Donnerstag, 27. Juli 2023

3-tägige Gletschertour über das Plateau du Trient

@wandernohneende
Als ich den Startort meiner Gletschertour in der SBB-App eingab, spuckte diese eine Reise von über vier Stunden Dauer und mit fünfmal Umsteigen aus - ein deutliches Zeichen, dass ich in eine ziemlich abgelegene Ecke der Schweiz unterwegs war. Praz-de-Fort liegt im Val Ferret, südlich von Martigny und damit nahe am Dreiländereck Schweiz-Frankreich-Italien. Werbung macht die Gegend am Fuss des Grossen Sankt Bernhards mit plüschigen Bernhardinern.

Der erste Tag bestand aus einem einzigen, sehr langen Aufstieg: Zuerst - noch etwas geschützt vor der Sommerhitze durch den Wald - entlang der wilden Reuse de Saleinaz. Als wir die Baumgrenze schliesslich hinter uns gelassen hatten, wurde der Weg klettersteigartig: Metallbügel und Ketten boten Hilfe beim Erklimmen von glattgewaschenen Felsen. Die Kraxelei machte den langen Hüttenzustieg interessant, zerrte aber auch an meiner Kondition. 

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Auf dem letzten Stück - die Hütte hoch über uns auf einem exponierten Felsen schon in Blickweite - galt es dann noch über ein ausgedehntes Blockfeld zu balancieren. Erst in diesem Mai hatte ein Bergsturz den Hüttenweg verschüttet und der neue Weg durch dieses Hindernis war nur marginal gekennzeichnet. Der Schlussanstieg war dann einfach nur noch steil und heiss - ich hatte schon lange nicht mehr so gelitten wie bei diesem Aufstieg!

Als Entschädigung wurden wir von der Hüttencrew der Cabane de Saleinaz (2'689 m) mit Tee begrüsst und den ganzen Abend äusserst gastfreundlich bewirtet. Da war der übermässig anstrengende Aufstieg schnell vergessen. Wir waren die einzige Gruppe, welche die Nacht in der Hütte verbrachte, und genossen die Ruhe und den Platz.

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Am nächsten Morgen scheuchte uns Hansruedi, unser Bergführer, früh aus den Betten. Im Lichte der aufgehenden Sonne stiegen wir über das lockere Geröll der abschüssige Moräne hinunter zum Glacier de Saleinaz. Wie schnell ein Unfall passieren kann, zeigte sich, als ein gelöster Felsbrocken eine Mitwanderin nur knapp verfehlte. Doch wir hatten Glück und kamen unbeschadet auf dem Gletscher an. Dieser war aper und problemlos zu überqueren. 

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Auf der anderen Seite ging es wieder aufwärts bis zum Bivouac de l'Envers des Dorées, bei welchem ich - neben der grandiosen Aussicht auf die weisse Bergpracht - vor allem die ausgesetzte Toilette eindrücklich fand. Kurz hinter dem Biwak trat ich in ein Schneeloch und mein linkes Bein versank bis zur Hüfte so fest im Schnee, dass ich nicht einmal mehr meinen Fuss bewegen konnte. Unser Bergführer musste mich schliesslich mit dem Pickel befreien. 

Danach folgte die Schlüsselstelle des Tages: Entlang eines abschüssigen Schneefelds, über welches wir seitlich aufstiegen, erreichten wir einen stotzigen Grat, der im unteren Teil mit lockerem Gestein bedeckt war, im oberen mit einer weichen Schneewächte. Ich war froh, als ich diese Kraxelei unbeschadet hinter mich gebracht hatte. 

Auf dem Col du Plines (3'250 m), am Ufer eines kleinen Gletschersees, der sich hinter einem Felszacken gebildet hatte, machten wir Pause, bevor wir das ausgedehnte Plateau du Trient betraten.

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Auf der anderen Seite des weiten Eisfeldes war bereits unser Ziel, die Cabane du Trient, sichtbar. Während wir den flachen Gletscher überquerten, konnten wir live eine Luftrettung der Air Zermatt miterleben: Zunächst setzte der Helikopter auf dem Schnee auf und lud einen Arzt aus, um dann zwei wohl in den Aiguilles Dorées verunfallte Bergsteiger mit der Longline auszufliegen. 

Die Cabane du Trient (3'169 m) liegt hoch über dem Gletscherplateau und die sonnige Terrasse inklusive atemberaubender Aussicht und extra bereit gestellten Sonnenliegen hätten für ein ausgiebiges Sonnenbad eingeladen - wenn nicht ein kühler Wind einen Strich durch diese Rechnung gemacht hätte. Daher verbrachten wir den Rest des Tages lieber im warmen Speisesaal. Im Gegensatz zur Cabane de Saleinaz war die Trient voll besetzt und damit wurde der Abend nicht ganz so gemütlich am Tag zuvor.

