Donnerstag, 4. Juli 2024

Über verwunschene Treppen auf den Cardada

@wandernohneende
Ich war vor dem Regenwetter ins Tessin geflohen, doch dann drohte das schlechte Wetter, mich auch im Süden einzuholen. Gemäss Prognose sollte der Regen erst nach dem Mittag einsetzen, so dass es zumindest für eine kurze Wanderung reichen sollte. Mit dem Cardada, dem Hausberg von Locarno, entschied ich mich für einen Klassiker.

Ich wollte eigentlich von Avegno im Maggiatal zum Cardada aufsteigen, doch als ich in Solduno, wo ich übernachtet hatte, an der Busstation stand, entdeckte ich einen Wegweiser, auf dem der Cardada bereits als Ziel angegeben war. Also beschloss ich spontan, auf den Umweg ins Maggiatal zu verzichten.

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Direkt hinter Solduno begannen die Treppenstufen, die für die nächsten knapp 1000 Höhenmeter nicht mehr aufhören sollten. Sie führten durch den dichten Wald und wurden offenbar nicht so oft begangen oder zumindest nicht regelmässig unterhalten. Die üppig grüne Vegetation und die schiefen Stufen aus Natursteinen erweckten den Eindruck einer verwunschenen Märchenlandschaft. 

Zugegebenermassen kam recht schnell der Moment, wo ich begann, die verwunschenen Stufen zu verwünschen. Richtig frustriert war ich, als mich ein Trailrunner überholte, der nicht einmal ansatzweise so stark schwitzte wie ich.

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Schliesslich erreichte ich das kleine Dörfchen Brè sopra Locarno, das sich über eine grosse Lichtung erstreckt und - wenig überraschend - durch ein Netz von Treppen verbunden ist. Als ich endlich den oberen Dorfrand erreicht hatte, hatte ich nicht nur den grössten Teil der Höhenmeter hinter mir, sondern auch die Treppenstufen.

Nur noch leicht ansteigend führte von hier ein wurzelüberwachsener Weg aufwärts. Damit war natürlich der Anstieg nicht mehr so effizient wie zuvor und bald ich langweilte mich schon fast. 

Auf dem Cardada (1'332 m) angekommen, stattete ich kurz der Aussichtsplattform einen Besuch ab - leider an diesem Tag mit einer durch die aufziehende Wetteränderung eingeschränkter Fernsicht -, bevor es mit der Gondel nach Locarno zurück ging.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Sonntag, 2. Juni 2024
  • Route: Solduno - Alla cappella - Brè sopra Locarno - Follia - Pian da Rözz - Cardada
  • Meine Wanderzeit: 2 h 30 min
  • Distanz: 5,3 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'110 m
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Donnerstag, 27. Juni 2024

Überquerung Hohgant: Unmarkierte Pfade und hartnäckige Schneefelder

@wandernohneende
Die offizielle Wandersaison startete mit dem Projekt von Nicole, welches uns auf unmarkierten Wegspuren quer über das Hohgantmassiv führte. Die Wetterprognosen für das Wochenende waren - positiv ausgedrückt - durchzogen, doch davon lässt sich unser Grüppchen prinzipiell nicht vom Wandern abhalten.

Zum Start gab es zunächst beim Kemmeriboden Bad eine der berühmten Kemmeriboden Merängge - man kann ja nicht mit leerem Magen wandern. Der Anfang der Wanderung konnte man noch als Verdauungsspaziergang bezeichnen, doch der war schnell vorbei, als wir das Asphaltsträsschen und die markierten Wanderwege hinter uns liessen.

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Der Einstieg zum unmarkierten Teil der Wanderung versteckte sich am Waldrand hinter einer Stallruine. Auf einem schmalen Trampelpfad ging es von dort einen stotzigen Hang hoch. Kurz bevor wir den Wald wieder verliessen, setzte der angekündigte Regen ein. Es war gar nicht einfach, auf dem abschüssigen Weg mit einem Schirm in der Hand die Balance zu halten. 

Die Landschaft wurde felsiger und für die eine oder andere Passage musste ich den Regenschirm schliessen, um beide Hände zum Festhalten frei zu haben. Unterdessen hatten wir auch die ersten Verluste zu beklagen: Zwei unserer Mitwanderer entschieden sich zur Umkehr und gaben den Merängge den Vorzug über unsere Gesellschaft.

