Sonntag, 9. Dezember 2018

Rigi kurz und knapp

Nachdem meine Knie den langen Abstieg der letzten Wanderung nicht so gut vertragen hatten, suchte ich nach einem "knieschonenden" Ziel, das zudem sicher über dem Nebel lag, nicht allzu weit von Zürich entfernt war und keine Planung erforderte: Die Rigi erfüllte alle Voraussetzungen.

Ich bin schon unzählige Male auf die Rigi gewandert. Um die Sache zumindest ein bisschen abwechslungsreicher zu gestalten, nahm ich beim Dächli die Abzweigung in Richtung Blatten. Bei dieser Variante führte der Wanderweg zunächst nur leicht ansteigend durch die Wald. Erst oberhalb der Waldgrenze wurde der Pfad steil. Auf dem letzten, etwas ausgesetzten Stück lag zudem bereits Schnee, so dass ich mich mehrmals versichern musste, noch auf dem Wanderweg zu sein, denn nur ein paar Meter neben mir waren die senkrechten Felswände.

Der Weg endete direkt auf dem Rigi Kulm und als ich das Gitter öffnete, um auf die Aussichtsplattform zu steigen, störte ich zwei asiatische Touristinnen, die gerade dabei waren, Selfies zu schiessen und die ziemlich erstaunt schienen, dass ich scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht war.

Mit dem Bähnchen ging es dann gemütlich - und knieschonend - zurück nach Arth-Goldau. Auch wenn nicht besonders ausgefallen, eine Wanderung auf die Rigi lohnt sich immer wieder!



Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag, 25. November 2018
  • Route: Arth-Goldau - Dächli - Blatten - Zingel - Rigi Kulm
  • Meine Wanderzeit: 3 h
  • Distanz: 8,7 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'320 m


Sonntag, 2. Dezember 2018

Mühseligkeiten am Oberblegisee

Oberblegisee
Wenn man meinem Facebook-Feed glauben konnte, war der Oberblegisee das Wanderziel der Saison. Auf jeden Fall schienen alle meine Wanderkollegen Fotos davon zu posten, so dass ich mich entschloss, mir den See einmal selber aus der Nähe anzusehen.

Von Luchsingen aus folgte ich dem Bösbächibach (Pleonasmus?) aufwärts und ignorierte den Wegweiser, der für den Oberblegisee nach rechts zeigte. Ich hatte mir zu Hause eine Route zusammengestellt, die weiter das Tobel hinauf führte. Schon nach kurzer Zeit erreichte ich die Schwefelquelle Luchsingen, deren Wasser Heilkräfte zugesagt werden. Der starke schweflige Geruch, welchen der tröpfelnde Hahn verströmte, hinderte mich aber am Selbstversuch. Im Rückblick war dies vermutlich ein Fehler gewesen, denn an diesem Tag hätte ich die Unterstützung aller verfügbaren Wundermittel gebrauchen können.

Heilquelle
Schwefel- und Heilquelle Luchsingen
Beim Aufstieg machte sich nämlich deutlich bemerkbar, dass ich die letzten beiden Wochen auf den kanarischen Inseln vornehmlich die Beine hochgelegt und den Blick aufs Meer genossen hatte: Ich kam sehr schnell ausser Atem. Vielleicht verpasste ich deshalb bei Schlattberg den Abzweiger, der mich zurück in die Schlucht gebracht hätte. Da ich keine Lust (und keine Kondition) hatte, Höhenmeter doppelt zu machen, entschied ich mich, erst weiter oben wieder in den Wanderweg einzubiegen. Dafür musste ich einer unmarkierten, schmalen Wegspur durch den Wald folgen, die abschüssig einem steilen Hang folgte. Die dicke Laubschicht, welche den Boden bedeckte, und die umgestürzten Bäume, die man über- oder unterkraxeln musste, halfen bei der Wegfindung nicht wirklich. Irgendwann stellte ich mir zudem die Frage, wann wohl im Kanton Glarus die Jagd anfing und zog zur Sicherheit meine dunkle Jacke aus.

