzte. Eine einzelne Möwe drehte Kreise über dem Wasser, was die Idylle perfekt machte. Ein kurzer Abstieg brachte uns schliesslich ins Haupttal hinunter, wo unsere nächste Unterkunft, die Rostahytta, direkt an einem breiten Fluss lag.





Gewanderte Etappen:


  • Tag 2 (Dienstag, 23. Juli 2019): Kuohikmajärvi Tupa - Valljihat - Gappohytta (14 km/4,5 h)
  • Tag 3 (Mittwoch, 24. Juli 2019): Gappohytta - Isdalen - Rostahytta (19 km/6,5 h)







  • Sonntag, 11. August 2019

    Lappland ist...weit weg (Nordkalottleden Teil 1)

    @wandernohneende
    Schon zum zweiten Mal zog es mich zum Wandern in den Norden. Vor zwei Jahren war ich vornehmlich auf dem schwedischen Kungsleden unterwegs gewesen, dieses Mal ging es nochmals etwas weiter nördlich auf den Nordkalottleden (norwegisch: Nordkalottruta), ein Fernwanderweg, der die skandinavischen Länder Finnland, Norwegen und Schweden umspannt. Ich war wieder mit WeitWandern unterwegs und wie das letzte Mal führte uns Steffi sicher durch die lappländische Wildnis.

    Die Anreise in den hohen Norden jenseits des Polarkreises war lang und beinhaltete eine extensive Nutzung des öffentlichen Verkehrs, obwohl ich mit dem Flugzeug abkürzte und erst in Stockholm zum Rest der Gruppe stiess. Mit dem Nachtzug ging es von Stockholm weiter quer durch Schweden nach Luleå. Die Kleinstadt war am frühen Sonntag morgen wie ausgestorben, doch einen Kaffee konnten wir schliesslich doch noch auftreiben. Mit dem Bus ging es anschliessend bis nach Haparanda an der schwedisch-finnisch Grenze. Dieser Ort schien nur aus dem Busbahnhof und einem überdimensionierten IKEA zu bestehen.

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    Dreiländereck
    Wir überquerten die Grenze und stellten unsere Uhren eine Stunde vor - Finnland ist in einer anderen Zeitzone als seine skandinavischen Nachbarn, wie ich erstaunt feststellte. Das letzte Stück an diesem Tag legten wir mit dem Zug zurück und erreichten am Nachmittag Rovaniemi, die inoffizielle Hauptstadt von Lappland. Wir verbrachten die Nacht in einem Hostel und genossen ein letztes Mal die Annehmlichkeiten der Zivilisation: Ein Cocktail auf der Terrasse, ein umfangreiches Frühstücksbuffet und eine heisse Dusche.

    Am nächsten Morgen brachte uns schliesslich eine achtstündige Busfahrt nach Kilpisjärvi am gleichnamigen See. Wir den See mit dem Boot und dann begann endlich der Wanderteil meiner Wanderferien. Den ersten Stopp machten wir am Dreiländereck, wo Schweden, Finnland und Norwegen aufeinander treffen. Die Stelle ist mit einem grossen, gelben Betonklotz markiert. Die erste Nacht verbrachten wir in einer finnischen Hütte und schlugen unsere erste Schlacht gegen ein Heer lappländischer Mücken.


    Die Fortsetzung gibt es hier.



    Gewanderte Etappen:
    • Tag 1 (Montag, 22. Juli 2019): Kilpisjärvi/Koltaluokta - Kuohikmajärvi Tupa (3,5 km/1 h)


    Donnerstag, 18. Juli 2019

    Brücke ins Nirgendwo

    @wandernohneende
    Triftbrücke
    Die wohl prominenteste Brücke, die mir bei meiner "Hängebrücken-Sammlung" noch fehlte, war die Triftbrücke im Berner Oberland. Daher zögerte ich nicht lange, als sich die Gelegenheit bot, diese Lücke zu schliessen.

