Sonntag, 22. Juli 2018

Gletscherwelten, Spaltenstürze, Büsserschnee (Jungfrau-Trekking Teil 1/2)

Büsserschnee
Büsserschnee auf dem Aletschfirn
Mein Bergsommer ging weiter: Auf dem Programm standen fünf Tage Gletschertrekking rund um die Jungfrau. Der Start der Tour lag auf dem Jungfraujoch, mitten in den Schwärmen von japanischen Touristen. Bis Housi, unser Bergführer, alle seine Schäfchen zusammen hatte, dauerte es eine Weile, so dass ich selber auch noch in den Touristenmodus fallen und von Fotospot zu Fotospot tingeln konnte. Als wir schliesslich unsere Klettergurte anzogen, wurden wir dann selber zum beliebten Fotosujet.

Der Jungfraufirn war schneebedeckt, so dass wir ohne Steigeisen gemütlich hinunter wandern konnten. Der Schnee bedeckte aber auch die Gletscherspalten und so konnte ich am eigenen Leib erfahren, wie es ist, in eine Spalte zu treten: Nicht annähernd so schlimm wie gedacht. Da wir eine grosse Seilschaft waren, fiel man kaum weiter als bis zu den Hüften und ausser nassen Füssen (und einem leicht angekratzten Ego) gab es keine Nachwirkungen.

Bald schon kam hoch oben im Fels die Konkordiahütte in Sicht und damit auch das "Dessert" der Wanderung: Der Hüttenaufstieg über 467 luftige Treppenstufen. Beim Hochsteigen blickte man zwischen den Füssen die senkrechte Felswand hinunter, ein guter Test für die eigene Schwindelfreiheit.
Aussicht von der Terrasse der Konkordiahütte
Die einmalige Lage der Konkordiahütte war die Anstrengung mehr als Wert. Bei schönstem Wetter sassen wir auf der Terrasse an der Sonne und genossen den spektakulären Blick auf die eindrückliche Gletscherlandschaft.

Treppe zur Konkordiahütte
Am nächsten Morgen mussten wir zunächst die 467 Treppenstufen wieder absteigen. Dann überquerten wir das riesige Eisfeld des Konkordiaplatzes, wo Aletsch- und Jungfraufirn mit dem Ewigschneefeld zusammentreffen und den Ursprung des Grossen Aletschgletscher bilden. Der Gletscher war aper, so dass nicht die Spalten das Problem waren, sondern die zahlreichen Pfützen und kleineren und grösseren Rinnsale, welche sich auf dem schmelzenden Eis gebildet hatten. Ganz ohne nasse Füsse kam an diesem Tag niemand davon.

Beim Aufstieg über den Aletschfirn lernte ich dann ein neues Wort: "Büsserschnee". Der Begriff bezeichnet ein Zackenmuster aus unzähligen Hügeln und Tälern, welches der Schnee bei starken Temperaturschwankungen bildet. Das Ganze war hübsch anzusehen und erinnerte mich an eine Tortenverzierung - zum Wandern war es aber die reinste Tortour: Die sulzigen Hügelchen fielen zusammen, sobald man darauf trat und man hatte das Gefühl, jeden Höhenmeter zweimal machen zu müssen. Am Horizont hoch über der Lötschenlücke sah man die Hollandiahütte, die nicht näher zu kommen schien.

Als wir die Hütte endlich erreicht hatten, wurden wir vom nepalesischen Hüttenhelfer bereits erwartet. Wir waren fast die einzigen Gäste an diesem Abend und nahmen daher den Gastraum sofort in Beschlag. Beim Kartenspiel liessen wir den Tag ausklingen und ich stellte fest, dass Jassen mit Deutschweizer Karten fast so herausfordernd ist wie Büsserschnee.