Bei der Bösbächialp stiess ich endlich wieder auf den markierten Wanderweg und der war bis zum Oberblegisee so breit, dass man ihn auf keinen Fall verpassen konnte. Obwohl der See offenbar ein beliebtes Ausflugsziel ist, war ich an diesem Tag ganz alleine. Für mich war Oberblegi nur ein Zwischenziel, ich wollte nämlich auch noch den nächsten See "mitnehmen", das Guppenseeli. Dafür ging der Aufstieg nochmals weiter - bei der Planung zu Hause hatte die Wanderung irgendwie viel weniger anstrengend ausgesehen als draussen im Gelände.

"Guppenseeli"
Dazu kam, dass weiter oben auf dem Weg ein Schäumchen Schnee lag. Beim Aufstieg war dies kein Problem, doch den steilen und etwas ausgesetzten Abstieg zum Guppenseeli verwandelte der Schnee in eine heikle Rutschpartie, zumal plötzlich auch noch mein Knie anfing zu schmerzen. Ziemlich ungelenk, auch mal unter Zuhilfenahme meines Allerwertesten, stieg ich im Zeitlupentempo Richtung Guppen ab. Dass es - ausser ein paar Gämsen, die mir mitleidige Blicke zuwarfen - keine Zeugen für meine uneleganten Abstiegskünste gab, war nur ein kleiner Trost.

Zur Krönung des Tages stellte sich schliesslich heraus, dass vom Guppenseeli nichts zu sehen war - der trockene Sommer hatte es zum Verschwinden gebracht, alles was übrig geblieben war, war eine dünn mit Schnee überzogene Fläche. Dafür standen weitere 1'000 negative Höhenmeter mit einem schmerzenden Knie an. Zu sagen, dass sich der Abstieg hinzog, wäre eine Untertreibung. Nach über sechs Stunden - knapp vor dem Eindunkeln - erreichte ich endlich den Bahnhof von Schwanden. Ich hatte definitiv schon erholsamere Wanderungen gemacht!



Wanderinfos:
  • Gewandert: Donnerstag, 22. November 2018
  • Route: Luchsingen-Hätzingen - Schlattberg - Bösbächialp - Unterstafel - Oberblegisee - Guppenseeli - Guppenalp-Oberstafel - Untere Stelli - Enneteggen - Schwanden
  • Meine Wanderzeit: 6 h 15 min
  • Distanz: 17,2 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'390 m



Sonntag, 25. November 2018

Entlang der Engadiner Seenplatte (Senda Segantini 3/3)

Nach zwei wettermässig perfekten Tagen auf der Senda Segantini kam der Wetterumschwung und ich war unschlüssig, ob ich überhaupt weiter wandern oder doch direkt in Maloja ins Postauto nach Hause steigen sollte. Selbst als ich nach dem Frühstück Richtung Dorfzentrum zottelte, hatte ich mich noch nicht definitiv entschieden. Doch ein ausgiebiger Blick in den Himmel zeigte zwar Wolken, aber auch kleinere blaue Löcher dazwischen. Zudem führte der nächste Abschnitt der Senda Segantini mehr oder weniger flach dem Talboden entlang, so dass man jederzeit abbrechen konnte, sollte das Wetter schlechter werden. Also ging ich an der Busstation vorbei und bog stattdessen zum See ab.

Die Route führte als Erstes entlang des Silsersees und und dieser Streckenabschnitt war der schönste an diesem Tag. Der gut ausgebaute Weg führte immer mehr oder weniger direkt dem Ufer entlang und auch im gedämpften Licht waren die gelben Engadinerwälder sehenswert. Von zahlreichen Aussichtspunkten aus hatte man eine schöne Sicht auf die kleinen Inselchen im See.

