Donnerstag, 25. April 2019

Blinnenhorn und Hohsandhorn - Zwei Dreitausender zu Ostern

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Passo del Corno
Den Höhepunkt der diesjährigen Schneeschuhsaison hatte ich mir für den Schluss aufgehoben: Eine 4-tägige Hüttentour entlang der schweizerisch-italienischen Grenze inklusive der Besteigung von zwei Dreitausender.

Der Einstieg ins verlängerte Wochenende gestaltete sich eher gemütlich: Nach der langen Anfahrt ins Bedrettotal stieg unser kleines Schneeschuh-Grüppchen mit Bergführer Kaspar die verschneite Strasse in Richtung Nufenenpass hinauf. Kurz vor der Passhöhe bogen wir ins Valle Corno ein. Hoch über uns auf einem Hügel thronte wie eine ausserirdische Raumstation die Capanna Corno-Gries. Nach einem kurzen, schweisstreibenden Schlussanstieg konnten wir schliesslich die ungewöhnliche Architektur der Hütte - und die bestorganisierteste Hüttenfinkenablage des ganzen Alpenraums - von Nahem bewundern.

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Capanna Corno-Gries
Am nächsten Tag machten wir uns bereits bei Tagesanbruch auf den Weg: Hinter uns die aufgehende Sonne, vor uns der untergehende Mond - so starteten wir die längste Etappe des Wochenendes. Vom Passo del Corno aus hatte man einen schönen Blick auf die schräge Fläche des tief verschneiten Griesgletschers, den wir hochsteigen mussten. Die Staumauer des Griessees sowie drei träge rotierende Windräder waren die letzten Anzeichen von moderner Zivilisation, die wir für eine Weile sehen würden.

Immer höher stiegen wir über die ausgedehnte Schneefläche, um uns herum Berggipfel soweit das Auge reichte, darunter auch unser Ziel, das Blinnenhorn (3'373 m). Den ganzen Tag hatten sich Sonne und Wolken abgewechselt, doch ausgerechnet als wir endlich auf dem Gipfel standen, blieb eine Wolke hartnäckig daran hängen. Damit wurde nichts mit der versprochenen fantastischen Gipfelaussicht! Aus dem Blinnenhorn wurde das Blindenhorn. Nur beim Abstieg zurück auf den Gletscher lichtete sich der Nebel kurz und gab ein Fenster Richtung Norden frei.

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Rifugio Claudio e Bruno
Ein kurzer, steiler Abstieg brachte uns über die Grenze nach Italien zum Rifugio Claudio e Bruno, auf dessen Terrasse die Sonne wieder schien. Bei Bier und Kuchen in die Sonne blinzelnd, kam ich zur Erkenntnis, dass das Leben schlechter sein könnte.

Der Morgen des Ostersonntags begann mit einem weiteren spektakulären Sonnenaufgang - und einem weiteren Aufstieg über einen schneebedeckten Gletscher. Doch der Weg auf den Gipfel war kürzer als am Vortag, so dass wir bereits nach etwas mehr als anderthalb Stunden auf dem Hohsandhorn (3'182 m) standen. Und dieses Mal verdeckten keine Wolken die Sicht! In scheinbar endlose Weiten erstreckte sich die Bergwelt um uns herum.

Der kalte Wind vertrieb uns schliesslich vom Gipfel und es folgte ein langer, nicht ganz einfacher Abstieg. Der Schnee war ziemlich hart und wir mussten einige abschüssige Hänge queren, was viel Konzentration und Vertrauen in die Harscheisen der Schneeschuhe erforderte. Hinter einer Kuppe tauchte schliesslich das Dach der Mittlenberghütte auf, in der wir unsere letzte Nacht verbrachten.

Damit blieb für den letzten Tag nur noch der Abstieg ins Wallis übrig. Zuerst ging es nochmals steil den Hang hinunter, bis wir den Talboden erreichten und der Binna das Tal hinaus folgten. Kurz vor Fäld wurde der Schnee spärlicher und die Frühlingsblumen zahlreicher, bis wir endgültig die Schneeschuhe auf den Rucksack schnallen mussten.

