Donnerstag, 28. Februar 2019

Keschhütte: Startschwierigkeiten, steile Anstiege und ausgedehnte Bergwelten

@wandernohneende

Der Start ins Schneeschuhwochenende startete mehr als harzig: Als Erstes vergass ich mein für die zwei Tage sorgfältig zusammengestelltes Lunchsäckli zu Hause, so dass ich am Bahnhof noch einen eiligen Noteinkauf machen musste. In Bergün angekommen, fehlte die Hälfte unseres Grüppchens auf Grund von Stau und zweifelhaften Geografiekenntnissen. Als der Rest von uns die Wartezeit mit einem ersten LVS-Test überbrückte, stellte sich heraus, dass bei einem (in einem bekannten Outdoorgeschäft gemieteten!) Gerät die Batterien fehlten. Damit folgte noch ein Abstecher in den lokalen Dorfladen, bevor wir schliesslich mit fast einer Stunde Verspätung loswandern konnten.

Ivan, welcher das Wochenende organisiert hatte und uns die zwei Tage sicher durch die Schneelandschaft navigierte, versuchte die verlorene Zeit einzuholen, indem er uns während der ganzen Strecke durchs Val Tuors keine Pause machen liess. Diese holten wir schliesslich an einer sonnigen Hauswand bei frühlingshaften Temperaturen im verlassenen Weiler Chants nach, wo wir auch die Schneeschuhe anzogen.

@wandernohneende
Blick zurück Richtung Piz Kesch
Nachdem der Weg bis dahin fast flach gewesen war, fing mit dem Talende auch der Aufstieg an. Am Anfang war die Steigung noch angenehm, doch je lichter die Bäume wurden, je steiler wurde der Weg, bis sich das Ganze in eine ziemlich Qual entwickelte und ich regelmässige Verschnaufpausen einlegen musste. Diese lohnten sich aber nur schon wegen der Aussicht über die eingeschneite Bündner Bergwelt.

Oberhalb der Waldgrenze wurde das Gelände wieder etwas flacher. Etwas später kam die Keschhütte in Sicht und mit ihr auch der stotzige Schlussanstieg, der zu ihr hinaufführte. Die Aussicht auf einen kühlen Sauren Most trieb mich schliesslich auch noch diesen letzten Berg hoch.

In der Keschhütte wurden wir sehr freundlich empfangen und vor dem Abendessen sorgte auch noch die Sonne mit einem leuchtenden Abgang für ein Spektakel. Da war der anstrengende Aufstieg längst vergessen.

@wandernohneende
Blick zurück Richtung Sertigpass
Am nächsten Morgen starteten wir überraschend pünktlich und ohne grössere Hindernisse. Nach einem kurzen Abstieg folgte der unvermeidliche Wiederaufstieg zum Sertigpass. Eindrücklich war der Blick zurück zur Keschhütte mit dem namensgebenden, mächtigen Piz Kesch direkt dahinter. Auf dem Sertigpass (2'738 m) legten wir daher auch erstmal eine ausgiebige Fotopause ein.

Danach ging es nur noch genussvoll abwärts durch die glitzernde Winterlandschaft des langgezogenen Chüealptals. Im unteren Teil des Tals sah man die Überreste von zahlreichen Nassschneelawinen, die teilweise wohl erst vor wenigen Tagen niedergegangen waren. Wir waren aber früh unterwegs und am Mittag, als die Temperaturen anstiegen, sassen wir bereits in Sand im Garten des Restaurants und stiessen auf ein gelungenes Wochenende an, welches sämtlichen Ansprüchen gerecht geworden war.




Gewandert:
  • Samstag/Sonntag, 23./24. Februar 2019
  • Route: Bergün - Tuors Davant - Tuors Chants - Schegvel - Kesch Hütte (Samstag); Kesch Hütte - Sertigpass - Bin Schära - Sertig, Sand (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 30 min (Samstag); 3 h 20 min (Sonntag)
  • Distanz: 12,6 km (Samstag), 10,8 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'370 m (Samstag); 380 m (Sonntag)
  • Übernachten: Keschhütte SAC

Nachtrag: Die Tour war - obwohl anstrengend - so schön, dass ich sie zwei Jahre später wiederholt habe.