Am Ende des Sees durchquerte ich das hübsche Dörfchen Sils, bevor der Weg etwas anstieg, um dann zum Ufer des Silvaplanersees wieder abzusteigen. Unterdessen hatte der Wind merklich aufgefrischt und insbesondere als die Route bei Silvaplana die Talseite wechselte, wurde die Wanderung ungemütlicher. Trotzdem wanderte ich hoch über dem Lej de Champfèr noch ein Stück weiter. Hier verdeckte mehrheitlich der dichte Lärchenwald den Blick auf den See.

Langsam spürte ich zudem in meinen Beinen die Wanderkilometer der letzten Tage und als es doch noch zu regnen anfing, nutzte ich dies als willkommenen Vorwand, bei der nächsten Busstation die Wanderung zu beenden. Die letzte Etappe der Senda Segantini, welche über die Alp Languard und Muottas Murragl führt, hole ich in der nächsten Saison nach.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Mittwoch, 24. Oktober 2018
  • Route: Maloja - Isola - Sils/Segl Maria - Palüdetta - Silvaplana - Champfèr (3. Etappe der Senda Segantini/regionale Route Nr. 25)
  • Meine Wanderzeit: 3 h 40 min
  • Distanz: 17,3 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 410 m
  • Weitere Etappen der Senda Segantini gibt es hier




Sonntag, 18. November 2018

Zwei Pässe und drei Meere (Senda Segantini 2/3)

Silsersee
Der zweite Tag meiner Wanderung entlang der Senda Segantini begann mit einem Frühstück bei Kerzenlicht - in ganz Bivio war für Unterhaltsarbeiten der Strom abgestellt worden. Wie am Vortag versprach das Wetter ungetrübten Sonnenschein, doch als ich loswanderte, stellte ich schnell fest, dass es empfindlich kühl war. Nach ein paar Metern holte ich Mütze und Handschuhe hervor, obwohl der Weg anstieg. Beides zog ich den ganzen Tag nicht mehr aus - und holte mir gleichzeitig auf der Nase einen Sonnenbrand.

Der Aufstieg zum Septimerpass führte über einen breiten Feldweg und bereitete keinerlei Schwierigkeiten. Der Boden war hart gefroren und weisser Reiff überzog die ockerfarbenen Wiesen. Kurz vor der Pass erreichte ich die Sonne, doch ein kühler Wind verhinderte, dass es richtig warm wurde.

Nach zwei Stunden stand ich bereits auf dem Septimerpass (2'310 m). Gemäss der Routenangaben auf der Karte von SchweizMobil führt die Senda Segantini von hier aus in südlicher Richtung weiter hinunter nach Casaccia. Der Wegweiser auf der Passhöhe zeigte aber in unmissverständlicher Weise nach Osten zum Pass Lunghin. Nach kurzem Kartenstudium entschloss ich mich, dem Wegweiser zu folgen. Diese Variante versprach mehr alpinen Charakter und das schöne Wetter wollte ich nicht vergeuden.

Also ging es als Erstes weiter nach oben, bis ich mit dem Lunghin (2'645 m) schon den zweiten Pass an diesem Tag erreichte. Auf der Passhöhe befindet sich eine dreifache Wasserscheide: Das Wasser fliesst von hier aus entweder in die Adria, ins Schwarze Meer oder in die Nordsee.

Lägh dal Lunghin
Ich wähnte mich in einer Wüste aus Schotter und Steinen, doch der Abstieg zum Lägh dal Lunghin war alles andere als grau: Die Felsen schimmerten in rot, grün und schwarz und unter mir lag der blaue See, welcher als Quelle des Inn gilt. Sein klares Wasser lud (fast) zum Baden ein, doch die gefrorenen Stellen am Ufer waren ein deutliches Zeichen, dass er nicht meine bevorzugte Badetemperatur aufwies.