Die Fortsetzung der Tour gibt es hier.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Montag - Freitag, 16. - 20. Juli 2018
  • Route: Jungfraujoch - Jungfraufirn - Konkordiahütte (Montag); Konkordiahütte - Konkordiaplatz - Aletschfirn - Hollandiahütte (Dienstag)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 30 min (Montag); 4 h 45 min (Dienstag)
  • Distanz: 8,7 km (Montag); 9 km (Dienstag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 200 m (Montag); 560 m (Dienstag)
  • Übernachten: Konkordiahütte SAC (Montag); Hollandiahütte SAC (Dienstag)



Sonntag, 15. Juli 2018

SAC Grundkurs Hochtouren: Fels, Eis und geschundene Knie


Nachdem ich im Juni bereits den zweitägigen Hochtouren-Einführungskurs des SAC Uto besucht hatte, legte ich mit dem fünftägigen Grundkurs nach. Der Kurs fand in der Sewenhütte statt, die im Meiental hoch über der Sustenpassstrasse thront, und wo wir während einer Woche überaus gastfreundlich beherbergt und verpflegt wurden. Zwei Bergführer betreuten uns und Tom übernahm die wohl nicht immer nervenschonende Aufgabe, sich um die unerfahrene Hälfte unserer Gruppe zu kümmern.

Die Ausbildung startete am Montagnachmittag mit Knoten üben und damit zahlten sich endlich all die Pfadilager aus meiner Jugend aus. Danach gab es erste Kletterversuche im Fels, wobei mein persönliches Highlight das Abseilen war: Ich hätte nie gedacht, dass dies so einfach ist und ich es auf Anhieb hinkriegen würde!

Am zweiten Tag wechselten wir in den Schnee und bei den Rutsch- und Bremsübungen im steilen Schneefeld stellte sich heraus, dass sich der Bergsport nicht von der Juristerei unterscheidet: Zwei Spezialisten - drei Meinungen. Auf jeden Fall war Tom dezidiert der Ansicht, dass die Technik, die uns ein paar Wochen zuvor im Einführungskurs beigebracht worden war, unbrauchbar war. Am Ende des Tages hatten wir aber etwas gelernt: Wichtig ist, am Schluss über alles noch einen Spierenstich zu legen: Ob Blockierungsknoten, Seilverkürzungen oder zu lange Bändel am Steigeisen, Abspieren ist die Lösung für (fast) alles.
Blick vom Bächenstock auf
Gross und Chli Spannort

Diese neue Erkenntnis half mir dann aber wenig, als es wieder zum Klettern in den Fels ging und ich feststellen musste, dass mir neben den richtigen Klettergenen auch ein paar Armmuskeln fehlen. Der sichtbare "Erfolg" meiner ersten Vorstiegsversuche im dritten Grad waren ein paar heftige Dellen im Knie.

Am Donnerstag stand schliesslich der Höhepunkt der Woche an: Die Hochtour auf den Bächenstock. Im Licht der aufgehenden Sonne, die die weissen Firnfelder rosa färbte, stiegen wir das Tal hoch, bis wir den (kläglichen Rest des) Seewenzwächten erreichten. Mit den Steigeisen und angeseilt ging es über den hart gefrorenen Schnee - wie viel Gletscher tatsächlich noch darunter liegt, konnte man nicht erkennen. Kurz bevor wir den Fels erreichten, wurde das Schneefeld steil und beim Übergang vom Schnee zum Fels zeigte sich, dass Klettern mit Steigeisen seine Tücken hat, was mir prompt die nächsten Schrammen an den Knien einbrachte.

Über ein schottriges Couloir erreichten wir den Grat und kraxelten von einem Felsblock zum nächsten, bis wir auf dem Gipfel des Bächenstock (3'010 m) standen. Bei schönstem Sonnenschein genossen wir den Ausblick auf die umliegenden Berge, darunter ein paar alte Bekannte wie Titlis, die Mythen und die Berner Alpen aus einer ungewohnten Perspektive. Vorsichtig machten wir uns schliesslich wieder an den Abstieg und kurz nach dem Mittag waren wir zurück in der Hütte, wo wir uns eine ausgiebige Siesta gönnten.