    Der Weg von Guttannen zum Furtwangsattel war "so angelegt, dass man schnell Höhe gewinnt", sprich: Er war sehr steil. Dazu kam das sehr ambitionierte Tempo meiner Mitwanderer und - wenigstens am Anfang - eine drückende Hitze. Bei Holzhüs hatten wir bereits eine knappe Stunde Vorsprung auf die angegebene Marschzeit und ich die ersten Minderwertigkeitskomplexe, weil ich als Jüngste der Gruppe offenbar die schlechteste Fitness hatte.

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    Danach wurde der Weg gerölliger und noch etwas steiler. Ein paar Schafe beobachteten neugierig unseren Schlussanstieg zum Furtwangsattel (2`562 m), der in den Wolken lag. In Guttannen war die Wanderzeit bis hierhin mit fünf Stunden angegebenen gewesen, wir hatten es in drei geschafft. Geschafft war ich in dem Moment auch selber.

    Hinter dem Übergang eröffnete sich der Blick in einen noch mit dicken Schneefeldern bedeckten Talkessel. Wir liessen uns beim Abstieg über den rutschigen Schnee viel Zeit und legten zahlreiche Pausen ein, um die Aussicht auf das noch halb von Lawinenschnee bedeckte Tälliseewli und den Triftgletscher zu geniessen. Kurz vor der Windegghütte kam dann auch ein erstes Mal die Triftbrücke in Sicht.

    @wandernohneende
    Tälliseewli
    Wir erreichten die Windegghütte in dem Moment, als es zu regnen anfing. In der kleinen Hütte mit einer sehr gastfreundlichen Hüttenwartin verbrachten wir einen gemütlichen Abend. Am nächsten Tag beim Frühstück regnete es immer noch. Also begruben wir unseren Plan, auch noch der Trifthütte einen Besuch abzustatten und beschränkten uns auf einen Abstecher zur Triftbrücke.

    Diese hatten wir für uns alleine. Leider verdeckten die Wolken die Sicht auf Gletscher und See fast komplett. Nach einem Testlauf über die Brücke und zurück machten wir uns an den Abstieg ins Tal. Trotz des schlechten Wetters kamen uns zahlreiche Wanderer entgegen, die auch auf dem Weg zur Brücke waren.

    Da die Wanderung an diesem Tag kürzer ausgefallen war als geplant, gingen wir an der Bergstation der Triftbahn vorbei und machten den ganzen Abstieg zu Fuss. Dieser führte durch einen üppig grünen Wald und beinhaltete erstaunlich viel Aufstieg. Als wir dann in Fu(h)ren auf den Bus warteten, schien wieder die Sonne.




    Wanderinfos:
    • Gewandert: Sonntag/Montag, 14./15. Juli 2019
    • Route: Guttannen - Holzhüs - Furtwangsattel - Bin der Chlempen - Windegghütte (Sonntag); Windegghütte - Triftbrücke - Schattige Trift - Triftbahn Bergstation - Im üssren Hori - Weid - Fuhren (Montag)
    • Unsere Wanderzeit: 4 h 50 min (Sonntag); 3 h (Montag)
    • Distanz: 10,4 km (Sonntag); 9 km (Montag) 
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1`520 m (Sonntag); 280 m (Montag)
    • Übernachten: Windegghütte SAC




    Donnerstag, 11. Juli 2019

    Im Hagelsturm auf dem Schneefeld

    @wandernohneende
    Am Wochenende organisierte Rico eine Tour durch die Tektonikarena Sardona. Wir rechneten von Anfang an mit einem anstrengenden Tag, doch nicht damit, dass das Ganze in einen  Kampf gegen die Elemente ausarten würde. Doch der Reihe nach:

    Die Wanderung startete gemütlich mit einer Postautofahrt durch das Weisstannental und dabei kamen Erinnerungen hoch an die Via Alpina-Etappe, auf welcher wir das Tal zu Fuss durchquert hatten und - wenn uns unser Gedächtnis nicht trog -, offenbar in jedem Restaurant eingekehrt waren. Dafür hatten wir dieses Mal keine Zeit, denn der Wegweiser gab die Wanderzeit bis zu unseren Tagesziel, der Sardonahütte, mit sieben Stunden an.

