Sonntag, 25. Dezember 2016

Weihnachtliches Kalorienverbrennen am Zürichsee

Die ersten Weihnachtsapéros bereits hinter mir, das grosse Weihnachtsessen noch vor mir, war klar, dass ich all die zusätzlichen, in Weihnachtsguetzi und Glühwein versteckten Kalorien auch wieder loswerden musste. Da traf es sich gut, dass Moni zu einer Wanderung von Rapperswil nach Meilen, evtl. bis Küsnacht "oder weiter, hihihi..." einlud. Der letzte Zusatz hätte mich eigentlich vorwarnen sollen, auf was noch kommen sollte.

Unser kleines Grüppchen folgte dem ausgeschilderten Zürichsee-Rundweg, der immer etwas erhöht entlang dem See führt. Wir fragten uns teilweise, nach welchen Überlegungen die Strecke angelegt worden war, denn immer wieder wich der Weg für eine Extra-Schlaufe von der Höhenlinie ab. Vermutlich einzig, um uns ein paar zusätzliche Höhenmeter aufzuzwingen. Es war sicher nicht die attraktivste Wanderung dieses Jahres, doch über mangelnde Abwechslung konnten wir uns nicht beklagen: Wir durchquerten Wälder und Wiesen, passierten Teiche und Sportanlagen, stiegen über steile Treppen in Tobel hinunter (und auf der anderen Seite wieder hinauf) und liefen durch die Villenquartiere der Zürcher Goldküste. Das Ganze immer mit Blick auf den Zürichsee und die Berge auf der anderen Seeseite.

Wie üblich wenn man mit Moni unterwegs ist, war das Tempo von Anfang an äusserst zügig und die Mitwanderer mehr als fit. In Meilen aufzuhören, wurde nicht einmal diskutiert, und kurz vor Erlenbach kam die Idee auf, dass man eigentlich direkt bis Zürich durchmarschieren könnte. Ich spürte zwar bereits deutlich meine Beine, doch als Jüngste der Gruppe konnte ich schlecht Schwäche zeigen, also biss ich die Zähne bis zum Schluss zusammen. Gut, dass ich erst zu Hause herausfand, dass wir schliesslich vier Etappen des Zürichsee-Rundwegs in einem Zug gemacht hatten.

Gerade vor dem Eindunkeln erreichten wir die Tramstation Rehalp in Zürich. Ein Vorteil der verlängerten Wanderung war, dass die Heimreise für mich von da aus nur kurz war. Und ich hatte das Tagesziel erreicht: Eine Menge Kalorien verbrennen!



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 24. Dezember 2016
  • Route: Rapperswil - Widmen - Stäfa - Meilen - Herrliberg - Erlenbach - Küsnacht ZH - Zollikon - Zürich, Rehalp (Etappen 7, 8, 9 und 10 des Zürichsee-Rundwegs/regionale Route Nr. 84)
  • Unsere Wanderzeit: 7 h 15 min
  • Distanz: 34,8 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 950 m
  • Weitere Etappen des Zürichsee-Rundwegs finden sich hier


Sonntag, 11. Dezember 2016

Anfängerfehler am Bachtel

Der Vorteil an den kurzen Wintertagen ist, dass man gar nicht so früh aufstehen muss, um den Sonnenaufgang zu sehen. Als ich kurz nach acht Uhr in Wald aus der S-Bahn stieg, hatte die Sonne gerade den Alpenkamm erreicht. Im Licht der ersten Sonnenstrahlen stieg ich Richtung Bachtel hoch. Tief unter mir konnte ich den Zürichsee sehen, über dem noch ein leichter Nebelschleier lag.