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Auch am letzten Tag unserer Tour gab es eine frühe Tagwacht. Schnell waren wir von der Hütte wieder zum Gletscher hinabgestiegen. Wir wanderten quer über die weisse Fläche des Trientgletschers, die rundherum von zerklüfteten, spitzen Zacken umgeben ist. Ein eindrücklicher Ort. 

Immer leicht aufwärts gehend, erreichten wir schliesslich den Col Supérieur du Tour (3'288 m). Auf dem zugigen Übergang hatte eine Gruppe Bergsteiger offenbar die Nacht verbracht - ich hätte mir für ein Biwak eine geschütztere Stelle ausgesucht. Hier überschritten wir auch die Grenze nach Frankreich.

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Auf der anderen Seite des Passes ging es steil hinunter, zuerst ungeschickt kletternd über Felsen, dann vorsichtig ein abschüssiges Schneefeld hinunter, bis wir den Glacier du Tour erreichten. Diesem folgten wir eine Weile, immer leicht abwärts, bis wir schliesslich kurz vor dem Refuge Albert 1er das Eis hinter uns liessen und die Steigeisen im Rucksack verstauten. 

Direkt beim Refuge bricht der Glacier du Tour spektakulär über eine Steilstufe und bildet riesige, zerklüftete Spalten. Ebenfalls spektakulär, gleichzeitig aber auch beängstigend, waren die gigantischen Wassermassen, die aus dem Sockel des Gletscher heraus- und die Felsen hinabströmten. Hier konnte man der Gletscherschmelze in Echtzeit zuschauen.

Während wir den Hüttenweg hinabstiegen, kamen uns zahlreiche Wanderer und vor allem Trailrunner entgegen - ein deutliches Zeichen, dass wir uns wieder der Zivilisation näherten. Am Horizont - etwas hinter Wolken verborgen - erhob sich der Mont Blanc und im Tal zu seinem Fusse erkannte man Chamonix. 

Für den letzten Teil des Abstiegs gönnten wir uns schliesslich die Gondel. Mit dem Zug - durch einen sehr malerischen Teil von Frankreich und der Schweiz, welcher mir bisher gänzlich unbekannt war, ging es dann wieder zurück nach Norden.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Freitag/Samstag/Sonntag, 14./15./16. Juli 2023
  • Route: Praz-de-Fort, Le Revers - Prise d'eau de Saleina - Plan Monay - La Gare - Cabane de Saleinaz (Freitag); Cabane de Saleinaz - Glacier de Saleinaz - Bivouac de l'Envers des Dorées - Plateau du Trient - Cabane du Trient (Samstag); Cabane du Trient -  Plateau du Trient - Col Supérieur du Tour - Refuge Albert 1er CAF - Charamillon/La Tour (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h (Freitag); 4 h (Samstag); 5 h (Sonntag)
  • Distanz: 6,7 km (Freitag); 5,5 km (Samstag); 10,6 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'530 m (Freitag); 850 m (Samstag); 250 m (Sonntag)
  • Übernachten: Cabane de Saleinaz CAS (Freitag); Cabane du Trient CAS (Samstag)
Freitag: Praz-de-Fort bis zur Cabane Saleinaz

Samstag: Cabane Saleinaz zur Cabane du Trient

Sonntag: Cabane du Trient nach Tour (F)


Donnerstag, 6. Juli 2023

HHH: Heinzenberger Höhenweg mit Hotpot

@wandernohneende
Das Motto unseres diesjährigen Wanderprojekts lautet "Gratwanderung". Luzias Beitrag dazu führte uns in eine mir bisher unbekannte Ecke des Graubündens, den Heinzenberg.  

Am frühen Morgen stiegen wir in Thusis in ein Minipostauto, das wir ganz für uns alleine hatten, und liessen uns in das kleine Örtchen Präz chauffieren. Dort starteten wir unsere Wanderung, welche dem ausgeschilderten "Heinzenberger-Gratweg" folgte. Doch um überhaupt auf den Grat zu gelangen, galt es zunächst 800 Höhenmeter die Flanke des Heinzenbergs hochzusteigen. Ein nicht ganz unanstrengendes Unterfangen. Beim Pkt. 1981 erreichten wir schliesslich den Grat und machten Pause umringt von verblühenden Alpenrosen. 

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Anschliessend folgten wir dem Gratweg, welcher in einem abwechslungsreichen Auf und Ab von einem Gipfel zum nächsten führte. Der höchste war der Tguma (2'162 m), welcher mit einem modernen Gipfelkreuz aufwartete. Unter uns - auf der rechten Seite - sah man ins Safiental hinunter, in welches sich ein Fluss tief eingegraben hatte. Auf der linken Seite prägte der markante Piz Beverin die Aussicht.