    @wandernohneende
    Wir folgten einem breiten Weg mit einer massvollen Steigung ins Lavtina-Seitental hinein. Dieses endete im Talkessel Batöni, wo drei Wasserfälle die Felswände hinabstürzen und fünf Bäche zusammenfliessen. Die Stelle soll ein Kraftort sein, wovon ich - trotz der unbestreitbaren Schönheit - nicht viel spürte. Wir überquerten die neue Hängebrücke und danach fing der Aufstieg erst so richtig an. Bald waren wir höher als die Wasserfälle. Auf der Alp Valtüsch machten wir eine erste Verschnaufpause - da hatten wir aber noch nicht einmal die Hälfte der Höhenmeter hinter uns. Weiter ging es durch Felder von Alpenrosen, die bereits am Verblühen waren, und über Schneefelder, die noch nicht geschmolzen waren.

    Nach dem Heidelpass (2'387 m) flachte der Weg etwas ab und wir konnten einen ersten Blick in das Calfeisental hinunter werfen. Mir gefiel die einsame, rauhe Landschaft sehr. Wir passierten das hübsche Plattenseeli, verzichteten aber auf eine Badepause - die immer dunkler werden Wolken begannen, uns Sorgen zu machen. Wir hatten gerade den Heubützlipass (2'413 m) erreicht, als es anfing zu tröpfeln. Die Sardonahütte war in der Ferne auf einem Felsvorsprung knapp erkennbar; nicht zu übersehen waren dagegen die ausgedehnten Schneefelder, die noch vor uns lagen. Das Tröpfeln verwandelte sich innert wenigen Minuten in strömenden Regen und nur kurz darauf in einen ausgewachsenen Hagelsturm mit heftigen Windböen, begleitet von Blitz und Donner.

    @wandernohneende
    Plattenseeli
    Weit und breit gab es keine Möglichkeit, Schutz zu suchen, so dass uns nichts anders übrig blieb, als weiterzumarschieren. Die Hagelkörner schmerzten auf der Haut und es gab Momente, wo ich befürchtete, der Wind würde mich umhauen. Ich konzentrierte mich darauf, auf den rutschigen Schneefeldern das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Wo genau der Wanderweg lag, liess sich teilweise nur erahnen. Der Regen hatte die Bäche anschwellen lassen, so dass auch deren Überquerung zum heiklen Balanceakt wurde. Mittlerweile waren aber meine Füsse so nass, dass es keine Rolle mehr spielte, wenn ich dabei direkt ins Wasser trat.

    Als das Unwetter nach einer scheinbaren Ewigkeit endlich nachliess, war die Hütte immer noch fast eine Stunde entfernt. Kalt, dreckig und nass bis auf die Unterwäsche kamen wir dort schliesslich an. Der Hüttenwart begrüsste uns freundlich und zeigte uns direkt die Steinböcke, die etwas oberhalb weideten. Auf unserer Prioritätenliste war die einheimische Fauna in diesem Zeitpunkt aber ziemlich weit unten. Viel wichtiger war uns, wieder trocken und warm zu werden.

    @wandernohneende
    Gigerwaldstausee
    Nach dem ersten Bier und einem Teller Suppe ging es aber allen schnell wieder besser und wir konnten uns der Frage widmen, warum unsere Wandererlebnisse mit zunehmendem Alter immer grenzwertiger zu werden scheinen - nach unserer Pfingstwanderung war dies innert weniger Wochen bereits die zweite Wanderung unter heiklen Bedingungen gewesen.

