Mittwoch, 18. April 2018

Frühlingswanderung am Urnersee

Da mein freier Tag mit dem schönsten Frühlingswetter kollidierte, war ich geradezu gezwungen, eine Wanderung  zu unternehmen. Ich suchte nach etwas mit einer einfachen Anreise und entschied mich dafür, auf dem Weg der Schweiz von Flüelen nach Brunnen wandern.

Die Anreise stellte sich schliesslich als noch einfacher als gedacht heraus, da ich herausfand, dass der EC von Zürich nach Mailand in Flüelen Halt macht. Ich überprüfte den Fahrplan doppelt und versicherte mich vor dem Einsteigen bei der Zugsbegleiterin nochmals, dass dem tatsächlich so war - bisher hatte ich den Halt in Flüelen auf dem Weg ins Tessin immer für eine Betriebsstörung gehalten.

Zu Fuss wanderte ich zunächst der Bahnlinie entlang durch Flüelen, direkt auf die senkrechte Felswand der Axenflue zu. Der Wanderweg schlängelte sich zwischen der Bahn knapp über Seehöhe und der Axenstrasse hoch oben im Fels auf und ab. Von der Galerie der Axenstrasse bot sich ein spektakulärer Blick zurück auf den Urnersee. Beeinträchtig wurde das Erlebnis nur durch zwei Dinge: Einerseits durch den Strassenlärm, dem man immer wieder ausgesetzt war, und andererseits durch das etwas mulmige Gefühl, das die zahlreichen Steine auslösten, die in den Steinschlagnetzen lagen, welche den Wanderweg überdeckten.

Nach Sisikon war das Gelände nicht mehr so felsig, dafür fing dort der Aufstieg nach Morschach an. An der Sonne, mit stetiger Aussicht auf den Vierwaldstättersee (leider teilweise etwas gestört durch zwei Hochspannungsleitungen) war es das erste Mal in diesem Jahr warm genug, im T-shirt zu wandern. In Morschach hatte ich dann bereits den höchsten Punkt der Wanderung erreicht und nach einem kurzen Abstieg durch den Wald stand ich in Brunnen wieder am Ufer des Vierwaldtstättersees.




Wanderinfos:

  • Gewandert: Mittwoch, 18. April 2018
  • Route: Flüelen - Tellskapelle - Sisikon - Morschach - Brunnen (Etappe 3 Weg der Schweiz)
  • Meine Wanderzeit: 3 h 45 min
  • Distanz: 15,2 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 770 m


Sonntag, 15. April 2018

Regitzer Spitz: "Schnuppern" mit dem SAC

Ich bin jetzt seit etwas mehr als einem Jahr Mitglied beim SAC Uto, doch die einzige Aktivität, an der ich bisher teilgenommen hatte, war der Begrüssungsapéro. Höchste Zeit also, auch mal bei einer Wanderung mitzumachen, dafür war ich ja schliesslich Mitglied geworden.

Als Einstieg bot sich eine "Schnuppertour" für Neumitglieder an, welche der SAC Uto monatlich anbietet. Das Ziel in diesem Monat war der Regitzer Spitz, ein markanter, wenn auch nicht besonders hoher Zacken im Rheintal. Es wurde aber schnell klar, dass eine Wanderung auf einen der höheren Bergen (noch) nicht in Frage kam: Gonzen, Alvier, Vilan und die übrigen bekannten Gipfel der Region waren noch bis weit hinunter von einer dicken Schneedecke überzogen - eigentlich nichts Neues, schliesslich war bei meiner Besteigung des Gonzens wie auch des Alviers Schnee jeweils das bestimmende Thema gewesen.

Der Aufstieg führte von Fläsch aus im Zickzack durch den Wald und bot einen schönen Ausblick auf das Rheintal. Nach etwas über einer Stunde hatten wir die Aussichtsplattform des Regitzer Spitz (1'135 m) bereits erreicht. Offenbar ein beliebtes Ausflugsziel, den neben zahlreichen anderen Wanderern trafen wir auch viele Mountain Biker an. Bei der Pause bot sich zudem die Gelegenheit, unseren Tourenleiter ein bisschen auszufragen, zum Beispiel darüber, welches Tempo die anderen Tourenleiter so anzuschlagen pflegen.

