Donnerstag, 1. Oktober 2026

Cima dell'Uomo - Hitze und Hagel im Tessin

@wandernohneende
Sommer ist ja eigentlich nicht meine übliche Jahreszeit für Abstecher ins Tessin, doch wenn es nördlich der Alpen genauso heiss ist wie südlich davon, spielt es keine Rolle mehr, wo man schwitzt. Auf dem Programm fürs Wochenende stand ein unbekannter Gipfel zwischen Leventina und Verzascatal sowie eine Übernachtung in einer Selbstversorgerhütte.

Auf den ersten Metern durch das Verzascatal hatten wir Sicht auf die Römerbrücke von Lavertezzo, wo sich die Touristenmassen im blauen Flusswasser abkühlten. Wir dagegen bogen nach rechts ins Val Carecchio ab, wo wir Abkühlung im schattigen Wald fanden. Dieses Tal war für mich die schönste Entdeckung des Tages: Der namensgebende Bach rauschte in kleinen und grossen Wasserfällen die Felsen hinunter und sammelte sich immer wieder in türkisfarbenen Becken aus geschliffenen Steinen, die zum Baden einluden. Leider hatten wir eine lange Wanderung vor uns, so dass wir auf den Badehalt schweren Herzens verzichteten.

@wandernohneende
Das Tal endete bei der Alpe Rognoi, einem ausgedehnten, locker bewaldeten Felskessel, aus dem es nur einen Weg hinaus gab: Steil aufwärts. Der Aufstieg in der Hitze setzte mir ziemlich zu und ich war ganz froh, als ein paar Wolken aufzogen und leichter Nieselregen einsetzte. Die Freude endete, als sich der Nieselregen in eine heftige Hagelschauer verwandelte, welcher wir schutzlos ausgesetzt waren.

Der Spuck war aber schnell vorbei und als wir die Bocchetta di Rognoi (2'219 m) - der höchste Punkt des Tages - erreichten, zogen die Wolken bereis wieder ab und gaben den Blick auf den Lago Maggiore frei. Die nassen Kleider hängten wir auf der Terrasse der Capanna Borgna zum Trocknen auf und gönnten uns ein Bier.

Die Hütte - oder vielmehr die verschiedenen kleinen Hütten - sind liebevoll restauriert worden. Die modernste von ihnen befand sich bei unserem Besuch noch kurz vor der definitiven Fertigstellung. Die Unterkunft ist grundsätzlich unbewartet, freiwillige Helfer schauen aber nach dem Rechten. 

@wandernohneende
Der zweite Tag war Gipfeltag: Wir liessen die Capanna Borgna hinter uns und stiegen in Richtung Bocchetta di Medee auf. Den Cima dell'Uomo - unser Ziel - umrundeten wir zunächst halb, bevor es über Geröll zum Gipfel hinauf ging. Die Schlüsselstelle - im Aufstieg einfacher zu erklimmen als später im Abstieg - war ein kurzer Kamin, der etwas Kraxelei erforderte.

Es war nicht einmal neun Uhr, als wir am Gipfelkreuz des Cima dell' Uomo (2'390 m) standen und ungestört und ausgiebig das 360°-Panorama genosswen.

Cima dell'Uomo
Danach ging es praktisch nur noch abwärts. An einer schattigen Stelle hatte es noch ein paar Schneereste und wir rätselten zusammen mit zwei Wanderer, die uns entgegen kamen, ob der grosse Pfotenabdruck im Schnee von einem Bär stammte. Bei der Capanna Albagno machten wir Pause bei Kaffee und Kuchen (und wehrten ohne grossen Erfolg lästige Bremsen ab), bevor wir auch noch das letzte Wegstück bis Mornera hinab wanderten. Der Rest des Abstiegs nach Monte Carasso war dann ganz knieschonend mit der Gondel.

Es war ein tolles Wochenende gewesen, mit der Entdeckung eines neuen Tals, eines neuen Gipfels und einer neuen Hütte - alles perfekt organisiert von SAC-Tourenleiter Heidi.

  

Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 20./21. Juni 2026
  • Route: Lavertezzo, Ai Poss - Rancone - Val Carecchio - Alpe Rognoi - Bocchetta di Rognoi - Capanna Borgna (Samstag); Capanna Borgna - Bocchetta di Medee - Cima dell'Uomo - Bocchetta d'Erbea - Capann Alpagno - Mornera (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 6 h 15 min (Samstag); 4 h 10 min (Sonntag)
  • Distanz: 13,3 km (Samstag); 7,2 km (Sonntag)
  • Höhenmeter: ↑1'732 m; ↓395 m (Samstag); ↑455 m; ↓1'084 m (Sonntag)
  • Übernachten: Capanna Borgna (Selbstversorgerhütte)

 

@wandernohneende
Route Samstag & Sonntag

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