Nach einer kurzen Besichtigung des Bachtelspalts - eine enge Lücke im Nagelfluhfelsen, die entgegen der Legende nicht durch einen Blitzschlag entstanden ist, sondern als Folge eines Unwetters - erreichte ich bei blauem Himmel und Sonne den Bachtel und genoss kurz das Rundum-Panorama. Ein kalter Wind verhinderte aber eine längere Pause und ohnehin war ich erst anderthalb Stunden unterwegs. Also beschloss ich, direkt weiterzulaufen und mir später ein windgeschütztes, sonniges Bänkchen für eine ausgiebigere Pause zu suchen. Nach einem kurzen Abstieg führte die Route Richtung Steg in einem stetigen Auf und Ab mehrheitlich dem Grat entlang.

Das mit dem sonnigen Bänkchen wurde schliesslich nichts, stattdessen zogen von Norden her immer mehr Wolken auf. Das war der Moment, als ich bemerkte, dass ich mir die Wetterprognosen gar nicht angesehen hatte. Ich war einfach davon ausgegangen, dass sich das schöne Wetter der letzten Tage fortsetzen würde. Das Wetter vor einer Wanderung nicht abklären? Ein eindeutiger Anfängerfehler. Bei einer Pause auf einem gar nicht sonnigen Bänkchen holte ich das Versäumte nach und musste feststellen, dass MeteoSchweiz nicht nur Wolken, sondern sogar etwas Regen vorausgesagt hatte.

Und wie aufs Stichwort fing es tatsächlich an zu nieseln - und ich entdeckte den nächsten Anfängerfehler, den ich an diesem Tag begangen hatte: Ich hatte keinen Regenschutz eingepackt. Ich hatte angenommen, dass es zwar kalt, aber eben trocken sein würde und hatte entsprechend Regenjacke und Schirm zu Hause gelassen und stattdessen die warme, aber nur beschränkt wasserdichte Winterjacke angezogen. Ich überlegte kurz, die Wanderung frühzeitig abzubrechen. Doch in der Hoffnung, dass MeteoSchweiz nicht nur den Regen korrekt vorausgesagt hatte, sondern auch, dass er bald wieder aufhören würde, ging ich weiter, steigerte aber etwas das Tempo.

Über den Alpen war im Übrigen der Himmel noch offen, so dass die Berge unter der Wolkendecke sichtbar blieben. Das waagrecht einfallende Licht tauchte die Landschaft in einen seltsam gelblichen Farbton. Der Regen hörte tatsächlich nach einer Weile wieder auf. Ein steiler Abstieg führte hinab ins Tösstal und in Steg stieg ich wieder in die S-Bahn zurück nach Zürich, ohne dass ich wirklich nass geworden war. Da hatte ich nochmals Glück gehabt.

 Wanderinfos:

  • Gewandert: Sonntag, 11. Dezember 2016
  • Route: Wald (ZH) - Tänler - Bachtelspalt - Bachtel - Egg - Allmen - Ferenwaltsberg - Ghöch - Wil - Steg im Tösstal
  • Meine Wanderzeit: 4 h
  • Distanz: 15,6 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 800 m







Sonntag, 4. Dezember 2016

Zwei Stauseen, ein kleiner Berg und ganz viele Eiszapfen

Ich lese regelmässig die Wandertipps von Heinz Staffelbach in der "Stil"-Beilage der NZZ am Sonntag. Vor ein paar Wochen empfahl Staffelbach unter dem Titel "Terra incognita" eine Wanderung vom Wägitalersee zum Sihlsee. Da die Gegend auch für mich unbekanntes Land war, entschloss ich mich, dem Tipp zu folgen, und ich konnte sogar ein paar Mitwanderer motivieren, mich zu begleiten.

Kurz vor neun Uhr stieg unser kleines Wandergrüppchen also bei der Staumauer des Wägitalersees aus dem Postauto und angesichts des blauen Himmels, der sich hinter den Bergen abzeichnete, beklagte sich auch (fast) niemand mehr über das frühe Aufstehen.

