Sonntag, 20. Januar 2019

Höch Gumme: Aussichten ohne Ende

An diesem Tag stimmte einfach alles: Der Schnee, das Wetter, die Aussicht. Und ich lernte mit dem Gebiet Turren-Lungern erneut eine mir bislang unbekannte Ecke der Schweiz kennen, die ich mir auch im Sommer einmal näher ansehen muss. Doch zunächst ging es mit den Schneeschuhen auf Erkundungstour.

Die ersten paar Höhenmeter überwanden wir mit dem Turren-Bähnchen. Ich hatte mir darunter eine alte, wacklige Seilbahn vorgestellt, doch stattdessen fuhren wir mit einer modernen Gondel in die Höhe. Bereits bei der Bergstation waren diverse Schneeschuhtrails ausgeschildert. Wir wählten den direktesten - und damit auch steilsten - Weg Richtung Schönbüel. Die Strecke war mit dem Pistenfahrzeug frisch präpariert worden, so dass das Schneeschuhlaufen technisch keinerlei Schwierigkeiten bot; hingegen leisteten die Steighilfen der Schneeschuhe an diesem Tag gute Dienste.

Höch Gumme
Wir passierten den Weiler Breitenfeld, dessen Häuser und kleine Kapelle tief eingeschneit waren, und kurz darauf erreichten wir das Berghaus Schönbüel, wo wir uns bei Kuchen und Kaffee aufwärmten. Doch wir waren uns alle - mehr oder weniger schnell - einig, dass die Verhältnisse einfach zu perfekt waren, um direkt wieder umzudrehen. Zu sehr lockte der Gipfel, der direkt hinter dem Berghaus in den blauen Himmel ragte und dessen Flanke bereits mit zahlreichen Spuren von Tourenskifahrern geschmückt war.

Also schnallten wir wieder unsere Schneeschuhe an und überwanden in direkter Linie die letzten zweihundert Höhenmeter bis zum Höch Gumme (2'204 m). Und dieser Abstecher zahlte sich aus: Vom Gipfel hatte man eine herrliche Rundumsicht auf die Alpen und den Brienzersee. Unsere Tourenleiterin brachte uns kaum wieder weg vom Gipfel.

Panorama vom Höch Gumme
Doch schliesslich machten wir uns an den Abstieg - die ersten paar Meter vornehmlich auf dem Hosenboden. Ab Schönbüel folgten wir wieder dem ausgeschilderten Schneeschuhtrail und mit einem kleinen Schlenker ging es zurück zur Gondelstation. Auch auf der Rückreise passte alles zusammen: Die Gondel fuhr ab, kaum hatten wir unsere Schneeschuhe verstaut, und der Shuttle-Bus der Turren-Bahn brachte uns an den Bahnhof, wo gerade der Zug einfuhr.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 19. Januar 2019
  • Route: Lungern-Turren Bergstation - Breitenfeld - Schönbüel - Höch Gumme - Schönbüel - Breitenfeld - Chuematt - Lungern-Turren Bergstation (bis/ab Schönbüel violett ausgeschilderter Schneeschuhtrail)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 10 min
  • Distanz: 7,8 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 730 m


Sonntag, 13. Januar 2019

Windige Vier-Gipfelwanderung im Tessin (Cima di Lago - Matro di Stinchè - Monte Bigorio - Moschera)

Blick zurück zum Cima di Lago
Eigentlich hatte ich mich beim SAC für eine Schneeschuhwanderung angemeldet, doch diese wurde wegen den gar garstigen Wetteraussichten abgesagt. Als Alternative organisierte die Tourenleiterin eine Wanderung mit vier Gipfeln; zwar ohne Schneeschuhe, dafür mit viel Sonne. Alles was es dafür brauchte, war eine Reise durch den Gotthardtunnel.

Im Süden strahlte der Himmel blau. Von Isone aus stiegen wir unter dem kritischen Blick einer Gämse durch die kahlen Wälder. Die Wege waren teilweise knietief mit Laub bedeckt, unter welchem sich manche Stolperfalle versteckte. Als wir den schützenden Wald hinter uns liessen und uns an den Aufstieg auf den ersten Gipfel des Tages machten, wurde schnell klar, weswegen im Süden das Wetter so viel besser war: Der Nordföhn blies uns heftig um die Ohren, während wir weglos die steile Wiese hochstiegen. Trotzdem nahmen wir uns auf dem Cima di Lago (1'146 m) die Zeit für einen Rundblick auf die umliegenden Gipfel: Zur Linken sah man den Monte Bar, auf dem ich vor etwas mehr als einem Jahr war (auch damals bei windigem Wetter), zur Rechten den Monte Tamaro mit seiner markanten Antenne, der noch auf meiner Wander-to-do-Liste steht.