Der Abstieg führte mehrheitlich auf breiten Wegen durch den Wald und an den leuchtend grünen Blättern, die überall hervorsprossen, merkte man dann doch, dass trotz der schneebedeckten Gipfel der Frühling im Anmarsch war.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag, 20. April 2018
  • Route: Fläsch - Vorder Ochsenberg - Regitzer Spitz - Mattheid - Mäls (FL)
  • Unsere Wanderzeit: 2 h 40 min
  • Distanz: 10,4 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 650 m

Sonntag, 8. April 2018

Gemütlichkeiten im Tessin

Nach den vier anstrengenden Schneeschuh-Tagen über Ostern war ein verlängertes Wochenende Gemütlichkeit im Süden angesagt: Da meine Kollegin hüfttechnisch gerade etwas lädiert war, galt es eine Wanderung mit möglichst wenigen Höhenmetern und Treppenstufen zu finden. Gerade Letzteres ist ja bekanntlich im Tessin alles andere als einfach. Nach einem längerem Kartenstudium fand ich dann doch noch einen Spaziergang, der die Voraussetzungen zu erfüllen schien:

Wir fuhren mit dem Bus nach Ronco sopra Ascona. Dort schauten wir uns zunächst die engen Gässchen des hübschen, aber scheinbar menschenleeren Dörfchens an. Der breite, asphaltierte Wanderweg Richtung Ascona führte dann flach der Höhenlinie entlang und meine höhenmeterlose Planung schien aufzugehen. Doch plötzlich versperrte eine Baustelle den ganzen Weg und der Bauarbeiter, der das Ganze bewachte, zeigte sich unwillig, für uns eine Ausnahme zu machen. Also mussten wir umdrehen und zurück nach Ronco wandern, um die Baustelle in einem weiten Bogen (und mit ein paar zusätzlichen Höhenmetern) zu umgehen.

Auf der ganzen Strecke hatte man einen schönen Ausblick über den Lago Maggiore und wir überlegten uns, welche der zahlreichen Villen am Strassenrand wohl die beste Lage hatte. Nach einem kurzen Abstecher auf den Monte Verità stiegen wir nach Ascona hinunter und dabei liess sich die eine oder andere Treppenstufe dann doch nicht ganz vermeiden.

Um die Vermeidung von Treppenstufen komplett sicherzustellen, liessen wir am nächsten Tag das Wandern ganz sein und mieteten stattdessen E-Bikes. Wir folgten der ausgeschilderten Veloroute ins Maggiatal hinein. Der Veloweg ist sehr schön angelegt und führt über Brücken und durch zahlreiche kleine Tessiner Dörfchen.

Am Endpunkt in Cavergno machten wir einen kurzen Schlenker, stellten fest, dass die Grottodichte nicht gerade gross war und fuhren über die römische Bogenbrücke direkt zurück bis Cevio, wo wir auf einer sonnigen Terrasse zu Mittag assen.

Anschliessend sausten wir auf der gleichen Strecke wieder talabwärts und stellten fest, dass wir doch mehr Höhenmeter hochgefahren waren als gedacht: Das Praktische am E-Bike ist, dass man einfach wenn es ein bisschen hochgeht, die Batterieunterstützung hochschraubt - beim Wandern wäre dies manchmal auch ganz nützlich.

Da für Sonntag die Wetterprognose für den Norden mehr Sonne angesagt hatte, entschlossen wir uns, bereits am Vormittag zurückzufahren und noch etwas dem Zugersee entlang zu schlendern, wo ich einen "barrierefreien" Wanderweg gefunden hatte. Leider machte uns die SBB einen Strich durch die schönen Pläne: Zunächst wegen einer Störung am Basistunnel, dann wegen einer zusätzlichen Störung auf der Bergstrecke, stecken wir über längere Zeit in Biasca fest und fuhren scheinbar planos in der Leventina hin und her.

In Zug reichte es damit zum Abschluss des Wochenendes nur noch für eine Stadtbesichtigung und einen Snack am sehr belebten Seeufer.