Zum Abschluss der Woche gab es am Freitag eine Repetition in Knoten- und Sicherungstechnik, darunter nochmals Abseilen. Und auch wenn es mit dem Hochklettern nicht so klappt, das Mehrseillängen Abseilen lief einwandfrei.

Es war eine lehrreiche und abwechslungsreiche Woche gewesen und ich hatte nicht nur viel über das Bergsteigen gelernt, sondern auch, wie man am effizientesten duscht, wenn das warme Wasser nach jeweils zwanzig Sekunden wieder abstellt.



Infos:
  • Kursdaten: Montag - Freitag, 9. - 13. Juli 2018
  • Tour: Bächenstock (Normalroute, WS) (Donnerstag)
  • Übernachten: Sewenhütte SAC





Sonntag, 8. Juli 2018

Blaue Seen und weisse Schneefelder (8. + 9. Etappe Via Alpina)

Back on track! Die neue Via Alpina-Saison hatte begonnen und wir setzten nahtlos dort ein, wo wir im Herbst aufgehört hatten: In Engelberg. Im Unterschied zum letzten Jahr, wo wir bei allen Varianten von Regenwetter gewandert waren, war an diesem Wochenende auf dem Regenradar nicht die geringste Gewitterwolke zu erkennen. Hoffentlich ein gutes Omen für die diesjährige Wandersaison!

Der Aufstieg war in drei Abschnitte unterteilt: Der erste Teil führte durch den Wald bis zur Gerschnialp, wo wir uns auf einem kurzen flachen Stück erholen konnte. Der zweite Teil bis zum Trüebsee führte dann steil teilweise direkt unterhalb der Gondelbahn hoch, was wieder einmal die Frage aufwarf, warum wir ständig auf Berge stiegen, auf die man auch fahren könnte. Dazu machte uns die Hitze zu schaffen, so dass sich einige schon (fast) das Regenwetter des letzten Jahres zurückwünschten.

Tannensee
Dank Katharina, die trotz Höhenmeter und Hitze - gut gekühlten - Wein hochgeschleppt hatte, war die Anstrengung spätestens beim vorgezogenen Apéro am Trüebsee schon wieder vergessen. Dann mussten wir nur noch den letzten Teil der Steigung hinter uns bringen und hatten mit dem Jochpass (2'207 m) den höchsten Punkt des Tages erreicht. Rund um uns herum lagen noch die letzten Schneefelder. Vom Jochpass ging es mit einer schönen Aussicht auf den blau leuchtenden Engstlensee und den schneebedeckten Titlis nur noch abwärts bis zur Engstlenalp, wo wir in einem einfachen Massenlager übernachteten.

Am nächsten Tag machten wir eine frühe Pause am Tannensee, wo einige von uns tatsächlich den Sprung ins kalte Wasser wagten. Das war auf jeden Fall die letzte Gelegenheit für eine Abkühlung, die wir an diesem Tag erhielten. Nach einem kurzen Aufstieg erreichten wir den langgezogenen Gratweg, der uns auf das Balmeregghorn (2'254 m) brachte ("schön, schon Schöneres gesehen" - wie wir verwöhnt feststellten).

Blick vom Balmeregghorn
Entlang von steilen Felswänden ging es weiter und das "Grüessech", mit welchem uns die zahlreichen entgegenkommenden Wanderer begrüssten, zeigte, dass wir endgültig im Berner Oberland angekommen waren.

Bei Planplatten begann dann der lange Abstieg ins Haslital. Während ein Teil der Gruppe sich entschlossen hatte, knieschonend bereits bei Planplatten oder spätestens in Reuti die Bahn zu nehmen, hatte ich mich einem kleinen Grüppchen angeschlossen, das den ganzen Weg zu Fuss machen wollte. Entsprechend kürzten wir die Pausen ab und legten etwas Tempo zu - und wurden dann doch immer wieder von den "langsameren" Bähnchenfahrern eingeholt. Ivan gab uns weiblichen Mitwanderern die Schuld dafür, weil wir angeblich andauern eine Toilettenpause machen mussten.

