Donnerstag, 15. Oktober 2020

Tümpelwanderung in den jurassischen Freibergen

@wandernohneende
Es war Zeit für meinen Beitrag an unser diesjähriges Wanderprojekt unter dem Motto "See". Meine Wetterapp verschickte im Vorfeld Überschwemmungswarnungen und ich befürchtete schon, dass das Wochenende wieder einmal in eine Regenwanderung ausarten würde. Doch dann stellte sich heraus, dass ich - in schon fast prophetischer Voraussicht - den einzigen Zipfel der Schweiz für die Wanderung ausgesucht hatte, an dem man von Regen verschont wurde. Auf der Anfahrt prasselte der Regen noch heftig auf den Zug herunter, doch als wir in Glovelier ausstiegen, fiel kein einziges Tröpfchen mehr vom Himmel und die blauen Lücken zwischen den Wolken wurden immer grösser.

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Nach der Durchquerung des kleinen Dörfchens bogen wir in die Combe Tabeillon ein. Wir folgten dem Bach durch ein breites, üppig grünes Tal. Die Reste eines mit Moos überzogenen Wasserrades zeugten davon, dass das Wasser früher industriell genutzt wurde. Für die Mittagspause fanden wir eine bequeme Hütte beim Bahnhof Combe-Tabeillon, der im Nichts zu liegen scheint und wo die Schienen ebenso im Nichts zu enden scheinen. 

Mit dem Étang de Bollement erreichten wir schliesslich den ersten Tümpel, der still und mit grünen Seerosenblättern überzogen im Wald lag. Kurz darauf endete die Schlucht. Auf der sonnigen Terrasse des Buffet de la Gare stiessen wir mit einem Bier (oder zwei) auf unser Wetterglück an und ich bereute es, nicht meine Sonnenbrille statt meiner Regenhose eingepackt zu haben.

Am Étang de Plain de Saigne vorbei ging es weiter und ein kurzer Aufstieg brachte uns in den kleinen Ort Montfaucon. Mittlerweile hatte der Wind etwas aufgefrischt und das letzte Stück über eine langgezogene Kante zog sich dann gefühlsmässig (fast) endlos hin. Die fast zwanzig Kilometer, die wir schon zurückgelegt hatten, machten sich deutlich in meinen Beinen bemerkbar. Die Tagesetappe endete in der Jugendherberge von Le Bémot.

Am nächsten Tag war uns das Wetter weiterhin hold. Wir wanderten über die Weite der jurassischen Freiberge und durchquerten ausgedehnte Weiden, wo Pferde friedlich neben Kühen weideten. Wir waren begeistert von den teilweise sehr zutraulichen Pferden. Neben Tieren gab es natürlich auch an diesem Tag Tümpel zu bestaunen: Als Erstes erreichten wir den Étang des Royes, bevor wir über ein paar ausladende Schlenker den bekanntesten See der Wanderung erreichten, den Étang de la Gruère. 

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Der idyllische See (für einen Tümpel ist er eindeutig zu gross) ist umgeben von einem lichten Wald und bietet viele Ecken zum Verweilen und Geniessen an. Er ist offenbar auch ein beliebtes Ausflugziel, auf jeden Fall begegneten wir hier zum ersten Mal an diesem Wochenende zahlreichen Spaziergängern. Wir umrundeten den See halb und machten immer wieder Fotostopps.

Schliesslich mussten wir uns von dem schönen Ort losreissen, um auch noch das letzte Stück der Wanderung unter die Füsse zu nehmen. Über Wanderwege, die oft gleichzeitig als Reitwege dienten, ging es weiter bis nach Tramelan, wo wir rechtzeitig zur Mittagszeit eintrafen und das Wochenende mit einer Pizza beschlossen.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 3./4. Oktober 2020
  • Route: Glovelier - Combe Tabeillon - Bollement - La Combe - Le Prépetitjean - Montfaucon - Le Bémont (Samstag); Le Bémont - Étang des Royes - Sous-la-Neuvevie - Les Cerlatez - La Petit Theuree - Étang de la Gruère - La Gruère - La Chaux - Les Reussilles - Tramelan (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 50 min (Samstag); 3 h 30 min (Sonntag)
  • Distanz: 20,1 km (Samstag); 13,9 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 650 m (Samstag); 250 m (Sonntag)
  • Übernachten: Jugendherberge Le Bémont








Sonntag, 20. September 2020

Gratwanderung über den Marwees

@wandernohneende
Nach einer unfreiwilligen Wanderpause wagte ich es wieder, meine Wanderschuhe zu schnüren. Rico hatte im Rahmen unseres Wanderprojekts "See" zu einer zweitägigen Tour in den Alpstein geladen, die ich trotz meiner eingebrochenen Kondition auf keinen Fall verpassen wollte. 