Eine weite Karstlandschaft lag unter uns und bei schönem Wetter hätte man freie Sicht auf die Alpen gehabt. Die Berner Bergprominenz versteckte sich aber über das gesamte Wochenende vornehm hinter den Wolken.

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Bei einem Geröllfeld hörte die Spur, welcher wir bisher gefolgt waren, plötzlich auf. Ein Blick auf die Karte half nicht weiter, denn dort war der Weg überhaupt nicht eingezeichnet. Da die Richtung ungefähr stimmte, entschlossen wir uns, das Geröllfeld zu überqueren, in der Hoffnung, danach wieder auf die Wegspur zu treffen. Bald stellte sich heraus, dass diese Hoffnung vergebens war. Gut, dass es mittlerweile wenigstens zu regnen aufgehört hatte, so dass wir bei unserem Irrlauf durch das Geröll wenigstens nicht durchnässt wurden.

Ein erneuter Blick auf die Wanderbeschreibung bestätigte schliesslich, dass wir falsch waren. Also ging es zurück quer über das Geröllfeld und dann hoch zum Grat, wo wir bei einer kleinen Schutzhütte wieder auf die richtige Route gelangten (richtiger Weg für allfällige Nachahmer: Vor dem Geröllfeld zur gut sichtbaren Schutzhütte aufsteigen und diese linker Hand passieren).

Es ging noch eine Weile dem teilweise schmalen Grat entlang, direkt auf die senkrechten Felswände des Hohgantmassivs zu, bis wir schliesslich links abzweigten und zur Hohganthütte hinunter stiegen. Die unbewartete Hütte befindet sich in einer kleinen Waldlichtung und dank der Wetterbesserung reichte es sogar für einen Apéro auf der Terrasse.

Am nächsten Tag stiegen wir - zunächst über den ausgeschilderten Wanderweg - in Richtung Hohgant auf. Ein langsames Einlaufen gab es dabei nicht, bereits auf den ersten Metern stieg es zünftig steil an. Wir schreckten ein paar Steinböcke auf, die sich in einem halsbrecherischen Tempo vor Sicherheit brachten. 

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Wir hatten bereits am Vortag festgestellt, dass noch viel Schnee lag. Ein erstes, flaches Schneefeld passierten wir ohne Probleme. Doch kurz unterhalb des Gipfels galt es ein weiteres, abschüssigeres Schneefeld zu queren. Zudem schien der Gipfel mit mächtigen Wächten bedeckt zu sein. 

Daher entschlossen sich zwei weitere Mitwanderer zur Umkehr. Das restliche, auf vier Personen geschrumpfte Grüppchen schnallte die Spikes an und machte sich an die Querung des Schneefelds, die sich schliesslich als weniger heikel herausstellte, als gedacht. Die restlichen Meter zum Gipfel kraxelten wir über eine schneefreie Wiese hoch. Schneefrei war auch der Gipfel des Hohgants (2'163 m) - die von unten so mächtig erscheinenden Wächten waren von oben nur schmale Streifen Restschnee.

Nach einem kurzen Duchatmen auf dem flachen Gipfelplateau ging es auf einem nur mit ein paar Steinmännchen markierten Weg weiter. Zunächst über ein Feld von Blockfelsen, dann über einen Grat unterhalb des Aff hindurch - der so benannte Felsen glich tatsächlich einem Affengesicht.

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Wir folgten der Hügelkette, welche einen Halbkreis bildet, und hatten damit gute Sicht auf ein weiteres Schneefeld, welches in einer steilen, langgezogenen Rinne liegen geblieben war. Dieses zu queren erschien uns dann doch zu gefährlich. 

Also kraxelten wir - auch sehr steil, aber zumindest schneefrei - einen schroffen Grashang hoch und hielten uns dabei an Alpenrosenstauden fest, bis wir auf einen höher gelegenen Weg stiessen. Dieser führte uns - ganz ungeplant - auf einen weiteren Gipfel, den wir nach einem kurzen Rätselraten als Hohgant West (2'060 m) identifizierten. Das unverhoffte Gipfelglück liess uns den anstrengenden und abenteuerlichen Aufstieg fast vergessen.

Nun wieder auf offiziellen Wanderwegen und unbehelligt von weiteren Schneefeldern wanderten wir in Richtung Trogenhorn. Diesen Gipfel umgingen wir aber, die Anstrengung der letzten beiden Tage machte sich langsam aber deutlich bemerkbar. 