In Binn setzten wir uns direkt neben der historischen Steinbrücke auf eine Terrasse und stiessen auf die gelungene Tour an. Das verlängerte Wochenende hätte gerne noch etwas länger dauern können -  doch nach drei Nächten in Berghütten mit wenig Komfort und noch weniger fliessendem Wasser, freute ich mich auch auf eine ausgedehnte warme Dusche mit extra viel Seife!






Wanderinfos;
  • Gewandert: Freitag bis Montag, 19. bis 22. April 2019 (Osterwochenende)
  • Route: All'Acqua - Paltano - Corno - Capanna Corno-Gries (Freitag); Capanna Corno-Gries - Cornopass - Griessee - Griesgletscher - Blinnenhorn - Rifugio Claudio e Bruno (Samstag); Rifugio Claudio e Bruno - Hohsandgletscher - Hohsandhorn - Mittlebärgpass - Mittlenberghütte (Sonntag); Mittlenberghütte - Chiestafel - Fäld - Binn (Montag)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h (Freitag); 6 h (Samstag); 3 h 20 min (Sonntag); 3 h (Montag)
  • Distanz: 6,6 km (Freitag); 14 km (Samstag); 8 km (Sonntag); 11,3 km (Montag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 720 m (Freitag); 1'200 m (Samstag); 600 m (Sonntag); 20 m (Montag)
  • Übernachten: Capanna Corno-Gries CAS (Freitag); Rifugio Claudio e Bruno (Samstag); Mittlenberghütte (Sonntag)



Donnerstag, 11. April 2019

Nächtlicher Wandermarathon durch das Seeland

Archbrücke
Von Einstein stammt angeblich der Ausspruch "Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten." Zeichens des Wahnsinns zeigen sich bei mir dadurch, dass ich mir ungefähr einmal pro Jahr einrede, Distanzwanderungen wären etwas genussvolles und würden nicht in tagelangen Muskelschmerzen und Blasen an den Füssen enden.

Diesmal hatte ich mich auf eine von Thomas organisierte Marathonwanderung von Twann nach Solothurn eingelassen. Als besondere Zugabe fand die Wanderung nachts statt. Entsprechend fuhr ich am Samstagabend der untergehenden Sonne entgegen und traf mich in Twann mit acht anderen (vermutlich auch leicht wahnsinnigen) Mitwanderern. Die Strecke führte immer flach und über breite Wege dem Wasser entlang: Zuerst folgten wir dem Bielersee, auf dessen schwarzer Oberfläche sich die Lichter des gegenüberliegenden Ufers spiegelten. Kurz nach Biel bogen wir zum Hagneck-Büren Kanal ab (entstanden 1868 anlässlich der ersten Juragewässerkorrektion - der Moment, wo sich Schulwissen plötzlich wieder auszahlt).

Wir hatten zwar alle unsere Stirnlampen dabei, die brauchten wir aber nur, um in der Dunkelheit ab und zu ein Auto auf uns aufmerksam zu machen, ansonsten gaben die Dörfer um uns herum mehr als genug Licht ab. Und kurz nach Büren strahlte uns die Archbrücke entgegen. Danach orientierten wir uns vorwiegend an der hell erleuchteten Bergstation der Weissensteinbahn, unter welcher irgendwo Solothurn liegen musste. Jedes Mal wenn der Weg einen Schlenker machte und wir uns scheinbar von unserem Ziel entfernten, gab es kurze Ansätze von Meuterei, doch Thomas hielt uns in Bewegung, auch wenn die Beine und Füssen langsam aber sicher anfingen zu schmerzen. Es gab ohnehin keine Alternative zum Weitermarschieren - der letzte (Nacht-)Bus war längst abgefahren.