Montag, 18. Februar 2019

Mit den Schneeschuhen über die Schlittelbahn

Die Wetterprognosen versprachen den perfekten Wintertag, da konnte man schlecht zu Hause bleiben. Eine Kollegin hatte zudem mit der Klewenalp die passende Tourenidee. Mit der Gondel überwanden wir die ersten Höhenmeter bis Niederrickenbach. Nur ein paar Meter vom Dorfzentrum entfernt schnallten wir die Schneeschuhe an und stiegen über den noch harten Schnee auf. Die Route führte mehrheitlich dem (Sommer-)Wanderweg entlang und stieg nur mässig an. Erst die letzten paar Meter zum ersten Zwischenziel des Tages, dem Brisenhaus, waren richtig steil. Dafür gab es auf der sonnigen Terrasse die erste Pause. Die Hütte war gut besucht, zahlreiche Schneeschuhläufer und Tourengänger legten hier einen Stopp ein, bevor sie Richtung Glattgrat weiter stiegen.

So hoch hinaus wollten wir nicht. Stattdessen ging es fast flach dem Hang entlang bis Satteli (1'758 m), dem höchsten Punkt an diesem Tag. Unter uns lag das Skigebiet der Klewenalp und nach einem kurzen Abstieg waren wir mitten im Pistengewirr. Eigentlich war geplant gewesen, hier die Tour zu beenden, doch dafür waren die Bedingungen einfach zu gut. Also beschlossen wir, bis Emmetten hinunterzulaufen.

Wir folgten dazu dem Schlittelweg, welcher ins Tal hinunterführt, und stellten fest, dass Schlitteln beliebter ist als wir dachten. Technisch war der flache Abstieg über den präparierte Weg eher eintönig, doch der Blick auf den blauen Vierwaldstättersee und die weissen Berggipfel bot mehr als genug Ablenkung. Nur das letzte Stück, das im Schatten lag, zog sich etwas hin, so dass wir froh waren, als endlich Emmetten in Sicht kam, und dank eines netten Postautofahrers, der extra auf uns wartete, erwischten wir direkt den Bus zurück.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 16. Februar 2019
  • Route: Niederrickenbach Dorf - Ahorn - Brändlisboden - Brisenhaus SAC - Satteli - Obere Büelhütte - Tannibüel - Stockhütte - Emmetten
  • Unsere Wanderzeit: 4 h
  • Distanz: 15 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 720 m



Dienstag, 12. Februar 2019

Flügespitz - Ungeplantes Gipfelglück

@wandernohneende
Vor knapp zwei Jahren hatte ich im Sommer eine Drei-Gipfel-Tour bei Amden hoch über dem Walensee gemacht. Die Gegend hatte mir sehr gefallen und als ich herausfand, dass es im Winter auch Schneeschuhtrails gibt, stand mein nächster Ausflug fest.

Von der Busstation Arvenbüel waren es nur ein paar Schritte zum Einstieg in die Schneeschuhtrails. Am Anfang ging es - in einer angenehmen Steigung - vor allem aufwärts durch ein offenes Waldstück. Die Routen waren jeweils nur an den Kreuzungspunkten markiert, doch die Wegfindung bereitete keine Probleme, weil man einfach nur der breiten, ausgetretenen Spur folgen musste. Dachte ich wenigstens. Ich hatte von den diversen ausgeschilderten Routen die schwarz markierte ausgewählt, die um den Flügespitz herum führen sollte. Doch ziemlich unvermittelt erreichte ich plötzlich den schmalen Grat, der zum Gipfel hinauf führte. Da es mir sicherer schien, der Spur auf dem Grat zu folgen, als den steilen, unverspurten Hang zu queren, stand ich also ganz ungeplant auf dem Gipfel des Flügespitz (1'701 m).

@wandernohneende
Blick vom Flügespitz
Richtung Leistkamm
Ich genoss ausgiebig das unverhoffte Gipfelvergnügen, bevor ich nach einem rutschigen Abstieg durch den Wald wieder in meine Route einbog, welche weiter bis Vorderhöhi verlief. Dorthin führte auch ein offensichtlich sehr beliebter Winterwanderweg, entsprechend voll war die Alpwirtschaft, so dass ich mich direkt an den Abstieg machte. Zuerst folgte ich dem Winterwanderweg, bis ich eine Schneeschuhspur etwas abseits entdeckte, die schliesslich zum Beerenbach abbog, wo ich der Massenwanderung auf dem Winterwanderweg etwas entfliehen konnte. Am Ausgang des kleinen Tals fand ich ein schneefreies Bänkchen an der Sonne, wo es sich gut aushalten liess, bis der nächste Bus fuhr.





Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 9. Februar 2019
  • Route: Arvenbüel - Looch - Flügespitz - Bärenegg - Vorderhöhi - Zopf - Schwaderloch - Arvenbüel (+/- ausgeschilderter Schneeschuhtrail "schwarz")
  • Meine Wanderzeit: 2 h 30 min
  • Distanz: 8,5 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 600 m

Sonntag, 3. Februar 2019

Abstecher auf den Furggelenstock

@wandernohneende
Grosser und Kleiner Mythen
Da meine eigentlichen Tourenpläne fürs Wochenende wegen angeblich schlechten Wetterprognosen abgesagt wurden, suchte ich nach einer einfachen Alternative, die wenig Planungsaufwand und nicht allzu frühes Aufstehen erforderte. Ich entschied mich schliesslich für eine Schneeschuhwanderung bei Brunni, welches von Zürich aus in nur gut einer Stunde erreichbar ist. Ich hatte dort bereits vor einem Jahr bei einer Tour mitgemacht und schon damals gedacht, dass die Gegend eine Wiederholung wert war.

@wandernohneende
Blick vom Furggelenstock
In Zürich war das Wetter trüb, doch dies besserte sich im Bähnchen nach Einsiedeln mit jedem Kilometer und in Brunni strahlte die Sonne. Ich folgte der ausgeschilderten Schneeschuhroute durch den Wald und von jeder Lichtung aus hatte man eine schöne Aussicht auf die beiden Mythen. Auf der Furggelen angekommen setzte ich mich auf ein sonniges Bänkchen und bekam richtig warm, während ich eine kurze Pause einlegte und die Blasen an meinen Fersen verarztete - Schneeschuhlaufen verträgt sich schlecht mit meinen empfindlichen Füssen.

Ausreichend verpflastert war ich bereit, den schönen Tag mit einem (kleinen) Gipfelerlebnis zu krönen und stieg die letzten hundert (steilen) Höhenmeter zum Furggelenstock (1'655 m) auf. Die Gipfelaussicht musste ich mir mit zahlreichen anderen Schneeschuhläufern und Tourenfahrern teilen. Danach stieg ich auf dem Aufstiegsweg wieder zurück zur Furggelen. Dort wählte ich nicht den Weg nach Brunni zurück, sondern in die andere Richtung nach Oberiberg.

Am Anfang gab es beim Abstieg noch erstaunlich viele (Zwischen-)Anstiege, doch dann führte die Strecke wirklich nur noch abwärts. An den gegenüberliegenden Hügeln sah man die Pistenanlagen des Skigebiets Hoch Ybrig. Ein Blick in den Himmel zeigte die ersten Anzeichen der aufziehenden Wetterstörung, doch ich erreichte das Tal, noch bevor eine Wolke die Sonne verdecken konnte.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 2. Februar 2019
  • Route: Brunni - Langried - Furggelen - Furggelenstock - Furggelen - Leimgütsch - Oberiberg/Hoch-Ybrig, Talstation Laucheren (violett ausgeschildeter Schneeschuhtrail)
  • Meine Wanderzeit: 2 h 30 min
  • Distanz: 7,8 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 650 m


Sonntag, 20. Januar 2019

Höch Gumme: Aussichten ohne Ende

An diesem Tag stimmte einfach alles: Der Schnee, das Wetter, die Aussicht. Und ich lernte mit dem Gebiet Turren-Lungern erneut eine mir bislang unbekannte Ecke der Schweiz kennen, die ich mir auch im Sommer einmal näher ansehen muss. Doch zunächst ging es mit den Schneeschuhen auf Erkundungstour.

Die ersten paar Höhenmeter überwanden wir mit dem Turren-Bähnchen. Ich hatte mir darunter eine alte, wacklige Seilbahn vorgestellt, doch stattdessen fuhren wir mit einer modernen Gondel in die Höhe. Bereits bei der Bergstation waren diverse Schneeschuhtrails ausgeschildert. Wir wählten den direktesten - und damit auch steilsten - Weg Richtung Schönbüel. Die Strecke war mit dem Pistenfahrzeug frisch präpariert worden, so dass das Schneeschuhlaufen technisch keinerlei Schwierigkeiten bot; hingegen leisteten die Steighilfen der Schneeschuhe an diesem Tag gute Dienste.