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Nach einem letzten Gegenanstieg folgte schliesslich der lange Abstieg: Zunächst erforderten Blocksteine unsere ganze Aufmerksamkeit und kaum hatten wir diese hinter uns gelassen und erreichten den Wald, wurden sie von rutschigen Wurzeln abgelöst. Für den idyllischen Wald voller verknorrter Bäume hatte ich kaum einen Blick, zu sehr musste ich mich konzentrieren, im stotzigen Gelände nicht auszurutschen (was nur fast gelang). Der ganze Waldboden war überwuchert von Heidelbeersträuchern, leider waren wir für eine Ernte ein paar Wochen zu früh.

Als das Gelände endlich abflachte, mussten wir noch durch ein Sumpfgebiet waten, bis wir schliesslich beim Grüenebergpass ein festes Strässchen erreichten. Normalerweise wandere ich nicht gerne über Asphalt, diesmal war ich froh, mich nicht mehr bei jedem Schritt auf meine Füsse schauen zu müssen.

Die Wanderung - und damit diesen tollen Einstieg in die Wandersaison - beendeten wir bei der ersten Bushaltestelle von Habkern, mit genügend Vorsprung vor dem heranziehenden Unwetter. Die ganze Tour würde sich lohnen, bei etwas besserem Wetter - weniger Schnee und mehr Aussicht -  zu wiederholen.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 8./9. Juni 2024
  • Route: Kemmeribodenbad - Brünneligrind - Grätli - Hohganthütte (Samstag); Hohganthütte - Hohgant - Aff - Wysschrützgrat - Hohgant West - (Trogenhorn) - Arnigrat - Grüenebergpass - Habkern (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 20 min (Samstag); 5 h 20 min (Sonntag)
  • Distanz: 8,1 km (Samstag); 12 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'110 m (Samstag); 660 m (Sonntag)
  • Übernachten: Hohganthütte SAC
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Route Samstag

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Route Sonntag


Donnerstag, 20. Juni 2024

Von einsamen Bahnhöfen und Kirchen im Centovalli

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An der kleinen Bahnstation Palagnedra im Centovalli hält der Zug nur auf Verlangen. Das sehr alte und sehr überfüllte Centovallibähnchen hatte aber keine Knöpfe, um Halt zu verlangen. Der Lokführer hielt schliesslich aber auch ohne ausdrückliches Verlangen an und so konnte ich an dieser einsamen, nur aus einem einzelnen Gebäude bestehenden Bahnstation meine Wandertour beginnen. 

Nach einem kurzen Aufstieg durch den Wald erreichte ich die Via del Mercato. Auf diesem Höhenweg, welcher von Intragna nach Camedo durchs ganze Centovalli führt, war ich vor ein paar Jahren entlang gewandert. Diesmal folgte ich ihm nur ein Stück weit bis kurz nach Verdasio, bevor ich ihn wieder verliess und mich weiter bergwärts wandte. In weiten Kurven führte der Weg durch einen fast baumlosen Hang. Schwarz verkohlte Stämme zeigten schnell, warum hier der Wald fehlte: Vor zwei Jahren hatte es hier gebrannt. Der Vorteil dieses Unglücks ist, dass man eine unbeeinträchtigte Aussicht ins Centovalli hat. 

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Bei der Alp Casaccia war der steilste Teil des Aufstiegs geschafft. Über ausgedehnte Wiesen erreichte ich schliesslich die Madonna della Segna. Die kleine Kirche steht versteckt in einem Wäldchen und bot sich als idealer Rastplatz an.

Weiter führte der Weg durch verstreute Weiler und Häuser rund um den Monte di Comino. Von dort würde es auch eine kleine Gondelbahn ins Tal geben, doch ich war entschlossen, zu Fuss abzusteigen. Zu Beginn war der Abstieg auch gar nicht steil, sondern führte und stetigem Auf und Ab der Bergflanke entlang mit Aussicht nicht nur ins Centovalli, sondern bis hin zum Lago Maggiore.

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In Calascio erklomm ich einen kleinen Hügel, um auch noch einen Blick ins Valle Onsernone zu verwerfen. Danach wurde der Abstieg schliesslich doch noch steil. In typischer Tessiner Manier waren die Wege mit Natursteinen gepflastert, was meine Fussgelenke gar nicht mögen.

