Donnerstag, 5. Mai 2016

Rigimarsch - Ich gegen ganz viele (horizontale und vertikale) Kilometer

Der Rigimarsch, der dieses Jahr bereits zum 26. Mal stattfand, ist ein Nachtmarsch, der von Bremgarten (AG) auf die Rigi führt. Die Strecke beträgt 50 km und es sind insgesamt etwa 1'500 Höhenmeter - gemeinerweise mehrheitlich auf den letzten 10 km - zu absolvieren. Ich weiss ehrlich gesagt nicht mehr ganz genau, wie ich auf die Idee gekommen war, dass ich da einmal mitlaufen sollte.

Auf jeden Fall traf ich mich mit meinen beiden Mitstreitern - Thomas und Nicolas - am frühen Abend in Bremgarten am Start. Das Wetter war für dieses Vorhaben perfekt und bei der Anfahrt nach Bremgarten sah man am Horizont - ziemlich weit weg, wie ich einräumen musste - bereits die sonnenbeschienenen Hänge der schneebedeckten Rigi. Am Start des Rigimarsches war traditionellerweise Anstehen angesagt, doch wir waren früh genug gekommen, um zu den ersten zu gehören, die ihre Unterlagen ausgehändigt bekamen, so dass wir uns gegen 19 Uhr 45 auf den Weg machen konnten.

Die Strecke führte zu Beginn immer der Reuss entlang und die untergehende Sonne tauchte die Auenlandschaft in ein schönes Rot. Leider blieb keine Zeit für ausgiebige Landschaftsbetrachtungen, denn das Tempo war von Anfang an hoch und ich musste mir erklären lassen, dass es sich ja um einen Marsch handelte und nicht um eine Wanderung. Wir liessen den ersten Verpflegungsposten aus und machten stattdessen eine kurze Pause am Wegrand, wo wir auf Andrea trafen. Zu viert marschierten wir im Schein der Stirnlampen weiter durch die Dunkelheit, wobei es nicht immer ganz ein einfach war, sich zwischen den zahlreichen Teilnehmern hindurchzuschlängeln und gleichzeitig auf den teilweisen schmalen Wegen direkt am Fluss nicht das Gleichgewicht zu verlieren, denn auf ein unfreiwilliges Bad in der Reuss hatte niemand Lust.

Als wir uns nach sehr vielen Kilometern irgendwann am sehr frühen Morgen Immensee näherten, zeichnete sich die dunkle Silhouette der Rigi deutlich gegen den sternenklaren Himmel ab. Das bedeutete zwar, dass wir unserem Ziel näher kamen, zeigte aber auch eindrücklich die Höhenmeter, die noch vor uns lagen. In Immensee stärkten wir uns zunächst am Verpflegungsposten mit Brot und Schokolade und wären versehentlich fast im Retourbus gelandet. Doch Aufgeben war keine Option, so dass wir uns -  nicht mehr ganz so schnell wie am Anfang aber stetig - das Strässchen zur Seebodenalp hinauf arbeiteten. Dort angekommen setzte gerade die Dämmerung ein. Wir machten eine letzte Pause, bevor wir die letzten 750 Höhenmeter in Angriff nahmen.

Auf diesem letzten Stück war der Weg teilweise mit Schnee und Eis bedeckt und es brauchte einiges an Konzentration, um nicht auszurutschen. Das Teilnehmerfeld hatte sich unterdessen merklich gelichtet und auch wir mobilisierten die letzten Kräfte. Entschädigt wurden wir mit einem tollen Sonnenaufgang über den Innerschweizer Seen. Als wir endlich Rigi Staffel erreichten, wurde der Weg zwar besser, doch die letzten Meter bis zum Rigi Kulm zogen sich scheinbar endlos hin. Umso besser war das Gefühl, als wir das Ziel endlich erreichten.

Im Restaurant Kulm, das von weiteren "Rigimärschlern", die es geschafft hatten, bevölkert war, wärmten wir uns auf. Thomas hatte danach für den Tag noch nicht genug gewandert und machte sich auf den Weg, die Rigi auch zu Fuss wieder zu verlassen. Wir anderen setzten uns ins Bähnchen und fuhren - das ein oder andere Wehwehchen beklagend - in Tal.

Ich danke meinen Mitstreitern, die dafür sorgten, dass ich diese (Tor-)Tour geschafft und nie ernsthaft auf den Gedanken gekommen war, aufzugeben (obwohl ich unterwegs einige Male darüber nachdachte, mir ein neues Hobby zu suchen).


Wanderinfos:

  • Mittwoch/Donnerstag, 4./5. Mai 2016 (Nacht vor Auffahrt)
  • Route: Bremgarten (AG) - Mühlau - Hünenberg - Rotkreuz - Immensee - Seebodenalp - Rigi Kulm (entlang der offiziellen Rigimarsch-Route)
  • Unsere Marschzeit: 11 h 30 min (inkl. Pausen; Wanderzeit netto ca. 9 h 45 min)
  • Distanz: 50,04 km
  • Höhenmeter (Steigung): 1'520 m






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