Sonntag, 23. Oktober 2016

Umwege im Alpstein

Nachdem ich das letzte Wochenende trotz perfektem Wanderwetter erkältungsbedingt zu Hause verbringen musste, fühlte ich mich endlich wieder fit genug, meine Wanderschuhe zu schnüren. Der Alpstein ist ein Gebiet, in dem ich bisher nur selten unterwegs gewesen war und daher kam Nicoles entsprechender Wandervorschlag wie gerufen.

Die Anreise mit dem Zug führte über eine kurvenreiche Strecke mitten durch das Appenzellerland mit unzähligen Stopps in Ortschaften, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. In Wasserauen, wo die Zugstrecke endet, startete wir unsere Wanderung. Geplant war eigentlich eine eher kurze Wanderung zum Seealpsee und dann via Äscher zur Ebenalp. Doch für eine nur kurze Wanderung schien uns dieser schöne Herbsttag schon fast eine Verschwendung, so dass wir mehrmals absichtlich einen Umweg einbauten. Den ersten schon zu Beginn, als wir anstatt des direkten Wegs zum Seealpsee die längere Variante via Grosshütten wählten. Das Tal lag noch im Schatten, doch die Berghänge weiter oben waren bereits sonnenbeschienen und im Seealpsee spiegelten sich der blaue Himmel und der schneebedeckte Säntis.

Nach einer Kaffeepause im Restaurant Seealpsee begann die Steigung Richtung Altenalp und endlich erreichten wir selber die Sonne. Der Zickzack-Weg war sehr nass und rutschig, was das Fortkommen teilweise schwierig machte - und meine neuen Wanderschuhe endgültig nicht mehr so neu aussehen liess. Von der Altenalp hätte man ohne viele Höhenmeter direkt Richtung Äscher wandern können, aber eben, Umwege standen auf dem Programm: Also ging es steil weiter hinauf bis zum Schäfler, der auf knapp 2'000 m liegt und wo bereits Schnee lag. Für die Anstrengung wurden wir mit einer herrlichen Aussicht über den Alpstein, vom Hohen Kasten bis zum Säntis, belohnt.

Während wir bis dahin praktisch alleine unterwegs gewesen waren, kreuzten uns ab dem Schäfler zahlreiche andere Wanderer und Touristen, nicht alle in den geeigneten Schuhen. Direkt entlang der senkrechten Felswand, an der sich diverse Kletterer versuchten, ging es weiter bis zum Berggasthaus Äscher. Der Äscher war in der letzten Zeit öfters in der Presse gewesen, einerseits auf dem Titelbild von "National Geografic" als einer der spektakulärsten Orte der Welt und selbst Roger Federer war schon da gewesen, andererseits weil eine Extra-Gabel zwei Franken kostet.

Die Lage direkt an der Felswand ist zweifelsohne spektakulär und entsprechend war die Terrasse bis auf den letzten Platz besetzt. Wir hatten unsere Rösti schon fast abgeschrieben, als Nicole es schaffte, uns einen Tisch mit bester Aussicht zu besorgen. Ich verzichtete auf eine Extra-Gabel und verdrückte stattdessen mit einem Löffel eine Meringue, die sehr lecker war. Kaum hatten wir das Essen beendet, zog eine Wolke auf und schob sich vor die Sonne und das Bergpanorama. Damit wurde es plötzlich kühl und wir packten unsere Sachen zusammen.

Vom Äscher war es nur noch ein kurzer Spaziergang via Wildkirchli und durch ein kleines Höhlensystem bis zur Ebenalp, von wo aus wir mit der Gondelbahn zurück nach Wasserauen hinunter fuhren.

Neben einer schönen Wanderung nahm ich von diesem Tag vor allem eine Menge Ideen für weitere Abstecher in den Alpstein mit. Der frische Schnee auf den Gipfeln zeigte aber auch, dass die meisten davon bis zum nächsten Sommer warten müssen.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 22. Oktober 2016
  • Route: Wasserauen - Grosshütten - Seealpsee - Altenalp - Schäfer - Füessler- Äscher - Ebenalp
  • Unsere Wanderzeit: 4 h
  • Distanz: 11 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'300 m










Freitag, 21. Oktober 2016

Der frühe Vogel kann mich mal...oder doch nicht?

