Montag, 2. April 2018

Wildes Wetter rund um den Wildstrubel

Fast wäre schon wieder ein Schneeschuhwochenende im Frust geendet: Als Saisonabschluss hatte ich - wie im letzten Jahr - eine Tour über die Greina gebucht. Wie im letzten Jahr wurde sie wegen ungünstigen Lawinenverhältnissen abgesagt. Als Ersatz bot man mir - wie im letzten Jahr - eine Tour in die Fideriser Heuberge an. Doch so schön das Prättigau auch ist, zweimal wollte ich die gleiche Tour nicht machen.

Ich sah mich schon das ganze Osterwochenende zu Hause sitzen und im Frust Schokoladenosterhasen essen, als ich zufällig auf ein Angebot der Alpinschule Tödi stiess: Vier Tage Schneeschuhwandern im Wildstrubelgebiet. Also nichts wie los in Wallis!

In Leukerbad war es sonnig und warm, als uns Bergführer Panki in Empfang nahm. Mit der Bahn ging es hinauf auf die Gemmi. Dort pfiff uns zur Begrüssung ein heftiger Wind um die Ohren. In der Ferne sah man dafür bereits unser Tagesziel, die Lämmerenhütte, auf einer Felsterrasse thronen. Der Schneeschuhtrail zur Hütte war gut markiert und führte am Anfang fast flach über den Lämmerenboden. Erst kurz vor der Hütte gab es eine steile Stufe zu überwinden. Eine Gruppe Skitourenfahrer nutze den Steilhang zum Üben der Spitzkehre und wir waren einhellig der Meinung, dass sie noch einiges an Übung brauchen konnten.

Auf dem Steghorn
In der gemütlichen, kürzlich renovierten und gut geheizten Lämmerenhütte wurden wir freundlich empfangen. Hier kam unser Bergführer zum ersten Mal ins Schwitzen, als sich herausstellte, dass die Alpinschule nur für zwei statt drei Nächte gebucht hatte und die Hütte für Sonntag ausgebucht war. Während wir beim Bier sassen, musste er dafür sorgen, dass wir nicht plötzlich obdachlos im Schnee landeten.

Der nächste Morgen brachte Nebel und Wolken, doch wenigstens hatte der Wind nachgelassen. Zwischen Felswänden, die im Nebel auftauchten und wieder verschwanden, stiegen wir entlang des schneebedeckten Steghorngletschers hinauf. Gerade als wir uns den letzten Steilhang hochquälten, trennten sich die Wolkenschichten voneinander und gaben den Blick Richtung Süden frei. Auf dem Steghorn (3'146 m) angekommen, blieb uns genügend Zeit für ein Gipfelfoto mit den Walliser Viertausender im Hintergrund, bevor der Nebel uns wieder einholte. Auf dem Abstieg war die Sicht gleich null und ohne unseren Bergführer hätte ich den Weg zurück in die Hütte nicht gefunden.

Dort kamen wir gerade rechtzeitig an, um eine Rösti zu essen und zu beobachten, wie draussen der Wind wieder auffrischte. Doch bevor wir zum Kuchen übergehen konnten, scheuchte uns Panki nochmals für eine LVS-Übung ins Schneegestöber. Der Schneesturm hielt die ganze Nacht an und auch am nächsten Morgen bliess uns der Wind kalt ins Gesicht, als wir uns auf den Weg zum Wildstrubel machten. Ich hatte meine Kapuze tief ins Gesicht gezogen und richtete meinen Blick nach unten, um dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, und sah kaum mehr als die Schneeschuhe der Person direkt vor mir.

Sackgasse Lämmerenplatten
Gerade als ich das Gefühl hatte, das Wetter werde etwas besser, zog unser Bergführer die Reissleine: Der Wind hatte über Nacht Unmengen an Schnee verfrachtet und der viele Triebschnee machte den Aufstieg zum Wildstrubel zu gefährlich. Damit blieb uns nichts anderes übrig, als umzukehren. Auf dem Rückweg zur Hütte zeigte sich eindrucksvoll, wie schnell der Wind den Schnee transportieren konnte: Unsere Aufstiegsspur - bei sechs Schneeschuhläufern nicht gerade schmal - war teilweise kaum mehr sichtbar.