Nach dem Abstieg zum Bischolapass ging es eine Weile flach über breite Feldwege, was mir gut passte, denn eigentlich hatte ich für den Tag bereits genügend Höhenmeter gemacht. Doch zum Abschluss folgte noch ein erneuter Aufstieg zum Glaser Grat (2'124 m). Ein weiteres, nicht ganz unanstrengendes Unterfangen. Danach ging es aber wirklich nur noch abwärts.

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Weiter unten beim Glaspass erlagen wir fast der Versuchung, für den Rest des Abstiegs ins Postauto zu steigen. Doch wir widerstanden und stiegen zu Fuss durch den üppig grünen Wald hinab nach Tschappina. 

Dort übernachteten wir im Gasthaus Alpina und liessen den Abend mit einem kühlen Drink im warmen Hotpot mit Blick auf den Piz Beverin ausklingen. Manchmal ist das Leben gar nicht so schlecht. Und ganz unanstrengend.

Am nächsten Tag ging es nochmals hoch zum Glasspass - diesmal gönnten wir uns das Postauto. Wir stiegen auch nicht mehr bis zum Grat hoch, sondern wanderten mehr oder weniger flach entlang der Hügelflanke bis zum Bischolapass. Im kleinen Pascumineree hatten wir am Vortag Leute baden sehen und dies wollten wir auch tun. Es brauchte etwas Überwindung in den kühlen Bergsee zu tauchen, doch auf jeden Fall fühlte ich mich danach nachhaltig erfrischt.

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Eine Fliegenplage verscheuchte uns schliesslich vom See- und Sonnenbad und wir stiegen über Weiden und Wälder hinunter nach Flerden, wo dieses schöne Wanderwochenende ein Ende fand.




Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 24./25. Juni 2023
  • Route: Präz - Pranzolas - Alp Gronda - Pkt. 1981 - Präzer Höhi - Tguma - Bischolapass - Lüsch - Glaser Grat - Glaspass - Tschappina (Heinzerberger-Gratweg, regionale Route Nr. 763) (Samstag); Glaspass - Seeboda - Lüschersee - Lüsch - Bischolapass - Pascuminersee - Rascheins - Sanestris - Badugns - Flerden (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 5 h 50 min (Samstag); 2 h 30 min (Sonntag)
  • Distanz: 19 km (Samstag); 9,9 km (Sonntag)
  • Höhenmeter: 1'325 m (Samstag); 240 m (Sonntag)
  • Übernachten: Gasthaus Alpina, Tschappina
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Heinzenberger Gratweg (Samstag)



Donnerstag, 27. April 2023

Schneefelder am Moléson (Ostern 3/3)

@wandernohneende
Der letzte Tag meiner Osterwochenendwanderung entlang des Alpenpanoramawegs begann früh und ohne Frühstück. Dies lag daran, dass mein überteuertes Hotel in Gruyères Frühstück erst ab halb neun Uhr anbot und die Busverbindungen in Les Paccots, dem Zielort meiner Wanderung, sehr spärlich waren. Am Vorabend hatte ich daher ausgiebige Berechnungen angestellt, um meine geschätzte Wanderzeit mit dem Busfahrplan in Einklang zu bringen, und ein früher Start schien das beste Resultat zu versprechen.

Gruyères war so früh am Morgen komplett ausgestorben und alle Geschäfte hatten noch geschlossen. Das galt leider auch für den Bahnhof, wo ich zumindest auf Kaffee und Gipfeli gehofft hatte. Also ging es ungestärkt an die erste Steigung, welche durch Wälder und über Alpweiden führte. Am Horizont hob sich imposant der schneebedeckte Moléson vom blauen Himmel ab. Eine frühere Idee, die Wanderung mit einem Abstecher auf seinen Gipfel zu verbinden, hatte ich nicht nur wegen dem engen Zeitmanagement, sondern vor allem wegen dem vielen Schnee schon am Vortag verworfen. Ansonsten startete ich mit der Hoffnung in den Tag, wenigstens zum Abschluss meiner Wanderung nicht wieder im Schnee stecken zu bleiben. Wiesen voller Krokusse unterstrichen das hoffungsvolle Frühlingsgefühl.

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Ich kam gut voran und lag vor meiner Zeitplanung, so dass ich mir auf einer sonnenbeschienen Bank bei Maulatrê-d'Amont eine ausgedehnte Pause gönnte. Ich unterlag der - falschen - Annahme, dass ich hier den Aufstieg schon hinter mir hatte und es nur noch flach oder abwärts weiter gehen würde. Doch leider zog sich der Anstieg noch bis Plan Francey, der sehr verlassen wirkenden Talstation der Gondelbahn auf den Moléson, hin.

Dort wurde auch meine Illusion einer schneefreien Wanderung zerstört: Entlang des Nordhanges des Molésons lag noch ein ausgedehntes Schneefeld, das es zu traversieren galt. Eis und Schnee hielten sich auch danach hartnäckig auf den Wegen.