Julia fragte in ihrem Blog, ob man eher Frühaufsteher oder Nachteule sei. Da grippebedingt für mich das Wandern zwar keine Ende, aber doch eine Pause hat, bleibt Zeit, auch was dazu zu sagen:

Ich bin kein Frühaufsteher, doch der Alltag hat darauf noch nie gross Rücksicht genommen, so dass ich mich seit Jahren gegen 6 Uhr in der Früh aus meinem warmen Bett quäle, damit ich es rechtzeitig zum Zug und damit pünktlich ins Büro schaffe. Mein Eulendasein habe ich lange nur an den Wochenenden ausgelebt. Schlafen bis Mittag - was gibt's Schöneres?

Doch dann hat mich plötzlich eine neue Leidenschaft gepackt, die diametral mit meinem ausgiebigen Schlafbedürfnis kollidiert: Die Wanderlust. Ich bin praktisch jedes Wochenende wandernd unterwegs. Aber dazu muss man früh aus den Federn, insbesondere wenn eine längere Wanderung geplant ist und auch noch die Anfahrt zwei oder drei Stunden dauert. Die Folge davon ist, dass am Wochenende der Wecker regelmässig noch früher klingelt als unter der Woche und mehr als einmal, als ich noch im Dunklen meine Wanderschuhe schnürte, überlegte ich mir, ein neues Hobby zu suchen: Nachmittags-Tee-Trinken, zum Beispiel.

Doch egal wie widerwillig ich am Morgen aus dem Bett gestiegen bin, bereut habe ich es am Ende des Tages noch nie. Tagwacht um 4.30 Uhr, um den Sonnenaufgang auf einem Berggipfel auf 3'000 m Höhe zu sehen - was gibt's Schöneres?





Mittwoch, 12. Oktober 2016

Zu(e)gig durch den Jura

Moni hatte eine grosse Alpstein-Tour geplant, für welche ich sogar einen Tag frei genommen hatte. Leider wollte das Wetter sich nicht unseren Plänen anpassen und ich befürchtete schon, dass ich doch noch arbeiten gehen musste, bis Moni mit einer Alternative kam, die auf jeden Fall besser war, als im Büro zu sitzen.

Geplant waren zwei Etappen des Trans Swiss Trails und damit auch ein paar Höhenmeter zusammen kamen, machten wir sie in umgekehrter Richtung. Wir starteten in Neuenburg mit einem ersten leichten Aufstieg durch den Wald. Sobald wir aber den Wald verlassen hatten und offene Weiden durchquerten, war klar, dass der Herbst definitiv da war: Ein kalter Wind pfiff uns um die Ohren und wir hielten unsere Pausen nur sehr kurz, weil sofort eine unangenehme Kälte an den Gliedern hochkroch, wenn man länger anhielt. Zudem gab es auf der ganzen Strecke kein offenes Restaurant, in dem wir uns hätten aufwärmen können.

Es blieb uns also nichts anderes übrig, als so zügig wie möglich gegen den Wind anzuwandern. Die Strecke selber war eher unspektakulär und führte leider oft auf asphaltierten Wegen.

Ich hatte die Wanderung genutzt, um meine neuen Wanderschuhe einzulaufen und als mir plötzlich die Beine anfingen zu schmerzen, dachte ich zunächst, dies sei wegen den neuen Schuhen oder den ebenfalls neuen Einlagen, von denen mir der Verkäufer versprochen hatte, dass ich damit kilometerweit ohne Ermüdungserscheinungen wandern könne. Am Ende wurde mir aber klar, dass ich eine Erkältung ausbrütete und in Sonvilier machte ich endgültig schlapp. Ich stieg dort in den Zug, während Moni und Stephan noch bis St. Imier weiter wanderten.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Dienstag, 11. Oktober 2016
  • Route: Neuenburg - Vilars - Chézard St. Martin - Les Vieux Prés - Renan - Sonvilier (Etappen 5 + 4 des Trans Swiss Trails/nationale Route Nr. 2)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 45 min
  • Distanz: 22,4 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 960 m 