Damit sassen wir um 9 Uhr schon wieder in der Lämmerenhütte beim Kaffee. Da wir wegen dem Buchungsfehler aber ohnehin Unterkunft wechseln mussten, wurde nichts aus einem faulen Hüttentag. Stattdessen schnallten wir unsere Schneeschuhe bald wieder an und stiegen über die Steilstufe wieder zum Lämmerenboden hinunter. Dort drehten wir uns nach Nordwesten und wanderten ein einsames Tal zur Lämmerenplatten hoch. Diese Route hatte seit dem letzten Schneefall offenbar noch niemand genommen, auf jeden Fall musste unser Bergführer harte Spurarbeit durch den kniehochen Tiefschnee leisten. Dabei wechselten dichter Nebel und (sehr) kurze Aufhellungen nahtlos ab.

Wir hatten den höchsten Punkt der Lämmerenplatten bereits überschritten, als unser Bergführer auch hier die Reissleine ziehen musste: Die schlechten Sichtverhältnisse garantierten im coupierten Gelände keinen sicheren Abstieg. Also nochmals, umkehren, alles wieder zurück. Auf dem Rückweg zeigte sich, wie langgezogen das Seitental war. Nach dreieinhalb Stunden waren wir wieder bei der Steilstufe direkt unterhalb der Lämmerenhütte - und unserem Tagesziel keinen Schritt näher.

Morgenstimmung Schwarenbach
Via einem weiten Bogen über den Lämmerenboden zurück Richtung Gemmipass und über den schneebedeckten Daubensee erreichten wir schliesslich den Winterwanderweg, der nach Schwarenbach führte. Der planierte Weg war zwar mehrheitlich flach und stellte keinerlei Schwierigkeiten dar, doch die Strecke schien sich endlos hin zu ziehen und der schwere Rucksack lastete auf meinen Schultern. Wenigstens setzte sich die Sonne schliesslich endgültig durch und wir konnten sogar eine kurze Pause auf einer sonnigen Bank machen. Doch am Schluss waren alle froh, dass endlich das Berghotel Schwarenbach in Sicht kam - alles in allem waren wir an diesem Tag sieben Stunden auf den Schneeschuhen unterwegs gewesen.

Die komfortable Unterkunft, welche das Berghotel Schwarenbach bot, entschädigte uns für die zusätzliche Anstrengung, welche die Tourenabbrüche, die Umwege und der Unterkunftswechsel mit sich gebracht hatte.

Ausblick vom Tatelishore
Der nächste Morgen brachte zum Schluss des Osterwochenendes viel Sonne und blauen Himmel. Damit waren die Verhältnisse viel zu gut, um direkt nach Sunnbüel zu laufen. Gut, dass unser Bergführer noch einen Zusatzgipfel aus dem Hut zaubern konnte: Der Name von unserem Gipfelziel, Unders Tatelishore, konnte sich zwar niemand merken, doch die schneebedeckte Pyramide mit dem Kreuz, welches in der Sonne glitzerte, war unverkennbar. Im Sagiwald deponierten wir unter einer Tanne das nicht benötigte Gepäck und stiegen nur mit einem leichten Rucksack durch den Wald. Bald liessen wir die Bäume hinter uns und zogen unsere Spur in den weissen, unberührten Berghang. Wir waren die ersten, die an diesem Tag zum Tatelishore aufstiegen, entsprechend musste unser Bergführer wieder viel Spurarbeit leisten.

Ein Blick zurück zeigte aber zahlreiche Tourenskifahrer, die unseren Aufstiegsspuren folgten. Ein ganz dreistes Exemplar, der ohne die Spur von unserem Bergführer den Gipfel vermutlich nicht einmal gefunden hätte, dachte nicht daran, uns die Genugtuung der Erstbesteigung an diesem Tag zu gönnen, sondern überholte uns nur Meter vor dem Gipfel, ohne sich für die Spurarbeit von unserem Bergführer zu bedanken oder uns auch nur zu grüssen. Dass er dann direkt unter dem Gipfel über seine eigenen Skis stolperte und auf die Nase fiel, schien uns ausgleichende Gerechtigkeit für die fehlenden Manieren.

Rückblick zum Tatelishore
Auf dem Gipfel des Under Tatelishore (2'497 m) genossen wir die Aussicht und die warme Sonne. Wirklich ein schöner Abschluss für dieses wettermässig nicht immer gnädige Wochenende! Als immer mehr Tourenskifahrer den Gipfel erreichten und uns der Rummel zu viel wurde, stiegen wir - mehr oder weniger elegant durch den weichen Schnee gleitend - wieder hinab zu unserem Materialdepot. Das letzte Stück bis Sunnbüel folgten wir - zusammen mit unzähligen Wanderern - wieder dem Winterwanderweg.