    Zum Ausgleich war dann der zweite Tag des Wochenendes geradezu harmlos: Ein steiler Abstieg brachte uns hinunter ins Calfeisental und wir folgten der Tamina das Tal hinaus. Eindrücklich waren die Spuren des Lawinenwinters: Neben niedergedrückten Bäumen waren sogar noch meterhohe Schneereste direkt vor der kleinen Walsersiedlung St. Martin übrig geblieben. Entlang des Gigerwaldstausees ging es schliesslich zur Postautostation, welche sich direkt auf der Staumauer befand. Und bei der Rückfahrt waren wir uns einig: Es war eine dieser Wanderungen gewesen, an welche wir uns noch lange zurück erinnern würden.



    Wanderinfos:
    • Gewandert: Samstag/Sonntag, 6./7. Juli 2019
    • Route: Weisstannen - Batöni - Alp Valtüsch - Heidelpass - Plattensee - Heubützlipass - Schafälpli - Sardonahütte (Etappe 4 des Sardona-Welterbe-Wegs/ regionale Route Nr. 73) (Samstag); Sardonahütte - Sardonaalp - St. Martin - Gigerwald Staumauer (Sonntag)
    • Unsere Wanderzeit: 6 h 30 (Samstag); 3 h (Sonntag)
    • Distanz: 16,2 km (Samstag); 12,5 km (Sonntag)
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1'800 m (Sonntag); 90 m (Sonntag)
    • Übernachten: Sardonahütte SAC



    Donnerstag, 4. Juli 2019

    Prekäre Kraxeleien bei brütender Hitze

    @wandernohneende
    Ostschweizer Cousine
    von Gian & Giachen
    An einem der bisher heissesten Tagen des Jahres eine ausgesetzte Kraxeltour an der sonnenausgesetzten Südseite der Kurfirsten unternehmen? Schon der Gedanke daran brachte mich ins Schwitzen. Doch die Beschreibung der Wanderung, welche Nicole geschickt hatte, klang zu gut, um die Einladung abzulehnen. Also packte ich Sonnencreme (Lichtschutzfaktor 50), meinen grössten Sonnenhut, drei Liter Flüssigkeit und meinen Kletterhelm ein und fuhr nach Walenstadtberg. Ziel war der Gocht, ein Übergang vom Walensee ins Toggenburg.

    Bei der Reha-Klinik starteten wir die Wanderung, welche zunächst über breite Wege unterhalb der Kurfirsten durchführte. Warm war es von Anfang an und Pause machten wir nur, wenn wir ein Schattenplätzchen fanden. Kurz nach der Alp Säls kam dann die weiss/blau markierte Abzweigung zum Gocht und damit fing der interessante Teil der Wanderung an: Zuerst stiegen wir weglos eine Wiese hoch, bevor uns die Markierungen durch ein zerklüftetes Waldstück führten. Beim Säls Chamm ging es entlang der Falllinie eine mit Felsen und lockerem Gestein durchsetzte, abschüssige Wiese hoch. Oben angekommen musste ich mich erstmal hinsetzen - die Hitze und die Anstrengung setzten mir ziemlich zu. Und von der Karte wusste ich, dass es noch steiler werden würde.

    @wandernohneende
    Zunächst wurde der Pfad indes etwas flacher. Er traversierte ausgesetzt lockere Schotterfelder direkt unter den senkrechten Felswänden und forderte volle Konzentration beim Aufsetzen der Füsse. Ausrutschen war verboten, denn ein Sturz hätte wohl erst im Walensee geendet, der tief unter uns in der Sonne blitzte.

    Schliesslich erreichten wir das Schlusscouloir, welches zwischen zwei Felswänden fast senkrecht den Abhang hochführte. Kurz vor dem Einstieg flog uns ein Stein entgegen - die tierischen Steinewerfer würden wir später noch entlarven. Der lockere Schutt, der in der Aufstiegsrinne lag, gab wenig Halt und wir kraxelten auf allen Vieren den abschüssigen Steilhang hoch, vorsichtig darauf bedacht, nicht selber einen (zu grossen) Steinschlag auszulösen. Eine kurze Rast gab die Möglichkeit, den Tiefblick zum Walensee zu geniessen und wieder Atem zu holen - so hart an meiner Leistungsgrenze war ich schon lange nicht mehr gewesen. Nach einer letzten Anstrengung schafften wir auch noch das restliche Stück und erreichten nassgeschwitzt aber stolz über unsere Leistung den Gocht (1'949 m).