Samstag, 1. Oktober 2016

Quer über den Bürgenstock

Ich war in den letzten Jahren viel in der Innerschweiz unterwegs gewesen und hatte dabei oft zum Bürgenstock herüber, herunter oder herauf geschaut. Darauf oben war ich aber bisher noch nie gewesen und es war höchste Zeit, dies zu ändern. Ich startete von Stansstad aus und folgte immer dem ausgeschilderten Waldstätterweg. Nach einem Schlenker über die Schiffsanlegestelle führte die Strecke bald über zahlreiche Stufen steil den Wald hoch. Dabei querte sie das Trassee der alten Fürigenbahn und die komplett überwachsenen Geleise bewiesen, dass die Bahn schon länger nicht mehr in Betrieb ist. Ebenfalls nicht mehr im Betrieb ist das Hotel Fürigen, an dem ich vorbeikam und welches trostlos vor sich hin zerfällt.

Der Aufstieg - und damit die immer bessere Sicht auf den Vierwaldstättersee - setzte sich fort, nachdem ich Fürigen hinter mir gelassen hatte. Auf dem Bürgenstock angekommen, kam ich dann beim nächsten unbewohnten Hotel vorbei; doch dieses war nicht geschlossen, sondern noch gar nicht eröffnet. Von dem was ich sah, wird das geplante Resort riesig, und selbst am Samstag waren die Bauarbeiten hörbar in vollem Gang.

Danach fing das eigentliche Highlight der Wanderung an, nämlich der Felsenweg, der vor mehr als hundert Jahren direkt in die senkrechte Felswand gebaut wurde und teilweise durch Tunnels führt. Ungefähr in der Mitte der Strecke kam ich zudem beim Hammetschwand-Lift vorbei, dem längsten Aussenlift Europas. Den wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und ich war überrascht, wie schnell der Lift hochrauschte. Ich machte auf der Hammetschwand eine kurzen Pause und genoss die Aussicht auf den Vierwaldstättersee und die Innerschweizer Berge, bevor ich mit dem Lift wieder hinunter fuhr und weiter wanderte.

Der Felsenweg endete beim Känzeli und ab diesem Punkt führte die Strecke nur noch abwärts. Bei St. Jost schaute ich mir die kleine Kirche an und war offenbar dadurch so sehr abgelenkt, dass ich danach eine Abzweigung verpasste. Bis ich feststellte, dass ich falsch war, lohnte sich eine Umkehr nicht mehr und den Hügel wieder hoch laufen wollte ich ohnehin nicht. Es war zudem eigentlich klar, in welche Richtung ich gehen musste - hinunter zum See. Nach einem trotzdem etwas ineffizienten Zickzack zwischen den verstreuten Bauernhöfen hindurch traf ich schliesslich kurz vor Ennetbürgen wieder auf die offizielle Wanderstrecke.

Ich hatte schon von Anfang an überlegt, mit dem Schiff zurück nach Luzern zu fahren. Ein Blick auf den Fahrplan zeigte aber, dass sowohl von Ennetbürgen wie auch von Buochs aus nur zweimal pro Tag ein Kursschiff fuhr. Für eine Schifffahrt musste ich also bis Beckenried weiterlaufen. In Buochs zeigte der Wegweiser 1 h 05 min bis Beckenried Hafen an - die SBB-App sagte 60 min bis zur Abfahrt des nächsten Schiffs. Ich steigerte also das Tempo.

Der letzte Teil der Wanderung lud ohnehin nicht zum langsamen Geniessen ein - der Weg war durchgehend asphaltiert und obwohl man immer wieder einen schönen Blick auf den See hatte, führte er oft der Strasse entlang oder durch Einfamilienhausquartiere. Ich schaffte es schliesslich in knapp 45 min bis Beckenried und musste damit am Schluss sogar noch etwas Zeit totschlagen, bis das Schiff kam.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag, 1. Oktober 2016
  • Route: Stansstad - Harissenbuch - Fürigen - Schiltgrat - Bürgenstock - Felsenweg - (Hammetschwand via Lift) - Känzeli - St. Jost - Ennetbürgen - Buochs - Beckenried (Etappen 5 + 6 des Waldstätterwegs/regionale Route Nr. 98)
  • Meine Wanderzeit: 5 h 15 min
  • Distanz: 21,4 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 950 m








Sonntag, 25. September 2016

Endspurt auf den Gotthard (15. + 16. Etappe Zürich - Gotthard)

Wie die Zeit vergeht! Bereits standen die beiden letzten Etappen von unserem diesjährigen Wanderprojekt Zürich - Gotthard auf dem Programm. Und wer immer für das Wetter verantwortlich war, er unterstützte unser Finale nach besten Kräften und bescherte uns ein Wochenende mit viel Sonne und blauem Himmel.