Der Weg führte zunächst über die Staumauer und dann ein kurzes Stück dem See entlang, bevor er über Raureif-überzogene Weiden und lichte Wälder den Hang hochstieg. Es war ein kalter Morgen, doch durch den Aufstieg und die Sonne wurde uns rasch warm. Bei wärmeren Temperaturen ist das Gebiet um den Nüssen vermutlich sumpfig und schwieriger zu begehen, doch jetzt war der Boden gefroren, was das Fortkommen einfacher machte. Schon bald waren wir hoch genug, um die Rundumsicht auf die Innerschweizer Bergwelt und das unter einer Nebeldecke versteckte Unterland zu geniessen. Auf der Terrasse der leider geschlossenen Alp-Wirtschaft Wildegg machten wir eine frühe Mittagspause und befürchteten schon, uns einen Sonnenbrand zu holen.

Von der Wildegg zum Chli Aubrig sind es nur noch gut 100 Höhenmeter, so dass sich der Abstecher zu diesem kleinen Gipfel geradezu aufdrängte. Oben angekommen, folgte eine ausgiebige Fotopause, denn an dem Bergpanorama um uns herum konnte man sich kaum satt sehen.


Schliesslich machten wir uns doch an den Abstieg in Richtung Sihlsee. Bei der Vorder Chrummflue hatten wir die Wahl, das Chilentobel entweder zu umgehen, oder direkt durch das Tobel abzusteigen. Wir entschlossen uns für die zweite Variante und kamen dadurch zu einem weiteren Highlight an diesem Tag: Im Tobel war es zwar schattig und merklich kühler, doch gerade deswegen hatten sich an den Felswänden und den kleinen Wasserfällen unzählige Eiszapfen gebildet. Zahlreiche weitere Fotostopps waren die Folge davon.

In Euthal angekommen, nahmen wir das Postauto nach Einsiedeln. Dabei stellten wir fest, dass es die Schwyzer Postautogesellschaft mit der Billettkontrolle sehr genau nimmt; so etwas wie Selbstkontrolle kennen sie offenbar nicht. In Einsiedeln liessen wir den Tag auf dem Weihnachtsmarkt bei Glühwein und Fonduebrot (wofür man eine ausführliche Essanleitung bekommt: Nicht kippen, nicht zusammenpressen, langsam essen) ausklingen.

Nach diesem Tag war mir klar, dass dies zwar mein erster, aber sicher nicht mein letzter Besuch im Wägital gewesen war, und ich noch öfters den Wanderratschlägen von Heinz Staffelbach folgen sollte.


Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 3. Dezember 2016
  • Route: Innerthal, Staumauer - Brandhaltli - Nüssen - Wildegg - Chli Aubrig - Wildegg - Vorder Chrummflue - Chilentobel - Euthal
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 15 min
  • Distanz: 13,5 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 820 m








Dienstag, 29. November 2016

Von Mooren und steuerbegünstigten Wohnlagen

Anfang Jahr auf unserem Weg zum Gotthard war das Ziel der von mir organisierten Etappen Rothenthurm gewesen. Ich hatte damals eigentlich vorgehabt, noch einen Schlenker über das Moor bis Biberbrugg einzubauen. Doch Regen, Schnee und nasse Füsse führten dazu, dass wir lieber in ein warmes Restaurant flüchteten, als freiwillig weiterzuwandern. Aber ich hatte mir fest vorgenommen, die Wanderung durch das Moor, das insbesondere wegen der Rothenthurm-Initiative, die 1987 den Schutz von Moorlandschaften in der Verfassung verankerte, bekannt ist, möglichst bald nachzuholen.

Aus "möglichst bald" wurden schliesslich gut 6 Monate und ich erinnerte mich eigentlich erst wieder an das Vorhaben, als ich nach einer Wanderung suchte, die man auch machen kann, wenn man es - Jetlag-bedingt - nicht geschafft hatte, frühzeitig aus den Federn zu kommen.