Am Anfang konnte ich mich in der langen Warteschlange der Gondelbahn zur Alp Sigel noch etwas schonen: Die Kapazität der kleinen Bahn ist sehr begrenzt und an diesem sonnigen Tag waren wir bei weitem nicht die Einzigen, die im Alpstein unterwegs waren. Es dauerte daher eine ganze Weile, bis unsere Gruppe vollständig bei der Bergstation versammelt war und die Tour beginnen konnte.

Das erste Stück der Wanderung über die Alp Sigel war eher flach und damit durchaus noch schonend. Anstrengend wurde es aber beim Aufstieg zur Bogartenlücke und kaum hatten wir den schmalen Durchgang in der Felsenkette erreicht, sah man bereits den nächsten, noch steileren Anstieg. Ab der Borgartenlücke war der Weg zudem blau/weiss markiert. 

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Wie bei meiner letzten Gratwanderung - damals über den Federigrat - fand ich den Zustieg auch dieses Mal die grössere Herausforderung als die Wanderung über den Grat selber, denn es gab einige abschüssige Stellen aus kahlem Kalkstein, wo ich die Hände zu Hilfe nehmen musste, um mein Gleichgewicht zu halten. 

Entlang der schmalen Graskante ging es dann über den Marweesgrat, direkt in Richtung Säntis, den man mit seiner prominenten Antenne nicht übersehen konnte. Beim Gipfelkreuz (1'991 m) machten wir ein kurze Rast und ich konnte den Blick auf die spitzen Felsformationen, die so typisch für den Alpstein sind, ausgiebig geniessen. 

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Für den Abstieg richtete ich meine ungeteilte Aufmerksamkeit wieder auf meine Füsse und die felsigen Absätze. In einem weiten Bogen ging es via Widderalpsattel zur Alphütte Widderalp, wo wir auf die gelungene Wanderung anstiessen. Ganz waren wir aber noch nicht am Ziel: Nach einem weiteren Abstieg, kam der letzte Gegenanstieg: Entlang von senkrechten Felswänden ging es hoch zum Fälensee, der idyllisch in die Felsen eingebettet liegt. Im Berghaus Bollenwees an seinem Ufer verköstigten wir uns mit einer leckeren Rösti und übernachteten im Massenlager. 

Der nächste Morgen brachte ein reichhaltiges Frühstück - und Regen. Die Wolken hingen tief und sehr fotogen über dem Fälensee und wir entschlossen uns, auf dem kürzesten und einfachsten Weg zurück nach Brülisau zu wandern. Ausgerüstet mit unseren Regenschirmen spazierten wir entlang des Sämtisersees und durch das Brüeltobel - der abschüssige Taleinschnitt ist weder hinab noch hinauf ein Genuss.

Gegen Mittag erreichten wir bereits Brülisau und trotz des regnerischen Sonntags war es ein schönes und erlebnisreiches Wochenende mit einer eindrücklichen Gratwanderung gewesen. Bei der Kondition gibt es aber Aufholbedarf.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 5./6. September 2020
  • Route: Alp Sigel, Bergstation - Alp Sigel - Obere Mans - Borgartenlücke - Marwees - Widderalpsattel - Alphütte Widderalp - Stiefel - Bollenwees (Samstag); Bollenwees - Plattenbödeli - Brülisau (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 45 min (Samstag); 1 h 30 min (Sonntag)
  • Distanz: 10 km (Samstag); 6,8 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 700 m (Samstag); 80 m (Sonntag)

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Gratwanderung Marwees (Samstag)