Ein paar Meter vom Gipfel entfernt befand sich ein grosser, sehr schön gemachter Unterstand, der Schutz vor dem Wind bot und wo wir Pause machten und den Dreikönigskuchen verspiesen, welchen unsere Tourenleiterin mitgebracht hatten. Die Krone windfest auf dem Kopf festzumachen, stellte für den auserkorenen König eine ziemliche Herausforderung dar.

Danach stiegen wir quer durch ein Birkenwäldchen ab und gerade wieder auf bis zum nächsten Gipfel, dem Matro di Stinchè (1'152 m), immer bemüht, nicht vom Wind weggeblasen zu werden. Wieder am Fuss des Hügels angekommen, querten wir den Wanderweg und stiegen - weiterhin weglos - auf den Monte Bigorio (1'188 m). Dieser bot einen schönen Blick vom glänzenden Lago Maggiore bis zur Smog überzogenen Poebene.

Monte Tamaro im Hintergrund
Über einen langgezogenen Grat erreichten wir schliesslich mit dem Moschera (1'167 m) den letzten Gipfel des Tages, welcher zusätzlich noch Aussicht auf den Lago di Lugano bot.

Der anschliessend Abstieg war lang, doch sobald wir ein paar Höhenmeter verloren hatten, hörte der Wind auf und dank der warmen Tessinersonne kam man fast mehr in Schwitzen als beim Aufstieg. Die Strecke führte durch kleinere und grössere Dörfchen bis wir in Torricella den Talboden und den nächsten Bahnhof erreichten.







Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag, 6. Januar 2019
  • Route: Isone - Muricce - Gola di Lago - Cima di Lago - Matro di Stinchè - Monte Bigorio - Moschera - Condra - Convento Santa Maria - Sala Capriasca - Ponte Capriasca - Taverne-Torricella (grosser Teil der Strecke weglos/unmarkiert)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 45 min
  • Distanz: 16,2 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 850 m 



Sonntag, 6. Januar 2019

Carschinahütte - Silvester im Schnee

St. Antönien - Girenspitz - Schafberg
Zum Jahreswechsel hatte ich endlich die Gelegenheit, meine Schneeschuhe aus dem Keller zu holen. In Zürich regnete es noch, in St. Antönien begrüsste uns aber bereits der Winter mit weissen Landschaften und leichtem Schneefall. Das erste Mal in diesem Winter kamen bei mir tatsächlich Wintergefühle auf.

Trotz der fehlenden Sonne waren die Bedingungen zum Schneeschuhlaufen ideal und der Aufstieg via Unter- und Mittelsäss war eine schöne Route, die nie wirklich steil war. Durch coupiertes Gelände ging es weiter und schon bald kam die Carschinahütte in Sicht. Dort wurden wir von Steffi und Stefan, den beiden Hüttenwarten, herzlich begrüsst und nach dem ersten Steinbockkafi fühlten wir uns schon wie zu Hause.

St. Antönien - Girenspitz - Schafberg
Während wir das Silvestermenu genossen, verzogen sich die Wolken und um Mitternacht konnten wir unter dem klaren Sternenhimmel anstossen. Kein schlechter Start ins neue Jahr! Und es wurde noch besser: Der nächste Morgen brachte Sonne und blauen Himmel. Die Landschaft war von einer dicken Neuschneeschicht überzogen, die im Sonnenlicht glitzerte, und die aufgehende Sonne färbte den Himmel und die umliegenden Berge rosa.

Da sich unsere Tagesziele in unmittelbarer Nähe der Hütte befanden, gab es keinen Grund für einen allzu frühen Aufbruch. In einem eher gemütlichen Tempo zogen wir schliesslich unsere Spuren in den Neuschnee und stiegen über den südlichen Rücken auf den ersten Gipfel des Tages, den Girenspitz (2'367 m). Wir mussten uns die Aussicht mit zahlreichen Tourenskifahren teilen, die bei der Abfahrt elegante Schlangenlinien im Neuschnee hinterliessen. Unsere Abstiegsspuren glichen dagegen eher einem umgepflügten Acker.