Zürich lag unter einer grauen Hochnebeldecke und ich rechnete eigentlich nicht damit, an diesem Tag die Sonne zu sehen. Doch zu meiner Überraschung endete der Nebel kurz vor Rothenthurm und die überdimensionierte Kirche des kleinen Örtchens strahlte vor blauem Himmel im Sonnenschein. Damit hatte das schöne Wetter meinem angedachten Blogtitel im Sinne von "Im Nebel durchs Moor" einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht.

Ich folgte dem offiziell ausgeschilderten Moorweg, weil ich davon ausging, dass ich damit das meiste vom Moor sehen würde, doch leider wurde ich enttäuscht. Am Anfang führte der Weg entlang von offenbar landwirtschaftlich genutzten Feldern. Erst danach überquerte er kurz das eigentliche Moor. Zugegebenermassen hatte ich für meinen Besuch wohl auch die falsche Jahreszeit ausgesucht, denn das Gras und Schilf war überall kurz geschnitten und braun, was der Landschaft einen öden Anstrich gab. Hingegen konnte ich mich über mangelnden Sumpf nicht beklagen, meine Schuhe blieben zweimal fast im Morast stecken. Der Rest der Strecke führte dann durch den Wald, welcher das Moor seitlich abschliesst.

Nach knapp zwei Stunden erreichte ich bereits Biberbrugg, wo der Moorweg endet. Da sich für bloss zwei Stunden wandern das Aufstehen kaum gelohnt hätte, beschloss ich, noch etwas weiterzugehen. In Biberbrugg hatte mich auch der Nebel wieder eingeholt, bzw. ich hatte ihn eingeholt, denn der Weg bis hierhin führte immer leicht abwärts. Die paar Höhenmeter Steigung bis Schindellegi reichten nicht aus, wieder an die Sonne zu kommen. Von Schindellegi ging es stetig abwärts via Wollerau in Richtung Zürichsee. Dabei führte der Weg im Zickzack durch steuergünstige Wohnquartiere, wobei man direkt entlang den Hauseingängen und Vorgärten der Steuerprivilegierten lief. Doch an diesem Tag nützte auch eine privilegierte Wohnlage mit grosszügiger Terrasse und Balkon nichts: Der Nebel verhinderte für alle eine Sicht auf den See. Nach einem Endspurt stieg ich in Richterswil wieder in die S-Bahn zurück nach Zürich ein.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Sonntag, 27. November 2016
  • Route: Rothenthurm - Bubrugg - Bibersteg - Biberbrugg (entlang des Moorwegs Rothenthurm) - Schindellegi - Wollerau - Richterswil
  • Meine Wanderzeit: 3 h 45 min
  • Distanz: 18,5 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 300 m



Sonntag, 20. November 2016

Pura Vida! Streifzüge durch Costa Rica

Was macht man, wenn das Schweizer Mittelland unter einer grauen Nebeldecke verschwindet und die Temperaturen gegen den Nullpunkt sinken? Man macht es wie die Zugvögel und fliegt in wärmere Gefilde. Den ganzen Winter konnte ich zwar nicht im Süden verbringen, doch zwei Wochen Costa Rica lagen allemal drin.

Costa Rica wird auch die Schweiz Mittelamerikas genannt und beim Landeanflug auf San José flog man über eine dicht bewaldete Hügellandschaft, die mich tatsächlich an die Schweiz erinnerte und zum Wandern einlud. Für grössere Wanderungen war das Reiseprogramm leider zu dicht bepackt, doch der eine oder andere Spaziergang lag natürlich dennoch drin. Und dabei stellte ich wirklich einige interessante Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen der Schweiz und Costa Rica fest. 

Die erste Gemeinsamkeit war, dass auch in Costa Rica auf 2'600 m Höhe die Luft merklich dünner ist, was man bei jeder Steigung luftschnappend feststellte, als wir auf der Suche nach dem Quetzal waren, dem heiligen Vogel der Azteken. Da im Gegensatz zur Schweiz die Berge von Costa Rica selbst auf dieser Höhe noch von dichtem Regenwald bedeckt sind, hatte der scheue Vogel reichlich Möglichkeiten, sich zu tarnen. Ein gutes Foto liess sich nur dank des einheimischen Guides schiessen, der im dichten Laub nicht nur den Quetzal erspähte, sondern auch noch mit fototechnischen Tricks aufwarten konnte.