Der Abstieg war schliesslich nicht so steil wie befürchtet. Zwischendurch wurden wir noch vom Zwerg Muggenstutz begleitet und das letzte Stück führte angenehm durch den kühlen Wald. Es waren zwei schöne Etappen gewesen und die ersten Blicke auf die Berner Alpen waren ein Versprechen dafür, was uns bei der Fortsetzung noch erwarten würde.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 30. Juni / 1. Juli 2018
  • Route: Engelberg - Gerschnialp - Trüebsee - Jochpass - Engstlenalp (Samstag); Engstlenalp - Tannalp - Balmeregghorn - Planplatten - Hasliberg Reuti - Meiringen (Sonntag) (Etappen 8 und 9 der Via Alpina/nationale Route Nr. 1)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 45 min (Samstag); 5 h 30 min (Sonntag)
  • Distanz: 12 km (Samstag); 22 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'250 m (Samstag); 700 m (Sonntag)
  • Übernachten: Hotel Engstlenalp
  • Weitere Etappen der Via Alpina finden sich hier




Sonntag, 1. Juli 2018

Stanserhorn: Aufstieg in die Wolken

MeteoSchweiz hatte ungestörten Sonnenschein und angenehme Temperaturen versprochen. Das schienen mir ideale Bedingungen für einen Abstecher auf einen weiteren Innerschweizer Berg, der schon länger auf meiner Besteigungsliste stand: Das Stanserhorn. Ich war sehr früh unterwegs und dachte, dass ich so vor dem Touristenansturm auf dem Gipfel ankommen würde.

Als ich in Stans aus dem Zug stieg, war es zwar sonnig, doch ausgerechnet über dem Stanserhorn hing eine dicke Wolke. In diesem Zeitpunkt war ich noch optimistisch, dass sich diese bald auflösen würde. Ich stieg entlang dem Trassee der historischen Standseilbahn hoch und gerade als ich die ersten Schweisstropfen von der Stirn wischte, kam mir eine Bahn entgegen und der gut gelaunte Bahnführer winkte mir aufmunternd zu.

Bei Bluematt liess ich den Wald hinter mir und wie ich langsam weiter die Weide hochstieg, fiel mir auf, wie sehr sich meine Wanderungen in der letzten Zeit glichen: Zuerst ging es jeweils steil den Wald hoch, dann noch steiler über Weiden und Wiesen. Sowohl Nideri wie auch der Falknis waren diesem Muster gefolgt. Zudem schien es mir, als würden Schweizer Wanderwege mehrheitlich aus Zickzack-Wegen bestehen.

Am Schluss machte die Route dann noch einen grossen Bogen und die letzten Meter führten über den Grat. Nach drei Stunden stand ich schliesslich auf dem Stanserhorn (1'897 m) und suchte durch Wolkenlöcher nach dem versprochenen Bergpanorama. Als die Wolkendichte sogar noch zunahm, setzte ich mich auf die Terrasse des Bergrestaurants und war froh, dass ich am Morgen neben meiner Softshell- auch meine Hardshelljacke eingepackt hatte. Von einsamer Gipfelruhe war ich ebenfalls weit entfernt: Obwohl es erst kurz nach zehn Uhr war, schwärmten bereits ganze Herden von Ausflüglern herum. Der Grund dafür war - wie ich leider erst nachträglich herausfand -, dass die Stanserhornbahn ihr 125-Jahr-Jubiläum feierte und vergünstigte Tickets anbot - sofern man vor 9.30 Uhr hochfuhr.