St. Antönien - Girenspitz - Schafberg - SAC
Carschinahütte SAC
Nach einer Mittagspause und einer kurzen LVS-Übung nahmen wir schliesslich den zweiten Gipfel in Angriff. Keine Stunde brauchten wir, bis wir auf dem Schafberg (2'455 m) standen und nochmals einen ausgiebigen Rundblick auf die Bündner Bergwelt werfen konnten.

Zurück in der Carschinahütte sassen wir im Liegestuhl auf der Terrasse, bis die Sonne hinter dem Berg unterging und es sofort empfindlich kühl wurde. Das Steinbockkafi wärmte aber sofort wieder auf.

In der nächsten Nacht wütete ein Schneesturm, der die Fensterläden der Hütte klappern liess und Schnee bis in den Hüttenvorraum bliess. Auch am Morgen schneite und windete es immer noch und die Sicht betrug nicht mehr als ein paar Meter. Gut eingepackt machten wir uns trotzdem an den Abstieg - es blieb uns ja auch nichts anderes übrig. Die Konturen der hügligen Schneelandschaft hob sich kaum vom grauen Himmel ab. Trotz der eher widrigen Wetterbedingungen machte mir der Abstieg durch den Neuschnee erstaunlich viel Spass. Dank Dänu, unserem Bergführer, fanden wir auch problemlos den Weg ins Alpenrösli, einem Restaurant in Partnun, in dem wir uns zwischendurch wieder aufwärmen konnten.

Immer dem Talboden entlang ging es dann weiter, bis wir in St. Antönien im nächsten warmen Restaurant ankamen, wo wir auf den Bus warteten. Und zum Schluss waren wir uns alle einig: Die Tour war auf ein vielversprechender Start in die Schneeschuhsaison und das neue Jahr gewesen!







Wanderinfos:
  • Gewandert: Montag/Dienstag/Mittwoch, 31. Dezember 2018 und 1./2. Januar 2019
  • Route: St. Antönien - Untersäss - Mittelsäss - Carschinafurgga - Carschinahütte (Montag); Carschinahütte - Fürggeli - Girenspitz - Fürggeli - Schafberg - Carschinahütte (Dienstag); Carschinahütte - Brunnenegg - Partnun - St. Antönien (Mittwoch)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 5 min (Montag); 3 h 50 min (Dienstag); 3 h 15 min (Mittwoch)
  • Distanz: 6,2 km (Montag); 7,2 km (Dienstag); 9,3 (Mittwoch)
  • Steigung (Aufstieg): 760 m (Montag); 715 m (Dienstag); 100 m (Mittwoch)
  • Übernachten: Carschinahütte SAC 



Sonntag, 16. Dezember 2018

Wintersonne im Tessin

Lago di Vogorno
Der Winter stand vor der Türe, doch bevor ich endgültig die Schneeschuhe aus dem Keller holte und die grossen Teller an meinen Wanderstücke montierte, machte ich nochmals einen Abstecher aus dem nebligen und kalten Zürich in die Südschweiz. Kalt war es zwar auch im Tessin, doch dafür konnte es mit einem wolkenlosen blauen Himmel aufwarten.

Die Wärme kam beim Aufstieg von Tenero Richtung Gordemo durch kahle Weinberge und enge Gässchen im Übrigen von selbst, dafür sorgten - wie im Tessin unvermeindlich - die zahlreichen Treppenstufen. Der Weg wurde flacher, als ich ins Verzascatal einbog und schon bald kam die imposante Staumauer des Lago di Vogorno in Sicht, von der bekanntermassen James Bond herunter gesprungen ist. An diesem Tag war zwar nichts von Pierce Bronsan zu sehen, dafür spiegelten sich die schneebedeckten Bergspitzen im klaren Wasser.

Madonna del Sasso
Ich überquerte die Staumauer und nach kurzer Zeit erreichte ich den Höhenweg, der dem Hügel entlang führt. Es war auch etwas eine Zeitreise, denn nur ein Stück von der modernen Staumauer entfernt führte der Weg über eine römische Bogenbrücke aus Stein. Immer wieder hatte man durch die Bäume schöne Ausblicke auf den Lago Maggiore, was die nicht wirklich anstrengende Wanderung abwechslungsreich machte.

