Die ersten Höhenmeter bis zur Musenalp (UR nicht NW) ging es mit einem sehr wackeligen Bauernseilbähnchen hoch. Der Himmel war bedeckt, doch das störte mich spätestens dann nicht mehr, als der Aufstieg begann. Über schmale Trampelpfade durch abschüssige Wiesen ging es zu unserem ersten Tagesziel, dem Aussichtspunkt Platten (1'885 m). Von dort hatten wir unter der Wolkenschicht hindurch eine schöne Sicht über den Vierwaldstättersee und die Innerschweiz. Gut sichtbar war unter anderem der Rophaien, den ich nur eine Woche früher bestiegen hatte.
Danach wechselten wir auf die andere Seite der Bergkette, welche das Chli- vom Grosstal trennt, und stiegen steil entlang von zerklüfteten, senkrechten Felswänden bis zur Biwaldalp ab. Dort gönnten wir uns eine Pause in der kleinen Alpbeiz. Wir liessen uns aber nicht zu viel Zeit, denn einerseits lag ein happiger Wiederaufstieg vor uns und andererseits war für den späteren Nachmittag ein Gewitter angesagt.
Je höher wir kamen, desto felsiger und karger wurde die Gegend. Über die Berghänge des Talkessels am Ende Grosstals rauschten die Wasserfälle. Die Wolken verdichteten sich und kaum hatten wir die Gitschenhörelihütte erreicht und den gut versteckten Schlüssel der Selbstversorgerhütte gefunden, rauschten die Wasserfälle nicht nur von den Felsen sondern auch vom Himmel hinunter.Im Innern der kleinen und gemütlichen Hütte waren wir aber gut geschützt. Nach dem selbstgekochten Abendessen rissen die Wolken wieder auf, so dass die untergehende Sonne den Blüemlisalpfirn (UR nicht BE) in ein weiches Licht tauchen konnte.
Am nächsten Tag war ausser blauem Himmel nichts zu sehen. Über die Seitenmoräne begannen wir unseren Gipfelsturm. Richtig interessant wurde die Wanderung, als wir nach links in die Bergflanke abbogen. Kraxelnd ging es über die rauhen Felsplatten hoch. Die Strecke war weiss/blau markiert, ein paar Eisenketten halfen beim Gleichgewicht halten. Dieser Aufstieg war eine der schönsten und längsten T4-Kraxeleien, die ich in letzter Zeit gemacht hatte. Es brauchte aber auch Konzentration, so dass ich ab und zu bewusst innehalten und mich umdrehen musste, um die ausgedehnte Bergwelt um mich herum auch wahrnehmen zu können.Die letzten Meter zum Gipfel führten über losen Schotter und dann standen wir bereits unter dem Gipfelkreuz des Uri Rotstocks (2'929 m). Dank dem Start in der Gitschenhörelihütte gehörten wir zu den ersten Gipfelstürmern des Tages - erst beim Abstieg trafen wir auf andere Wanderer.
Zunächst genossen wir aber das Bergpanorama: Vom Titlis auf der einen Seite über den Vierwaldstättersee bis zu den Mythen auf der anderen Seite lag die ganze Innerschweizer Bergwelt zu unseren Füssen.Für den Abstieg wählten wir die Route über den Rotstocksattel. Auch diese war blau/weiss markiert, technisch aber nicht besonders anspruchsvoll. Von dieser Seite her sieht der Uri Rotstock aus wie eine perfekte Pyramide und es ist auch klar, woher er seinen Namen hat: Eine scharfe Linie trennt das rote Gesteins des Gipfels vom grauen der Basis. Über vom Gletscher glatt geschliffene Felsen wanderten wir schliesslich zurück zur Gitschenhörelihütte.
Damit war der Abstieg leider noch nicht zu Ende. Auf der gleichen Route wie am Vortag ging es zunächst wieder zur Biwaldalp und nach einem kalten Sauren Most nochmals weiter runter bis nach St. Joseph im Grosstal. Zweitausend negative Höhenmeter hatten wir da vernichtet und ich spürte jeden einzelnen in meinen Knien. Für dieses tolle Bergerlebnis hatte sich dies mehr als gelohnt!
Wanderinfos:
- Gewandert: Samstag/Sonntag, 1./2. August 2026
- Route: Musenalp (UR) - Platten - Biwaldalp - Gitschenhörelihütte (Samstag); Gitschenhörelihütte - Uri Rotstock - Rotstocksattel - Gitschenhörelihütte - Biwaldalp - Ober Rüteli - St. Jakob (Sonntag)
- Unsere Wanderzeit: 4 h 50 min (Samstag); 6 h 30 min (Sonntag)
- Distanz: 10 km (Samstag); 13,5 km (Sonntag)
- Höhenmeter: ↑1'250 m; ↓390 m (Samstag); ↑680 m; ↓2'010 m (Sonntag)
- Übernachten: Gitschenhörelihütte (Selbstversorgerhütte)
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| Route Samstag |
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| Route Sonntag |






