Hinunter ging es dann "oben ohne" mit der CabrioBahn. Vom offenen Oberdeck der Bahn hatte man einen guten Blick auf den gewundenen Aufstiegsweg. Ich war stolz auf meine Leistung, den Aufstieg in drei Stunden und damit mehr als einer Stunde unter der offiziell angegebenen Wanderzeit geschafft zu haben. Bis mir der Banknachbar in der Bahn erzählte, dass er in der Hälfte meiner Zeit oben gewesen war.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Mittwoch, 27. Juni 2018
  • Route: Stans - Chälti - Bluematt - Rinderalp - Stanserhorn
  • Meine Wanderzeit: 3 h
  • Distanz: 7,8 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'430 m




Sonntag, 24. Juni 2018

Über den nicht so niedrigen Nideri

Der Nideri ist ein Pass, welcher - östlich der Churfirsten - von Walenstadt ins St. Galler Rheintal führt. Nach dem Höhenmeter-Exzess vom letzten Wochenende schien mir die vom SAC Uto angebotene Wanderung zu einem etwas niedereren Ziel der perfekte Ausgleich. Dass es ganz ohne Höhenmeter nicht gehen würde, wurde aber offensichtlich, als man in Walenstadt zu den senkrechten Felswänden hochschaute, die das nördliche Walenseeufer bilden.

Entsprechend führte der Weg von Anfang an aufwärts, die erste Hälfte angenehm im schattigen Wald. In Lüsis, einer kleinen Ansammlung von Ferienhäuschen, hatten wir die erste Steilstufe hinter uns gebracht und erreichten offenes Gelände. Nach einer kurzen Verschaufpause machten wir uns an die zweite Steilstufe: In schier endlosen Kurven wand sich der Weg den Hang hoch. Ablenkung von der Anstrengung boten die unzähligen Blumen und dank unserer sachkundigen Tourenleiterin gelang es dieses Mal sogar, die einzelnen Arten zu bestimmen. Der (botanische) Höhepunkt waren Feuerlilien, die uns orange-rot entgegen leuchteten.

Feuerlilie
Nach gut drei Stunden hatten wir den Nideri (1'825 m) erreicht. Von hier aus hätte man in einer halben Stunde auf den Höchst weiterwandern können; ein Abstecher, der sich sicher lohnen würde. Doch für heute blieben wir in den niedrigen Gefilden und stiegen durch mit Kühen und Alpenrosen bestockte Weiden sanft ab. In der Ferne sah man bereits das Rheintal. Auf der Terrasse des Berggasthauses Voralp - hoch über dem gleichnamigen See - warteten wir auf den Bus und suchten nach den Zwetschgen im Zwetschgenkuchen.

Eine interessante Tatsache über den Nideri fand ich zu Hause heraus, als ich für meinen Blog nach Hintergrundmaterial forschte: Die Wikipedia-Seite zum Nideri gibt es in genau zwei Sprachen: Schwedisch und Cebuano (letzteres - ebenfalls gemäss Wikipedia - eine auf den Philippinen gesprochene Sprache). Meines Erachtens ist dies der ultimative Beweis, dass es in vorchristlicher Zeit über den scheinbar unscheinbaren Nideri eine Handelsstrasse von den Philippinen nach Schweden gegeben haben muss. Die archäologische Expedition zum Nachweis meiner These ist bereits in Planung.




Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag, 23. Juni 2018
  • Route: Walenstadt - Sonnenberg - Gräpplig - Lüsis - Tscherler Chämm - Nideri - Schranggenbrunnen - Kurhaus/Berggasthaus Voralp
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 30 min
  • Distanz: 12 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'430 m 




Sonntag, 17. Juni 2018

Falknis: Höhenmeter im Heidiland

Mein Höhenmeter-Rekord lag bisher irgendwo zwischen 1'700 und 1'800 m und ich wollte schon lange wissen, wie es sich anfühlt, die 2'000 m-Grenze zu knacken. Soviel vorweg: Es fühlt sich sehr anstrengend an!