Via der bekannten Wallfahrtskirche Madonna del Sasso, die prominent über Locarno thront, stieg ich bis ans Seeufer hinunter. Nach einem letzten Blick in die Sonne ging es schliesslich zurück durch den Gotthard, auf dessen Nordseite Nebel und Schnee warteten.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 15. Dezember 2018
  • Route: Tenero - Gordemo - Staumauer Lago di Vogorno - Ronco di Bosco - All'Eco - Monti della Trinita - Locarno Muralto
  • Meine Wanderzeit: 3 h 20 min
  • Distanz: 13,7 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 620 m


Sonntag, 9. Dezember 2018

Rigi kurz und knapp

Nachdem meine Knie den langen Abstieg der letzten Wanderung nicht so gut vertragen hatten, suchte ich nach einem "knieschonenden" Ziel, das zudem sicher über dem Nebel lag, nicht allzu weit von Zürich entfernt war und keine Planung erforderte: Die Rigi erfüllte alle Voraussetzungen.

Ich bin schon unzählige Male auf die Rigi gewandert. Um die Sache zumindest ein bisschen abwechslungsreicher zu gestalten, nahm ich beim Dächli die Abzweigung in Richtung Blatten. Bei dieser Variante führte der Wanderweg zunächst nur leicht ansteigend durch die Wald. Erst oberhalb der Waldgrenze wurde der Pfad steil. Auf dem letzten, etwas ausgesetzten Stück lag zudem bereits Schnee, so dass ich mich mehrmals versichern musste, noch auf dem Wanderweg zu sein, denn nur ein paar Meter neben mir waren die senkrechten Felswände.

Der Weg endete direkt auf dem Rigi Kulm und als ich das Gitter öffnete, um auf die Aussichtsplattform zu steigen, störte ich zwei asiatische Touristinnen, die gerade dabei waren, Selfies zu schiessen und die ziemlich erstaunt schienen, dass ich scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht war.

Mit dem Bähnchen ging es dann gemütlich - und knieschonend - zurück nach Arth-Goldau. Auch wenn nicht besonders ausgefallen, eine Wanderung auf die Rigi lohnt sich immer wieder!



Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag, 25. November 2018
  • Route: Arth-Goldau - Dächli - Blatten - Zingel - Rigi Kulm
  • Meine Wanderzeit: 3 h
  • Distanz: 8,7 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'320 m


Sonntag, 2. Dezember 2018

Mühseligkeiten am Oberblegisee

Oberblegisee
Wenn man meinem Facebook-Feed glauben konnte, war der Oberblegisee das Wanderziel der Saison. Auf jeden Fall schienen alle meine Wanderkollegen Fotos davon zu posten, so dass ich mich entschloss, mir den See einmal selber aus der Nähe anzusehen.

Von Luchsingen aus folgte ich dem Bösbächibach (Pleonasmus?) aufwärts und ignorierte den Wegweiser, der für den Oberblegisee nach rechts zeigte. Ich hatte mir zu Hause eine Route zusammengestellt, die weiter das Tobel hinauf führte. Schon nach kurzer Zeit erreichte ich die Schwefelquelle Luchsingen, deren Wasser Heilkräfte zugesagt werden. Der starke schweflige Geruch, welchen der tröpfelnde Hahn verströmte, hinderte mich aber am Selbstversuch. Im Rückblick war dies vermutlich ein Fehler gewesen, denn an diesem Tag hätte ich die Unterstützung aller verfügbaren Wundermittel gebrauchen können.

Heilquelle
Schwefel- und Heilquelle Luchsingen
Beim Aufstieg machte sich nämlich deutlich bemerkbar, dass ich die letzten beiden Wochen auf den kanarischen Inseln vornehmlich die Beine hochgelegt und den Blick aufs Meer genossen hatte: Ich kam sehr schnell ausser Atem. Vielleicht verpasste ich deshalb bei Schlattberg den Abzweiger, der mich zurück in die Schlucht gebracht hätte. Da ich keine Lust (und keine Kondition) hatte, Höhenmeter doppelt zu machen, entschied ich mich, erst weiter oben wieder in den Wanderweg einzubiegen. Dafür musste ich einer unmarkierten, schmalen Wegspur durch den Wald folgen, die abschüssig einem steilen Hang folgte. Die dicke Laubschicht, welche den Boden bedeckte, und die umgestürzten Bäume, die man über- oder unterkraxeln musste, halfen bei der Wegfindung nicht wirklich. Irgendwann stellte ich mir zudem die Frage, wann wohl im Kanton Glarus die Jagd anfing und zog zur Sicherheit meine dunkle Jacke aus.