Sonntag, 30. August 2020

Südlicher Abstecher mit kulinarischen Genüssen und einem verlorenen Hut

@wandernohneende
Die von Reto [recte: Nicole] organisierte Etappe unseres Projekts "See" brachte uns nach Chiasso ins südliche Ende der Schweiz. Der erste Teil der Strecke führte durch den Grenzort und zu sagen, dass Chiasso jeglicher Tessiner Charme abgeht, wäre immer noch eine Beschönigung. Es dauerte eine Weile, bis wir die grauen Strassen hinter uns gelassen hatten und der Wanderweg endlich in den Wald einbog. Das kleine Örtchen Sagno, das wir später durchquerten, war dann schon einiges hübscher als Chiasso und kurze Zeit danach hatten wir mit San Martino (740 m) bereits den höchsten Punkt des Tages erreicht. 

Der Abstieg brachte uns schnell wieder in die Agglomeration von Chiasso. Bis zu diesem Punkt zeichnete sich die Wanderung nicht gerade durch besondere Schönheit aus. Doch das änderte sich, als wir in die Breggia-Schlucht hinabstiegen. Die Breggia hat sich hier tief in den Fels gefressen und in den zahlreichen natürlichen Wasserbecken tummelten sich an diesem heissen Sommertag die Ausflügler, die auf der Suche nach einer Abkühlung waren. Bei den Einheimischen ist die Breggia-Schlucht wohl alles andere als ein Geheimtipp.

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Wir folgten der Breggia, die stromabwärts allmählich ihre Wildheit verlor. Die riesige Ruine einer ehemaligen Zementfabrik markierte schliesslich das Ende der Schlucht. In Balerna stiegen wir in den Bus zu unserer Unterkunft in Novazzano. Wir richteten es uns in der geräumigen Ferienwohnung gemütlich ein, bevor wir uns im dazugehörigen Restaurant die Bäuche mit leckerer Pizza vollschlugen.

Am nächsten Tag nahmen wir den Bus nach Mendrisio und dort begann die Wanderung wie am Vortag eher unattraktiv mit der Durchquerung des Industriequartiers und der Überquerung der Autobahn. Doch danach gelangten wir ins Grüne und gleichzeitig begann auch der Aufstieg.

Pünktlich zur Mittagszeit erreichten wir Meride, wo Nicole für uns im urigen Grotto Fossati einen Tisch reserviert hatte. Die Reservation war auch nötig gewesen, denn die schattige Terrasse des Restaurants war bis zum letzten Platz besetzt. Es gab Polenta, die traditionell in einem grossen Kessel über dem Feuer gekocht wurde.

Nach dem Mittagessen teilte sich unsere Gruppe: Ein Teil machte sich direkt an den Abstieg, während der andere der Meinung war, dass man doch noch einen Gipfel machen sollte, um wenigsten ein paar der Kalorien, die wir an diesem Wochenende zu uns genommen hatten, wieder zu verbrennen.

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Blick vom San Giorgio Richtung Morcote

Beim Aufstieg zum Monte San Giorgio brannte dann vor allem die Sonne und ich war froh um den Schatten spendenden Wald. Ich war bereits ein paar Monate zuvor auf dem Monte San Giorgio (1'096 m) gewesen, doch die spektakuläre Aussicht über den Lago di Lugano kann man problemlos mehrmals geniessen. Mit dem Blick auf den Lago di Lugano war auch unser Projekt-Motto erfüllt.

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Für den Weg zurück wählten wir die steilste Variante durch den von einem düsteren Wald bedeckten Osthang. Obwohl der Untergrund völlig trocken war, entpuppte sich der Abstieg als Rutschpartie und ich schaffte es, dreimal (!) auf meinem Hintern zu landen. Mein Sonnenhut hatte bereits beim zweiten Mal genug und machte einen Abflug den Graben hinunter. Eine Bergung wurde als zu gefährlich eingestuft, so dass ich ihn wohl oder übel zurücklassen musste (Vermisst am Monte San Giorgio: Strohhut mit blauem Band).