Das Gipfelziel des Tages war der Falknis an der bündnerisch-liechtensteinischen Grenze. Wir starteten in Maienfeld, aber nicht mit dem direktesten Weg zum Aufstieg, sondern mit einem Schlenker durch das Heididorf, einer mir bisher unbekannten Sehenswürdigkeit, die auch gut hätte unbekannt bleiben können. Interessanter fand ich da schon die zahlreichen Weinberge, die wir durchquerten, schliesslich befanden wir uns im Herzen der Bündner Herrschaft.

Ausgesetzter Aufstieg zum Falknis
Ernsthaft wurde die Sache dann, als wir kurz nach Enderlinstein den Bach überquert hatten und damit der steile Teil der Wanderung begann (der bis zum Gipfel andauern sollte). Zu Beginn führte der Pfad durch den schattigen Wald und in den Wegkehren hatte man immer wieder einen schönen Ausblick ins Sarganserland hinunter. Nach gut zwei Stunden erreichten wir die Enderlinhütte. Damit hatten wir auch die ersten 1'000 Höhenmeter geschafft - an diesem Tag war das aber nicht einmal die Hälfte des Tagessolls.

Ab der Enderlinhütte war der Weg blau/weiss markiert und führte teilweise ausgesetzt über abschüssige Wiesen. Es gab auch ein paar felsige Passagen zum Kraxeln, diese waren aber mit Stahlseilen gesichert. Ich kämpfte an diesem Tag eindeutig nicht mit den technischen Schwierigkeiten der Wanderung, sondern mit der physischen Herausforderung. Insbesondere die letzten rund 350 Höhenmeter bis zum Fläscher Fürggli, die im Zickzack eine schier endlose, steile Wiese hochführten, stellten meine Kondition arg auf die Probe.

Fläscher Tal
Beim Fläscher Fürggli hatte man den Gipfel zwar noch nicht erreicht, doch dieser schien in Reichweite. Über lockeres Geröll erreichten wir schliesslich nach fünf Stunden und 2'000 Höhenmeter den Falknis (2'562 m). Wolken zogen über den Gipfel und verdeckten die Aussicht teilweise. Wir hielten die Pause ohnehin kurz, denn es lag noch ein langer Abstieg vor uns und wir mussten unsere reservierte Abfahrtszeit bei der Älplibahn einhalten.

Vom Fläscher Fürggli führte die Route durch das wunderschöne Fläscher Tal, einer mit drei türkisblauen Seen versetzten Hochebene. Neben ein paar übrig gebliebenen Schneefeldern blühten bereits die ersten Alpenrosen. Für mich war die Entdeckung dieses Tals eindeutig das Highlight der Wanderung! Kurz nach der Fläscher Alp galt es dann noch einen letzten Gegenanstieg zu meistern, bevor wir über weitere mit Blumen übersäte Wiesen pünktlich die Älplibahn erreichten, die uns weitere 1'000 m Abstieg ersparte.

Es war eine geniale und von Silvia perfekt organisierte Wanderung gewesen und ich hatte die 2'000 Höhenmeter-Marke deutlich überschritten - was ich jetzt aber nicht wirklich dringend wiederholen muss.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 16. Juni 2018
  • Route: Maienfeld - Unter-/Oberrofels (Heididorf) - Enderlinstein - Enderlinhütte SAC (Abschnitt T4) - Fläscher Fürggli - Falknis - Fläscher Fürggli - Fläscher Tal/Radaufis - Fläscher Alp Sarina - Ober Tritt - Chrüzböden - Älplibahn
  • Unsere Wanderzeit: 7 h 30 min
  • Distanz: 20 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 2'495 m