@wandernohneende
Ich folgte dem Alpenpanoramaweg, welcher als nationale Route Nr. 3 ausgeschildert ist. Auf dieser Etappe wichen aber die Wegweiser mehrmals von der Route auf der Karte ab und schienen in eine völlig andere Richtung zu weisen. Bei Chalet du Gros-Plané war Situation besonders verwirrlich, indem sich Wegweiser und Karte um 180 Grad widersprachen. Abgelenkt mit der Wegfindung rutschte ich prompt auf einer Eisblase aus, was mir für den Rest des Tages ein schmerzhaftes Knie bescherte.

Der folgende Abstieg war eher ereignislos und schneefrei. Am Anfang folgte die Route einem breiten Alpsträsschen, bog dann aber in den Wald ab, wo ein weicher, mit Holzspänen bedeckter Weg ein Wohltat für mein lädiertes Knie war. Das letzte Stück bis Les Paccots führte schliesslich unschön einer Nebenstrasse entlang. Ich erreichte das verschlafene Ferienressort früh genug, um mich auf die Suche nach einer Toilette und einem Kaffee zu machen. Während Ersteres schnell gefunden war, musste ich an diesem Tag komplett auf Kaffee verzichten.


Die beiden anderen Teile meiner Osterwanderung finden sich hier: Karfreitag (Guggisberg-Schwarzsee) und Ostersamstag (Schwarzsee-Charmey).


Wanderinfos:

  • Gewandert: Ostersonntag, 9. April 2023
  • Route: Gruyères - In Maulatrê-d'Amont - Petites-Clés - Plan Francey - Chalet du Gros-Plané - Le Villard - Les Rosalys - Les Paccots (Etappe 22 des Alpenpanoramawegs/nationale Route Nr. 3)
  • Meine Wanderzeit: 4 h 10 min
  • Distanz: 17 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 930 m
  • Weitere Etappen des Alpenpanoramawegs gibt es hier
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Donnerstag, 20. April 2023

Durch den Neuschnee ins Freiburgerland (Ostern 2/3)

@wandernohneende
Am Karfreitag hatte ich es auf dem Alpenpanoramaweg im Schneefall bis zum Schwarzsee geschafft. Am Ostersamstag ging meine Wanderung weiter - zwar mit viel Sonne, leider auch mit ebenso viel Schnee, der über Nacht liegen geblieben war. Die Berggipfel rund um den Schwarzsee - jetzt endlich in ihrer vollen Pracht sichtbar und nicht mehr hinter Wolken verborgen - waren alle weiss bepudert.

Am Ufer des Schwarzsees reckten ein paar Krokusse ihre gefrorenen Köpfe durch den Schnee, doch kaum war ich etwas höher gestiegen, war die Schneedecke geschlossen. Ich hatte schon vor zwei Jahren die Gegend um den Schwarzsee und insbesondere den Breccaschlund bewandert, daher verzichtete ich auf den Zusatzschlenker, welcher die offizielle Route machte, und nahm eine Abkürzung direkt zum Oberen Stierenberg. Die Abkürzung bestand aus einem steilen Aufstieg über einen schneebedeckte Steilhang. Wenigstens waren die Stufen so hoch, dass sie gut sichtbar aus dem Schnee ragten.

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Beim Stierenberg traf ich wieder auf die offizielle Route des Alpenpanoramawegs. Hier gab es auch bereits erste Spuren im Schnee, denen ich dankbar folgte, denn die Wegzeichen waren durch den Schnee grösstenteils verdeckt. Teilweise sank ich knöcheltief im Neuschnee ein - ich habe schon Schneeschuhtouren mit weniger Schnee gemacht.

Der Weg führte im Wesentlichen von Alpbeizli zu Alpbeizli - die natürlich alle noch geschlossen waren. Trotzdem boten sie Gelegenheit für sonnige Pausen an warmen Hauswänden. Nach der Alp Untere Euschels öffnete sich die Landschaft und ich folgte dem breiten Talboden aufwärts, der auf beiden Seiten durch steile Felswände flankiert wurde. Durch die Weite, die schroffen Felsen und die verschneite Landschaft fühlte ich mich in eine einsame Wildnis versetzt.

@wandernohneende
Vom oberen Euschels war es nur noch ein Katzensprung zum Euschelspass (1'567 m), dem höchsten Punkt der Etappe. Der Abstieg war nach Süden exponiert, so dass der Schnee bereits nass und rutschig war. Etwas oberhalb von Jaun war es dann ganz vorbei mit der weissen Pracht.