Da unsere Vorhut bereits rekognosziert hatte, wo es in Capolago die besten Glacé gab, konnten wir beim Bahnhof zielgenau den entsprechenden Glacé-Stand anpeilen; eine Abkühlung, die wir uns redlich verdient hatten.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 18./19. Juli 2020
  • Route: Chiasso - Vacallo - Sagno - Morbio Superiore - Breggia-Schlucht - Balerna (Samstag); Mendrisio - Meride - Monte San Giorgio - Pozzo - Riva San Vitale - Capolago (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 30 min (Samstag); 4 h 30 min (Sonntag)
  • Distanz: 11,3 km (Samstag); 12,5 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 600 m (Samstag); 860 m (Sonntag)
  • Übernachten: gioiAcasa, Novazzano


Sonntag, 23. August 2020

Bordierhütte: Gletscherüberquerung und besoffene Bettgenossen

@wandernohneende
Wanderungen von Ivan zeichnen sich gemeinhin durch drei Eigenschaften aus: Sie führen durch spektakuläre Landschaften, haben (zu) viele Höhenmeter und starten grundsätzlich verspätet. Diesmal gingen wir mit rund einer Stunde Verspätung in Grächen los und während des ersten, noch flachen Teilstücks hatte ich genügend Zeit, meiner unnötig verlorenen Stunde Schlaf nachzutrauern.

Spätestens bei Gasenried war dann jegliches Bedauern vergessen. Einerseits begann der Weg anzusteigen, andererseits konnte man einen ersten Blick auf den Riedgletscher werfen, dessen zerklüftete Eismassen sich gegen den blauen Himmel abhoben. Wir durchquerten einen lichten Lärchenwald und wurden dabei begleitet vom Rauschen des Riedbachs. Als wir den Wildbach schliesslich überquerten, lag das ganze Tal vor uns und man konnte die ganze Strecke (und die Höhenmeter), die noch vor uns lag, überblicken.

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Bei Alpja hatten wir die Baumgrenze und den letzten flachen Abschnitt erreicht. Vor einer kleinen Alphütte machten wir eine letzte Rast, bevor wir den weiteren Aufstieg in Angriff nahmen. Über die steinige Seitenmoräne, die der Gletscher zurück gelassen hatte, führte der Pfad im Zickzack immer höher. Ein Murmeltier sah uns misstrauisch aus sicherer Distanz beim Schwitzen zu. 

Als wir die Höhe des Gletschers erreicht hatten, wechselte die Wegkennzeichnung von weiss/rot auf weiss/blau. Über ein ausgedehntes Geröllfeld balancierten wir zum Eisrand, wo wir unsere Steigeisen montierten. 

Ich empfinde es immer wieder als äussert eindrücklich, mich auf einem Gletscher zu bewegen. Die Querung über das flache und praktisch spaltenfreie Eis war mit Stangen gekennzeichnet und in der Mitte der Eismasse mussten wir über die Mittelmoräne klettern. Viel zu schnell für meinen Geschmack hatten wir das andere "Ufer" des Gletschers erreicht und verstauten die Steigeisen wieder im Rucksack.

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Das restliche Stück zur Hütte war dann wieder steil und führte teilweise über den blanken Fels, doch der Weg war ausnehmend gut gesichert mit Tritten, Seilen und Treppen, so dass dem Belohnungsbier auf der Aussichtsterrasse der Bordierhütte  (2'886 m) nichts entgegenstand. Nach dem Abendessen gesellten sich noch ein paar junge Steinböcke zu uns, die sich Rangkämpfe lieferten und sich fotogen zwischen Sonnenuntergang und Schweizerfahne positionierten.

Wir teilten uns den Schlafraum mit vier jungen Einheimischen, die den Nachmittag damit verbracht hatten, sich durch die Alkoholvorräte der Hütte zu trinken. Doch offenbar sind die Walliser nicht so trinkfest wie ihr Ruf, auf jeden Fall musste sich einer der Jungs in der Nacht wiederholt übergeben - davon zeugten wenigstens am nächsten Morgen die Spuren und Erzählungen meiner Kollegen; ich selber hatte dank Ohrstöpsel praktisch unbehelligt geschlafen und vom unappetitlichen Desaster kaum etwas mitbekommen.

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Die Stimmung am nächsten Morgen war aufgrund der kurzen Nacht eher gedrückt und zudem hatte es auch noch angefangen zu regnen. Doch sowohl das Wetter wie auch unsere Gemütslage hellten sich spätestens nach der neuerlichen Gletscherüberquerung merklich auf. Wir wählten die gleiche Route wie am Vortag, wobei der Abstieg eindeutig weniger schweisstreibend war. Angetrieben wurden wir zudem von der Aussicht auf Kuchen auf der hübschen Terrasse des Restaurants Riederstübli, das wir einen Tag zuvor passiert hatten. Bei einigen Mitwanderern war das Verlangen nach Kuchen so gross, dass jede Diskussion um Routenvariationen von vornherein aussichtslos war. 