Wanderinfos:

  • Datum: Freitag/Samstag/Sonntag, 6./7./8. April 2018
  • Route: Ronco sopra Ascona - Gruppaldo - Monte Verità - Ascona (Freitag); Ascona - Tegna - Avegno - Maggia - Cevio - Cavergno - Cevio - Maggia - Avegno - Tegna - Ascona (Regionale Veloroute Nr. 31; Samstag)
  • Unsere Zeit: 1 h 45 min (Freitag); 4 h 15 min (Samstag, mit E-Bike)
  • Distanz: 4,8 km (Freitag); 66 km (Samstag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 120 m (Freitag); 620 m (Samstag)
  • Übernachten: Hotel New Elvetia, Ascona





Montag, 2. April 2018

Wildes Wetter rund um den Wildstrubel

Fast wäre schon wieder ein Schneeschuhwochenende im Frust geendet: Als Saisonabschluss hatte ich - wie im letzten Jahr - eine Tour über die Greina gebucht. Wie im letzten Jahr wurde sie wegen ungünstigen Lawinenverhältnissen abgesagt. Als Ersatz bot man mir - wie im letzten Jahr - eine Tour in die Fideriser Heuberge an. Doch so schön das Prättigau auch ist, zweimal wollte ich die gleiche Tour nicht machen.

Ich sah mich schon das ganze Osterwochenende zu Hause sitzen und im Frust Schokoladenosterhasen essen, als ich zufällig auf ein Angebot der Alpinschule Tödi stiess: Vier Tage Schneeschuhwandern im Wildstrubelgebiet. Also nichts wie los in Wallis!

In Leukerbad war es sonnig und warm, als uns Bergführer Panki in Empfang nahm. Mit der Bahn ging es hinauf auf die Gemmi. Dort pfiff uns zur Begrüssung ein heftiger Wind um die Ohren. In der Ferne sah man dafür bereits unser Tagesziel, die Lämmerenhütte, auf einer Felsterrasse thronen. Der Schneeschuhtrail zur Hütte war gut markiert und führte am Anfang fast flach über den Lämmerenboden. Erst kurz vor der Hütte gab es eine steile Stufe zu überwinden. Eine Gruppe Skitourenfahrer nutze den Steilhang zum Üben der Spitzkehre und wir waren einhellig der Meinung, dass sie noch einiges an Übung brauchen konnten.

Auf dem Steghorn
In der gemütlichen, kürzlich renovierten und gut geheizten Lämmerenhütte wurden wir freundlich empfangen. Hier kam unser Bergführer zum ersten Mal ins Schwitzen, als sich herausstellte, dass die Alpinschule nur für zwei statt drei Nächte gebucht hatte und die Hütte für Sonntag ausgebucht war. Während wir beim Bier sassen, musste er dafür sorgen, dass wir nicht plötzlich obdachlos im Schnee landeten.

Der nächste Morgen brachte Nebel und Wolken, doch wenigstens hatte der Wind nachgelassen. Zwischen Felswänden, die im Nebel auftauchten und wieder verschwanden, stiegen wir entlang des schneebedeckten Steghorngletschers hinauf. Gerade als wir uns den letzten Steilhang hochquälten, trennten sich die Wolkenschichten voneinander und gaben den Blick Richtung Süden frei. Auf dem Steghorn (3'146 m) angekommen, blieb uns genügend Zeit für ein Gipfelfoto mit den Walliser Viertausender im Hintergrund, bevor der Nebel uns wieder einholte. Auf dem Abstieg war die Sicht gleich null und ohne unseren Bergführer hätte ich den Weg zurück in die Hütte nicht gefunden.

Dort kamen wir gerade rechtzeitig an, um eine Rösti zu essen und zu beobachten, wie draussen der Wind wieder auffrischte. Doch bevor wir zum Kuchen übergehen konnten, scheuchte uns Panki nochmals für eine LVS-Übung ins Schneegestöber. Der Schneesturm hielt die ganze Nacht an und auch am nächsten Morgen bliess uns der Wind kalt ins Gesicht, als wir uns auf den Weg zum Wildstrubel machten. Ich hatte meine Kapuze tief ins Gesicht gezogen und richtete meinen Blick nach unten, um dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, und sah kaum mehr als die Schneeschuhe der Person direkt vor mir.