Bei der Rückfahrt mit der Gondelbahn nach Kandersteg waren wir uns alle einig: Auch wenn wir den Wildstrubel auslassen mussten - es war ein gelungenes Wochenende gewesen. Und für mich doch noch ein schöner Saisonabschluss!



Wanderinfos:
  • Gewandert: Freitag bis Montag, 30. März bis 2. April 2018 (Osterwochenende)
  • Route: Gemmipass - Lämmerenboden - Lämmerenhütte (Freitag); Lämmerenhütte - Steghorngletscher - Steghorn - Steghorngletscher - Lämmerenhütte (Samstag); Lämmerenhütte - Lämmerensee - Lämmerenplatten (Umkehrpunkt) - Lämmerensee - Lämmerenboden - Daubensee - Schwarenbach (Sonntag; ohne Abstecher Richtung Wildstrubel); Schwarenbach - Sagiwald - Unders Tatelishore - Sagiwald - Sunnbüel (Montag)
  • Unsere Wanderzeit: 2 h (Freitag); 4 h 20 min (Samstag); 5 h 30 min (Sonntag); 4 h 15 min (Montag)
  • Distanz: 4,5 km (Freitag); 9,2 km (Samstag); 13 km (Sonntag); 10 km (Montag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 250 m (Freitag); 740 m (Samstag); 350 m (Sonntag); 650 m (Montag)
  • Übernachten: Lämmerenhütte SAC (Freitag/Samstag); Berghotel Schwarenbach (Sonntag)




Sonntag, 11. März 2018

Abgesagte Saisonhöhepunkte und Frustwandern durch die Innerschweiz

Ägerisee
Eigentlich wäre an diesem (verlängerten) Wochenende das Schneeschuh-Highlight der Saison angestanden: Vier Tage entlang der schweizerisch-italienischen Grenze von Hütte zu Hütte vom Tessin ins Wallis. Die erste Enttäuschung kam, als die Tour wegen ungenügender Teilnehmerzahl abgesagt wurde. Als Alternative bot man mir eine zweitägige Tour aufs Wildhorn an, einen 3000er im Berner Oberland. Auch nicht schlecht, fand ich - bis diese Tour kurzfristig wegen des schlechten Wetters ebenfalls abgesagt wurde.

Da sass ich nun, mit vier arbeitsfreien Tagen, trüben Wetteraussichten und durchkreuzten Tourenplänen. Nach dem ersten Tag war meine Wohnung bereits blitzblank geputzt und mir fiel die Decke auf den Kopf. Spontan entschloss ich mich, wieder einmal eine Lücke im Alpenpanoramaweg zu schliessen, nachdem es schon fast ein Jahr her war, dass ich auf dieser Route unterwegs gewesen war.

Moorlandschaft Rothenthurm
Ich setzte in Einsiedeln ein, wo mehr Schnee lag, als ich erwartet hatte. Mit den tief hängenden Wolken, den Schneeresten und dem Matsch, der unter dem Schnee hervorkam, machte die Landschaft einen ziemlich trostlosen Eindruck, was durch immer wieder einsetzende Regenschauer noch verstärkt wurde. Nachdem ich eine erste Hügelkette überquert hatte, erreichte ich das Hochmoor von Rothenthurm, auf welchem ebenfalls noch viel Schnee lag, welcher das Gefühl von Eintönigkeit untermauerte. Das Alpenpanorama erschöpfte sich an diesem Tag auf ein paar Voralpengipfel, die sich kaum vom grauen Himmel abhoben.

Während der ganzen Zeit begegnete ich fast keinem anderen Menschen. Dafür gab es im Schnee zahlreiche Tierspuren zu entdecken und ich redete mir ein, dass eine davon einem Wolf gehörte (wahrscheinlicher aber bloss einem sehr grossen Hund). Nach dem Aufstieg zur Muetegg folgte ich dem schneebedeckten Gratweg. Vor zwei Jahren waren wir einen Teil dieser Strecke auf unserem Weg zum Gotthard gewandert - bei noch schlechterem Wetter.

Zugersee
Durch die blattlosen Bäume konnte ich zwischendurch einen ersten Blick auf den Ägerisee werfen, zu dem ich schliesslich abstieg. In Oberägeri angekommen, entschloss ich mich, die nächste Etappe direkt anzuhängen und einfach weiterzuwandern. Das Zuger Hinterland konnte an diesem trüben Tag zwar nicht gerade mit landschaftlicher Attraktivität punkten, doch es fühlte sich gut an, wieder einmal eine längere Strecke zu wandern. Und man kann über Zug sagen was man will, unbestreitbar schön ist der Zugersee und die Altstadt, welche den Abschluss der langen Wanderung bildeten.