Ab Jaun führte die Wanderung mehr oder weniger direkt entlang des Jaunbachs. Wie am Vortag war der Weg eingeklemmt zwischen Bach und Strasse. Die schöneren Wegabschnitte führten über den schmalen Uferdamm, die weniger schönen über breite Feldfeldwege durch eine eintönige Ackerlandschaft. Kilometer um Kilometer brachte ich so hinter mich, bis meine Beine schwer wurden und ich schliesslich Charmey erreichte. 

Dort brach ich meine Wanderung ab und stieg in den Bus nach Gruyère. Die Fahrt führte entlang des Lac de Montsalvens und der Jaunbachschlucht - beides hatte ich schon vor zwei Jahren erwandert, so dass ich ohne schlechtes Gewissen abkürzen konnte.

Das kleine Städtchen von Gruyère war vollgestopft mit Touristen und ich verbrachte die Nacht in einem völlig überteuerten Hotelzimmer im historischen Zentrum.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Ostersamstag, 8. April 2023
  • Route: Schwarzsee - Hubel Rippa - Wälschi Rippa - Stierenberg - Untere Euschels - Obere Euschels - Euschelspass - Jaun - Zur Eich - Im Fang - Les Fornis - Charmey (Etappe 20 und Teil der Etappe 21 des Alpenpanoramawegs/nationale Route Nr. 3)
  • Meine Wanderzeit: 5 h 30 min
  • Distanz: 21,5 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 800 m
  • Weitere Etappen des Alpenpanoramawegs gibt es hier

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Samstag, 15. April 2023

Schneetreiben im Berner Hinterland (Ostern 1/3)

@wandernohneende
Eine hektische Zeit bei der Arbeit hatte dazu geführt, dass ich es verpasst hatte, eine Wanderung für die Osterfeiertage zu planen. Entsprechend musste ich mir sehr kurzfristig - also am Nachmittag des Gründonnerstags - etwas einfallen lassen. Dabei kam mir in den Sinn, dass ich vor Jahren mit dem Alpenpanoramaweg, welcher von Rorschach nach Genf führt, angefangen hatte und im Jahr 2019 irgendwo im Bernbiet stecken geblieben war. Die wettertechnisch unsicheren Ostertage schienen mir prädestiniert, hier wieder einmal ein paar Etappen dranzuhängen. 

Das Wetter war dann noch unsicherer als gedacht. Die Prognose für den Karfreitag verschlechterte sich fast stündlich. Der Kanton Bern begrüsste mich schliesslich mit Schneeflocken in Leintuchgrösse und einer verschneiten Landschaft. Ich verkürzte vorsorglich die geplante erste Etappe und fuhr mit dem Bus bis nach Guggisberg - das Guggershörnli schon mal auslassend. 

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Ich hatte Regenschirm und Regenhosen eingepackt - beides konnte ich an diesem Tag gut gebrauchen. Nachdem ich Guggisberg hinter mir gelassen hatte, wurden die Schneeflocken zwar kleiner und weniger häufig. Auf den Wegen und Matten hatte sich das nasse Weiss aber festgesetzt und machte jeden Abstieg zur Rutschpartie. 

Der erste Teil der Wanderung führte über zwei bewaldete Hügelzüge, immer wieder unterbrochen von grossen Lichtungen, in welchen verlassene Höfe standen. Eine einsame Gegend, in welcher ich auf keinen anderen Wanderer traf und meine Spuren die einzigen im frischen Schnee blieben. Ich würde gerne etwas zum (Alpen-)Panorama sagen, doch dieses blieb hinter der Wolkenwand versteckt. 

Ich hatte mir die Möglichkeit offen gehalten, in Zollhaus in den Bus zu steigen, sollte das Wetter noch schlechter werden, doch als ich die Sense erreichte, wurden die Wolken etwas weniger und ab und zu gab es sogar ein kleines Loch, durch welches kurz die Sonne schien. 

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Der zweite Teil der Wanderung führte eingeklemmt zwischen Sense und Hauptstrasse immer leicht ansteigend durch den Talboden. Die Attraktivität des Wanderwegs nahm dabei ebenso stetig ab: Während er zu Beginn noch durch den hübschen Uferwald geführt hatte, verlief er zum Schluss immer mehr der Strasse entlang und durch die Ferienhäuser am Rande von Schwarzsee.

Aus einem gemütlichen Kaffee am Ufer des Schwarzsees wurde schliesslich auch nichts - das Restaurant hatte geschlossen und plötzlich setzte auch wieder dichtes Schneetreiben ein. So machte ich mich stattdessen auf direktem Weg auf in die Saunalandschaft meines Hotels und hoffte auf besseres Wetter für den nächsten Tag. 


Fortsetzung folgt...