Sackgasse Lämmerenplatten
Gerade als ich das Gefühl hatte, das Wetter werde etwas besser, zog unser Bergführer die Reissleine: Der Wind hatte über Nacht Unmengen an Schnee verfrachtet und der viele Triebschnee machte den Aufstieg zum Wildstrubel zu gefährlich. Damit blieb uns nichts anderes übrig, als umzukehren. Auf dem Rückweg zur Hütte zeigte sich eindrucksvoll, wie schnell der Wind den Schnee transportieren konnte: Unsere Aufstiegsspur - bei sechs Schneeschuhläufern nicht gerade schmal - war teilweise kaum mehr sichtbar.

Damit sassen wir um 9 Uhr schon wieder in der Lämmerenhütte beim Kaffee. Da wir wegen dem Buchungsfehler aber ohnehin Unterkunft wechseln mussten, wurde nichts aus einem faulen Hüttentag. Stattdessen schnallten wir unsere Schneeschuhe bald wieder an und stiegen über die Steilstufe wieder zum Lämmerenboden hinunter. Dort drehten wir uns nach Nordwesten und wanderten ein einsames Tal zur Lämmerenplatten hoch. Diese Route hatte seit dem letzten Schneefall offenbar noch niemand genommen, auf jeden Fall musste unser Bergführer harte Spurarbeit durch den kniehochen Tiefschnee leisten. Dabei wechselten dichter Nebel und (sehr) kurze Aufhellungen nahtlos ab.

Wir hatten den höchsten Punkt der Lämmerenplatten bereits überschritten, als unser Bergführer auch hier die Reissleine ziehen musste: Die schlechten Sichtverhältnisse garantierten im coupierten Gelände keinen sicheren Abstieg. Also nochmals, umkehren, alles wieder zurück. Auf dem Rückweg zeigte sich, wie langgezogen das Seitental war. Nach dreieinhalb Stunden waren wir wieder bei der Steilstufe direkt unterhalb der Lämmerenhütte - und unserem Tagesziel keinen Schritt näher.

Morgenstimmung Schwarenbach
Via einem weiten Bogen über den Lämmerenboden zurück Richtung Gemmipass und über den schneebedeckten Daubensee erreichten wir schliesslich den Winterwanderweg, der nach Schwarenbach führte. Der planierte Weg war zwar mehrheitlich flach und stellte keinerlei Schwierigkeiten dar, doch die Strecke schien sich endlos hin zu ziehen und der schwere Rucksack lastete auf meinen Schultern. Wenigstens setzte sich die Sonne schliesslich endgültig durch und wir konnten sogar eine kurze Pause auf einer sonnigen Bank machen. Doch am Schluss waren alle froh, dass endlich das Berghotel Schwarenbach in Sicht kam - alles in allem waren wir an diesem Tag sieben Stunden auf den Schneeschuhen unterwegs gewesen.

Die komfortable Unterkunft, welche das Berghotel Schwarenbach bot, entschädigte uns für die zusätzliche Anstrengung, welche die Tourenabbrüche, die Umwege und der Unterkunftswechsel mit sich gebracht hatte.

Ausblick vom Tatelishore
Der nächste Morgen brachte zum Schluss des Osterwochenendes viel Sonne und blauen Himmel. Damit waren die Verhältnisse viel zu gut, um direkt nach Sunnbüel zu laufen. Gut, dass unser Bergführer noch einen Zusatzgipfel aus dem Hut zaubern konnte: Der Name von unserem Gipfelziel, Unders Tatelishore, konnte sich zwar niemand merken, doch die schneebedeckte Pyramide mit dem Kreuz, welches in der Sonne glitzerte, war unverkennbar. Im Sagiwald deponierten wir unter einer Tanne das nicht benötigte Gepäck und stiegen nur mit einem leichten Rucksack durch den Wald. Bald liessen wir die Bäume hinter uns und zogen unsere Spur in den weissen, unberührten Berghang. Wir waren die ersten, die an diesem Tag zum Tatelishore aufstiegen, entsprechend musste unser Bergführer wieder viel Spurarbeit leisten.