Unterhalb von Pila hatte ich vor ein paar Jahren eine Schlange gesehen, als ich von Loco aus auf der Via delle Vose gewandert war. Diesmal waren kleine Eidechsen die einzigen Reptilien, die ich zu Gesicht bekam. 

In Intragna wartete ich dann an der Sonne auf das Centovallibähnchen, diesmal war es neuer und weniger überfüllt und an der Endstation in Locarno hielt es sowieso.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag, 1. Juni 2024
  • Route: Palagnedra - Piazze - Verdasio - Casaccia - La Cürta - Corte di Sopra - Madonna della Segna - Cà Vedro - La Cata - Calascio - Pila - Intragna
  • Meine Wanderzeit: 4 h 10 min
  • Distanz: 12,5 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 915 m

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Donnerstag, 30. Mai 2024

Vitznauerstock & Gersauerstock: Ein Berg - zwei Gipfel

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Ich bin viel in der Innerschweiz unterwegs, doch der Berg, der zwei Namen trägt - Vitznauerstock und Gersauerstock - ist mir dabei völlig entgangen, bis mich ein entsprechender Wandervorschlag in der NZZ auf ihn aufmerksam machte.

Als Startpunkt wählte ich Gersau, um für die kommende Wandersaison ein paar Höhenmeter unter die Füsse zu kriegen. Zunächst führte der Aufstieg gemächlich entlang einem gewundenen Fahrsträsschen den Hang hinauf. Das erste Mal richtig stotzig wurde es dann - namensgerecht - beim Stotzigurmi.

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Auf einer kleinen Aussichtsbank bei Ober Urmi dopte ich mich mit einem Energieriegel, denn ab da wurde der Aufstieg nicht nur stotzig, sondern auch anspruchsvoll. Der Pfad führte steil durch den Wald über Wurzeln und Felsen und immer wieder musste ich die Hände zu Hilfe nehmen, um kurze Kraxelstellen zu überwinden. An den schwierigeren Stellen waren Kabel und Seile angebracht, um sich festzuhalten. 

Sehr hilfreich waren die zahlreichen Markierungen, denn die Wegfindung wäre sonst nicht immer offensichtlich gewesen. Die Strecke ist weiss/rot ausgeschildert, doch einzelne Stellen - insbesondere bei rutschigen Verhältnissen - könnte man auch als weiss/blau einstufen. 

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Ziemlich verschwitzt erreichte ich schliesslich den ersten der beiden Gipfel: Der Gersauerstock (1'452 m) kann mit einer umfassenden Aussicht über den Vierwaldstättersee aufwarten, die aber etwas durch die Verankerung des übermässig grossen Gipfelkreuzes beeinträchtigt wird. Nur ein paar Meter weiter liegt der Vitznauerstock, auch mit schöner Aussicht, aber mit weniger Seesicht und einem im Vergleich geradezu mickrigen Gipfelkreuz.

Der erste Teil des Abstiegs war dann wieder sehr abschüssig und ziemlich rutschig, dagegen erschien die kurze Leiter, die man hinabklettern musste, keine besondere Herausforderung. Etwas weiter unten wurde der Weg dann weniger steil und führte im Zickzack durch den Wald bis zur Fälmisegg.

Dort wechselte die Route wieder vom Ab- zum Aufstieg. Über Weiden und vorbei an Kühen, die mir interessiert beim Wandern zusahen und den Weg versperrten, ging es aufwärts, bis ich plötzlich auf den Gersauer-/Vitznauerstock hinunter sehen konnte.

Auf der Rigi Scheidegg (1'659 m) genoss ich nochmals den Ausblick über die Innerschweiz - inklusive den Blick zum grossen Bruder Rigi Kulm - bevor es mit der Gondel nach Kräbel hinunter ging. Leider hatte ich dort keinen Anschluss auf das Rigibähnchen, so dass ich mich zu Fuss nach Arth-Goldau auf machen musste. 