Bei der Bösbächialp stiess ich endlich wieder auf den markierten Wanderweg und der war bis zum Oberblegisee so breit, dass man ihn auf keinen Fall verpassen konnte. Obwohl der See offenbar ein beliebtes Ausflugsziel ist, war ich an diesem Tag ganz alleine. Für mich war Oberblegi nur ein Zwischenziel, ich wollte nämlich auch noch den nächsten See "mitnehmen", das Guppenseeli. Dafür ging der Aufstieg nochmals weiter - bei der Planung zu Hause hatte die Wanderung irgendwie viel weniger anstrengend ausgesehen als draussen im Gelände.

"Guppenseeli"
Dazu kam, dass weiter oben auf dem Weg ein Schäumchen Schnee lag. Beim Aufstieg war dies kein Problem, doch den steilen und etwas ausgesetzten Abstieg zum Guppenseeli verwandelte der Schnee in eine heikle Rutschpartie, zumal plötzlich auch noch mein Knie anfing zu schmerzen. Ziemlich ungelenk, auch mal unter Zuhilfenahme meines Allerwertesten, stieg ich im Zeitlupentempo Richtung Guppen ab. Dass es - ausser ein paar Gämsen, die mir mitleidige Blicke zuwarfen - keine Zeugen für meine uneleganten Abstiegskünste gab, war nur ein kleiner Trost.

Zur Krönung des Tages stellte sich schliesslich heraus, dass vom Guppenseeli nichts zu sehen war - der trockene Sommer hatte es zum Verschwinden gebracht, alles was übrig geblieben war, war eine dünn mit Schnee überzogene Fläche. Dafür standen weitere 1'000 negative Höhenmeter mit einem schmerzenden Knie an. Zu sagen, dass sich der Abstieg hinzog, wäre eine Untertreibung. Nach über sechs Stunden - knapp vor dem Eindunkeln - erreichte ich endlich den Bahnhof von Schwanden. Ich hatte definitiv schon erholsamere Wanderungen gemacht!



Wanderinfos:
  • Gewandert: Donnerstag, 22. November 2018
  • Route: Luchsingen-Hätzingen - Schlattberg - Bösbächialp - Unterstafel - Oberblegisee - Guppenseeli - Guppenalp-Oberstafel - Untere Stelli - Enneteggen - Schwanden
  • Meine Wanderzeit: 6 h 15 min
  • Distanz: 17,2 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'390 m



Sonntag, 25. November 2018

Entlang der Engadiner Seenplatte (Senda Segantini 3/3)

Nach zwei wettermässig perfekten Tagen auf der Senda Segantini kam der Wetterumschwung und ich war unschlüssig, ob ich überhaupt weiter wandern oder doch direkt in Maloja ins Postauto nach Hause steigen sollte. Selbst als ich nach dem Frühstück Richtung Dorfzentrum zottelte, hatte ich mich noch nicht definitiv entschieden. Doch ein ausgiebiger Blick in den Himmel zeigte zwar Wolken, aber auch kleinere blaue Löcher dazwischen. Zudem führte der nächste Abschnitt der Senda Segantini mehr oder weniger flach dem Talboden entlang, so dass man jederzeit abbrechen konnte, sollte das Wetter schlechter werden. Also ging ich an der Busstation vorbei und bog stattdessen zum See ab.

Die Route führte als Erstes entlang des Silsersees und und dieser Streckenabschnitt war der schönste an diesem Tag. Der gut ausgebaute Weg führte immer mehr oder weniger direkt dem Ufer entlang und auch im gedämpften Licht waren die gelben Engadinerwälder sehenswert. Von zahlreichen Aussichtspunkten aus hatte man eine schöne Sicht auf die kleinen Inselchen im See.

Am Ende des Sees durchquerte ich das hübsche Dörfchen Sils, bevor der Weg etwas anstieg, um dann zum Ufer des Silvaplanersees wieder abzusteigen. Unterdessen hatte der Wind merklich aufgefrischt und insbesondere als die Route bei Silvaplana die Talseite wechselte, wurde die Wanderung ungemütlicher. Trotzdem wanderte ich hoch über dem Lej de Champfèr noch ein Stück weiter. Hier verdeckte mehrheitlich der dichte Lärchenwald den Blick auf den See.