Ein Blick zurück zeigte aber zahlreiche Tourenskifahrer, die unseren Aufstiegsspuren folgten. Ein ganz dreistes Exemplar, der ohne die Spur von unserem Bergführer den Gipfel vermutlich nicht einmal gefunden hätte, dachte nicht daran, uns die Genugtuung der Erstbesteigung an diesem Tag zu gönnen, sondern überholte uns nur Meter vor dem Gipfel, ohne sich für die Spurarbeit von unserem Bergführer zu bedanken oder uns auch nur zu grüssen. Dass er dann direkt unter dem Gipfel über seine eigenen Skis stolperte und auf die Nase fiel, schien uns ausgleichende Gerechtigkeit für die fehlenden Manieren.

Rückblick zum Tatelishore
Auf dem Gipfel des Under Tatelishore (2'497 m) genossen wir die Aussicht und die warme Sonne. Wirklich ein schöner Abschluss für dieses wettermässig nicht immer gnädige Wochenende! Als immer mehr Tourenskifahrer den Gipfel erreichten und uns der Rummel zu viel wurde, stiegen wir - mehr oder weniger elegant durch den weichen Schnee gleitend - wieder hinab zu unserem Materialdepot. Das letzte Stück bis Sunnbüel folgten wir - zusammen mit unzähligen Wanderern - wieder dem Winterwanderweg.

Bei der Rückfahrt mit der Gondelbahn nach Kandersteg waren wir uns alle einig: Auch wenn wir den Wildstrubel auslassen mussten - es war ein gelungenes Wochenende gewesen. Und für mich doch noch ein schöner Saisonabschluss!



Wanderinfos:
  • Gewandert: Freitag bis Montag, 30. März bis 2. April 2018 (Osterwochenende)
  • Route: Gemmipass - Lämmerenboden - Lämmerenhütte (Freitag); Lämmerenhütte - Steghorngletscher - Steghorn - Steghorngletscher - Lämmerenhütte (Samstag); Lämmerenhütte - Lämmerensee - Lämmerenplatten (Umkehrpunkt) - Lämmerensee - Lämmerenboden - Daubensee - Schwarenbach (Sonntag; ohne Abstecher Richtung Wildstrubel); Schwarenbach - Sagiwald - Unders Tatelishore - Sagiwald - Sunnbüel (Montag)
  • Unsere Wanderzeit: 2 h (Freitag); 4 h 20 min (Samstag); 5 h 30 min (Sonntag); 4 h 15 min (Montag)
  • Distanz: 4,5 km (Freitag); 9,2 km (Samstag); 13 km (Sonntag); 10 km (Montag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 250 m (Freitag); 740 m (Samstag); 350 m (Sonntag); 650 m (Montag)
  • Übernachten: Lämmerenhütte SAC (Freitag/Samstag); Berghotel Schwarenbach (Sonntag)




Sonntag, 11. März 2018

Abgesagte Saisonhöhepunkte und Frustwandern durch die Innerschweiz

Ägerisee
Eigentlich wäre an diesem (verlängerten) Wochenende das Schneeschuh-Highlight der Saison angestanden: Vier Tage entlang der schweizerisch-italienischen Grenze von Hütte zu Hütte vom Tessin ins Wallis. Die erste Enttäuschung kam, als die Tour wegen ungenügender Teilnehmerzahl abgesagt wurde. Als Alternative bot man mir eine zweitägige Tour aufs Wildhorn an, einen 3000er im Berner Oberland. Auch nicht schlecht, fand ich - bis diese Tour kurzfristig wegen des schlechten Wetters ebenfalls abgesagt wurde.

Da sass ich nun, mit vier arbeitsfreien Tagen, trüben Wetteraussichten und durchkreuzten Tourenplänen. Nach dem ersten Tag war meine Wohnung bereits blitzblank geputzt und mir fiel die Decke auf den Kopf. Spontan entschloss ich mich, wieder einmal eine Lücke im Alpenpanoramaweg zu schliessen, nachdem es schon fast ein Jahr her war, dass ich auf dieser Route unterwegs gewesen war.