Wir starteten auf dem Oberalppass und stiegen Richtung Tomasee auf. Unsere Route an beiden Tagen verlief gleich wie Etappen 1 und 2 des Vier-Quellen-Wegs (Regionale Route Nr. 49). Der Tomasee stellte sich als ein zweifellos hübscher, wenn auch als ein eher unspektakulärer Bergsee heraus. Wenn man aber wusste, dass hier der Rhein entspringt, bekam der Besuch dieses kleinen blauen Tümpels eine ganz andere Bedeutung.

Ein heftiger Wind hielt uns davon ab, die Mittagspause direkt am See zu machen. Wir holten sie an einer windgeschützten Stelle beim Abstieg nach und nahmen für den anschliessenden Kaffee einen Extraaufstieg zur Maighelshütte in Kauf. So gestärkt wanderten wir das Val Maighels hoch, welches mich wegen der spärlichen Vegetation und den zahlreichen Wasserläufen an die Greina erinnerte.

Ein kurzer Anstieg brachte uns über den Pass Maighels. Direkt hinter der Passhöhe erreichten wir einen kleinen See, welcher gemäss Karte keinen Namen hat, aber eindeutig einen verdienen würde, denn sein Ufer lud zum Verweilen ein. Wir legten uns in die Sonne und beobachteten den Steinbock, der sich für sein Sonnenbad den höchsten Gipfel der Gegend ausgesucht hatte und auf uns herunter schaute.

Vom See zu Vermigelhütte, wo wir die Nacht verbrachten, war es nicht mehr weit. Spätestens beim Bier auf der Terrasse war klar, dass der Sommer vorbei war, denn es wurde schnell empfindlich kühl. Also liessen wir uns drinnen vom sehr freundlichen Hüttenteam bewirten.

Am Sonntag nahmen wir die letzte Etappe unseres Wanderprojekts unter die Füsse und diese begann mit einem stetigen, aber zunächst relativ sanften Aufstieg. Doch kaum hatte Nicole bemerkt, dass es sich um eine sehr angenehme Steigung handeln würde, wurde diese immer giftiger. Das Gras verschwand und machte einer grauen Steinwüste Platz, unterbrochen nur durch teilweise riesige quarzhaltige Felsen und Steine. Trotz - oder gerade wegen - der kargen Landschaft war es aber eine enorm schöne Wanderung. Über ein lockeres Geröllfeld erreichten wir schliesslich den Sellapass und konnten einen ersten Blick Richtung Süden werfen. Vom Pass waren es nur noch ein paar (Höhen-)Meter bis zum Piz Giübin, welcher mit 2'776 m der höchste Punkt unserer gesamten Wanderung markierte.

Vom Gipfel hatten wir bei einem tief blauen, wolkenlosen Himmel eine 360°-Sicht auf hunderte von Bergen - und ich erkannte keinen einzigen von ihnen. Claude hatte zwei Flaschen Gipfelwein besorgt und so konnten wir nicht nur auf die Besteigung des Piz Giübins, sondern auf die ganze Wanderung, welche im März bei trübem Wetter in Zürich begonnen hatte, anstossen.

Danach stiegen wir Richtung Sellasee ins Tal hinab. Am Ufer dieses Stausees machten wir die letzte Pause und genossen nochmals das schöne Wetter. Von dort war es dann nicht mehr weit bis zum Ziel: Nach 16 Etappen, 215 km, 67 h Wanderzeit, 13'618 m Aufstieg, nach Wanderungen durch Regen und Schnee, Sonnenschein und Nebel, nach Übernachtungen in Hotels, Hütten und Massenlagern, nach kurzen Nächten, langen Wandertagen und vielen schönen Begegnungen mit neuen und alten Mitwanderern, erreichten wir schliesslich den Gotthardpass!