Der Abstieg ging weiter und bald kam tief unter mir das Bergell und der Silsersee in Sicht. Wie bereits am Vortag war der Weg ins Tal hinunter lang, dieses Mal zusätzlich auch noch ziemlich steil. Ich war froh, als ich endlich in Maloja ankam und freute mich auf einen warmen Cappuccino - vergeblich, auch in Maloja war die Saison vorbei und ausser einem kleinen Kiosk hatte alles geschlossen.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Dienstag, 23. Oktober 2018
  • Route: Bivio - Septimerpass - Pass Lunghin - Lägh dal Lunghin - Pila - Maloja (2. Etappe der Senda Segantini/regionale Route Nr. 25)
  • Meine Wanderzeit: 5 h 
  • Distanz: 14 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 960 m
  • Übernachten: Hotel Longhin, Maloja
  • Weitere Etappen der Senda Segantini gibt es hier


Sonntag, 11. November 2018

Marathonwanderung rund um Zürich

Zürich urban
Wanderungen mit Nicolas haben die Tendenz, weit und schnell zu sein. Das war im Frühling beim Freiämterweg der Fall und auch dieses Mal waren über vierzig Kilometer im Eiltempo angesagt: Der "Green Marathon" ist eine ausgeschilderte Strecke rund um die Stadt Zürich. Die Idee ist wohl, dass man den Rundkurs rennt, doch auch im (zügigen) Wandertempo stellte er eine Herausforderung dar.

Die Route begann nahe beim Hauptbahnhof Zürich und führte zunächst quer durch die Stadt. Doch schon nach ein paar Metern zeigte sich, warum es sich um einen "grünen" Marathon handelt: Der Weg führte dem Schanzengraben entlang, welcher sich wie eine Oase durch die Stadt schlängelt, und bereits nach fünf Minuten schreckten wir den ersten Fischreiher auf. Nachdem wir den See und das Seefeld hinter uns gelassen hatten, fing die Strecke entlang des Wehrenbachtobels an zu steigen, bis wir beim Lorenkopf (693 m) auf dem höchsten Punkt des Tages standen.

Zürich ländlich
Damit hatten wir auch mein "Joggingrevier" erreicht. Nachdem wir knapp die Hälfte der Strecke geschafft hatten, kamen wir (fast) bei mir zu Hause vorbei, doch ich widerstand der Verlockung, direkt meine Badewanne anzusteuern. Diese Selbstdisziplin brauchte man den ganzen Tag über, denn immer wieder kreuzten wir Bus- und Tramlinien, die einem in wenigen Minuten nach Hause gefahren hätten.

Im Restaurant Waid gönnten wir uns einen Kaffee mit Aussicht über die Stadt Zürich. Beim Rütihof hatten wir dann den westlichen Wendepunkt der Rundwanderung erreicht und staunten, wie ländlich Zürich in dieser Ecke ist. Weniger ländlich war dafür gerade anschliessend die Überquerung des Limmattals bei Altstetten, um schliesslich am Fuss des Üetlibergs wieder in ein beliebtes Naherholungsgebiet einzutauchen.

Unterdessen machten sich die Kilometer in den Beinen und Füssen bemerkbar und ich spürte deutlich die Blase, welche sich an meiner Ferse gebildet hatte. Man sollte nicht mit neuen Trekkingschuhen eine Marathonwanderung starten! Doch unser kleines Wandergrüppchen hielt trotz Wehwehchen durch und beim Albisgüetli fing der Abstieg zurück in die Stadt an. Das letzte Stück führte entlang der Sihl und mit dem Eindunkeln erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt auf der Gessnerbrücke.