Wanderinfos:

  • Gewandert: Sonntag, 27. Mai 2024
  • Route: Gersau - Acher - Platten - Stotzigurmi - Ober Urmi - Gersauerstock - Vitznauerstock - Fälmisegg - Altstafel - Rigi Scheidegg
  • Meine Wanderzeit: 4 h 15 min
  • Distanz: 10,3 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'476 m
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Donnerstag, 23. Mai 2024

Tierisches im Saastal

@wandernohneende
Die heutige Wanderung war eigentlich eine Verlegenheitslösung, weil die geplante Suonenwanderung den schlechten öV-Verbindungen ins Unterwallis zu Opfer fiel. Also beschloss ich spontan und ohne grosse Erwartungen, ins Saastal hineinzuwandern. Die Wanderung sollte sich zwar als nicht spektakulär, aber auf jeden Fall als lohnenswert erweisen.

Mit ganz vielen asiatischen Touristen fuhr ich zunächst mit der Bahn Richtung Zermatt, stieg aber - ziemlich alleine - in Stalden bereits wieder aus. Dort traf ich am Dorfausgang auf einen Wegweiser "Saastalweg" und diesem gut ausgeschilderten Talweg folgte ich von nun an. 

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Die Strecke führte vorwiegend durch Wälder und über Weiden und die Landschaft war abwechslungsreicher, als ich erwartet hatte, auch wenn die hohen Walliser Schneeberge nicht sichtbar waren. Ich wanderte an Eseln und Schafen vorbei und ein junges, dunkelbraunes Rind brachte sich in einem halsbrecherischen Tempo die steile Wiese hinab in Sicherheit, als ich mich näherte. Es musste eindeutig noch etwas Mut entwickeln, bevor es eine Walliser Kampfkuh werden kann.

Zwischendurch passierte ich immer wieder kleine Weiler, wo Leute geschäftig in ihren Gärten arbeiteten. Der Nachteil der Dörfer war, dass hier der Weg immer wieder über längere Abschnitte asphaltiert war. 

Tief im Taleinschnitt unten rauschte die Saaser Vispa und erst weiter oben im Tal war man mit dem Wildbach auf gleicher Höhe und wanderte abschnittsweise direkt an seinem Ufer. Als sich die engen Bergflanken zudem etwas öffneten, konnte ich doch noch einen Blick auf die Walliser 4000ender werfen, vorab auf das Allalinhorn, den ersten Viertausender den ich je bestiegen habe.

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Obwohl nie steil, führte die ganze Strecke stetig aufwärts und irgendwann fühlte ich den beständigen Anstieg in den Beinen. Das Praktische an der Wanderung war aber, dass man immer wieder an Bushaltestellen vorbei kam, wo das Postauto im Halbstundentakt zurück nach Visp fuhr. 

Diese Gelegenheit nutzte ich kurz vor Saas-Grund, nachdem ich vergeben nach einem offenen Restaurant gesucht hatte. In Visp gab es davon mehr als genug. 




Wanderinfos:

  • Gewandert: Freitag, 10. Mai 2024
  • Route: Stalden-Saas - Raftgarten - Eisten - Ahorn - Bodenbrücke - Saas-Balen - Talmatten (Saas-Grund) (ausgeschilderter "Talweg")
  • Meine Wanderzeit: 4h
  • Distanz: 14,5 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 950 m
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Montag, 20. Mai 2024

Sonne im Wallis: Von Leukerbad nach Gampel

@wandernohneende
Vor drei Jahren war ich im Herbst über den Walliser Sonnenweg von Crans-Montana nach Leukerbad gewandert. Diesmal war es zwar Frühling, doch ich hungerte wieder einmal nach Sonne und da bot es sich an, die nächste Etappe des Sonnenwegs von Leukerbad nach Gampel anzugehen.

In Leukerbad gab es aber zu Beginn viel mehr Schatten als Sonne. Kaum hatte ich das Dorf hinter mir gelassen, traf ich zudem auf eine Wegsperrung wegen angeblicher Lawinengefahr und damit drohte meiner Wanderung ein vorzeitiges Ende. 

Ich beriet mich mit einem anderen Wanderer, der ebenfalls auf die Sperrung aufgelaufen war, und wir kamen schliesslich beide zum Schluss, dass wir es wagen würden, denn genug Schnee für eine Lawine hatte es nirgends mehr. Der Weg stellte sich denn auch als passierbar heraus, doch er war offensichtlich noch nicht vom Winter gesäubert worden, zahlreiche umgefallene Bäume und sogar einen kleinen Erdrutsch galt es zu überwinden. 