Moorlandschaft Rothenthurm
Ich setzte in Einsiedeln ein, wo mehr Schnee lag, als ich erwartet hatte. Mit den tief hängenden Wolken, den Schneeresten und dem Matsch, der unter dem Schnee hervorkam, machte die Landschaft einen ziemlich trostlosen Eindruck, was durch immer wieder einsetzende Regenschauer noch verstärkt wurde. Nachdem ich eine erste Hügelkette überquert hatte, erreichte ich das Hochmoor von Rothenthurm, auf welchem ebenfalls noch viel Schnee lag, welcher das Gefühl von Eintönigkeit untermauerte. Das Alpenpanorama erschöpfte sich an diesem Tag auf ein paar Voralpengipfel, die sich kaum vom grauen Himmel abhoben.

Während der ganzen Zeit begegnete ich fast keinem anderen Menschen. Dafür gab es im Schnee zahlreiche Tierspuren zu entdecken und ich redete mir ein, dass eine davon einem Wolf gehörte (wahrscheinlicher aber bloss einem sehr grossen Hund). Nach dem Aufstieg zur Muetegg folgte ich dem schneebedeckten Gratweg. Vor zwei Jahren waren wir einen Teil dieser Strecke auf unserem Weg zum Gotthard gewandert - bei noch schlechterem Wetter.

Zugersee
Durch die blattlosen Bäume konnte ich zwischendurch einen ersten Blick auf den Ägerisee werfen, zu dem ich schliesslich abstieg. In Oberägeri angekommen, entschloss ich mich, die nächste Etappe direkt anzuhängen und einfach weiterzuwandern. Das Zuger Hinterland konnte an diesem trüben Tag zwar nicht gerade mit landschaftlicher Attraktivität punkten, doch es fühlte sich gut an, wieder einmal eine längere Strecke zu wandern. Und man kann über Zug sagen was man will, unbestreitbar schön ist der Zugersee und die Altstadt, welche den Abschluss der langen Wanderung bildeten.

Nach gut siebeneinhalb Stunden erreichte ich den Bahnhof Zug und fühlte die lange Strecke deutlich in meinen Beinen und Fusssohlen. Der Frust über die abgesagten Schneeschuhtouren hatte aber ebenso deutlich abgenommen.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 10. März 2018
  • Route: Einsiedeln - Katzenstrick - Altmatt - St. Jost - Raten - Muetegg - Hintertann - Hinterwiden - Unterägeri - Wissenschwändi - Brunegg - St. Verena - Zug (Etappen 9 und 10 des Alpenpanoramawegs/nationale Route Nr. 3)
  • Meine Wanderzeit: 7 h 30 min
  • Distanz: 32 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 980 m
  • Weitere Etappen des Alpenpanoramawegs finden sich hier


Sonntag, 25. Februar 2018

Abstecher über die Nebelgrenze

Als wir mit der Gondel von der Stöckalp nach Melchsee-Frutt hochfuhren, war ich mir noch nicht sicher, ob sich das frühe Aufstehen gelohnt hatte: Es war nicht nur so kalt, dass es mich trotz fünf Schichten Kleider fröstelte, sondern die Sicht betrug auch kaum mehr als zwei Meter.

Wir folgten dem markierten Schneeschuhtrail und da dieser sofort anstieg, war mein Kälteproblem innert kürzester Zeit gelöst. Und ein paar Höhenmeter weiter setzte sich auch die Sonne gegen die Wolken durch und bescherte uns einen tollen Ausblick auf die Berge, die auf dem Nebelmeer zu treiben schienen.

Der Aufstieg zum Bonistock (2'169 m) dauerte nicht einmal eine Stunde. Danach machten wir  eine fast ebenso lange Pause auf der Sonnenterrasse des Berghotels Bonistock - Thomas war an diesem Tag untypisch grosszügig mit den gewährten Pausen.

Unterdessen hatte sich der Nebel etwas gelichtet, so dass wir bei Sonne zur Tannalp absteigen konnten. Die kurze steile Schlüsselstelle bei Chringen passierten wir problemlos. Sobald sich die Sonne nur etwas hinter einem Nebelschleier versteckte, wurde es hingegen sofort wieder spürbar kühler. Zudem wies der Rückweg, den wir mit einem weiten Bogen um den schneebedeckten Tannensee herum ausschmückten, keine nennenswerte, wärmende Steigungen mehr auf.