Wanderinfos:

  • Gewandert: Karfreitag, 7. April 2023
  • Route: Guggisberg - Laubbach - Tiefenboden - Martenen - Zollhaus - Tromooserli - Schwarzsee (Etappe 19 des Alpenpanoramawegs/nationale Route Nr. 3)
  • Meine Wanderzeit: 4 h
  • Distanz: 16,2 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 700 m
  • Weitere Etappen des Alpenpanoramawegs finden sich hier
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Mittwoch, 8. März 2023

Durch Nebel und Schnee zur Leglerhütte

@wandernohneende
Nach einer langen Schönwetterphase fiel unsere lang geplante Schneeschuhtour zur Leglerhütte ausgerechnet auf das Wochenende, an welchem sich der Winter mit Schnee und einer steifer Bise doch noch zeigte. Ein paar Tage vor dem Wochenende stellte ich die Wetterprognose, welche zweistellige Minustemperaturen vorhersagte, in den Gruppenchat in der Hoffnung, dass Nicole, unsere Organisatorin, den dezenten Wink mit dem Zaunpfahl verstehen und die Tour absagen würde. Doch ich hätte es besser wissen sollen: Trotz der widrigen Wetterprognose bestätigten alle gerade zu enthusiastisch ihren Teilnahmewillen.

Mit der Gondel schweben wir von Kies nach Mettmen, wo uns - wie vorausgesagt - trübes Wetter erwartete. Wir nahmen einen Startkaffee im Berghotel Mettmen und fragten uns dann doch, warum wir das Wochenende nicht im Wellnessbereich von diesem schönen Hotel verbrachen. 

@wandernohneende
Als wir schliesslich in die Schneeschuhe stiegen und uns in die Kälte wagten, war die Sicht irgendwo zwischen null und nicht vorhanden. Der erste Teil der Strecke führte entlang des Garichti Stausees, doch dessen schneebedeckte Fläche hob sich kaum vom Nebel ab. Dank einer gut ausgetretenen Spur war wenigstens die Wegfindung einfach. Ab und zu tauchten schemenhaft Objekte aus dem Nebel auf: Ein Felsen, eine Hütte oder sogar eine Gämse.

Bei einer verlassenen Alp bei Chärpfbrugg fanden wir einen Unterstand für eine kurze Pause, bevor wir uns an den zweiten - steileren - Teil des Aufstiegs machten. Auf dem letzten Stück mussten wir dann gegen den kalten Wind ankämpfen, bevor hinter einer Kurve endlich die Hütte in Sicht kam. 

In der modernen, gastfreundlichen Leglerhütte verbrachten wir einen sehr lustigen Abend und ich bereute keinen Moment, dass die Tour nicht abgesagt wurde. Es ist eine Hütte, die ich unbedingt auch Sommer besuchen möchte - vielleicht wenn man auch etwas von der Umgebung sieht.

@wandernohneende
Eigentlich war angedacht gewesen, am Sonntag noch einen Abstecher auf den Hahnenstock zu machen. Das Wetter, das über Nacht von schlecht zu schlechter gewechselt hatte, machte diesem Plan aber einen Strich durch die Rechnung. Also machten wir uns nach dem Frühstück direkt wieder an den Abstieg. 

Das erste Stück war herausfordernd: Umfegt von einer kalten Bise rutschten wir die steilen Hänge unter der Hütte den teilweise kniehohe Neuschnee hinunter - wenigstens fiel man weich. Sobald wir aber die Baumgrenze unterschritten hatte, waren wir nicht nur geschützt vom Wind, sondern wähnten uns in einem Winterwunderland aus schneebedeckten Bäumen und Eiszapfen. Das letzte Stück der Tour war purer Genuss und wir stoppen immer wieder für Fotos, bis wir von Ivan ermahnt wurden, nicht mitten im Lawinenhang Pause zu machen.

Noch vor der Mittagszeit waren wir wieder zurück im Bergrestaurant Mettmen und wir mussten uns mit einem Apéro begnügen, bis die Küche öffnete und wir unseren wohlverdienten und sehr leckeren Berg Burger verdrücken konnten. Es zeigte sich wieder mal, dass das Wetter nicht entscheidend ist für ein gelungenes Wochenende. 


Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 25./26. Februar 2023
  • Route: Mettmen - Chärpfbrugg - Vorder Kärpf - Leglerhütte SAC (Samstag; Sonntag gleiche Strecke zurück)
  • Unsere Wanderzeit: 2 h 30 min (Samstag); 2 h (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 680 m (Samstag); 30 m (Sonntag)
  • Übernachten: Leglerhütte SAC

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Donnerstag, 16. Februar 2023

Vom Spital zum Furggelenstock

@wandernohneende
Der Winter - resp. der fehlende Winter - lud dieses Jahr nicht gerade zum Schneeschuhlaufen ein. Entsprechend hatte meine Kondition gelitten. Die sonnige Wettervorhersage fürs Wochenende zwang mich dann aber trotzdem dazu, am frühen Morgen unter meiner Bettdecke hervorzukriechen.