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 24./25. September 2016
  • Route: Oberalppass - Tomasee - Val Maighels - Pass Maighels - Vermigelhütte SAC (Samstag); Vermigelhütte SAC - Sellapass - Piz Giübin - Sellasee - Gotthardpass (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 30 min (Samstag); 4 h 15 min (Sonntag)
  • Distanz: 13 km (Samstag); 12,7 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 730 m (Samstag); 860 (Sonntag)
  • Übernachten: Vermigelhütte SAC
  • Weitere Etappen des Höhenwegs Zürich - Gotthard finden sich hier




Samstag, 17. September 2016

Kein Kreuz auf dem Stöcklichrüz

Die Wetterprognosen für das Wochenende sahen durchzogen aus und ich überlegte mir schon, eine Wanderpause einzulegen, doch nachdem ich am Freitagabend ein grosses Cordon Bleu verdrückt hatte, mussten diese Kalorien auch wieder verbrannt werden. Ich hatte über das ganze Jahr verteilt einzelne Etappen des Alpenpanoramawegs gemacht und es bot sich an, dort einige Lücken zu schliessen. Im Januar waren wir im Schnee von Weesen nach Siebnen gelaufen und ich entschloss mich, dort anzuknüpfen, zumal damit zur Abwechslung die Anfahrt zum Startpunkt nur kurz war.

Am Anfang führte der Weg in einem etwas seltsamen Zickzack durch Einfamilienhausquartiere und vorbei an sehr gepflegten Vorgärten. Dabei stellte ich fest, dass es in der Innerschweiz offenbar grosse Mode ist, seinen Garten mit Zwergen oder anderen - mehr oder weniger modernen - Figuren und Kunstwerken zu schmücken. Etwas mühsam war, dass die Strecke vornehmlich über asphaltierte Wege führte. Erst als schliesslich der Weg begann, steil anzusteigen, waren die Teerstrassen zu Ende. Mit jedem Höhenmeter wurde auch die Aussicht besser. Zwar verdeckten die tiefliegenden Wolken die Sicht auf die Alpen, doch der Blick auf den Zürichsee, insbesondere auf den Untersee und den Seedamm, entschädigte dafür.

Das erste und das letzte Drittel dieser Etappe des Alpenpanoramawegs verlaufen gleich wie der Jakobsweg (nationale Route Nr. 4). Letzterer macht aber noch eine zusätzliche Kurve, vermutlich um ja keine Kapelle oder Kirche auszulassen. Doch auch auf meiner Strecke war durch die zahlreichen Weg- und Gipfelkreuze nicht zu übersehen, dass ich mich im katholischen Kanton Schwyz und im Einzugsbereich eines der grössten Klöster der Schweiz befand.

Kein Kreuz, sondern eine Triangulationspyramide, stand hingegen - trotz des Namens - auf dem höchsten Punkt der Wanderung, dem Stöcklichrüz (zur Kompensation befand sich aber kurz davor und kurz danach je ein grosses Kreuz). Von dort sah man auch zum ersten Mal auf die andere Seite der Hügelkette in Richtung Sihlsee hinab. Ziemlich genau entlang der Krete führte der Weg dann abwärts bis zur Tüfelsbrugg. Leider verlief auch auf dieser Seite der Wanderweg meistens auf geteerten Strassen.

Das letzte Stück bis Einsiedeln zog sich dann hin. Unterhaltung bot ein heftiger Luftkampf zwischen einem Schwarm Krähen, einem halben Dutzend Rotmilanen und mindestens zwei Mäusebussharden (das Vogelbestimmungsbuch, das ich vor einer Weile gekauft hatte, zahlte sich endlich aus).

Mittlerweile wurden die Wolken immer dichter und dunkler, doch ich hatte Glück: Der Regen wartete das Ende meiner Wanderung ab. Eigentlich hätte ich den Regenschirm zu Hause lassen können und stattdessen die Sonnenbrille einpacken sollen, denn es gab mehr Sonne als gedacht.