Langsam spürte ich zudem in meinen Beinen die Wanderkilometer der letzten Tage und als es doch noch zu regnen anfing, nutzte ich dies als willkommenen Vorwand, bei der nächsten Busstation die Wanderung zu beenden. Die letzte Etappe der Senda Segantini, welche über die Alp Languard und Muottas Murragl führt, hole ich in der nächsten Saison nach.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Mittwoch, 24. Oktober 2018
  • Route: Maloja - Isola - Sils/Segl Maria - Palüdetta - Silvaplana - Champfèr (3. Etappe der Senda Segantini/regionale Route Nr. 25)
  • Meine Wanderzeit: 3 h 40 min
  • Distanz: 17,3 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 410 m
  • Weitere Etappen der Senda Segantini gibt es hier




Sonntag, 18. November 2018

Zwei Pässe und drei Meere (Senda Segantini 2/3)

Silsersee
Der zweite Tag meiner Wanderung entlang der Senda Segantini begann mit einem Frühstück bei Kerzenlicht - in ganz Bivio war für Unterhaltsarbeiten der Strom abgestellt worden. Wie am Vortag versprach das Wetter ungetrübten Sonnenschein, doch als ich loswanderte, stellte ich schnell fest, dass es empfindlich kühl war. Nach ein paar Metern holte ich Mütze und Handschuhe hervor, obwohl der Weg anstieg. Beides zog ich den ganzen Tag nicht mehr aus - und holte mir gleichzeitig auf der Nase einen Sonnenbrand.

Der Aufstieg zum Septimerpass führte über einen breiten Feldweg und bereitete keinerlei Schwierigkeiten. Der Boden war hart gefroren und weisser Reiff überzog die ockerfarbenen Wiesen. Kurz vor der Pass erreichte ich die Sonne, doch ein kühler Wind verhinderte, dass es richtig warm wurde.

Nach zwei Stunden stand ich bereits auf dem Septimerpass (2'310 m). Gemäss der Routenangaben auf der Karte von SchweizMobil führt die Senda Segantini von hier aus in südlicher Richtung weiter hinunter nach Casaccia. Der Wegweiser auf der Passhöhe zeigte aber in unmissverständlicher Weise nach Osten zum Pass Lunghin. Nach kurzem Kartenstudium entschloss ich mich, dem Wegweiser zu folgen. Diese Variante versprach mehr alpinen Charakter und das schöne Wetter wollte ich nicht vergeuden.

Also ging es als Erstes weiter nach oben, bis ich mit dem Lunghin (2'645 m) schon den zweiten Pass an diesem Tag erreichte. Auf der Passhöhe befindet sich eine dreifache Wasserscheide: Das Wasser fliesst von hier aus entweder in die Adria, ins Schwarze Meer oder in die Nordsee.

Lägh dal Lunghin
Ich wähnte mich in einer Wüste aus Schotter und Steinen, doch der Abstieg zum Lägh dal Lunghin war alles andere als grau: Die Felsen schimmerten in rot, grün und schwarz und unter mir lag der blaue See, welcher als Quelle des Inn gilt. Sein klares Wasser lud (fast) zum Baden ein, doch die gefrorenen Stellen am Ufer waren ein deutliches Zeichen, dass er nicht meine bevorzugte Badetemperatur aufwies.

Der Abstieg ging weiter und bald kam tief unter mir das Bergell und der Silsersee in Sicht. Wie bereits am Vortag war der Weg ins Tal hinunter lang, dieses Mal zusätzlich auch noch ziemlich steil. Ich war froh, als ich endlich in Maloja ankam und freute mich auf einen warmen Cappuccino - vergeblich, auch in Maloja war die Saison vorbei und ausser einem kleinen Kiosk hatte alles geschlossen.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Dienstag, 23. Oktober 2018
  • Route: Bivio - Septimerpass - Pass Lunghin - Lägh dal Lunghin - Pila - Maloja (2. Etappe der Senda Segantini/regionale Route Nr. 25)
  • Meine Wanderzeit: 5 h 
  • Distanz: 14 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 960 m
  • Übernachten: Hotel Longhin, Maloja
  • Weitere Etappen der Senda Segantini gibt es hier