Trotz meinen geschundenen Füssen - es war eine schöne Wanderung gewesen, durch welche ich bekannte und weniger bekannte Ecken meiner Stadt ganz neu entdeckte.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag, 3. November 2018
  • Route: Gessnerbrücke, Zürich - Schanzengraben - Quaibrücke - Seefeld - Wehrenbach - Witikon - Lorenkopf - Fluntern - Rigiblick - Irchel - Bucheggplatz - Waid - Hönggerberg - Grünwald - Rütihof - Frankental - Werdhölzli - Albisrieden - Triemli - Friesenberg - Albisgüetli - Sihlcity - Sihl - Gessnerbrücke (ausgeschilderte Strecke "Green Marathon Zürich")
  • Unsere Wanderzeit: 8 h
  • Distanz: 43,3 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 970 m


Sonntag, 4. November 2018

Malerisches Graubünden (Senda Segantini 1/3)

Giovanni Segantini war ein italienischer Maler, dem es insbesondere die Berglandschaften des Engadins und Surses angetan hatten. Die Senda Segantini, welche ich Ende Oktober während dreier Tage bewanderte, folgt seinen Spuren.

Die Route beginnt eigentlich in Savognin, doch wegen den - in der Nebensaison sogar qualifiziert - schlechten öV-Verbindungen in die Bündner Seitentäler, schaffte ich es erst gegen Mittag ins Surses und liess daher das erste Stück aus. Von der Busstation Vardaval führte ein breiter Weg den Wald hoch, bis ich bei Plaz Beischen schliesslich in die Senda Segantini einbog.

Im lockeren Auf und Ab führte die Route durch den mit leuchtend gelben Lärchen versetzten und sehr einsamen Bündner Herbstwald. Ab und zu passierte ich kleine Alpen, die aber alle schon verlassen und winterfest verriegelt waren. Motive zum Malen hätte es reichlich gegeben, ich behalf mich mit fleissigem Fotografieren, doch die Fotos schafften es kaum, die Vielfältigkeit der Herbstfarben wiederzugeben.

Marmorera-Stausee
Bei der Alp Flix verliess ich den Wald und vor mir lag ein ausgedehntes, baumloses Plateau. Die Alp Flix ist eines der grössten Hochmoore der Schweiz und steht unter Schutz. Über die Ebene verteilt liegen einzelne Häuser und das erste Mal seit ich die Wanderung angefangen hatte, sah ich andere Menschen - wenn auch nur von weitem. Auf den Kaffee, den ich für die Alp Flix geplant hatte, musste ich indessen verzichten, alle Gasthäuser hatten geschlossen.

Also wanderte ich weiter über die schier endlos scheinende Hochebene. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte ich schliesslich ihr Ende und tauchte wieder in den herbstlichen Wald ein. Entlang von lauschigen Lichtungen führte der Weg abwärts und bald blitzte die glitzernde Oberfläche des Marmorera-Stausees durch die Bäume.

Beim Abstieg Richtung Bivio, der sich lange hinzog, fielen die zahlreichen pinkfarbenen Pfosten auf, welche Schneeschuhrouten markierten. Ein  deutliches Zeichen, dass der Winter nicht mehr weit war. Als ich schliesslich in Bivio ankam, war die Sonne bereits hinter dem Berg versunken und hatte das Tal im Schatten zurückgelassen.

Im historischen Hotel Post wurde ich von der Wirtin mit rauem Bündner Charme empfangen. Das Hotel war ebenfalls gerade dabei, für die Zwischensaison zu schliessen. Doch ich konnte in einem komfortablen Zimmer noch eine angenehme Nacht verbringen.





Wanderinfos:
  • Gewandert: Montag, 22. Oktober 2018
  • Route: Tinizong, Vardaval - Plaz Beischen - Alp digl Plaz - Alp Flix - Alp Natons - Bivio (1. Etappe der Senda Segantini/regionale Route Nr. 25)
  • Meine Wanderzeit: 4 h 50 min
  • Distanz: 17,3 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'140 m
  • Übernachten: Hotel Post, Bivio
  • Weitere Etappen der Senda Segantini gibt es hier


Sonntag, 28. Oktober 2018

In der weissen Welt der Rheinschlucht

@wandernohneende
Rheinschlucht
Der schöne Spätherbst gab mir die Gelegenheit, ein weiteres Ziel von meiner "Wander-to-do-Liste" zu streichen: Die Rheinschlucht oder auf räteromanisch: Ruinaulta. Ich war schon öfters mit dem Zug durch die imposante Schlucht mit den senkrechten weissen Felswänden und dem türkisfarbenen Wasser gefahren und jedesmal hatte ich mir vorgenommen, die Strecke zu Fuss zu machen.