Doch in der Gondel zurück zur Stöckalp war klar: Das frühe Aufstehen hatte sich dank der Sonne auch für die kurze Tour gelohnt!



Wanderinfos:

  • Gewandert: Sonntag, 25. Februar 2018
  • Route: Melchsee-Frutt - Bonistock - Chringen - Tannalp - Melchsee-Frutt (ausgeschildeter Schneeschuh-Trail)
  • Unsere Wanderzeit: 2 h 30 min
  • Distanz: 9 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 400 m

Montag, 12. Februar 2018

Zehn Frauen, ein Bergführer und viele Minusgrade

Wir waren eine sehr frauenlastige Gruppe, die sich am Bahnhof Filisur traf und selbst Chrigu, unser Bergführer, musste zugeben, noch nie mit einer reinen Frauengruppe unterwegs gewesen zu sein. Doch soviel vorweg: Er schlug sich gegen die weibliche Übermacht ganz gut.

Die zweitägige Schneeschuhtour führte durch den Parc Ela, den grössten Naturpark der Schweiz. Die ersten paar Meter legten wir ohne Schneeschuhe zurück, bevor wir diese schliesslich anschnallten und gemächlich ein schneebedecktes Fahrsträsschen hochstiegen, das sich kurvenreich den Hang hochschlängelte. Dann ging es weiter über einen schmalen Waldweg, bis wir bei der Alp Prosot den Wald hinter uns liessen. Dort hörte auch die vorgetrampelte Spur auf, so dass Chrigu uns einen Weg durch den Tiefschnee bahnen musste.

Die Strecke führte durch ein breites Tal und man war sich nie ganz sicher, wo der Schnee endete und die Wolken begannen. Die umliegenden Berge konnte man nur erahnen. Ganz alleine waren wir unterwegs. Endlich kam hoch oben die Ela Hütte in Sicht. Zum Endspurt galt es noch einen steilen Hügel zu bezwingen, nachdem bis dahin der Anstieg zwar stetig, aber nie wirklich steil gewesen war.

Im Abstieg von der Fuorcla Tschitta
Die Ela Hütte ist unbewartet und bereitete uns einen entsprechend frostigen Empfang. Auch wenn im Ofen schnell ein Feuer loderte, er vermochte den kleinen Raum nicht wirklich aufzuwärmen, insbesondere weil die Aussentemperatur unterdessen ins Minus gefallen war. Chrigus Versuch, uns die 12°C, die sein digitales Thermometer anzeigte, als 21°C zu verkaufen, schlug fehl, vermutlich weil wir wegen den fehlenden Weinvorräten in der Hütte dafür nicht betrunken genug waren.

Doch der Alkoholmangel konnte ebenso wenig wie unsere kalten Füsse die gute Stimmung trüben. Ich hatte zudem beim Packen in letzter Minute den Geistesblitz gehabt, meinen Seiden- gegen meinen Daunenschlafsack auszutauschen; eine meiner besseren Entscheidungen der letzten Tage.

Am nächsten Morgen zeigte das Thermometer -15°C an. Die schöne Morgenstimmung entschädigte uns aber für die Kälte und die frühe Tagwacht. Und wir bekamen endlich den namensgebenden Piz Ela zu Gesicht. Nach dem Frühstück, welches reichhaltiger war als in mancher bewarteten Hütte, starteten wir warm eingepackt den Aufstieg zum Elapass. Es waren zwar weniger Höhenmeter als am Vortag zu bewältigen, doch dafür waren diese einiges steiler.

Blick zurück zur Fuorcla Tschitta
Nach knapp zwei Stunden standen wir auf dem Elapass (2'723 m). Dem eisigen Wind, der uns dort entgegen blies, entkamen wir durch einen kurzen Abstieg auf die einsame Hochebene Laiets hinunter. Wir waren die einzigen Menschen, die an diesem Morgen hier ihre Spuren durch den Schnee zogen.