Bereits vor dem Mittag erreichten wir schliesslich das Riederstübli, wo der Kuchen mit Himbeeren aus dem eigenen Garten die Erwartungen in keiner Weise enttäuschte. Es war der perfekte Abschluss für die wunderschöne Tour.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 25./26. Juli 2020
  • Route: Grächen - Gasenried - Alpja - Pkt. 2706 - Riedgletscher - Bordierhütte (Samstag; Sonntag die gleiche Strecke umgekehrt)
  • Distanz: 11 km (Samstag/Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 30 (Samstag); 3 h 30 (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'430 m (Samstag); 150 m (Sonntag)
  • Übernachten: Bordierhütte SAC


Donnerstag, 16. Juli 2020

Federi hoch drei: Federihütte - Federigrat - Federispitz

@wandernohneende
Irgendeiner diese Spitzen 
ist der Federispitz
Die Wetterprognosen waren so gut, dass mir beim besten Willen keine Entschuldigung in den Sinn kam, warum ich den Ferientag auf meinem Balkon verbringen sollte. Mit dem Federispitz stand auch das Gipfelziel des Tages fest. 

Von Schänis aus näherte ich mich einer Wand aus Wald. Und so war der erste Teil des Aufstiegs auch: Sau steil und dicht bewaldet. Endlos schien es mir, windete sich der Weg den Hang hoch. Nach 900 Höhenmeter und zwei Stunden gab es endlich einen Lichtblick zwischen den dunklen Bäumen: Ich hatte die Federihütte (1'373 m) erreicht und mir damit eine Pause mit frisch gebackenem Schoggikuchen verdient. Von der Federihütte aus hatte man einen schönen Blick auf den Zürichsee aus einer ungewohnten rückwärtigen Perspektive.

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Federispitz mit
Zürichsee im Hintergrund
Zudem sah man zum Federigrat hoch und so konnte ich ziemlich genau abschätzen, wie viele Höhenmeter noch vor mir lagen. Es waren nicht wenige. Der Wald wurde lichter und nach Ober Federi war der Weg auch nicht mehr so steil. Stattdessen führte er ausgesetzt unterhalb eines Felsbandes dem Hang entlang. Die schmale und teilweise abschüssige, mit einzelnen Felsen durchsetzte Spur empfand ich aber schliesslich als unangenehmer als jede Steigung. Es war wieder einmal einer dieser Momente, wo ich einen Steilhang hinunterblickte und ich mich fragte, wem ich eigentlich von meinen Wanderplänen erzählt hatte.

Ein letzter Aufschwung brachte mich schliesslich auf den Federigrat. Im Gegensatz zum Zustieg erschien mir die Wanderung entlang des Grates kaum ausgesetzt und angenehm zu begehen. Wenig später stand ich bereits auf dem Federispitz (1'864 m). Ich war so damit beschäftigt, die Aussicht auf den Zürichsee zu fotografieren, dass es einen Moment dauerte, bis ich mich umdrehte und feststellte, dass hinter mir mit dem Walensee ein anderer See in Griffnähe schien.

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Walensee
Nach einer Pause machte ich mich an den Abstieg und der war nicht weniger herausfordernd als der Aufstieg: Der "Weg" war kaum mehr als eine ausgewaschene Sandspur, die über eine abschüssige Wiese führte. Wenigstens war der Untergrund trocken, bei nassem Wetter möchte ich nicht diesen Abhang hinunterrutschen. 