Nach gut siebeneinhalb Stunden erreichte ich den Bahnhof Zug und fühlte die lange Strecke deutlich in meinen Beinen und Fusssohlen. Der Frust über die abgesagten Schneeschuhtouren hatte aber ebenso deutlich abgenommen.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 10. März 2018
  • Route: Einsiedeln - Katzenstrick - Altmatt - St. Jost - Raten - Muetegg - Hintertann - Hinterwiden - Unterägeri - Wissenschwändi - Brunegg - St. Verena - Zug (Etappen 9 und 10 des Alpenpanoramawegs/nationale Route Nr. 3)
  • Meine Wanderzeit: 7 h 30 min
  • Distanz: 32 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 980 m
  • Weitere Etappen des Alpenpanoramawegs finden sich hier


Sonntag, 25. Februar 2018

Abstecher über die Nebelgrenze

Als wir mit der Gondel von der Stöckalp nach Melchsee-Frutt hochfuhren, war ich mir noch nicht sicher, ob sich das frühe Aufstehen gelohnt hatte: Es war nicht nur so kalt, dass es mich trotz fünf Schichten Kleider fröstelte, sondern die Sicht betrug auch kaum mehr als zwei Meter.

Wir folgten dem markierten Schneeschuhtrail und da dieser sofort anstieg, war mein Kälteproblem innert kürzester Zeit gelöst. Und ein paar Höhenmeter weiter setzte sich auch die Sonne gegen die Wolken durch und bescherte uns einen tollen Ausblick auf die Berge, die auf dem Nebelmeer zu treiben schienen.

Der Aufstieg zum Bonistock (2'169 m) dauerte nicht einmal eine Stunde. Danach machten wir  eine fast ebenso lange Pause auf der Sonnenterrasse des Berghotels Bonistock - Thomas war an diesem Tag untypisch grosszügig mit den gewährten Pausen.

Unterdessen hatte sich der Nebel etwas gelichtet, so dass wir bei Sonne zur Tannalp absteigen konnten. Die kurze steile Schlüsselstelle bei Chringen passierten wir problemlos. Sobald sich die Sonne nur etwas hinter einem Nebelschleier versteckte, wurde es hingegen sofort wieder spürbar kühler. Zudem wies der Rückweg, den wir mit einem weiten Bogen um den schneebedeckten Tannensee herum ausschmückten, keine nennenswerte, wärmende Steigungen mehr auf.

Doch in der Gondel zurück zur Stöckalp war klar: Das frühe Aufstehen hatte sich dank der Sonne auch für die kurze Tour gelohnt!



Wanderinfos:

  • Gewandert: Sonntag, 25. Februar 2018
  • Route: Melchsee-Frutt - Bonistock - Chringen - Tannalp - Melchsee-Frutt (ausgeschildeter Schneeschuh-Trail)
  • Unsere Wanderzeit: 2 h 30 min
  • Distanz: 9 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 400 m

Montag, 12. Februar 2018

Zehn Frauen, ein Bergführer und viele Minusgrade

Wir waren eine sehr frauenlastige Gruppe, die sich am Bahnhof Filisur traf und selbst Chrigu, unser Bergführer, musste zugeben, noch nie mit einer reinen Frauengruppe unterwegs gewesen zu sein. Doch soviel vorweg: Er schlug sich gegen die weibliche Übermacht ganz gut.

Die zweitägige Schneeschuhtour führte durch den Parc Ela, den grössten Naturpark der Schweiz. Die ersten paar Meter legten wir ohne Schneeschuhe zurück, bevor wir diese schliesslich anschnallten und gemächlich ein schneebedecktes Fahrsträsschen hochstiegen, das sich kurvenreich den Hang hochschlängelte. Dann ging es weiter über einen schmalen Waldweg, bis wir bei der Alp Prosot den Wald hinter uns liessen. Dort hörte auch die vorgetrampelte Spur auf, so dass Chrigu uns einen Weg durch den Tiefschnee bahnen musste.

Die Strecke führte durch ein breites Tal und man war sich nie ganz sicher, wo der Schnee endete und die Wolken begannen. Die umliegenden Berge konnte man nur erahnen. Ganz alleine waren wir unterwegs. Endlich kam hoch oben die Ela Hütte in Sicht. Zum Endspurt galt es noch einen steilen Hügel zu bezwingen, nachdem bis dahin der Anstieg zwar stetig, aber nie wirklich steil gewesen war.