Am Ende der Ebene wartete nochmals ein giftiger Anstieg zur Fuorcla Tschitta (2'831 m) auf uns, und ich musste mich mit einem Ovo Sport dopen, damit ich etwas länger durchhalten konnte. Oben angekommen hatte man eine schöne Aussicht auf die Bündner Bergwelt.

Der Abschluss der Tour bildete der lange Abstieg durch das Val Tschitta. Der weiche Tiefschnee war ideal, um mit den Schneeschuhen hinabzurutschen, doch auch sehr kräftezehrend, wie ich bald feststellen musste. Zudem hatte sich endlich die Sonne durchgesetzt und die schon fast ungewohnte Wärme brachte uns zusätzlich ins Schwitzen. Bald erreichten wir die Waldgrenze und schliesslich den Talboden.

Die letzten paar Höhenmeter vom Talboden hoch zum Bahnhof Preda wären normalerweise nicht der Rede wert gewesen, nach dieser Tour spürte ich aber jeden zusätzlichen Meter. Doch die Anstrengung hatte sich gelohnt, der Naturpark Ela ist eindeutig ein Bijou!



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 10./11. Februar 2018
  • Route: Filisur - Cloters - Alp Prosot - Pradatsch - Elahütte (Samstag); Elahütte - Elapass - Laiets - Fuorcla Tschitta - Val Tschitta - Preda (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 30 min (Samstag); 5 h (Sonntag)
  • Distanz: 11 km (Samstag); 12,5 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'300 m (Samstag); 820 m (Sonntag)
  • Übernachten: Chamona d'Ela SAC (ungeheizt!)




Sonntag, 4. Februar 2018

Mit dem besten Wanderleiter* aufs Jänzi

Im Unterland waren in den letzten Tagen schon fast Frühlingsgefühle aufgekommen, doch das Postauto brachte uns von Sarnen in einer halben Stunde direkt in den Winter zurück. Ich hatte das Gebiet rund um den Glaubenberg bis dahin nicht gekannt; wenn man die vollen Busse - der Kurs wurde doppelt geführt - und den ebenso vollen Parkplatz in Langis als Massstab nahm, war ich in meiner Unkenntnis aber ziemlich alleine.

Das Gebiet ist offenbar besonders bei Langläufern beliebt und zu Beginn querte der Schneeschuhtrail immer wieder eine der unzähligen Loipen, die kreuz und quer durch die Gegend führen. Schliesslich wurde der Trail zunehmend schmaler und schlängelte sich um schneebedeckten Tannen herum durch den Wald. Als es auch noch anfing zu schneien, waren wir definitiv im Winter angekommen. Die Strecke stieg kontinuierlich, war aber nie wirklich steil, bis wir nach etwas über eineinhalb Stunden das Jänzi (1'737 m) erreichten. Hier war uns von Organisator Thomas eigentlich eine "herrliche Aussicht auf die umliegende Bergwelt" versprochen worden -  doch um diese durch die Wolken zu sehen, mussten wir unsere Vorstellungskraft ziemlich strapazieren.

Nach einer kurzen Pause - angesichts der kühlen Temperaturen war ich dieses Mal froh um die streng getakteten Pausen von Thomas - machten wir uns an den Abstieg. Der war zu Beginn recht steil, so dass wir auf unseren Schneeschuhen mehr oder weniger elegant ins Rutschen kamen. Über einen breiten Waldweg ging es schliesslich in einem grossen Bogen zurück nach Langis.

Es war wieder einmal eine schöne und von Thomas gut organisierte Schneeschuhtour gewesen durch ein Gebiet, das sich lohnt, bei besserer Fernsicht nochmals zu erkunden.


*Es handelt sich um eine Selbsteinschätzung von Wanderleiter Thomas (H.) und muss nicht - kann aber - die persönliche Meinung der Bloggerin widerspiegeln.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Sonntag, 4. Februar 2018
  • Route: Langis - Schwendi Kaltbad - Egg - Jänzi - Wolfetsmatt - Hohnegg - Langis (violett ausgeschilderter Schneeschuhtrail)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 15 min
  • Distanz: 11,8 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 530 m