    @wandernohneende
    Blick zurück ins
    Aufstiegscouloir zum Gocht
    Im Schatten von ein paar grossen Steinbrocken machten wir Mittagspause. An einem Felsen gegenüber entdeckten wir eine Herde Steinböcke. Sie lagen ebenfalls im Schatten und sprangen nur ab und zu auf, um ein paar Steine das Couloir hinunter zu fliegen zu lassen.

    Eindeutig weniger elegant als die Steinböcke machten wir uns schliesslich an den Abstieg. Auf der Nordseite des Übergangs lag noch Schnee und man fühlte sich wie in einer anderen Welt. Am Horizont konnte man den Säntis erkennen - auch er noch mit zahlreichen Schneefeldern bedeckt. Mit jedem Meter, den wir abstiegen, nahm die tropenhafte Hitze zu. Als geradezu bösartig stellte sich bei diesen Temperaturen der kurze Gegenanstieg zum Tritt heraus. Die Aussicht auf ein kühles Getränk bei der Alp Looch trieb mich hoch. Doch zu unserer Enttäuschung wurde daraus nichts, die Alp Looch hatte geschlossen. Also konnten wir erst in Arvenbüel auf unseren Erfolg anstossen und uns mit Glacé abkühlen.

    Die Tour war eine der herausforderndsten Wanderungen gewesen, die ich bisher gemacht habe. Nicht nur wegen der Hitze und den Höhenmetern, sondern auch weil der technisch schwierige Teil (T4+) lang ist und sich nicht nur auf ein paar wenige Schlüsselstellen beschränkt.




    Wanderinfos:
    • Gewandert: Sonntag, 30. Juni 2019
    • Route: Walenstadtberg, Reha-Klinik - Schönegg - Hochrugg - Schwaldis - Säls - Säls Chamm - Gocht - Tritt - Alp Looch - Egg - Arvenbüel (zwischen Säls und Gocht weiss/blau markiert/T4+)
    • Unsere Wanderzeit: 5 h 10 min
    • Distanz: 14,5 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1'200 m





    Donnerstag, 27. Juni 2019

    Schimbrig: Gratwanderung durch die Wolken

    @wandernohneende
    Schimbrig-Grat
    Eine Kollegin hatte eine Wanderung auf den Schimbrig vorgeschlagen , einen mir bisher unbekannten Gipfel im Entlebuch, und bei unbekannten Gipfeln bin ich immer gerne dabei - trotz durchzogener Wetterprognose.

    Der Schimbrig war von Gfellen aus bereits sichtbar, ebenso wie die Wolke, die seinen Gipfel umhüllte. Nach einem kurzen, flachen Abschnitt fing der Weg schnell an zu steigen. Wir durchquerten eine gut bestossene Kuhweide und die Kühe sahen uns leicht verwundert an, machten aber wenig Anstalte, für uns Platz zu machen. Ein ziemlich grosses Exemplar stellte sich an einer schmalen Stelle mitten auf den Weg und sah uns herausfordernd an. Wir blinkten zuerst und umgingen die standhafte Kuh grossräumig.

    @wandernohneende
    You shall not pass
    Kurz bevor wir das Bergrestaurant Schimbrigbad erreichten, stieg uns ein penetranter Schwefelgeruch in die Nase. Offenbar gab es hier früher tatsächlich Badequellen. Ein weiterer Aufstieg durch einen feuchten Wald brachte uns auf den Grat und damit stand ich innerhalb von einer Woche zum zweiten Mal auf einem exponierten Bergrücken - ohne die geringste Aussicht.

    Schliesslich konnte man durch die Wolken schemenhaft das Gipfelkreuz erkennen und während wir auf dem Schimbrig (1'816 m) Pause machten, gaben die Wolken zumindest zeitweise den Blick ins Tal frei. Dagegen blieb uns nur Spekulation, welche phantastischen Bergketten man von hier bei schönem Wetter wohl zu Gesicht bekäme.