Also wanderten wir - Müdigkeit und Schmerzen zum Trotz - weiter der Aare entlang durch die Nacht. Noch vor dem Tagesanbruch erreichten wir schliesslich den Bahnhof Solothurn. Im Zug zurück konnten wir uns dann endlich ausruhen und aufwärmen - bevor ich den Rest des Sonntags damit verbrachte, wie eine alte Frau durch die Gegend zu schlurfen.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 6./7. April 2019
  • Route: Twann - Strandbad Biel - Nidau - Port - Büren - Arch - Altreu - Solothurn
  • Unsere Wanderzeit: 7 h 50 min
  • Distanz: 42,6 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 55 m





Donnerstag, 28. März 2019

Postkartenwetter auf dem Wildhorn

@wandernohneende
Wildhorngipfel
An diesem Wochenende passte einfach alles zusammen: Der Schnee, das Wetter, der Gipfel. Zwei Tage lang bekamen wir keine einzige Wolke zu Gesicht, sondern nur blauen Himmel und weisse Berge so weit das Auge reichte.

Wir starteten auf der Iffigenalp oberhalb der Lenk und wanderten auf unseren Schneeschuhen das Iffigental hinauf. Der Schnee war hart gepresst, so dass wir gut vorankamen und bald lag vor uns die zugefrorene Fläche des Iffigsees. Wir überquerten den See und kurz darauf kam die Wildhornhütte in Sicht. Die Hütte war voll besetzt - wir waren längst nicht die Einzigen, die dieses perfekte Wochenende für eine Tour nutzen wollten. Am Abend herrschte daher eher Halligalli als gemütliches Hüttenfeeling.

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Abendstimmung Wildhornhütte
Entsprechend waren wir am nächsten Morgen nicht die einzige Gruppe, die sich Richtung Wildhorn auf den Weg machte. Über eine Moräne erreichten wir eine weite, weisse Fläche, unter welcher sich der Chilchligletscher versteckte. Von dort konnten wir auch einen ersten Blick auf unser Ziel werfen: Der anvisierte Gipfel hob sich vor uns eckig gegen den tiefblauen Himmel ab. Wir traversierten einen Steilhang und erreichten so den Glacier de Téné oder zumindest das Schneefeld, unter welchem auch dieser Gletscher verborgen blieb. Dafür gab es freie Sicht auf die Alpen: Der gesamte Alpenbogen von der Berner Prominenz bis zu den Walliser Viertausender lag vor uns und unser Bergführer Markus wiederholte geduldig, dass es sich beim markanten Zacken am Horizont um das Bietschhorn handelte, bis auch der Letzte der Gruppe es mitbekommen hatte.

Über einen letzten Steilhang erreichten wir schliesslich das Wildhorn (3'250 m). Kurz vor dem Gipfel entledigten wir uns unserer Schneeschuhe und stiegen über einen kurzen, schmalen Grat bis zum Gipfelkreuz. Trotz der vielen Tourengänger waren wir schliesslich alleine auf dem Gipfel. Wir beglückwünschten uns zum Gipfelerfolg und genossen die Rundumsicht.

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Iffigfall
Das Alpenpanorama begleitete uns auch auf dem Rückweg, denn während man sich beim Aufstieg vornehmlich auf die Schneeschuhe der Person vor einem konzentriert hatte, schien man beim Absteigen direkt auf die Schneeberge zuzusteuern. Der weiche Schnee machte den Abstieg einfach und genussvoll. Bevor wir wieder zum Chilchligletscher abstiegen und den Walliser Alpen den Rücken kehrten, versicherte sich Markus nochmals, dass jetzt wirklich jeder das Bietschhorn kannte.

Zurück auf der sonnigen Terrasse der Wildhornhütte machten wir eine letzte Pause, bevor wir weiter zur Iffigenalp abstiegen. Dort sollte uns eigentlich am späten Nachmittag das Alpentaxi abholen, doch der Fahrer weigerte sich wegen der vereisten Strasse hochzufahren. Die Plausibilität dieser Begründung erschloss sich mir nicht ganz, zumal er bei der Hinfahrt am Samstag morgen mit Schneeketten problemlos hochgekommen war, doch offenbar schmilzt Eis in der Lenk während eines (sonnigen) Tages nicht, sondern die Eisflächen vergrösseren sich vielmehr.

Damit verlängerte sich unsere Wanderung um rund eine Stunde, als Entschädigung dafür gab es die Gelegenheit, den Iffigfall zu bewundern. Als wir schliesslich beim Bahnhof Lenk ankamen, waren wir uns aber einig: Es war die perfekte Tour für das perfekte Wochenende gewesen.





Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 23./24. März 2019
  • Route: Iffigenalp - Iffigsee - Wildhornhütte (Samstag); Wildhornhütte - Chilchligletscher - Glacier de Téné - Wildhorn - Glacier de Téné - Chilchligletscher - Wildhornhütte - Iffigsee - Iffigenalp - Iffigfall - Lenk, Hubelmatte (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 2 h 30 min (Samstag); 6 h 30 min (Sonntag)
  • Distanz: 5,5 km (Samstag); 17,8 (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 750 m (Samstag); 950 m (Sonntag)
  • Übernachten: Wildhornhütte SAC



Donnerstag, 21. März 2019

Versteckte Täler, vergessene Pfade

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Valle di Gorduno
Nur einen Steinwurf vom umtriebigen Verkehrsknotenpunkt Bellinzona entfernt, befindet sich der Eingang in das einsame Valle di Gorduno. Dort befand sich das erste Kraftwerk, das Bellinzona mit Strom versorgte, doch seit das Kraftwerk vor fast hundert Jahren aufgegeben wurde, scheint auch das Tal mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten. Markierte Wanderwege gibt es keine und die noch vorhandenen Pfade werden offenbar kaum mehr unterhalten.

Für einen solchen Abstecher in unbekanntes Land ist es praktisch, einen kompetenten Führer zu haben: Bergstrolch Michael hatte auf alten Landkarten historische Routen ausfindig gemacht und die Wanderung rekognosziert. Er führte uns sicher über kaum sichtbare Wegspuren oder ganz ohne Weg einfach querfeldein:

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Pastura Grande
Wir starteten in Gorduno und kaum hatten wir das hübsche Tessiner Dörfchen durchquert, bogen wir vom markierten Wanderweg ab und folgten einer schmalen Wegspur ins Tal hinein. Tief unter uns - zunächst noch unsichtbar - rauschte der Riale di Gorduno. Bald trafen wir auf den alten Hangweg, welcher wohl dem Unterhalt der Wasserleitung gedient hat, die teilweise sichtbar war. Wir zogen unsere Köpfe ein, um drei kurze Tunnels zu durchqueren, kletterten über umgestürzte Bäume und balancierten über ausgesetzte Wegstücke. Schliesslich erreichten wir den Talboden, wo der Bach über eine Stufe fiel und einen kleinen Wasserfall bildete. Wenn ein paar Trolle unter den moosbewachsenen Steinen hervor gekrochen wären - es hätte mich nicht weiter überrascht.

Der Weg durch das friedliche Tal endete kurz darauf an einer sehr zweifelhaft aussehenden Brücke. Vorsichtshalber liess ich ein paar meiner schwereren Mitwanderern den Vortritt. Sicher auf der anderen Seite angekommen, fing der interessante Teil der Wanderung erst an: Hier gab es keinen Weg mehr, also kraxelten wir teilweise auf allen Vieren das steile Waldstück hoch und über ein kurzes Felsband, bis wir wieder eine schmale Spur erreichten, die in einem weiten Bogen durch ein lichtes Birkenwäldchen führte.

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Alpe Monda
Beim Weiler Tampori gab es dann wieder die ersten Anzeichen von Zivilisation und entlang von - mehr oder weniger - "richtigen" Wegen errichten wir die Alpe Monda, wo wir die Wärme der letzten Sonnenstrahlen genossen. Von dort war es nur noch ein kurzes Stück nach Mornera und auf der Terrasse des gemütlichen Grottos stiessen wir auf die spannende Tour an, bevor wir mit der Seilbahn gemütlich zurück ins Tal schaukelten.








Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 16. März 2019
  • Route: Gorduno - Valle di Gorduno - Pastura Grande - Tampori - Monda - Mornera (Strecke nicht ausgeschildert, teilweise weglos, T4)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 10 min
  • Distanz: 9 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'170 m


Donnerstag, 14. März 2019

Cima di Dentro - Matro - Cima di Medeglia: Gipfelhüpfen im Tessin

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Matro - Blick nach Locarno
Langsam endet die Schneeschuhsaison und es beginnt das neue Wanderjahr. Als Einstieg dazu machte ich wieder einmal einen Abstecher ins Tessin. Bei meiner letzten Wanderung in der Südschweiz war ich auf dem Monte Bigorio gewesen, dieses Mal war ich nur eine Hügelkette weiter nördlich unterwegs:

Von Camorino - einem Vorort von Bellinzona - ging es durch den Wald den Hügel hinauf. Je höher ich kam, je steiler und schmaler wurde der Pfad, der sich teilweise ausgesetzt dem Hang entlang schlängelte. Zudem war er stellenweise mit einer dicken Laubschicht bedeckt, so dass es schwierig war zu erkennen, wo der Weg aufhörte und wo der Abhang begann.

Bei Cima di Dentro kam ich aus dem Wald heraus und auf einem kurzen, flacheren Abschnitt konnte ich mich von den ersten siebenhundert Höhenmeter etwas erholen. Doch schon kurz darauf verliess ich den markierten Wanderweg, um mehr oder weniger querfeldein auf den Matro, einen markanten Hügelkopf, zu steigen.

Auf dem Matro (1'201 m) befinden sich Überreste von Schützengräben aus dem Ersten Weltkrieg und angesichts des ausgedehnten Blicks auf die Magadino-Ebene war dies strategisch zweifellos ein gut gewählter Ort.

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Cima di Medeglia
Nach einem etwas rutschigen Abstieg über die mit Restschnee bedeckte Wiese folgte ich weiter dem Wanderweg bis zum Cima di Medeglia (1'260 m). Auch hier war ich ganz alleine auf dem Gipfel, nur ein Segelflugzeug zog direkt über mir leise surrend seine Kreise.

Als Abstieg wählte ich die Variante durch das Valle di Troggiano, welche zwar die steilste, dafür aber auch die kürzeste war. Der Abstieg verlief grundsätzlich problemlos, ausser dass ich - als ich  auf dem feuchten Laub auszurutschen drohte - herausfand, dass die stacheligen Kastanienschalen ziemlich weh tun, wenn man sich mit der Hand darauf abstützt.

Vom Bahnhof Rivera-Bironico aus ging es dann zurück nach Hause, wobei mich nach dem frühlingshaften Tag im Tessin nördlich des Gotthards ein Schneegestöber empfing.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 9. März 2019
  • Route: Camorino - Cima di Dentro - Matro - Motto della Costa - Cima di Medeglia - Valle di Troggiano - Bironico - Rivera-Bironico
  • Meine Wanderzeit: 5 h 40 min
  • Distanz: 16,6 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'250 m




Donnerstag, 7. März 2019

Schilt: Gipfeltour ohne Gipfelerlebnis

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Glärnisch / Klöntal
An diesem Wochenende stand auf dem Schneeschuh-Programm der Schilt, ein kleiner Berg in der "Tektonikarena Sardona" im Glarnerland. Für eine geologische Lernstunde lag zwar zuviel Schnee über den Felsformationen, doch zumindest ein Lehrstück zum Thema Tourenplanung gab es an diesem Tag.

Vom Bahnhof Näfels/Mollis aus ging es zunächst mit dem Taxibus über ein kurvenreiches, sehr schmales Strässchen bis zu einem Parkplatz bei Chängel. Die Tourenskifahrer, die mit uns im Bus waren, hatten von hier aus den einfacheren Start als wir: Diese konnten nämlich direkt neben dem Parkplatz die Skis anziehen und zum Bügellift fahren, der sie weitere 400 Höhenmeter hochschleppte. Für uns Schneeschuhläufer gab es dagegen keine weitere mechanische Unterstützung: Mit nichts als eigener Muskelkraft stiegen wir zunächst entlang des verschneiten Fahrsträsschen zum Naturfreundehaus Fronalp hoch. Von dort hatte man erstmals eine schöne Aussicht auf das gegenüberliegende Klöntal und den Glärnisch. Die paar Wolken, welche über den Bergspitzen hingen, taten der Stimmung keinen Abbruch - ganz im Gegenteil.

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Schilt
Weiter ging es über zwei etwas steilere Stufen zunächst zum Mittelstafel und dann zum Ober Stafel. Von dort aus hatte man einen freien Blick auf die verschneite Bergkette, die einer Arena gleich vor uns lag. Der Schilt war zwischen den zahlreichen grösseren und kleineren Gipfel kaum zu identifizieren.