Bei Oberfidersche hatte ich den schlimmsten Teil des Abstiegs hinter mir. Anstatt weiter bis nach Weesen abzusteigen, nahm ich den breiten Feldweg, der mehr oder weniger entlang der Höhenlinie Richtung Amden führte. Die Route bot einen tollen Blick zurück Richtung Federikette, doch leider konnte ich in den zahlreichen, gleich aussehenden Felsenspitzen denjenigen, den ich so mühsam erklommen hatte, nicht mehr identifizieren.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Donnerstag, 9. Juli 2020
  • Route: Schänis - Federiwald - Federihütte - Ober Federi - Federigrat - Federispitz - Fidscherbode - Oberfidersche - Underbütz - Brunnenegg - Underfurggle - Durschlegi - Amden
  • Meine Wanderzeit: 5 h  45 min
  • Distanz: 15,5 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'680 m
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Sonntag, 12. Juli 2020

Ab ins Puschlav! (Via Albula Teil 4/4)

@wandernohneende
Mein letzter Tag auf der Via Albula Bernina führte zunächst flach entlang des Lago Bianco, bevor ich den letzten Anstieg meiner gesamten Wanderwoche in Angriff nahm. Bei Sassal Manson (2'355 m) hatte ich den höchsten Punkt des Tages bereits erreicht und eigentlich einen zweiten Cappuccino eingeplant - doch das Restaurant war geschlossen und sah völlig verlassen aus. Eine Pause legte ich trotzdem ein, denn die Aussicht von der Terrasse aus über die Alp Palü ist schlicht spektakulär: Man hat einer Arena gleich freien Blick auf die Schneefelder des Palü-Gletschers, von wo aus sich unzählige Wasserfälle die senkrechten Felswände hinunter stürzen, die sich im Tal zu einem Fluss vereinen und in einen türkisfarbenen See fliessen.

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   Gletschermühle von Cavaglia
Der Wanderweg, der tiefer in den Talkessel hineinführt, war leider wegen Steinschlaggefahr teilweise gesperrt. So blieb mir nichts anderes übrig, als den direkten Abstieg zur Alp Grüm zu wählen. Deren üppig grüne Wiesen bildeten einen schönen Gegensatz zu den schroffen Felswänden. Es war mein erster Besuch im Val Poschiavo und ich war schon jetzt restlos begeistert von der Schönheit und Vielfalt der Landschaft.

Entlang der tiefen Schlucht des Palü-Bachs - den man mehr hörte als sah - erreichte ich die ausgedehnte Ebene von Cavaglia. Am Ausgang der Ebene besuchte ich den Gletschergarten, welcher mit zahlreichen grossen und tiefen Gletschermühlen aufwarten kann. Der weitere Abstieg führte durch einen Wald und immer wieder überquerte ich die Geleise der Berninabahn, die sich den Hang hinauf schlängelt. Unten im Tal leuchtete der Lago di Poschiavo in einem tiefen blau.

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Auf dem Dorfplatz von Poschiavo beschloss ich meine Wanderferien bei einem Bier. Auf der Rückfahrt über die Albula- und Berninabahnstrecke konnte ich dann am nächsten Tag meine Wanderungen der letzten fünf Tage bequem vom Zugfenster aus nochmals Revue passieren lassen.


Alle Etappen der Via Albula Bernina gibt es hier.







Wanderinfos:
  • Gewandert: Freitag, 3. Juli 2020
  • Route: Ospizio Bernina/Berninapass - Sassal Mason - Alp Grüm - Cavaglia - Cardera - Poschiavo (Etappen 8 und 9 der Via Albula Bernina/Regionale Route Nr. 33)
  • Meine Wanderzeit: 4 h 30 min
  • Distanz: 16,5 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 270 m
  • Übernachten: Hotel Suisse, Poschiavo


Mittwoch, 8. Juli 2020

Mittagessen auf der Diavolezza (Via Albula Teil 3/4)

@wandernohneende
Nach einem "Ruhetag" in Pontresina ging es weiter auf der Via Albula oder, wie die Strecke korrekt heisst, der Via Albula Bernina, was ich erst nach drei Tagen und unzähligen entsprechenden Aufklebern bemerkt hatte. Der Zusatz "Bernina" macht auch Sinn, denn ab Pontresina geht es entlang des Berninabachs Richtung Berninapass mit Sicht auf den Piz Bernina.

Ich startete den Wandertag gemütlich. Auf einem breiten Weg ging es durch den lieblichen Wald am Rande des Tals und als ich nach etwas über einer Stunde Morteratsch erreichte, machte ich im gleichnamigen Restaurant bereits eine erste Pause. An diesem sonnigen Tag waren zahlreiche andere Wanderer unterwegs, doch die meisten bogen ins Morteratschtal ein. 