Im Abstieg von der Fuorcla Tschitta
Die Ela Hütte ist unbewartet und bereitete uns einen entsprechend frostigen Empfang. Auch wenn im Ofen schnell ein Feuer loderte, er vermochte den kleinen Raum nicht wirklich aufzuwärmen, insbesondere weil die Aussentemperatur unterdessen ins Minus gefallen war. Chrigus Versuch, uns die 12°C, die sein digitales Thermometer anzeigte, als 21°C zu verkaufen, schlug fehl, vermutlich weil wir wegen den fehlenden Weinvorräten in der Hütte dafür nicht betrunken genug waren.

Doch der Alkoholmangel konnte ebenso wenig wie unsere kalten Füsse die gute Stimmung trüben. Ich hatte zudem beim Packen in letzter Minute den Geistesblitz gehabt, meinen Seiden- gegen meinen Daunenschlafsack auszutauschen; eine meiner besseren Entscheidungen der letzten Tage.

Am nächsten Morgen zeigte das Thermometer -15°C an. Die schöne Morgenstimmung entschädigte uns aber für die Kälte und die frühe Tagwacht. Und wir bekamen endlich den namensgebenden Piz Ela zu Gesicht. Nach dem Frühstück, welches reichhaltiger war als in mancher bewarteten Hütte, starteten wir warm eingepackt den Aufstieg zum Elapass. Es waren zwar weniger Höhenmeter als am Vortag zu bewältigen, doch dafür waren diese einiges steiler.

Blick zurück zur Fuorcla Tschitta
Nach knapp zwei Stunden standen wir auf dem Elapass (2'723 m). Dem eisigen Wind, der uns dort entgegen blies, entkamen wir durch einen kurzen Abstieg auf die einsame Hochebene Laiets hinunter. Wir waren die einzigen Menschen, die an diesem Morgen hier ihre Spuren durch den Schnee zogen.

Am Ende der Ebene wartete nochmals ein giftiger Anstieg zur Fuorcla Tschitta (2'831 m) auf uns, und ich musste mich mit einem Ovo Sport dopen, damit ich etwas länger durchhalten konnte. Oben angekommen hatte man eine schöne Aussicht auf die Bündner Bergwelt.

Der Abschluss der Tour bildete der lange Abstieg durch das Val Tschitta. Der weiche Tiefschnee war ideal, um mit den Schneeschuhen hinabzurutschen, doch auch sehr kräftezehrend, wie ich bald feststellen musste. Zudem hatte sich endlich die Sonne durchgesetzt und die schon fast ungewohnte Wärme brachte uns zusätzlich ins Schwitzen. Bald erreichten wir die Waldgrenze und schliesslich den Talboden.

Die letzten paar Höhenmeter vom Talboden hoch zum Bahnhof Preda wären normalerweise nicht der Rede wert gewesen, nach dieser Tour spürte ich aber jeden zusätzlichen Meter. Doch die Anstrengung hatte sich gelohnt, der Naturpark Ela ist eindeutig ein Bijou!



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 10./11. Februar 2018
  • Route: Filisur - Cloters - Alp Prosot - Pradatsch - Elahütte (Samstag); Elahütte - Elapass - Laiets - Fuorcla Tschitta - Val Tschitta - Preda (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 30 min (Samstag); 5 h (Sonntag)
  • Distanz: 11 km (Samstag); 12,5 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'300 m (Samstag); 820 m (Sonntag)
  • Übernachten: Chamona d'Ela SAC (ungeheizt!)




Sonntag, 4. Februar 2018

Mit dem besten Wanderleiter* aufs Jänzi

Im Unterland waren in den letzten Tagen schon fast Frühlingsgefühle aufgekommen, doch das Postauto brachte uns von Sarnen in einer halben Stunde direkt in den Winter zurück. Ich hatte das Gebiet rund um den Glaubenberg bis dahin nicht gekannt; wenn man die vollen Busse - der Kurs wurde doppelt geführt - und den ebenso vollen Parkplatz in Langis als Massstab nahm, war ich in meiner Unkenntnis aber ziemlich alleine.