Ich wankte bis zum letzten Moment, welche Tour ich machen sollte; schliesslich stieg ich in Unteriberg aus dem Bus. Die Strecke von Unteriberg auf den Spital kannte ich schon; als ich sie letzte Saison hochgestiegen war, hatte aber einiges mehr an Schnee gelegen (nachzulesen hier). Dieses Mal trug ich die Schneeschuhe auf dem Rücken die ersten 300 Höhenmeter hoch bis zum Aussichtsbänkchen am Waldrand. Danach gab es ausreichend Schnee, um die Schneeschuhe anzuschnallen, auch wenn es dank der hartgepressten Spur auch ohne gegangen wäre.

@wandernohneende
Auf dem baumlosen Gipfel des Spitals (1'573 m) angekommen, genoss ich erstmal das schöne Bergpanorama. Doch eine allzu lange Pause konnte ich mir nicht leisten. Bei meinem letzten Besuch hatte ich entdeckt, dass man vom Spital bis zum Furggelenstock weiter gehen konnte, und das wollte ich diesmal ausprobieren.

Die Strecke ist kein markierter Schneeschuhtrail, aber gemäss Karte eine erlaubte Passage durch die ansonsten gesperrte Wildruhezone. Es gab bereits eine deutliche Spur, was die Wegfindung einfach machte. Im Zweifelsfall folgte man dem Stacheldrahtzaun, welcher aus mir unerfindlichen Gründen quer durch die Wildschutzzone führt. 

@wandernohneende
Durch den Wald erreichte ich bereits nach kurzer Zeit die Rägenegg (1'531 m), welche einen guten Blick zurück zur kahlen Gipfelpyramide des Spitals erlaubte. Der grösste Teil der weiteren Strecke führte durch ein einsames Waldgebiet. Unterhalb des östlichen Endes des Gschwändstocks gab es die einzige heikle Passage mit der Querung eines ausgesetzten Steilhangs. Danach folgte ich weiter dem Grat zum bewaldeten Hauptgipfel des Gschwändstocks (1'616 m), dem höchsten Punkt der Tour. 

Nach der Buziflue ging es im Zickzack ein Waldstück aus lauter toten Bäumen hinunter mit direkten Blick auf den grossen Mythen. Sowohl die kahlen Baumstämme wie auch der Mythenblick kamen mir bekannt vor. Tatsächlich war ich hier im Sommer schon mal hochgestiegen

@wandernohneende
Ich hatte angenommen, dass es ab da nur noch abwärts gehen würde, doch es stellte sich schnell heraus, dass ich mich getäuscht hatte. Der Weg führte in einem munteren Auf und Ab längs über den weitläufigen Bergkamm. Entschädigt für meine immer weniger munteren Beine wurde ich mit der Aussicht auf beide Seiten. Eine ausgedehnte Lichtung und ein letzter Gegenanstieg brachten mich schliesslich zur Furggelen direkt an den Fuss des Furggelenstocks. 

Gut hundert Höhenmeter wären es von hier noch gewesen auf den Gipfel. Doch das waren mir eindeutig hundert Höhenmeter zu viel. Stattdessen genehmigte ich mir einen Sauren Most in der Furggelenhütte und begnügte mich damit, zum Furggelenstock hochzusehen und die Sonne zu geniessen.

Entlang des markierten Schneeschuhtrails stieg ich schliesslich auf dem kürzesten Weg nach Brunni hinunter - für mehr hatte ich nach der langen Tour keine Energie mehr.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 11. Februar 2023
  • Route: Unteriberg, Guggelstrasse - Hochgütsch - Spital - Rägenegg - Gschwändstock - Buziflue - Burstblätz - Furggelen - Brunni => die Route führt durch eine Wildruhezone, markierte Wege nicht verlassen
  • Meine Wanderzeit: 4 h 40 min
  • Distanz: 12,7 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 950 m
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Donnerstag, 12. Januar 2023

Windiger Jahreswechsel auf der Rotondohütte

@wandernohneende
Traditionsgemäss verbrachte ich den Jahreswechsel auf den Schneeschuhen, diesmal rund um die Rotondohütte im Kanton Uri. Angesichts der grünen Wiesen im Mittelland war ich etwas skeptisch in Bezug auf die Schneeverhältnisse, doch zu meiner Überraschung konnten wir bereits etwas ausserhalb von Realp von den Wander- zu den Schneeschuhen wechseln. Die Schneeschicht auf dem schmalen Strässchen, dem wir ins Witenwasserntal hinein folgten, war zwar nicht dick, aber gerade so ausreichend, und sie wurde dicker, als wir allmählich höher stiegen.

Während in Realp noch die Sonne geschienen hatte, steuerten wir direkt auf eine Wolkenwand zu, welche der Föhn über die Alpen drückte. Als wir Oberstafel erreichten und die Steigung des Weges zunahm, nahm auch der Wind an Fahrt auf und Schneegestöber begleitete uns auf dem Rest der Strecke, bis endlich die Rotondohütte in Sicht kam, wo wir warm empfangen wurden.