In Einsiedeln angekommen, schaute ich mir - zum wiederholten Male - das Kloster an. Die Klosterkirche ist eine barocke Orgie in rosarot. Doch ich musste selber zugeben, zum Anschauen sind die katholischen Kirchen interessanter als die schlichten reformierten. Mit einem letzten Blick auf das Prunkstück des Klosters, der prächtig in Gold geschmückten schwarzen Madonna, beendete ich die Tagestour.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 17. September 2016
  • Route: Siebnen - Galgenen - Diebishütten - Stöcklichrüz - Chörnlisegg - St. Meinrad - Tüfelsbrugg - Galgenchappeli - Einsiedeln (Etappe 8 des Alpenpanoramawegs/nationale Route Nr. 3)
  • Meine Wanderzeit: 5 h 30 min
  • Distanz: 23,5 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'100 m
  • Weitere Etappen des Alpenpanoramawegs finden sich hier






Sonntag, 11. September 2016

Tanz mit dem Teufel (14. Etappe Zürich - Gotthard)

Wir starteten die Etappe so, wie wir die letzte beendet hatten - mit einer langen Zugfahrt durch die Surselva. Nachdem wir es auch noch geschafft hatten, dass der Zug am Mini-Bahnhof Rueras - an welchem es nicht einmal einen Getränkeautomaten gibt - tatsächlich anhielt, konnte die Wanderung losgehen.

Nach etwa einer halben Stunde standen wir vor der Wahl, ob wir die ohnehin kurze Wanderung noch um eine Stunde verkürzen wollten. In einer Abstimmung, die sicher mit einer Stimmrechtsbeschwerde erfolgreich anfechtbar gewesen wäre, entschieden wir uns für die längere Variante, was einen steilen Anstieg durch den Wald zur Folge hatte. Belohnt wurden wir für diese Anstrengung mit wilden Heidelbeeren. Die Zusatzschlaufe endete mit einem Abstieg, bevor dann wieder die Aufstiege Richtung Milez und Pass Tiarms anstanden.

Nach knapp vier Stunden in einem äusserst angenehmen Wandertempo (Organisator und Tempomacher Thomas legte Wert auf die Feststellung, dass er nicht schnell gewandert war, und ich kann es mir mit ihm nicht (auch) verderben) kam schliesslich der Oberalppass in Sicht. Auf der Passhöhe steht ein - funktionierender - Leuchtturm, welcher die nahe Rheinquelle symbolisiert. Sein Gegenstück steht an der Rheinmündung an der Nordsee. Die Rheinquelle hoben wir uns aber für die finalen beiden Etappen in zwei Wochen auf.

Stattdessen steuerten wir direkt auf das Gasthaus Piz Calmot zu. Dort liessen wir uns nicht nur mit dem besten Essen der ganzen Tour verwöhnen, sondern schliefen in bequemen Betten in Mehrbettzimmern und zumindest ich hatte das Glück von zwei sehr ruhigen Zimmergenossinnen. Eine angenehme Abwechslung zu den schlafverhindernden Schnarchlauten im Massenlager.

Am Sonntag stand dann ein weiterer Klettersteig auf dem Programm. Nach meinen durchzogenen Erfahrungen bei meinem ersten Klettersteig in Braunwald vor knapp zwei Wochen, machte ich mir mit der Tatsache Mut, dass der Diavolo-Klettersteig in Andermatt eine halbe Schwierigkeitsstufe einfacher bewertet ist.

Der Einstieg zum Klettersteig liegt direkt bei der Teufelsbrücke. Neben dem Teufelsbild auf der gegenüberliegenden Felswand erweckte auch der Umstand, dass beim Einstieg bereits die Ambulanz stand, wenig Vertrauen. Die ersten paar Meter hatten es denn auch in sich, und mir war zunächst unklar, wo dieser halbe Schwierigkeitsgrad weniger geblieben war. Es wurde dann aber tatsächlich besser, insbesondere waren die Metallbügel teilweise sehr eng gesetzt. Dazu war die Felswand - im Gegensatz zu Braunwald - nicht ganz senkrecht. Die langen Passagen über glatten Fels, gespickt mit selbst für meine Füsse etwas zu kleinen Metallbügeln, brauchten aber viel Konzentration und setzten mit der Zeit etwas zu. Abwechslungsreicher waren die Abschnitte, in denen der Fels zerklüftet war und mehr natürlichen Halt bot. Weit unter uns floss die Reuss tosend durch die Schöllenenschlucht, ein genialer Ausblick! Oberhalb von uns kam dann schliesslich die Fahne in Sicht, die das Ende des Klettersteigs markierte.