Sonntag, 10. Juni 2018

Via delle Vose: Schlangen auf dem Maultierpfad

Valle Onsernone - Loco - Intragna
Für einmal funktionierten die Zugsverbindungen ins Tessin einwandfrei und in Bellinzona stand das Postauto ins Onsernone-Tal auch schon bereit. Doch während die Passagiere vor dem verschlossenen Bus an der Sonne standen, hatte es sich der Chauffeur auf der hintersten Sitzreihe gemütlich gemacht und liess sich bei seiner Handy-Pause nicht stören. Als kurz vor der fahrplanmässigen Abfahrtszeit einer der Wartenden ungeduldig an die Scheibe klopfte, kam Bewegung in den Mann und er erhob sich, um uns mit einer wütenden Tirade auf Italienisch einzudecken. Und die verpasste Pausenzeit hängte er dann einfach an die Abfahrtszeit dran. Die restlichen Aggressionen baute er schliesslich auf der engen, kurvenreiche Strecke ab, in dem er selbst entgegenkommende Autos, die im korrekt Platz machten, gnadenlos niederhupte.

Valle Onsernone - Loco - Intragna
Ponte di Niva
Für mich endete die Fahrt in Loco, einem sehr ruhigen und friedlichen Tessiner Dörfchen. Da ich mehr als genug Zeit hatte, machte ich noch ein kurzer Abstecher, um mir die Kirche anzusehen, was sich als lohnenswert herausstellte. Die Wanderung folgte schliesslich der Via delle Vose, einem historischen Maultierpfad, auf welchem die Bauern aus dem Onsernone-Tal während Jahrhunderten ihre Erzeugnisse nach Ascona und Locarno gebracht hatten.

Zunächst ging es entlang von Weinbergen hinunter bis zur Ponte di Niva. Die holzige Bogenbrücke wurde im Jahr 2016 neu erbaut und gemäss Infotafel soll ihre Überquerung sogar ein "Gefühl der spirituellen Erhöhung" auslösen können. Davon spürte ich zugegebenermassen nichts, was aber der Attraktivität der Wanderung keinen Abbruch tat. Nach der Flussüberquerung ging es tendenziell aufwärts, aber nie wirklich steil, sondern oft fast flach dem bewaldeten Hang entlang. Konzentration brauchte es, weil der grösste Teil der Strecke mit Natursteinen gepflastert war und man aufpassen musste, keinen Fehltritt zu machen. Zahllose Eidechsen wärmten sich auf den Steinen und kurz nach Vosa huschte sogar eine Schlange über den Weg.

Valle Onsernone - Loco -Intragna
In Pila hatte ich den höchsten Punkt der Wanderung erreicht und es öffnete sich der Blick Richtung Maggiadelta und Lago Maggiore. Zudem sah man bereits auf Intragna hinunter, welches mit dem höchsten Kirchturm des Kantons Tessin aufwarten kann (Von innen ist aber die Kirche von Loco schöner). Beim Abstieg riss mich plötzlich ein heftiges Zischen aus den Gedanken und eine ziemlich fette Schlange verkroch sich missmutig von ihrem Sonnenplätzchen auf einer der Steinplatten des Wanderweges unter die nächste Mauer. Ich konnte mich nicht erinnern, dass ich vorher je eine lebende Schlange auf einer Wanderung angetroffen hatte, doch an diesem Tag waren es gerade zwei aufs Mal! (Fürs Beweisfoto war ich beide Male zu langsam).

Nach nur zwei Stunden hatte ich bereits Intragna erreicht, von wo es mit dem Centovalli-Bähnchen zurück nach Locarno ging. Es war keine besonders lange oder anstregende Wanderung gewesen, gelohnt hatte sich der Abstecher aber trotzdem.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Freitag, 31. Mai 2018
  • Route: Loco - Ponte di Niva - Vosa - Pila - Intragna (entlang der ausgeschilderten Via delle Vose)
  • Meine Wanderzeit: 2 h
  • Distanz: 5,8 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 260 m





Sonntag, 3. Juni 2018

(Unbekannte) Entlebucher Gratwanderung

@wandernohneende
Beichlen mit (bekreuztem) Vorgipfel
Vor knapp drei Wochen war ich über eine Hügelkette von Trub auf den Napf gewandert, diesmal war ich bloss eine Hügelkette südlicher unterwegs, damit aber bereits nicht mehr im bernischen Emmental, sondern im luzernischen Entlebuch. Und mit dem Beichlen war das Ziel ein Gipfel, der zwar höher ist als der Napf, aber um einiges weniger bekannt ist als sein bernisches Pendant.