Das Gebiet ist offenbar besonders bei Langläufern beliebt und zu Beginn querte der Schneeschuhtrail immer wieder eine der unzähligen Loipen, die kreuz und quer durch die Gegend führen. Schliesslich wurde der Trail zunehmend schmaler und schlängelte sich um schneebedeckten Tannen herum durch den Wald. Als es auch noch anfing zu schneien, waren wir definitiv im Winter angekommen. Die Strecke stieg kontinuierlich, war aber nie wirklich steil, bis wir nach etwas über eineinhalb Stunden das Jänzi (1'737 m) erreichten. Hier war uns von Organisator Thomas eigentlich eine "herrliche Aussicht auf die umliegende Bergwelt" versprochen worden -  doch um diese durch die Wolken zu sehen, mussten wir unsere Vorstellungskraft ziemlich strapazieren.

Nach einer kurzen Pause - angesichts der kühlen Temperaturen war ich dieses Mal froh um die streng getakteten Pausen von Thomas - machten wir uns an den Abstieg. Der war zu Beginn recht steil, so dass wir auf unseren Schneeschuhen mehr oder weniger elegant ins Rutschen kamen. Über einen breiten Waldweg ging es schliesslich in einem grossen Bogen zurück nach Langis.

Es war wieder einmal eine schöne und von Thomas gut organisierte Schneeschuhtour gewesen durch ein Gebiet, das sich lohnt, bei besserer Fernsicht nochmals zu erkunden.


*Es handelt sich um eine Selbsteinschätzung von Wanderleiter Thomas (H.) und muss nicht - kann aber - die persönliche Meinung der Bloggerin widerspiegeln.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Sonntag, 4. Februar 2018
  • Route: Langis - Schwendi Kaltbad - Egg - Jänzi - Wolfetsmatt - Hohnegg - Langis (violett ausgeschilderter Schneeschuhtrail)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 15 min
  • Distanz: 11,8 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 530 m






Sonntag, 21. Januar 2018

Ein Zuckerhut und eine spontane Schifffahrt

@wandernohneende
Morcote
Ich wollte Sonne! Das war das einzige Kriterium, welches die Wanderung erfüllen musste. Schon Tage vorher hatte sich indessen abgezeichnet, dass es an diesem Wochenende quer durch die Schweiz regnen und schneien würde. Als einzige Gegend, welche meine Wunschvorstellung noch erfüllen konnte, blieb das Tessin übrig. Ich suchte mir also im Internet eine nette Strecke im Valle Onsernone aus und setzte mich in aller Frühe in den Zug Richtung Süden und Sonne.

Doch so einfach wurde die Sache nicht: Wir waren kaum in Zug angekommen, als die Durchsage kam, dass ein EC die Strecke blockieren würde und wir daher einen Umweg über Rotkreuz machen müssten. Damit war die Verspätung vorprogrammiert und mein Anschluss auf den Bus in Locarno - der nur alle drei Stunden fuhr - unsicher. Ich konsultierte also nochmals die Wander- und Wetterkarte und stellte fest, dass das Sottoceneri ohnehin noch etwas mehr Sonne versprach und der Sentiero Lago di Lugano - von welchem ich bereits ein paar Etappen gewandert war - auch über den San Salvatore führte. Damit wich ich schon wieder bei einer Wanderung im Tessin auf Plan B aus.

@wandernohneende
Blick vom San Salvatore
Als ich schliesslich in Lugano aus dem Zug stieg, setzte ich als erstes meine Sonnenbrille auf - die Wetterprognose hatte Recht behalten. Vom Bahnhof stieg ich durch die Altstadt zum See hinunter und flanierte entlang des flachen Ufers immer direkt auf den markanten Zuckerhut zu. Die Temperaturen waren zwar nicht gerade brasilianisch, aber allemal wärmer als die zürcherischen.

Ab Paradiso stieg der Weg dann rasch an und bald hatte man einen schönen Ausblick auf den See, die umliegenden Berge und zurück nach Lugano. Ich erreichte den Gipfel des San Salvatore (882 m) gerade rechtzeitig zur Mittagszeit. Doch leider hatte das Restaurant geschlossen - ebenso die kleine Kapelle, das Museum und die Standseilbahn. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit der Aussicht und meinem mitgebrachten Getreideriegel zu begnügen.

Nach einem ersten kurzen, steilen Abstieg führte die Strecke weiter auf breiten Wegen immer hoch über dem Luganersee durch blattlose Wälder - neben dem geschlossenen Restaurant auf dem San Salvatore ein weiteres Zeichen, dass es eben doch erst Januar war. Kurz nach Carona durchquerte ich zudem einen schön angelegten botanischen Garten - natürlich blühte auch dort noch nichts.