Ich startete in Ilanz und am Anfang führte ein breiter Weg durch die bunten Auenwälder des Flussufers. Die eigentliche Schlucht begann erst nach der Bahnstation von Valendas-Sagogn. Die Route stieg leicht an und erlaubte eine gute Sicht auf die hellen Kalkwände auf der gegenüberliegenden Flussseite. Kurz vor Versam-Safien trat ich aus dem Wald heraus und plötzlich war alles um mich herum weiss: Der schmale Pfad führte über einen Damm aus weissem Sand und in jede Blickrichtung sah man weisse Felswände.

Der Vorderrhein führte auffällig wenig Wasser. Auf einer Schotterbank, welche weit in den Fluss hineinragte, machte ich eine Pause, um die Umgebung zu geniessen und Energie zu tanken für den Aufstieg nach Flims, der noch vor mir lag. Dieser stellte sich schliesslich als kurz und mehr oder weniger schmerzlos heraus: Der schmale Pfad führte steil die Bergflanke hoch, so dass ich schnell an Höhe gewann. Beim Aussichtspunkt Ransun hatte ich das Gröbste bereits hinter mir.

@wandernohneende
Caumasee
Über breite Waldwege ging es schliesslich zu zwei weiteren Sehenswürdigkeiten: Zuerst zur luftigen Aussichtsplattform "Il Spir", um nochmals einen Blick hinunter in die Rheinschlucht zu werfen, dann zum Caumasee. Auch der Caumasee hatte sichtlich wenig Wasser, dafür - dank Instagram-Hype - umso mehr Besucher. Da wollte ich natürlich nicht hinten anstehen und machte schnell auch ein Foto für mein Instagram-Account.

Für die letzten Höhenmeter gönnte ich mir den kleinen Caumasee-Lift und dann war es nur noch ein Spaziergang bis Flims Waldhaus, wo ich die Wanderung beendete.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag, 21. Oktober 2018
  • Route: Ilanz - Castrisch - Valendas-Sagogn Station - Versam-Safien Station - Chrummwag - Er Davos - Conn/Il Spir - Lag la Cauma - Flims Waldhaus
  • Meine Wanderzeit: 5 h
  • Distanz: 20 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 850 m



Sonntag, 14. Oktober 2018

Im Rückwärtsgang auf der Via Alpina (15.+ 14. Etappe Via Alpina)

Schon seit drei Jahren organisieren wir unsere Wanderprojekte, indem wir uns jeweils anfangs Jahr treffen, die Daten festlegen und die einzelnen Etappen untereinander aufteilen. Das hatte bisher immer einwandfrei geklappt. Doch dieses Jahr drohte das letzte Via Alpina-Wochenende der Saison auszufallen, weil der designierte Organisator seine ehelichen Pflichten über sein Organisatorenamt stellte. Doch Katharina sprang im letzten Moment ein und rettete so unseren Saisonabschluss auf der Via Alpina.

Eine Folge des kurzfristigen Organisatorenwechsels war, dass wir die beiden ausstehenden Etappen in umgekehrter Reihenfolge angingen. Anstatt in Kandersteg zu starten, war dies nun das Ziel des Wochenendes. Der Start lag dagegen in der Lenk und führte zu Beginn durch ein Gebiet, an welches ich mich noch wage aus meinen Skilager-Tagen erinnerte. Auf den braun gefärbten Matten standen auch bereits die Schneekanonen für die nächste Skisaison bereit.