Die meisten Berge in Costa Rica sind vulkanischer Natur und verstecken sich gerne hinter dicken Wolken. Wir hatten Glück beim Poás, der uns freie Sicht auf seinen Kratersee gewährte. Hingegen zierte sich der Arenal, uns seinen Doppelgipfel zu zeigen. Also blieb uns nichts anderes übrig, als uns mit einem kühlen Drink in der Hand in die heissen Thermalquellen an seinem Fuss zu setzen und geduldig auf den Moment zu warten, wo sich die Wolkenschleier kurz lichteten. Nach einem kühlen Drink sehnten wir uns beim dritten Vulkan vergeblich: Die blubernden, Schwefel speienden Schlammlöcher des Rinón de la Vieja mussten wir uns mit einer Wanderung durch die pralle Sonne in der schwülen Mittagshitze verdienen. Die Brüllaffen hoch über uns in den Bäumen fanden das zum Brüllen.


Merklich kühler und ziemlich nass war der Abstecher zu den Nebelwäldern von Monte Verde. Aber was wäre ein Regenwald ohne Regen! Also Regenjacke hervor holen und ab in den Dschungel. Über zahlreiche Hängebrücke lief man über und durch die Baumkronen und die üppige Pflanzenwelt schien unendlich. Jeder Baum bietet Lebensraum für Dutzende andere Pflanzen und man konnte sich am satten Grün kaum satt sehen. Kein Zentimeter, der nicht überwuchert ist, am Boden wäre kein Durchkommen möglich gewesen.

Neben Nebel- und Regenwälder gibt es noch etwas Weiteres, was die Schweiz im Gegensatz zu Costa Rica nicht bieten kann: Kilometerlange Sandstrände. Das Highlight der Reise war für mich ein Naturspektakel am Strand von Tortuguero an der Karibikküste: Jeden Abend kurz nach der Dämmerung gruben sich kleine Schildkröten aus den Sandlöchern, in die ihre Schildkrötenmutter die Eier vergraben hatte, und watschelten zielstrebig Richtung Meer. Zu Hunderten eilten sie über den Strand und liessen sich durch kein Hindernis aufhalten (siehe Video unten).


Pura Vida, pflegen die Costa Ricaner zu sagen und nichts verkörperte für mich auf dieser Reise dieses Motto so sehr, wie die kleinen Schildkröten auf ihren Weg ins offene Meer: Pura Vida - Leben pur! Damit qualifizierte sich die Costa Rica-Reise ohne weiteres als mein schönstes Reiseerlebnis im Jahr 2016, wonach Andy und Linda-Marie in ihrem Reiseblog gefragt hatten.

















Sonntag, 13. November 2016

Frühschoppen auf der Rigi

Eine Wanderung auf die Rigi ist nicht gerade die originellste Tour und sicher keine, die man machen sollte, wenn man den Menschenmassen ausweichen will. Dafür ist die Anreise von Zürich aus kurz und man kann sicher sein, dass der Kulm aus dem Hochnebel hinaus ragt. Mehr verlangte ich an diesem Tag nicht.

Ich war sehr früh unterwegs, die Kirche von Goldau schlug gerade sieben, als ich sie passierte. Schon bald liess ich die Nebeldecke hinter mir und in der Morgensonne sah man den Wildspitz aus den Wolken ragen, den ich ein paar Tage zuvor erklommen hatte. Ich wollte eigentlich - wie bei der Wildspitz-Tour - dem Schwyzer Höhenweg folgen, doch irgendwo nach Kösterli kam ich - mehr oder weniger absichtlich - von der ausgeschilderten Route ab. Das stellte sich schliesslich als Glücksfall heraus, denn mein Weg verlief entlang des Sonnenhangs, während die offizielle Route unten im schattigen Tobel weiterging.  Zudem war Verirren nicht möglich, denn mittlerweile war der rot-weisse Sendemast auf dem Gipfel deutlich erkennbar.