Der Startpunkt lag beim Chlusbode, ein paar Busstationen von Schüpfheim entfernt. Die Wanderung liess uns keine Zeit für ein sanftes Einlaufen, denn von Anfang an ging es alles andere als sanft aufwärts. Dies und die schwüle Wärme des Tages führte dazu, dass uns der Schweiss bald in Bächen herunterlief. Ich lobte mich für meine Entscheidung am Morgen, meine kurzen Hosen anzuziehen. Beim Ober Lammberg, wo wir eine kurze Verschnaufpause einlegten, überholte uns ein Bauer in seinem Jeep und wies darauf hin, dass er beim Hochfahren nicht so ins Schwitzen gekommen sei.

@wandernohneende
Gsteigwald
Unbeeindruckt stiegen wir weiter hoch. Im Gsteigwald hatten Holzfäller wohl vor Kurzem angefangen, Sturmschäden aufzuräumen, auf jeden Fall lagen die gefällten Bäume kreuz und quer im Hang und über dem Wanderweg, so dass wir über Harz triefende Baumstämme und stachlige Tannäste klettern mussten - ich verfluchte mich für meine Entscheidung am Morgen, meine kurzen Hosen anzuziehen.

Bei der Gsteigegg hatten wir die ersten 700 Höhenmeter und die steilsten Stücke hinter uns gebracht. Der Weg führte entlang des Grates weiter aufwärts, doch nicht mehr so steil, so dass uns Energie blieb, um die beidseitige Aussicht zu geniessen und ein paar Versuche zu unternehmen, die zahlreichen Blumen am Wegrand zu bestimmen. Letzteres mit mässigem Erfolg, teilweise mussten wir uns damit begnügen, zu wissen, welche Blume es sicher nicht ist.

@wandernohneende
Kein Schlüsselblümchen
In der Ferne tauchte ein Gipfelkreuz auf, aber Pius dämpfte schnell unsere Hoffnung; das Gipfelkreuz stand nicht auf dem Beichlen, sondern aus unerfindlichen Gründen auf einem etwas niedrigeren, namenlosen Gipfel davor. Doch nach knapp drei Stunden standen wir schliesslich auf dem Beichlen (1'770 m). Der Dunst verhinderte einen klaren Blick auf die Alpen, bis zur Schrattenfluh reichte er aber allemal (Die Schrattenfluh steht übrigens schon lange auf meiner Wander-to-Do-Liste).

Nach einer ausgiebigen Pause stiegen wir ab, zunächst weiter dem Grat folgend. Schliesslich führte der Wanderweg direkt durch kniehohe Blumenwiesen und die fehlenden Wegspuren deuteten darauf hin, dass diese Strecke wohl nicht so oft begangen wird. Zu Unrecht, wie ich fand, denn es war eine schöne und abwechslungsreiche Gratwanderung mit mehr und steileren Höhenmetern als vermutet. Das Einzige, was fehlte, war eine (offene) Bergbeiz unterwegs.

Die Wanderung endete beim Camping Neugaden etwas ausserhalb von Marbach, wo wir keine fünf Minuten auf den nur stündlich fahrenden Bus warten mussten.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 26. Mai 2018
  • Route: Schüpfheim (Klusstalden) - Under/Ober Lammberg - Gsteigegg - Beichle - Beichlegrat - Rotefluespitz - Ober/Unter Krümpelhütten - Hilfernhüttli - Marbach (Neugaden)
  • Unsere Wanderzeit: 5 h 15 min
  • Distanz: 15,2 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'200 m