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Eigentlich hatte ich über die Albinenleitern hochsteigen wollen, doch aufgrund der Wegsperrung und der offensichtlich noch nicht erfolgten Unterhaltsarbeiten liess ich dies bleiben. Ein steiler Aufstieg durch den Wald brachte mich zur Talstation der Torrentbahnen und dort kam dann endlich auch die ersehnte Sonne.

Hoch über Tal führte die Strecke der Bergflanke entlang und bald konnte man erste Blicke ins Rhonetal hinein erhaschen und auf die noch weit hinunter schneebedeckten Walliser Berggipfel. Das kleine Dörfchen Albinen umging ich - und ersparte mir so ein paar Höhenmeter. Von denen gab es sonst noch genug, denn die Strecke führte immer wieder aufwärts.

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Nach einer Kurve stand ich plötzlich mitten in einer fast baumlosen Lichtung: Statt hoher Tannen gab es nur halbhohe Birken und Lärchen. Einzelne verkohlte Baumstämme brachten mich schliesslich auf die richtige Fährte - ich stand mitten im Waldbrandgebiet, wo im Hitzesommer 2003 über 300 Hektaren Waldfläche abgebrannt waren. Ich fand es erstaunlich, dass sich die Natur auch zwanzig Jahre später noch nicht vollständig regeneriert hatte.

Schmale Pfade lösten sich ab mit breiten Waldwegen und einzelnen asphaltierten Wegstücken - letzteres aber auch, weil ich zwischenzeitlich von der Route abkam. Generell fand ich, dass die Walliser etwas mehr Effort in ihre Routensignalisation stecken könnten.

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In Jeizinen hätte es die Möglichkeit gegeben, mit der Gondel zurück ins Tal zu schweben. Mich packte aber der Ehrgeiz, auch die restliche Etappe zu Fuss zu machen. Der Abstieg war eigentlich auch sehr angenehm: Ein breiter, gut ausgebauter Weg führte nicht allzu steil in zahlreichen Windungen den Berg hinab. Der Nachteil dieser moderaten Neigung war, dass der Talboden einfach nicht näher kommen wollte. Zudem bekam ich im baumlosen Hang mehr als genug von der ursprünglich ersehnten Sonne.

Leicht überhitzt erreichte ich Gampel, wo ich nach einem kleineren Irrlauf durch das Dorf schliesslich die richtige Bushaltestelle für die Rückfahrt nach Visp fand.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Auffahrt-Donnerstag, 9. Mai 2024
  • Route: Leukerbad - Torrentbahn (Talstation) - Albinen - Bräntschu - Jeizinen - Gampel (Etappe 2 des Walliser Sonnenwegs/Regionale Route Nr. 61)
  • Meine Wanderzeit: 6 h 20 min
  • Distanz: 24,3 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'100 m
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Donnerstag, 9. Mai 2024

Über den Weissenstein: Runde Höhlen und matte Hasen

@wandernohneende
Der Jura rund um den Weissenstein kann mit zahlreichen bekannten und unbekannteren Höhlen aufwarten. Nach dem Bärenloch und dem Franzosenloch wollte ich mit dem Rundloch einer weiteren Höhle in dieser Gegend einen Besuch abstatten.

Ich begann die Wanderung in Solothurn am Bahnhof und schlenderte zunächst gemütlich durch die schöne Altstadt einschliesslich eines Abstechers in die berühmte St. Ursenkathedrale. Nur etwas ausserhalb der Stadt war der Einstieg zur ebenso berühmten Verenaschlucht. Idyllisch plätschert der kleine Bach entlang von moosbewachsenen Felsen. 

Die Schlucht soll ein Kraftort sein - und Kraft sollte ich für den folgenden Aufstieg noch brauchen. Dieser begann aber erst richtig hinter Rüttenen. Von dort führte die zunächst breite Waldstrasse mehr oder weniger geradeaus den Hang hoch, bevor der Weg schmaler und kurviger wurde.

Der Abzweiger zum Rundloch war zwar nicht markiert, aber trotzdem einfach zu finden: Bei der ersten Haarnadelkurve nach dem Wegpunkt "Stigelos" geradeaus in den Wald laufen, statt weiter dem Wanderweg zu folgen. Ein auf den zweiten Blick gut erkennbarer, schmaler Trampelpfad führt teilweise etwas ausgesetzt dem abschüssigen Hang entlang. Der kleine Abstecher ist technisch als T4 einzuschätzen und braucht etwas Trittsicherheit und Orientierungsvermögen.