Höch Gumme
Wir passierten den Weiler Breitenfeld, dessen Häuser und kleine Kapelle tief eingeschneit waren, und kurz darauf erreichten wir das Berghaus Schönbüel, wo wir uns bei Kuchen und Kaffee aufwärmten. Doch wir waren uns alle - mehr oder weniger schnell - einig, dass die Verhältnisse einfach zu perfekt waren, um direkt wieder umzudrehen. Zu sehr lockte der Gipfel, der direkt hinter dem Berghaus in den blauen Himmel ragte und dessen Flanke bereits mit zahlreichen Spuren von Tourenskifahrern geschmückt war.

Also schnallten wir wieder unsere Schneeschuhe an und überwanden in direkter Linie die letzten zweihundert Höhenmeter bis zum Höch Gumme (2'204 m). Und dieser Abstecher zahlte sich aus: Vom Gipfel hatte man eine herrliche Rundumsicht auf die Alpen und den Brienzersee. Unsere Tourenleiterin brachte uns kaum wieder weg vom Gipfel.

Panorama vom Höch Gumme
Doch schliesslich machten wir uns an den Abstieg - die ersten paar Meter vornehmlich auf dem Hosenboden. Ab Schönbüel folgten wir wieder dem ausgeschilderten Schneeschuhtrail und mit einem kleinen Schlenker ging es zurück zur Gondelstation. Auch auf der Rückreise passte alles zusammen: Die Gondel fuhr ab, kaum hatten wir unsere Schneeschuhe verstaut, und der Shuttle-Bus der Turren-Bahn brachte uns an den Bahnhof, wo gerade der Zug einfuhr.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 19. Januar 2019
  • Route: Lungern-Turren Bergstation - Breitenfeld - Schönbüel - Höch Gumme - Schönbüel - Breitenfeld - Chuematt - Lungern-Turren Bergstation (bis/ab Schönbüel violett ausgeschilderter Schneeschuhtrail)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 10 min
  • Distanz: 7,8 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 730 m


Sonntag, 13. Januar 2019

Windige Vier-Gipfelwanderung im Tessin (Cima di Lago - Matro di Stinchè - Monte Bigorio - Moschera)

Blick zurück zum Cima di Lago
Eigentlich hatte ich mich beim SAC für eine Schneeschuhwanderung angemeldet, doch diese wurde wegen den gar garstigen Wetteraussichten abgesagt. Als Alternative organisierte die Tourenleiterin eine Wanderung mit vier Gipfeln; zwar ohne Schneeschuhe, dafür mit viel Sonne. Alles was es dafür brauchte, war eine Reise durch den Gotthardtunnel.

Im Süden strahlte der Himmel blau. Von Isone aus stiegen wir unter dem kritischen Blick einer Gämse durch die kahlen Wälder. Die Wege waren teilweise knietief mit Laub bedeckt, unter welchem sich manche Stolperfalle versteckte. Als wir den schützenden Wald hinter uns liessen und uns an den Aufstieg auf den ersten Gipfel des Tages machten, wurde schnell klar, weswegen im Süden das Wetter so viel besser war: Der Nordföhn blies uns heftig um die Ohren, während wir weglos die steile Wiese hochstiegen. Trotzdem nahmen wir uns auf dem Cima di Lago (1'146 m) die Zeit für einen Rundblick auf die umliegenden Gipfel: Zur Linken sah man den Monte Bar, auf dem ich vor etwas mehr als einem Jahr war (auch damals bei windigem Wetter), zur Rechten den Monte Tamaro mit seiner markanten Antenne, der noch auf meiner Wander-to-do-Liste steht.

Ein paar Meter vom Gipfel entfernt befand sich ein grosser, sehr schön gemachter Unterstand, der Schutz vor dem Wind bot und wo wir Pause machten und den Dreikönigskuchen verspiesen, welchen unsere Tourenleiterin mitgebracht hatten. Die Krone windfest auf dem Kopf festzumachen, stellte für den auserkorenen König eine ziemliche Herausforderung dar.