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Cascata da Bernina
Dagegen schienen sich sämtliche Velofahrer mit mir zum Berninapass aufzumachen. Kurz nach Morteratsch fliesst der Berninabach rauschend über zahlreiche Felsen hinunter und bildet die Cascata da Bernina - man hätte sich in der kanadischen Wildnis wähnen können, wenn man nicht immer hätte aufpassen müssen, nicht von einem Mountainbiker überfahren zu werden.

Bald darauf öffnete sich das Tal und ich wanderte durch die weite Ebene. Als ich gegen Mittag die Diavolezza-Talstation erreichte, entschied ich mich spontan für einen Abstecher in die Höhe mit der Gondelbahn. Auf der Terrasse des Bergrestaurants Diavolezza (2'903 m) mit Sicht auf Piz Palü, Piz Bernina und die schrumpfenden Eisfelder von Pers- und Morteratschgletscher genoss ich mein Mittagessen. 

Auf dem Rückweg ins Tal sah man von der Gondel aus bereits den Berninapass mit dem Lago Bianco und beides schien ganz nah. Doch zu Fuss zog sich die wenig abwechslungsreiche Strecke durch die karge Landschaft dann noch ziemlich hin und die Mountainbiker wurden auch nicht weniger. Ohne meinen Abstecher auf die Diavolezza wäre es eine ziemlich eintönige Wanderetappe gewesen.

@wandernohneende
Blick von der Diavolezza 
Etwas Spannung kam dann noch auf, als ich beim Einchecken ins Hotel auf dem Berninapass Fieber messen musste. Doch erstaunlicherweise war meine Temperatur trotz des Aufstiegs an diesem warmen Sommertag normal, so dass ich nicht in Quarantäne musste, sondern mein Abendessen mit Blick auf den Lago Bianco geniessen konnte.

Weitere Etappen der Via Albula Bernina gibt es hier.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Donnerstag, 2. Juli 2020
  • Route: Pontresina - Morteratsch - Bernina Suot - Bernina Diavolezza (Talstation) - Ospizio Bernina/Berninapass (verkürzte Etappe 7 der Via Albula Bernina/Regionale Route Nr. 33)
  • Meine Wanderzeit: 4 h 5 min
  • Distanz: 16 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 660 m
  • Übernachten: Ospizio Bernina, Berninapass


Mittwoch, 1. Juli 2020

Eisenbahnviadukte, idyllische Wasserwelten und eine Helikopterlandung (Via Albula Teil 2/4)

@wandernohneende
Mein zweiter Tag auf der Via Albula fing sehr ähnlich an wie der erste: Mit einem wolkenverhangenen Himmel und einem Weg, der abwechslungsreich entlang der Albula führte, bevor er schliesslich immer höher hinauf in den Hang stieg. Wenn man mit dem Zug von Filisur nach Preda fährt, verliert man schnell die Orientierung ob der vielen Viadukte, Kehr- und Spiraltunnel. Und ich stellte fest, dass der Blick von aussen nicht half, Ordnung ins scheinbare Chaos zu bringen: Mal war die Bahnlinie unter mir, mal hoch über mir, mal auf der anderen Bergseite. 

Während ich versuchte, den Überblick zu behalten, näherte sich plötzlich ein Helikopter im Tiefflug, machte eine Schleife und setzte direkt vor mir auf dem Wanderweg zur Landung an. Ein paar Arbeiter brachten eine Longline an und danach holte der Helikopter in beeindruckender Frequenz Baumstämme aus einem steilen Waldstück, das irgendwo zwischen Bahntrasse, Felswand und Hochspannungsleitung lag.

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Lai da Palpuogna
Die 4. Etappe der Via Albula endet in Preda. Doch für eine bloss zweistündige Wanderung war ich nicht so früh aufgestanden, zumal endlich die Wolken verschwanden und dem blauen Himmel Platz machten. Ich verliess die offizielle Route, um mir den Abstecher zum Bahnhof Preda zu ersparen, und folgte stattdessen einem Seitenlauf der Albula, der sich zunächst idyllisch durch die Wiese schlängelte und dann in einem Urwald zwischen Felsbrocken verschwand. 