Der Abstieg zurück nach Andermatt zog sich etwas hin, doch der Zickzackweg durch die Lawinenverbauungen war sehr reizvoll und erholsam. Als Fazit nach zwei Klettersteigen kann ich festhalten, dass dies zwar eindeutig nicht mein neues Hobby wird, solange der Schwierigkeitsgrad aber nicht steigt, hat es aber durchaus seinen Reiz.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 10./11. September 2016
  • Route: Rueras - Liets - Ils Bruis - Milez - Pass Tiarms - Oberalppass (Samstag); Klettersteig Diavolo (K2-3), Andermatt (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h (Samstag); ab/bis Andermatt, inkl. Pausen, ca. 4,5 h (Sonntag)
  • Distanz: 12,4 km (Samstag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'045 m (Samstag)
  • Übernachten: Gasthaus Piz Calmot
  • Weitere Etappen des Höhenwegs Zürich - Gotthard finden sich hier






Mittwoch, 31. August 2016

Klettersteig Braunwald - Ich gegen die Schwerkraft

In meinem Twitterfeed war der Spruch "Life begins at the end of your comfort zone" aufgetaucht. Das passte beinahe schon prophetisch zu meinem ersten Klettersteig, der am nächsten Tag auf dem Programm stand. Moni hatte die als Einführung für Anfänger geplante Tour auf die Beine gestellt und mit Werni einen erfahrenen Kletterer aufgeboten, der uns Anfänger unterstützte.

Mit der Standseilbahn ging es hoch nach Braunwald und dann mit der Sesselbahn weiter bis Gumen. Von dort wanderten wir bis zum Einstieg in den Klettersteig, wo wir uns in die Ausrüstung zwängten. Als ich dabei die senkrechte Felswand hoch schaute, an der man bereits andere Kletterer hängen sah, kamen mir die ersten Zweifel, ob ich an diesem Morgen doch nicht besser in meiner Komfortzone Bett liegen geblieben wäre. Doch jetzt stand ich in der extra gemieteten Klettermontur schon da, so dass Umkehren keine Option mehr war.

Spätestens nach der ersten heiklen Stelle, einem Kamin mit eindeutig zu wenigen Festhaltemöglichkeiten, war für mich klar, dass das Ganze kein Anfängerklettersteig sein konnte. Als eine weitere schwierige Stelle stellte sich eine Querung heraus, bei der man einen grossen Schritt seitwärts auf einen Metallbügel machen musste, unter welchem es senkrecht die glatte Felswand hinab ging. Ich habe keine Höhenangst, aber dieser Schritt ins Nichts brauchte ziemliche Überwindung. Es gab noch einige weitere Stellen, wo ich einen Moment lang innehalten musste, weil ich zunächst nicht wusste, wie und ob ich weiter komme. Einmal in der Wand blieb aber gar keine andere Möglichkeit, als sich von Eisenbügel zu Eisenstab, von Felsvorsprung zu Felsspalte zu hangeln. Doch erstaunlicherweise schlotterten meine Knie weniger als zwei Wochen zuvor auf dem Col des Audannes und ich musste nicht testen, ob die Klettersteig-Bremse einen Sturz auch tatsächlich bremsen würde.

Nach etwas mehr als einer Stunde erreichten wir die Leiteregg und wurden für die Anstrengung und unseren Mut mit einem schönen Ausblick auf den Tödi sowie mit einer Wiese voller Edelweiss belohnt. Wir verzichteten aber darauf, den zweiten Klettersteig gerade auch noch anzuhängen, sondern machten uns an den Abstieg zurück zum Gumen.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Mittwoch, 31. August 2016
  • Route: Klettersteig Rundgang Leiteregg (Route blau, K3)
  • Unsere Zeit: ab/bis Gumen, inkl. Pausen ca. 3 h
  • Höhenmeter (Aufstieg): 300 m