Menschenmassen begegneten mir auf der ganzen Wanderung im Übrigen keine. Vielmehr war ich bis Rigi Staffel praktisch alleine unterwegs. Als ich kurz nach zehn Uhr schliesslich den Kulm erreichte, waren zwar schon die ersten chinesischen Touristen da, doch selbst im Restaurant fand ich problemlos einen Fensterplatz, um mein mehr als verdientes Bier zu geniessen.

Die Menschenmassen kamen dann doch noch: Als ich in der fast leeren Zahnradbahn zurück nach Goldau tuckerte, kreuzten wir bergwärtsfahrende Züge, die vollbesetzt waren mit sonnenhungrigen Wanderern und Touristen. Ich selber war bereits am Mittag wieder zurück in Zürich.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Dienstag, 1. November 2016
  • Route: Arth-Goldau - Dächli - Malchuskapelle - Klösterli - Hundsboden - Staffel - Rigi Kulm (+/- Etappe 2 des Schwyzer Höhenwegs/regionale Route Nr. 63)
  • Meine Wanderzeit: 3 h
  • Distanz: 11 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'325 m


Sonntag, 6. November 2016

In luftigen Höhen über dem Thunersee

Ich musste auf Krankenbesuch nach Gunten und ein Blick auf die Wanderland-App zeigte, dass sich das sehr gut mit einer Wanderung entlang des Panorama Rundwegs um den Thunersee verbinden liess. Insbesondere lag die Hängebrücke bei Sigriswil direkt am Weg, zu welcher ich lange schon mal wollte.

Ich begann in Thun und folgte zunächst der Aare Richtung See. Der Himmel war noch verhangen, doch durch ein paar Löcher in der Wolkendecke drangen erste Sonnenstrahlen und spiegelten sich an der Oberfläche des Thunersees.

Bei der Anlegestelle von Hünibach verliess die Route das Seeufer und führte hoch zum Waldrand. Die Thuner schienen mir ein sportliches Völkchen zu sein, denn immer wieder begegnete ich Joggern, Walkern und Mountainbikern. Ich lieferte mir ein Wettwandern mit einem sehr fitten Pärchen im AHV-Alter, welches ich zwar in den Steigungen jeweils überholte, das aber durch ortskundige Kenntnis von Abkürzungen immer wieder aufholte.

Zahlreiche Aussichtsstellen mit Bänken luden zum Verweilen ein, doch noch war das Bergpanorama hinter der Wolkenwand verborgen. Der schönste und abwechslungsreichste Teil der Strecke war bei der Balmflue, wo sich der Wanderweg entlang von hohen, senkrecht abfallenden Nagelfluhfelsen schlängelte. Gegen Mittag setzte sich endlich die Sonne durch und als ich aus dem Wald kam, blickten mir Eiger, Mönch und Jungfrau entgegen.

Nach knapp drei Stunden erreichte ich die Panoramabrücke bei Sigriswil. Die Hängebrücke ist 340 m lang und führt in 182 m Höhe über die Gummischlucht. Die Begehung kostet 8 Franken, die sich aber lohnten. Ich genoss die Aussicht von der Brücke auf den See bis hin zum Niesen am gegenüberliegenden Ufer. Die Brücke sieht sehr stabil aus, doch in der Mitte schwankte es doch spürbar. Auf der anderen Seite angekommen, stieg ich in die Schlucht hinab, die ich soeben überquert hatte. Je tiefer ich kam, desto eindrücklicher war die Höhe erkennbar, in welcher die Hängebrücke die Schlucht überspannt.