@wandernohneende
San Salvatore
Ab der Alpe Vicania fing der Abstieg zurück zum See hinunter an. Und dieser bestätigte einmal mehr meine Überzeugung, dass Tessiner Wanderwege mehrheitlich aus Treppenstufen bestehen: Der ganze Abstieg von etwas mehr als 300 Höhenmeter führte ausschliesslich über Treppen. Als Ausgleich dafür gab es einen schönen Blick auf Morcote von oben.

In Morcote angekommen, studierte ich gerade den Busfahrplan, als ein Schiffshorn ertönte. Zufälligerweise war ich gerade rechtzeitig angekommen, um eines der drei Kursschiffe, die an diesem Tag verkehrten, zu erwischen. Also tuckerte ich per Schiff - unter dem Damm von Melide durch - zurück nach Lugano und konnte nochmals einen guten Blick zurück auf den San Salvatore und die Strecke werfen, die ich soeben gewandert war.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 20. Januar 2018
  • Route: Lugano - Paradiso - San Salvatore - Ciona - Carona - Alpe Vicania - Morcote (Etappe 7 des Sentiero Lago di Lugano/regionale Route Nr. 52)
  • Meine Wanderzeit: 4 h 15 min
  • Distanz: 14,1 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 950 m
  • Weitere Etappen des Sentiero Lago di Lugano finden sich hier



Sonntag, 14. Januar 2018

Schneeschuhtour im Schatten der Mythen

Nachdem ich am letzten Wochenende herausfinden musste, dass meine Schneeschuhform noch Raum nach oben aufwies, traf es sich gut, dass Thomas eine Schneeschuhtour zu Füssen der Mythen organisierte und ich so zu einer weiteren Trainingseinheit kam.

Ich war am Morgen etwas skeptisch gewesen, ob es noch genug Schnee haben würde, schliesslich lag der Ausgangspunkt in Brunni nur knapp über 1'000 m. Die Anfahrt schien meine Befürchtungen zu bestätigen, in Einsiedeln waren die Wiesen grün. Doch ganz hinten im Alpthal hatte sich der Schnee gehalten, wir konnten von Anfang an unsere Schneeschuhe anschnallen und es gab auf der ganzen Wanderung nur vereinzelte apere Stellen.

Die Strecke war offiziell als Schneeschuhwanderung ausgeschildert, so dass wir problemlos unseren Weg fanden, der zunächst abwechslungsreich ein offenes Waldstück hoch führte. Wir waren nicht die Einzigen, die auf der Suche nach Sonne und Schnee waren, doch auf dem Schneeschuhtrail hatte es deutlich weniger Leute als auf den belebten Skipisten.

Der höchste Punkt des Tages war der Furggelenstock (1'655 m). Die schöne Aussicht, die man von diesem Gipfel auf die Mythen und die Innerschweizer Bergwelt hatte, mussten wir uns indessen zuerst mit viel Schweiss verdienen. Oben angekommen - und mit Sicht auf das Nebelmeer unter uns -, waren wir uns aber einig, dass sich die Anstrengung gelohnt hatte.

Beim Abstieg machten wir einen Abstecher zur Alpwirtschaft Zwäcken und querten dabei die Skipiste an einer zugegebenermassen etwas unübersichtlichen Stelle - wofür wir prompt eine Standpauke eines einheimischen Skilehrers gehalten bekamen. Ohne jegliche Verluste erreichten wir schliesslich trotzdem die Holzegg. Von da war es nur noch ein kurzer Abstieg zurück nach Brunni herunter.

Ich hatte die Gegend um die Mythen bisher nur im Sommer gekannt, doch nach diesem Tag war klar, dass die Region auch im Winter viel zu bieten hat - ich werde sicher die Tour bei Gelegenheit wiederholen.



Wanderinfos:

  • Gewandert: 14. Januar 2018
  • Strecke: Brunni - Langried - Furggelen - Furggelenstock - Halbegg - Zwäcken - Holzegg - Brunni (violett ausgeschilderter Schneeschuhtrail)
  • Unsere Wanderzeit: 2 h 50 min
  • Distanz: 9 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 690 m


Sonntag, 7. Januar 2018

Blüemlisalp an einem Wintertag

Blick auf das Tourenziel (kleine weisse
Pyramide links)
Die erste Schneeschuhtour der Saison führte ins Berner Oberland. Von Reichenbach im Kandertal ging es zunächst mit dem Alpentaxi bis nach Tschingel. Dort schnallten wir unsere Schneeschuhe an und stiegen über die eisverkrustete Fahrstrasse - im Sommer die steilste Postautostrecke der Schweiz - durch die Griesschlucht zur Griesalp hoch.