Die nächste Idylle folgte kurz danach mit dem Lai da Palpuogna. Der glasklare Bergsee war umgeben von einem lichten Lärchenwald und in seiner glatten Oberfläche spiegelten sich die umliegenden Berggipfel. Noch malerischer geht nicht mehr. Dies hatten sich wohl auch die Teilnehmer eines Malkurses gedacht, die sich mit Aquarellfarben bewaffnet rund um den See verteilt hatten und versuchten, die märchenhafte Landschaft auf Papier zu bannen.

@wandernohneende
Für mich ging es nach einer Fotopause weiter, denn ich hatte erst ungefähr die Hälfte meines heutigen Höhenmeter-Pensums hinter mir. Ich erreichte eine ausgedehnte Ebene, die von steilen, mit bunten Alpenblumen übersäten Hängen kesselartig umgeben war. Der Wanderweg stieg entlang der Kesselwand in einem ausladenden Halbkreis stetig an - offenbar werden im Graubünden nicht nur Bahnlinien, sondern auch Wanderwege nach dem Spiralprinzip gebaut. 

Ich überquerte ein letztes Mal die Albulapassstrasse, wo sich vollgepackte Velofahrer die Steigung hochquälten, und kehrte dem Albulatal dann den Rücken zu. Nach einer letzten Pause bei den Lais digl Crap Alv quälte ich mich schliesslich selber den Schlussanstieg zur Fuorcla Crap Alv (2'466 m) hoch. Und dann lag plötzlich unter mir das Val Bever, in dessen Talsohle der Beverin in der Sonne glitzerte. 

@wandernohneende
Einer der Lais digl Crap Alv
Der Abstieg ins Tal hinunter führte über eine Wiese, die teilweise fast senkrecht zu sein schien. Der Weg war mit zahlreichen Zickzack-Kurven geschickt in den Hang gelegt worden, doch es erschien mir endlos, bis ich endlich mit weichen Knien den Talboden erreichte. Auf einem der zahlreichen Steine am Flussufer wollte ich eine Verschnaufpause einlegen, doch grosse Klammerameisen hatten diese ausnahmslos für sich in Beschlag genommen.

Im Januar hatte ich das Val Bever von der Jenatschhütte her kommend mit den Schneeschuhen begangen. Mit einer dicken Schneeschicht bedeckt hatte mir das Tal bereits damals sehr gefallen. Doch im Sommer legt hier die Natur noch einen drauf: Pink blühende Alpenrosen vor dem gletscherfarbenen Wasser des Beverins, umrahmt vom satten Grün der Lärchen - es grenzte bereits an Kitsch.

@wandernohneende
Blick ins Val Bever Richtung      
Jenatschhütte
Die Schönheit der Landschaft lenkte mich etwas von meinen Füssen ab, die sich allmählich schmerzhaft bemerkbar machten. In Spinas hätte ich eigentlich die Gelegenheit gehabt, die Wanderung zu beenden, doch der Bahnhof von Spinas wird von der Rhätischen Bahn nur sehr selektiv bedient. Viel besser waren die Verbindungen nach Pontresina - wo ich meine nächste Unterkunft hatte - ab Bever. Das bedeutete gemäss Wegweiser eine weitere Stunde Fussmarsch und ich hatte bereits festgestellt, dass ich mit den offiziellen Bündner Wegzeiten nicht mithalten konnte. 

Tatsächlich lag ich schliesslich über der angegebenen Zeit, als ich mich endlich in Bever erschöpft in den Bus fallen lassen konnte. Die Nachwirkungen dieses über siebenstündigen Gewaltmarsches würde ich noch lange spüren - und noch war ich nicht am Ende meiner Via Albula-Wanderung. 




Meine weiteren Etappen auf der Via Albula gibt es hier.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Dienstag, 30. Juni 2020
  • Route: Bergün -  Plan digls Bouvs - Punt Ota - Naz - Egsla - Ruidals - Lai da Palpuogna - Crap Alv - Pkt. 2178 - Lais digl Crap Alv - Chamanna Spinas - Fuorcla Crap Alv - Spinas - Bever (Etappe 4 und 5 der Via Albula/Regionale Route Nr. 33)
  • Meine Wanderzeit: 7 h 15 min
  • Distanz: 23 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'370 m
  • Übernachten: Hotel Albris, Pontresina