Danach ging es leider statt weiter aufwärts nur noch abwärts - buchstäblich und im übertragenen Sinne: Zunächst verpasste uns ein Tourenskifahrer eine Schelte, weil wir mit den Schneeschuhen die Aufstiegspur der Skifahrer benutzten - übrigens der Einzige der zahlreichen Tourenfahrer, die an diesem Tag unterwegs waren, der sich daran störte. Kurz darauf stellten unsere Tourenleiterinnen fest, dass es zeitlich nicht mehr auf den Gipfel reichte, wenn wir unseren Bus zurück erwischen wollten. Also kehrten wir rund 300 Höhenmeter unter dem Schilt wieder um, ohne auf dem Gipfel gestanden zu haben.

Ich war schon etwas frustriert, dass aus dem geplanten Gipfelerlebnis nichts wurde und fragte mich, ob es überhaupt einen Zeitplan gegeben hatte, bei welchem es für den Schilt gereicht hätte. Der Abstieg durch den knöcheltiefen, weichen Neuschnee hellte meine Stimmung aber wieder auf und spätestens nach dem Bier auf der Terrasse des Naturfreundehaus Fronalp kam ich zum Schluss, dass sich das frühe Aufstehen trotzdem gelohnt hatte.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 2. März 2019
  • Route: Parkplatz Chängel/Mollis - Unterstafel - Naturfreundehaus Fronalp - Mittelstafel - Ober Stafel - Pkt. 2063 (ungefährer Umkehrpunkt)/gleiche Route zurück
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 50 min
  • Distanz: 11,1 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 970 m






Donnerstag, 28. Februar 2019

Keschhütte: Startschwierigkeiten, steile Anstiege und ausgedehnte Bergwelten

@wandernohneende

Der Start ins Schneeschuhwochenende startete mehr als harzig: Als Erstes vergass ich mein für die zwei Tage sorgfältig zusammengestelltes Lunchsäckli zu Hause, so dass ich am Bahnhof noch einen eiligen Noteinkauf machen musste. In Bergün angekommen, fehlte die Hälfte unseres Grüppchens auf Grund von Stau und zweifelhaften Geografiekenntnissen. Als der Rest von uns die Wartezeit mit einem ersten LVS-Test überbrückte, stellte sich heraus, dass bei einem (in einem bekannten Outdoorgeschäft gemieteten!) Gerät die Batterien fehlten. Damit folgte noch ein Abstecher in den lokalen Dorfladen, bevor wir schliesslich mit fast einer Stunde Verspätung loswandern konnten.

Ivan, welcher das Wochenende organisiert hatte und uns die zwei Tage sicher durch die Schneelandschaft navigierte, versuchte die verlorene Zeit einzuholen, indem er uns während der ganzen Strecke durchs Val Tuors keine Pause machen liess. Diese holten wir schliesslich an einer sonnigen Hauswand bei frühlingshaften Temperaturen im verlassenen Weiler Chants nach, wo wir auch die Schneeschuhe anzogen.

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Blick zurück Richtung Piz Kesch
Nachdem der Weg bis dahin fast flach gewesen war, fing mit dem Talende auch der Aufstieg an. Am Anfang war die Steigung noch angenehm, doch je lichter die Bäume wurden, je steiler wurde der Weg, bis sich das Ganze in eine ziemlich Qual entwickelte und ich regelmässige Verschnaufpausen einlegen musste. Diese lohnten sich aber nur schon wegen der Aussicht über die eingeschneite Bündner Bergwelt.

Oberhalb der Waldgrenze wurde das Gelände wieder etwas flacher. Etwas später kam die Keschhütte in Sicht und mit ihr auch der stotzige Schlussanstieg, der zu ihr hinaufführte. Die Aussicht auf einen kühlen Sauren Most trieb mich schliesslich auch noch diesen letzten Berg hoch.

In der Keschhütte wurden wir sehr freundlich empfangen und vor dem Abendessen sorgte auch noch die Sonne mit einem leuchtenden Abgang für ein Spektakel. Da war der anstrengende Aufstieg längst vergessen.