@wandernohneende
Der nächste Tag - der letzte Tag des alten Jahres - brachte Sonne, blieb aber windig. In einem gemächlichen Tempo wanderten wir über die ausgedehnte, sanft ansteigende Schneefläche, unter welcher der Witenwassergletscher lag. Es fühlte sich gut an, sich wieder einmal durch eine richtige Winterlandschaft zu bewegen. 

Das letzte Stück bis hoch auf den Grat führte durch einen Steilhang aus kniehohem Neuschnee. Dank Tom, unserem Bergführer, wurde aber auch dieser Aufstieg nicht allzu anstrengend, denn Tom schlug für uns praktische Stufen in den Schnee.

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Als wir den Sattel erreicht hatten, waren wir zwar ungeschützt dem Wind ausgesetzt, konnten dafür einen ersten Blick ins Bedrettotal hinunterwerfen und auf die Tessiner Bergwelt. Wir folgten dem Grat entlang von spitzen Felsformationen zum Hüenderstock (2'882 m), dem Gipfelziel des Tages. Unter uns lag der ausgedehnte Talkessel, in dessen Mitte die Rotondohütte auf einem kleinen Hügel thronte.

Wir hielten unsere Pause auf dem Gipfel - wie alle Pausen an diesem Tag - kurz, zu stark blies der Wind. Immer mehr oder weniger dem Bergrücken folgend, wanderten wir weiter bis zum Hüendersattel. Von dort warfen wir einen letzten Blick ins Tessin, bevor wir uns über teilweise sehr steile Abhänge zurück zur Hütte rutschten, wo es Glühwein zum Aufwärmen gab.

@wandernohneende
Am nächsten Morgen - der erste des neuen Jahres - brachen wir noch vor Sonnenaufgang von der Hütte auf; ein langer Abstieg stand uns bevor. Dieser begann aber zunächst mit einem Aufstieg zum Läckipass, währenddessen langsam die Sonne über den Bergen hinter uns aufging. Auf dem Übergang hatte der Wind den Schnee fast weggeblasen, so dass die Krallen der Schneeschuhe mit unangenehmen Geräuschen über die nackten Steine kratzten. Schon bald wurde der Schnee aber wieder tiefer und es wurde ein genussvoller Abstieg in das breite Tal hinein. Vom Muttengletscher, der gemäss Karte unter uns liegen sollte, waren aber kaum mehr Spuren zu entdecken.

Als das Tal eine Kurve machte, gab es einen kurzen Gegenanstieg auf das ausgedehnte Hochplateau unterhalb der Stotzigen Firsten. Dort machten wir eine ausgiebige Pause und genossen den Blick zurück zum Läkipass. Das erste Mal an diesem Wochenende war unser Pausenplatz so warm und windstill, dass wir nicht vorzeitig von Kälte und Wind aufgescheucht wurden. Im Gegenteil, ich hätte es noch eine Weile an diesem sonnigen Plätzchen ausgehalten.

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Doch es wartete das letzte Stück des Rückwegs nach Realp auf uns. Solange die Strecke an der Sonne lag und der Schnee weich unter den Schneeschuhen nachgab, war dieser vergnüglich. Doch im Schatten war der Schnee fest und Abstieg machte sich in den Knien bemerkbar. Wir erreichten schliesslich wieder das Strässchen, auf welchem wir zwei Tage zuvor aufgestiegen waren, und die zwei Tage hatten ausgereicht, den Schnee im unteren Bereich grösstenteils wegzuschmelzen.

Ausserhalb von Realp zogen wir schliesslich die Schneeschuhe wieder aus. In Realp beim Abschlusskaffee hatte man zwar wieder frühlingshafte Gefühle, doch es war schön gewesen, den Winter zumindest für drei Tage zu erleben.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Freitag/Samstag/Sonntag, 30./31.12.2022/1.1.2023
  • Route: Realp - Vorder-/Hinterschweig - Oberschäseren - Witenwasserenstafel - Oberstafel - Rotondohütte (Freitag); Rotondohütte - Witenwassergletscher - Hüenderstock - Hüendersattel - Rotondohütte (Samstag); Rotondohütte - Läckipass - Muttengletscher - Auf den Ampelenplanggen - Deieren - Grueben - Realp (Sonntag)
  • Distanz: 8,2 km (Freitag); 7 km (Samstag); 12,4 km (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h (Freitag); 4 h 30 min (Samstag); 5 h 45 min (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'030 m (Freitag); 580 m (Samstag); 600 m (Sonntag)
  • Übernachten: Rotondohütte SAC
@wandernohneende
Hüenderstock (Samstag)

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Abstieg (Sonntag)