    Vom Gipfel hätte man auf einem blau/weiss markierten Weg weiter dem Grat folgen und dann direkt steil absteigen können. Aufgrund des Wetters und des vom Regen der letzten Tage rutschigen Untergrunds verzichteten wir aber auf dieses Experiment und liefen ein Stück auf dem Grat zurück, bis wir schliesslich auf der anderen Seite über den normalen Wanderweg abstiegen und so den Schimbrig umrundeten. Auch hier war der Weg genügend steil und führte durch weitere Kuhweiden - ich fand die Kuhdichte auf dieser Wanderung aussergewöhnlich hoch.

    Im Tal folgten wir dem Bach zurück nach Gfellen und ich lernte noch, dass durch das Entlebuch tatsächlich die Entle fliesst.



    Wanderinfos:
    • Gewandert: Sonntag, 16. Juni 2019
    • Route: Gfellen - Understettili - Chüeschimbrig - Schimbrigbad - Schimbrig - Ober/Under Loegg - Hinter/Vordergrund - Brüdern - Gfellen
    • Unsere Wanderzeit: 4 h 5 min
    • Distanz: 14,5 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 900 m





    Donnerstag, 20. Juni 2019

    Schneefelder im Regen - Grenzwertiges Finale auf der Via Alpina (19. + 20. Etappe Via Alpina)

    @wandernohneende
    "Bei jedem Wetter" war von Anfang an das Motto all unserer Wanderprojekte gewesen. Insbesondere Regen hatte uns nie vom Wandern abgehalten und gerade auf dem ersten Drittel der Via Alpina hatten wir ausgiebig testen können, wie wetterfest wir wirklich waren. Daher passte es irgendwie, dass auch das Finale der Via Alpina im Zeichen des Regens stand.

    Bereits beim Frühstück konnte man durch ein grosses Fenster dem Regen zusehen. Wir gönnten uns schliesslich für die kurze Strecke von unserer Unterkunft in L'Etivaz nach La Lécherette den Bus. Dann spannten wir unsere Regenschirme auf und machten uns auf, ein weiteres Mal dem Wetter zu trotzen.

    Unsere Route führte zunächst hoch über dem Lac de l'Hongrin durch und am grauen Horizont tauchte schon bald unser Ziel, der Rochers de Naye, auf. Vor dem Aufstieg dorthin mussten wir zunächst aber den Abstieg durch eine abschüssige, durchweichte und sehr matschige Kuhweide meistern. Am Schluss klebte der Dreck zentimeterdick an den Sohlen unserer Wanderschuhe.

    @wandernohneende
    Lac de l'Hongrin mit
    Rochers de Naye (rechts)
    Da sich der Regen auch zur Mittagszeit keine Auszeit nahm, machten wir im Schutz einer grosser Tanne Pause. Danach folgte der letzte Aufstieg der Via Alpina. Am Col de Chaude galt es einen unmarkierten Abzweiger nicht zu verpassen, und da sich unsere Gruppe im Nebel teilweise aus den Augen verloren hatte, war eine Weile unklar, ob wirklich alle auf dem richtigen Weg waren - doch am Schluss erwischten alle die richtige Kurve.

    Der nachfolgende Aufstieg über einen Grat hätte bei schönem Wetter sicher eine beeindruckende Aussicht geboten. Bei Wolken und Regen sah man indessen nur ein paar Meter weit und ohnehin galt unsere ungeteilte Aufmerksamkeit dem ausgesetzten, nassen Pfad. Bei einer besonders abschüssigen Stelle, wo ein Teil des Wegs abgerutscht war, kamen uns die ersten Bedenken, wie sicher die Wanderung bei diesen Wetterbedingungen war.