@wandernohneende
Blick zurück Richtung Sertigpass
Am nächsten Morgen starteten wir überraschend pünktlich und ohne grössere Hindernisse. Nach einem kurzen Abstieg folgte der unvermeidliche Wiederaufstieg zum Sertigpass. Eindrücklich war der Blick zurück zur Keschhütte mit dem namensgebenden, mächtigen Piz Kesch direkt dahinter. Auf dem Sertigpass (2'738 m) legten wir daher auch erstmal eine ausgiebige Fotopause ein.

Danach ging es nur noch genussvoll abwärts durch die glitzernde Winterlandschaft des langgezogenen Chüealptals. Im unteren Teil des Tals sah man die Überreste von zahlreichen Nassschneelawinen, die teilweise wohl erst vor wenigen Tagen niedergegangen waren. Wir waren aber früh unterwegs und am Mittag, als die Temperaturen anstiegen, sassen wir bereits in Sand im Garten des Restaurants und stiessen auf ein gelungenes Wochenende an, welches sämtlichen Ansprüchen gerecht geworden war.




Gewandert:
  • Samstag/Sonntag, 23./24. Februar 2019
  • Route: Bergün - Tuors Davant - Tuors Chants - Schegvel - Kesch Hütte (Samstag); Kesch Hütte - Sertigpass - Bin Schära - Sertig, Sand (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 30 min (Samstag); 3 h 20 min (Sonntag)
  • Distanz: 12,6 km (Samstag), 10,8 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'370 m (Samstag); 380 m (Sonntag)
  • Übernachten: Keschhütte SAC

Nachtrag: Die Tour war - obwohl anstrengend - so schön, dass ich sie zwei Jahre später wiederholt habe.

Montag, 18. Februar 2019

Mit den Schneeschuhen über die Schlittelbahn

Die Wetterprognosen versprachen den perfekten Wintertag, da konnte man schlecht zu Hause bleiben. Eine Kollegin hatte zudem mit der Klewenalp die passende Tourenidee. Mit der Gondel überwanden wir die ersten Höhenmeter bis Niederrickenbach. Nur ein paar Meter vom Dorfzentrum entfernt schnallten wir die Schneeschuhe an und stiegen über den noch harten Schnee auf. Die Route führte mehrheitlich dem (Sommer-)Wanderweg entlang und stieg nur mässig an. Erst die letzten paar Meter zum ersten Zwischenziel des Tages, dem Brisenhaus, waren richtig steil. Dafür gab es auf der sonnigen Terrasse die erste Pause. Die Hütte war gut besucht, zahlreiche Schneeschuhläufer und Tourengänger legten hier einen Stopp ein, bevor sie Richtung Glattgrat weiter stiegen.

So hoch hinaus wollten wir nicht. Stattdessen ging es fast flach dem Hang entlang bis Satteli (1'758 m), dem höchsten Punkt an diesem Tag. Unter uns lag das Skigebiet der Klewenalp und nach einem kurzen Abstieg waren wir mitten im Pistengewirr. Eigentlich war geplant gewesen, hier die Tour zu beenden, doch dafür waren die Bedingungen einfach zu gut. Also beschlossen wir, bis Emmetten hinunterzulaufen.

Wir folgten dazu dem Schlittelweg, welcher ins Tal hinunterführt, und stellten fest, dass Schlitteln beliebter ist als wir dachten. Technisch war der flache Abstieg über den präparierte Weg eher eintönig, doch der Blick auf den blauen Vierwaldstättersee und die weissen Berggipfel bot mehr als genug Ablenkung. Nur das letzte Stück, das im Schatten lag, zog sich etwas hin, so dass wir froh waren, als endlich Emmetten in Sicht kam, und dank eines netten Postautofahrers, der extra auf uns wartete, erwischten wir direkt den Bus zurück.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 16. Februar 2019
  • Route: Niederrickenbach Dorf - Ahorn - Brändlisboden - Brisenhaus SAC - Satteli - Obere Büelhütte - Tannibüel - Stockhütte - Emmetten
  • Unsere Wanderzeit: 4 h
  • Distanz: 15 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 720 m