Danach stiegen wir quer durch ein Birkenwäldchen ab und gerade wieder auf bis zum nächsten Gipfel, dem Matro di Stinchè (1'152 m), immer bemüht, nicht vom Wind weggeblasen zu werden. Wieder am Fuss des Hügels angekommen, querten wir den Wanderweg und stiegen - weiterhin weglos - auf den Monte Bigorio (1'188 m). Dieser bot einen schönen Blick vom glänzenden Lago Maggiore bis zur Smog überzogenen Poebene.

Monte Tamaro im Hintergrund
Über einen langgezogenen Grat erreichten wir schliesslich mit dem Moschera (1'167 m) den letzten Gipfel des Tages, welcher zusätzlich noch Aussicht auf den Lago di Lugano bot.

Der anschliessend Abstieg war lang, doch sobald wir ein paar Höhenmeter verloren hatten, hörte der Wind auf und dank der warmen Tessinersonne kam man fast mehr in Schwitzen als beim Aufstieg. Die Strecke führte durch kleinere und grössere Dörfchen bis wir in Torricella den Talboden und den nächsten Bahnhof erreichten.







Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag, 6. Januar 2019
  • Route: Isone - Muricce - Gola di Lago - Cima di Lago - Matro di Stinchè - Monte Bigorio - Moschera - Condra - Convento Santa Maria - Sala Capriasca - Ponte Capriasca - Taverne-Torricella (grosser Teil der Strecke weglos/unmarkiert)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 45 min
  • Distanz: 16,2 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 850 m 



Sonntag, 6. Januar 2019

Carschinahütte - Silvester im Schnee

St. Antönien - Girenspitz - Schafberg
Zum Jahreswechsel hatte ich endlich die Gelegenheit, meine Schneeschuhe aus dem Keller zu holen. In Zürich regnete es noch, in St. Antönien begrüsste uns aber bereits der Winter mit weissen Landschaften und leichtem Schneefall. Das erste Mal in diesem Winter kamen bei mir tatsächlich Wintergefühle auf.

Trotz der fehlenden Sonne waren die Bedingungen zum Schneeschuhlaufen ideal und der Aufstieg via Unter- und Mittelsäss war eine schöne Route, die nie wirklich steil war. Durch coupiertes Gelände ging es weiter und schon bald kam die Carschinahütte in Sicht. Dort wurden wir von Steffi und Stefan, den beiden Hüttenwarten, herzlich begrüsst und nach dem ersten Steinbockkafi fühlten wir uns schon wie zu Hause.

St. Antönien - Girenspitz - Schafberg
Während wir das Silvestermenu genossen, verzogen sich die Wolken und um Mitternacht konnten wir unter dem klaren Sternenhimmel anstossen. Kein schlechter Start ins neue Jahr! Und es wurde noch besser: Der nächste Morgen brachte Sonne und blauen Himmel. Die Landschaft war von einer dicken Neuschneeschicht überzogen, die im Sonnenlicht glitzerte, und die aufgehende Sonne färbte den Himmel und die umliegenden Berge rosa.

Da sich unsere Tagesziele in unmittelbarer Nähe der Hütte befanden, gab es keinen Grund für einen allzu frühen Aufbruch. In einem eher gemütlichen Tempo zogen wir schliesslich unsere Spuren in den Neuschnee und stiegen über den südlichen Rücken auf den ersten Gipfel des Tages, den Girenspitz (2'367 m). Wir mussten uns die Aussicht mit zahlreichen Tourenskifahren teilen, die bei der Abfahrt elegante Schlangenlinien im Neuschnee hinterliessen. Unsere Abstiegsspuren glichen dagegen eher einem umgepflügten Acker.

St. Antönien - Girenspitz - Schafberg - SAC
Carschinahütte SAC
Nach einer Mittagspause und einer kurzen LVS-Übung nahmen wir schliesslich den zweiten Gipfel in Angriff. Keine Stunde brauchten wir, bis wir auf dem Schafberg (2'455 m) standen und nochmals einen ausgiebigen Rundblick auf die Bündner Bergwelt werfen konnten.

Zurück in der Carschinahütte sassen wir im Liegestuhl auf der Terrasse, bis die Sonne hinter dem Berg unterging und es sofort empfindlich kühl wurde. Das Steinbockkafi wärmte aber sofort wieder auf.