Bundergrat
Bundergrat
Beim Aufstieg musste ich schnell feststellen, dass ich meiner Form - und meinen Mitwanderen - hinterherhinkte; ich schob die Schuld dafür meiner noch nicht ganz auskurierten Erkältung zu. Ich war schliesslich erleichtert, als wir mit dem Hahnenmoospass (1'949 m) den höchsten Punkt des Tages erreicht hatten. Danach ging es nur noch abwärts und die grösste Herausforderung bestand darin, den Trottinetts auszuweichen, die an uns vorbeiflitzten.

Am Abend in Adelboden genossen wir die Vorteile, welche eine Übernachtung in einem Hotel statt in einer SAC-Hütte bot: Ein ruhiges Einzelzimmer, eine heisse Dusche und eine riesige Pizza beim lokalen Italiener zum Abendessen. Diese Kalorien brauchten wir auch dringend, denn am nächsten Tag standen noch ein paar Höhenmeter mehr auf dem Programm.

Die Motivation war eher bescheiden, als wir am frühen Morgen loszogen. Wir durchquerten das Dorf und auf der gegenüberliegenden Talseite begann bereits der Aufstieg. Die Berggipfel lagen in den Wolken, doch wenigstens blieben wir vom ursprünglich angesagten Regen verschont. Wir machten ein erste Pause auf der Bonderalp, wo wir ursprünglich die Nacht hätten verbringen wollen und fanden in der Beschriftung "Alkoholfreies Berghaus" rückwirkend noch einen zusätzlichen Vorteil von unserer Übernachtung im Hotel.

Der Weg stieg danach weiter an und bald tauchten wir in die tief hängenden Wolken ein. Damit war ich bereits bei meiner zweiten Nebelwanderung innert wenigen Tagen angelangt. Es gab keine Aussicht, die einem von der anstrengenden Steigung hätte ablenken können, und jedesmal, wenn man stehen blieb, um Atem zu holen, wurde es sofort empfindlich kühl. Also blieb einem nichts anderes übrig, als einen Fuss vor den anderen zu setzen und Meter um Meter hochzusteigen.

Bei der Bunderchumi zweigten wir schliesslich von der Via Alpina ab - es lockte ein Bähnchen. Zwar nicht für den Aufstieg, da gab es zur eigenen Muskelkraft keine Alternative, aber dafür hinter dem Grat für einen Teil des Abstiegs. Dass sich die gesamte Gruppe geschlossen für das Bähnchen entschied, zeigte zudem, dass ich nicht die Einzige war, die zum Saisonabschluss mit einem Formtief  kämpfte.

Ich hatte gehofft, dass wir wenigsten auf dem Bundergrat (2'456 m) die Sonne sehen würden, doch diesmal war die Hoffnung vergebens. Der Vorteil des Nebels war, dass man beim ziemlichen rutschigen Abstieg auf der anderen Seite nicht so genau sah, wie steil es wirklich hinunter ging. Das letzte Stück bis zur Undere Allme führten dann über breite Feldwege und bald schon kam die Bergstation der Allmenalpbahn in Sicht. Die finalen (Höhen-)Meter der diesjährigen Via Alpina-Saison schaukelten wir gemütlich mit der Gondel hinunter.




Wanderinfos:
  • Gewandert: 6./7. Oktober 2018
  • Route: Lenk - Bühlberg - Hahnenmoospass - Geils - Bergläger - Adelboden (Samstag); Adelboden - Bonderalp - Bunderchumi - Bundergrat - Obere Allme - Undere Allme (Sonntag) (15. und 14 Etappe der Via Alpina/nationale Route Nr. 1, mit Abweichung über den Bundergrat)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h (Samstag); 4 h (Sonntag)
  • Distanz: 13,4 km (Samstag); 12 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 995 m (Samstag); 1'240 m (Sonntag)
  • Übernachten: Budgethotel Bernahof, Adelboden
  • Weitere Etappen der Via Alpina gibt es hier