Ich liess den Tag auf der Terrasse der Klinik Schönberg in Gunten ausklingen, wo man es gut aushalten könnte, wenn man sich nicht zuerst ein paar Wirbel brechen lassen müsste, um zu einem längeren Aufenthalt zu kommen.

Zu Hause versuchte ich übrigens noch herauszufinden, warum die Gummischlucht Gummischlucht heisst, wenn doch der Guntenbach und nicht etwa der Gummibach hindurch fliesst. Doch für einmal war selbst Wikipedia um eine Antwort verlegen.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Sonntag, 30. Oktober 2016
  • Route: Thun - Hünibach - Tannebüel - Balmflue - Blooch - Erizbüel - Aeschlen - Panoramabrücke Sigriswil - Gummischlucht - Gunten (Etappe 1 des Panorama Rundwegs Thunersee/regionale Route Nr. 26)
  • Meine Wanderzeit: 3 h 15 min
  • Distanz: 12,3 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 650 m






Samstag, 29. Oktober 2016

Sonnensuche auf dem Wildspitz

Als ich am Morgen aufwachte, war es draussen dunkel und neblig. Ein Blick auf die Webcam auf dem Wildspitz zeigte aber den Sonnenaufgang und Berge, die sich vor einem wolkenlosen Himmel abzeichneten. Also nichts wie raus aus dem Nebel und ab in die Höhe.

Arth-Goldau, wo ich meine Wanderung entlang des Schwyzer Höhenwegs startete, steckte noch unter einer dicken Wolkenschicht. Der Weg stieg aber schnell an, so dass ich hoffte, schon bald die Sonne zu sehen. Doch dafür musste ich mich schliesslich etwas gedulden. Der Härzigwald, den ich durchquerte, schien mir im Nebel mit den überwucherten Felsbrocken eher mystisch als härzig. Beim ersten Aussichtspunkt betrug die Sicht null. Doch dann, auf knapp 1'000 m Höhe, tauchte plötzlich die Sonne und mit ihr der blaue Himmel auf. Ich stieg immer höher und der Blick auf das Nebelmeer unter mir wurde immer besser, so dass ich zahlreiche Fotostops einlegen musste.

Hoch oben sah man das Gipfelkreuz des Gnipen, meines ersten Zwischenziels, dem ich aber kaum näher zu kommen schien. Der letzte Teil des Aufstiegs führte über steile Alpweiden, die nicht enden wollten. Dafür hatte ich - endlich auf dem Gnipen angekommen - die wesentlichen Höhenmeter des Tages hinter mir. Vom Gnipen waren es entlang der Abbruchkante des Goldauer Bergsturzes nur ein paar Minuten bis zum Wildspitz. Auf der sonnigen Terrasse des gleichnamigen Bergrestaurants gönnte ich mir zunächst eine Stärkung und legte mich dann für eine Weile in die Sonne und genoss das ausgedehnte Bergpanorama. Selbst die schneebedeckten Berner Viertausender zeigten sich in der Ferne.

Beim Abstieg Richtung Sattel kamen mir die Wanderer in Scharen entgegen, offenbar war ich nicht die Einzige, die dem Nebel entfliehen wollte. Je tiefer ich kam, desto matschiger wurde der Weg und ich landete - natürlich als gerade ein paar Augenzeugen da waren - unelegant auf meinem Hintern. Gut, dass ich meine Wanderhose nach der letzten Wanderung nicht gewaschen hatte, es hätte sich nicht gelohnt. Als ich am Bahnhof Sattel-Ägeri ankam, hatten sich dort die letzten Nebelschwaden gerade verzogen, so dass ich in der Sonne auf den Zug warten konnte.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag, 29. Oktober 2016
  • Arth-Goldau - Ochsenboden - Gnipen - Wildspitz - Halsegg - Sattel (Etappe 3 des Schwyzer Höhenwegs/regionale Route Nr. 63)
  • Meine Wanderzeit: 4 h 15 min
  • Distanz: 13 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'203 m