    @wandernohneende
    Wolkige Abendstimmung über
    dem Genfersee
    Diese Bedenken verstärkten sich merklich, als wir die Nordseite des Grats erreichten und plötzlich oberhalb eines steilen, schneebedeckten Abhangs standen, dessen genaue Ausmasse durch den Nebel verdeckt wurden. Nachdem wir uns zunächst von Fussspuren im Schnee zu einer Querung des ersten Schneefeldes verleiten liessen, fanden wir schliesslich doch noch einen Weg um den Schnee herum. Eine luftige Treppe durch den schneebedeckten Kräutergarten ersparte uns das zweite Schneefeld, doch dann - das Ziel war bereits in Sichtweite - gab es keine Alternativen mehr, als durch Schnee zu stapfen. Die Wolken hatten sich unterdessen zumindest so weit gelichtet, dass wir sehen konnten, dass ein Sturz nicht über einer Felswand, sondern in einem Lawinennetz geendet hätte.

    Nass, dreckig und leicht unterkühlt kamen wir schliesslich auf dem Rochers de Naye (1'967 m) an. Mit der Bahn ging es zu unserer Unterkunft etwas unterhalb des Gipfels. Die Herberge war eine etwas seltsame Mischung aus einem sehr gediegenen Restaurant, für welches wir  - selbst nachdem wir unsere nassen und dreckigen Kleider gewechselt hatten - nicht schick genug angezogen waren, und einem sehr rudimentären Hotel, wo wir uns zu zwölft eine einzige, sehr dürftige Etagendusche teilen mussten.

    @wandernohneende
    Gorge du Chauderon
    Am nächsten Morgen zog es die Hälfte unserer Gruppe vor, mit der Bahn nach Montreux hinunter zu fahren. Der Rest beschloss, die Via Alpina - trotz Starkregenwarnungen - zu Fuss zu beenden. Und wir wurden für unsere Unerschrockenheit belohnt! Nicht nur gab es kurze sonnige Abschnitte, die sogar einen Blick auf den Genfersee erlaubten, sondern die Gorge du Chauderon bescherte uns einen unerwarteten Höhepunkt zum Abschluss: Die senkrechten Felswände der tiefen Schlucht waren mit einer üppigen grünen Vegetation überzogen, so dass wir uns in einem tropischen Regenwald wähnten.

    In Montreux stiessen wir schliesslich auf unseren Via Alpina-Erfolg an: 3 Jahre, 6 Kantone, 14 Alpenpässe, 390 Kilometer und über 20'000 Höhenmeter - quer durch die Schweiz von Vaduz bis Montreux. Wir hatten es geschafft!





    Wanderinfos:
    • Gewandert: Sonntag/Montag, 9./10. Juni 2019 (Teil 2 Pfingstwochenende 2019)
    • Route: Le Lécherette - Col de Sonlomont - La Marmette - Col de Chaude - Plan d'Areine - Rochers de Naye (Sonntag); Haut-de-Caux - Glion - Gorge du Chauderon - Montreux (Montag) (Etappen 19 und 20 der Via Alpina/ nationale Route Nr. 1)
    • Unsere Wanderzeit: 6 h 10 min (Sonntag); 2 h (Montag)
    • Distanz: 19,5 km (Sonntag); 6,5 km (Montag)
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1'450 m (Sonntag); 80 m (Montag)
    • Übernachten: Hotel Le CouCou, Haut-de-Caux
    • Alle Etappen der Via Alpina gibt es hier


    Donnerstag, 13. Juni 2019

    Bergfrühling im Berner Oberland (16. + 17. Etappe Via Alpina)

    @wandernohneende
    Trütlisbergpass
    Nach drei Jahren und über 300 km stand Pfingsten endlich das Finale unseres Via Alpina-Projektes an. Nicole hatte die übrig gebliebenen Etappen so strukturiert, dass sie in das verlängerte Wochenende und zu den vorhandenen Übernachtungsmöglichkeiten passten. Von ihr stammte auch der beste Ausrüstungstipp für das Wochenende: Winterteller für die Wanderstöcke.