In der nächsten Nacht wütete ein Schneesturm, der die Fensterläden der Hütte klappern liess und Schnee bis in den Hüttenvorraum bliess. Auch am Morgen schneite und windete es immer noch und die Sicht betrug nicht mehr als ein paar Meter. Gut eingepackt machten wir uns trotzdem an den Abstieg - es blieb uns ja auch nichts anderes übrig. Die Konturen der hügligen Schneelandschaft hob sich kaum vom grauen Himmel ab. Trotz der eher widrigen Wetterbedingungen machte mir der Abstieg durch den Neuschnee erstaunlich viel Spass. Dank Dänu, unserem Bergführer, fanden wir auch problemlos den Weg ins Alpenrösli, einem Restaurant in Partnun, in dem wir uns zwischendurch wieder aufwärmen konnten.

Immer dem Talboden entlang ging es dann weiter, bis wir in St. Antönien im nächsten warmen Restaurant ankamen, wo wir auf den Bus warteten. Und zum Schluss waren wir uns alle einig: Die Tour war auf ein vielversprechender Start in die Schneeschuhsaison und das neue Jahr gewesen!







Wanderinfos:
  • Gewandert: Montag/Dienstag/Mittwoch, 31. Dezember 2018 und 1./2. Januar 2019
  • Route: St. Antönien - Untersäss - Mittelsäss - Carschinafurgga - Carschinahütte (Montag); Carschinahütte - Fürggeli - Girenspitz - Fürggeli - Schafberg - Carschinahütte (Dienstag); Carschinahütte - Brunnenegg - Partnun - St. Antönien (Mittwoch)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 5 min (Montag); 3 h 50 min (Dienstag); 3 h 15 min (Mittwoch)
  • Distanz: 6,2 km (Montag); 7,2 km (Dienstag); 9,3 (Mittwoch)
  • Steigung (Aufstieg): 760 m (Montag); 715 m (Dienstag); 100 m (Mittwoch)
  • Übernachten: Carschinahütte SAC 



Sonntag, 16. Dezember 2018

Wintersonne im Tessin

Lago di Vogorno
Der Winter stand vor der Türe, doch bevor ich endgültig die Schneeschuhe aus dem Keller holte und die grossen Teller an meinen Wanderstücke montierte, machte ich nochmals einen Abstecher aus dem nebligen und kalten Zürich in die Südschweiz. Kalt war es zwar auch im Tessin, doch dafür konnte es mit einem wolkenlosen blauen Himmel aufwarten.

Die Wärme kam beim Aufstieg von Tenero Richtung Gordemo durch kahle Weinberge und enge Gässchen im Übrigen von selbst, dafür sorgten - wie im Tessin unvermeindlich - die zahlreichen Treppenstufen. Der Weg wurde flacher, als ich ins Verzascatal einbog und schon bald kam die imposante Staumauer des Lago di Vogorno in Sicht, von der bekanntermassen James Bond herunter gesprungen ist. An diesem Tag war zwar nichts von Pierce Bronsan zu sehen, dafür spiegelten sich die schneebedeckten Bergspitzen im klaren Wasser.

Madonna del Sasso
Ich überquerte die Staumauer und nach kurzer Zeit erreichte ich den Höhenweg, der dem Hügel entlang führt. Es war auch etwas eine Zeitreise, denn nur ein Stück von der modernen Staumauer entfernt führte der Weg über eine römische Bogenbrücke aus Stein. Immer wieder hatte man durch die Bäume schöne Ausblicke auf den Lago Maggiore, was die nicht wirklich anstrengende Wanderung abwechslungsreich machte.

Via der bekannten Wallfahrtskirche Madonna del Sasso, die prominent über Locarno thront, stieg ich bis ans Seeufer hinunter. Nach einem letzten Blick in die Sonne ging es schliesslich zurück durch den Gotthard, auf dessen Nordseite Nebel und Schnee warteten.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 15. Dezember 2018
  • Route: Tenero - Gordemo - Staumauer Lago di Vogorno - Ronco di Bosco - All'Eco - Monti della Trinita - Locarno Muralto
  • Meine Wanderzeit: 3 h 20 min
  • Distanz: 13,7 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 620 m