@wandernohneendeAls ich den Fuss einer senkrechten Felswand erreichte, war ich denn auch kurz unschlüssig über die weitere Wegführung, doch im Fels verankerte Ketten halfen nicht nur beim Überwinden von kurzen Kraxelstellen, sondern bestätigten auch, dass ich mich nicht im Steilhang verirrt hatte. 

Schliesslich erreichte ich eine kleine Felsterrasse. Von dort führte eine luftige Eisentreppe zum Rundloch hinauf. Nach einer kurzen Aussicht-Geniess-Pause machte ich mich vorsichtig auf dem gleichen Weg zurück zum markierten Wanderweg. Dieser führte weiter im Zickzack steil aufwärts und ich verstand nicht, warum das Wegstück "Stigelos" heisst, denn Stiegen - Treppenstufen - hatte es mehr als genug. Eine hübsche Bank auf einem Felsvorsprung und mit freier Sicht ins Mittelland bot Platz für eine willkommene Verschnaufpause.

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Kurz danach erreichte ich den Nesselboden. Nach einem kurzen Studium der Wegweiser entschied ich mich, den eigentlichen Gipfel des Weissensteins auszulassen und stattdessen direkt Richtung Hasenmatt zu gehen. Nach einem kurzen Aufstieg durch einen lichten Wald erreichte ich das weitläufige offene Plateau und bog in den Jurahöheweg ein. 

Ein letzter steiler Anstieg brachte mich schliesslich ziemlich ermattet auf die Hasenmatt (1'445 m), den höchsten Punkt des Kantons Solothurn. Nach einer ausgiebigen Pause unter dem markanten Gipfelkreuz stieg ich via Chessel dem Rüschbach entlang nach Gänsbrunnen ab.




Wanderinfos:

  • Gewandert: Mittwoch, 1. Mai 2024
  • Route: Solothurn - Verenaschlucht - Rüttenen - Stigelos - Rundloch (T4) - Stiglos - Nesselboden - Hinterweissenstein - Hasenmatt - Chessel - Gänsbrunnen
  • Meine Wanderzeit: 5 h 30 min
  • Distanz: 19 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'200 m
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Donnerstag, 18. April 2024

Rigi via Leitern

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Viele Wege führen auf die Rigi und dieses Mal wollte ich einen ausprobieren, welcher über Leitern auf die Königin der Berge führt. Um zur Leitern-besetzten Schlüsselstelle zu kommen, musste ich aber zunächst über zwei sehr weite Schlaufen ausholend den langen Hang oberhalb von Weggis hochwandern. Die Aussicht über den Vierwaldstättersee und die zahlreichen blühenden Obstbäume entschädigten für die wenig effiziente Wegführung.

Kurz vor Bärgli fand ich schliesslich via einem schmalen Waldpfad eine Abkürzung, so dass ich wenigsten eine der Schlaufen nicht ganz auslaufen musste. Ab der Müseralp wurde der Weg schmaler und abwechslungsreicher - dafür aber auch steiler. 

Schliesslich erreichte ich den Geissrügge, wo die Leitern anfingen. Diese entpuppten sich zwar eher als Metalltreppen denn als Leitern, dafür gab es ein gutes halbes Dutzend davon - und ich konnte mich nicht mehr über die ineffiziente Wegführung beklagen, den effizienter konnte man zweihundert Höhenmeter nicht hochsteigen.

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Der Leiternweg endete beim Känzeli, der bekannten Aussichtsplattform, welche eine fantastischen Blick über den Vierwaldstättersee und die ihn umgebenden Bergketten bietet. Von hier was es nur noch ein Spaziergang bis Rigi Staffel. Dort verzichtete ich zugunsten eines Biers an der Sonne auf den Weiteraufstieg zum Kulm. Mit der Bahn ging es - zusammen mit ganz vielen anderen Samstagsausflüglern - wieder zurück ins Tal. 



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag, 14. April 2024
  • Route: Weggis - Blauweid - Tannenberg - Stutzberg - Pkt. 972 (dort inoffiziellem Wegweiser "Müseralp" folgen) - Müseralp - Geissrügge - Chänzeli - Rigi Staffel
  • Meine Wanderzeit: 3 h 10 min
  • Distanz: 8,2 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'290 m
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