    Bei strahlendem Sonnenschein starteten wir ins der Lenk. Zu Beginn führte die Strecke durch eine hübsche Schlucht, wo der Wallbach über kleine Wasserfälle die Felsen hinab sprudelte. Kurz danach erreichten wir die Baumgrenze und die ersten Schneefelder, die dieses Jahr einfach nicht verschwinden wollten. Doch dort wo der Schnee bereits geschmolzen war, blühten die Krokusse, so dass man sich entscheiden musste, ob man lieber im Schnee nasse Füsse holen oder die Blumenpracht niedertrampeln wollte. Auf dem Trütlisbergpass (2'037 m) hatten wir den höchsten Punkt des Tages erreicht und während wir die Aussicht genossen, flüchtete eine Murmeltierfamilie quer über ein Schneefeld.

    @wandernohneende
    Trittlisattel
    Auf uns wartete anschliessend der lange Abstieg nach Gstaad, der schier endlos zu sein schien: Zuerst rutschten wir durch Schnee und Matsch den Hang hinab (froh waren die, die ihre Gamaschen eingepackt hatten). Dann wanderten wir über einen breiten Schotterweg, bis die Landschaft kurz vor den Luxuschalets von Gstaad wieder lieblicher wurde, und wir dem Uferwäldchen des Turbachs folgten. Die Jugendherberge, wo wir die Nacht verbrachten, erreichten wir schliesslich gerade noch rechtzeitig, bevor der Regen einsetzte und das Abendessenbuffet abgeräumt wurde.

    Am nächsten Morgen stockten wir in Gstaad zunächst die Essensvorräte für die nächsten Tage auf und ich kaufte mir einen Regenschirm, obwohl auch an diesem Tag kaum eine Wolke am Himmel zu sehen war - doch die Investition von CHF 8.95 würde sich an diesem Wochenende noch auszahlen. Nach dem Einkaufen fing der anstrengende Teil des Tages an: Die Wanderung begann mit einem Aufstieg durch den Wald, wobei ein Mitwanderer vorschlug, die Steigung in meinem Blog als "sanft" zu beschreiben - dies wäre aber eine glatte Lüge gewesen.

    @wandernohneende
    Nachdem der erste Steilhang überwunden war, wurde das Gelände offener und die Wanderung abwechslungsreicher: Sie führte durch sonnendurchflutete Wälder und blühende Wiesen, bis wir den zerklüfteten Trittlisattel (1'951 m) erreichten. Auf dem Grat lagen noch ein paar Schneereste, die uns aber nicht behinderten. Am Col du Jable überschritten wir die Kantonsgrenze und stiegen steil in den Kanton Waadt hinunter.

    Die Via Alpina führte uns zielgenau zu unserer nächsten Unterkunft, dem Hotel du Chamois in L'Etivaz, das von aussen etwas verlassen aussah, sich von innen aber als ein gemütliches und uriges Haus herausstellte, wo wir sehr herzlich empfangen wurden - und wir uns für die angekündigte Regenschlacht des nächsten Tages stärken konnten.




    Wanderinfos:
    • Gewandert: Freitag/Samstag, 7./8. Juni 2019 (Teil 1 Pfingstwochenende 2019)
    • Route: Lenk - Wallegg - Undere/Obere Lochberg - Trütlisbergpass - Wintermatte - Turbach - Gstaad (Freitag); Gstaad - Obers Motzi - Vorders/Hinders Eggli - Wilde Bode - Trittlisattel - Col de Jable - Gros/Petit Jable - L'Etivaz  (16. und 17. Etappe der Via Alpina/ nationale Route Nr. 1)
    • Unsere Wanderzeit: 6 h (Freitag); 5 h 20 min (Samstag)
    • Distanz: 21 km (Freitag); 17 km (Samstag)
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1'100 m (Freitag); 1'200 m (Samstag)
    • Übernachten: Jugendherberge Gstaad Saanenland, Saanen (Freitag); Hotel Du Chamois, L'Etivaz (Samstag) 
    • Weitere Etappen der Via Alpina gibt es hier