Beim Naturfreundehaus Gorneren deponierten wir ein Teil unseres Gepäcks und genossen auf der sonnigen Terrasse den Blick auf die Blüemlisalp. Es war zwar keine Sommernacht, aber das Wetter war eindeutig zu schön, um es mit Faulenzen zu vergeuden, also machten wir uns an den Aufstieg zum Aabeberg. Die Strecke führte über einen Sonnenhang, entsprechend kam wegen den warmen Temperaturen der letzten Tage an einigen Stellen bereits das Gras hervor. Deutlich mehr Freude an den grünen Stellen als wir hatten die Gämsen, die sich von uns beim Grasen nicht stören liessen.

Blick auf die Blüemlisalphütte
(dunkler Fleck rechts)
Etwas unter dem Gipfel erreichten wir dann einen steilen Schneehang. Unser Bergführer hielt die Querung für vertretbar, doch einer der Gäste hatte ein seltsames Gefühl im Magen, so dass wir alle umkehrten. Damit blieb der Tag ohne Gipfelerfolg. Dafür blieb noch genug Zeit für eine LVS-Übung. Diese bestätigte, was ich schon lange vermutete: Die Chancen, dass ich mit dem LVS einen Verschütteten unter dem Schnee finden würde, sind intakt; dass ich ihn dann im nassen Schnee mit der Schaufel auch rechtzeitig ausbuddeln könnte, eher nicht.

Zurück in unserer Unterkunft gab es dann von unserem Bergführer Stephane noch etwas theoretische Lawinenkunde und obwohl ich im letzten Jahr einen Lawinenkurs besucht hatte, stellte ich fest, dass etwas Repetition immer gut ist. Daneben genossen wir die Gastfreundschaft und gute Küche der beiden Hüttenwarte des Naturfreundehaus.

Dündebach
Am nächsten Morgen machten wir uns bereit für die Haupttour des Wochenendes: Nach einem kurzen Abstieg zurück auf die Griesalp begann der lange Aufstieg zum Chistihubel. Der Schnee war ziemlich hart, so dass wir in unseren Schneeschuhen zügig vorwärts kamen. Die Strecke führte entlang des Dünebachs, der tief eingegraben im Schnee den Hang hinunterfloss und sogar mit einem kleinen Wasserfall aufwarten konnte. Über einen Steilhang näherten wir uns dem Chistihubel von Osten her und auf den letzten hundert Höhenmetern rächte sich, dass ich die letzten Wochen vornehmlich auf dem Sofa verbracht hatte - der Schlussanstieg machte mir ziemlich zu schaffen. Ich tröstete mich über mein Formtief mit der Ausrede hinweg , dass es die erste Schneeschuhtour der Saison war und ich mich zudem einem ziemlich sportlichen Grüppchen angeschlossen hatte.

Auf dem Gipfel des Chistihubel (2'216 m), den wir nach knapp über zweieinhalb Stunden erreichten, waren wir alleine, die meisten Leute hatten sich wohl von den durchzogenen Wetterprognosen abschrecken lassen. Der Himmel war zwar nicht wolkenfrei und von Süden her waren die Anzeichen der nahenden Störung gut erkennbar, doch für die Tour waren die Bedingungen ideal.

Der Abstieg - mehr oder weniger entlang der Aufstiegsroute - war dann deutlich weniger anstrengend. Nach einem kurzen Abstecher ins Restaurant Griesalp stiegen wir schliesslich wieder durch die Griesschlucht nach Tschingel ab, wo uns das Alpentaxi schon erwartete. Dank dem Fahrer waren wir nach der Ankunft in Reichenbach über alle lokalen Neuigkeiten bestens im Bilde.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 6./7. Januar 2018
  • Strecke: Tschingel - Griesschlucht - Griesalp - Naturfreundehaus Gorneren - Gälmi - Haseboden - Gälmi - Naturfreundehaus Gorneren (Samstag); Naturfreundehaus Gorneren - Griesalp - Dünde Mittelberg - Chistihubel (von Osten her) - Dünde Mittelberg - Griesalp - Tschingel (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h (Samstag); 4 h 10 h (Sonntag)
  • Distanz: 6 km (Samstag); 11 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 620 m (Samstag); 800 m (Sonntag)
  • Übernachten: Naturfreundehaus Gorneren