Sonntag, 12. Juli 2020

Ab ins Puschlav! (Via Albula Teil 4/4)

@wandernohneende
Mein letzter Tag auf der Via Albula Bernina führte zunächst flach entlang des Lago Bianco, bevor ich den letzten Anstieg meiner gesamten Wanderwoche in Angriff nahm. Bei Sassal Manson (2'355 m) hatte ich den höchsten Punkt des Tages bereits erreicht und eigentlich einen zweiten Cappuccino eingeplant - doch das Restaurant war geschlossen und sah völlig verlassen aus. Eine Pause legte ich trotzdem ein, denn die Aussicht von der Terrasse aus über die Alp Palü ist schlicht spektakulär: Man hat einer Arena gleich freien Blick auf die Schneefelder des Palü-Gletschers, von wo aus sich unzählige Wasserfälle die senkrechten Felswände hinunter stürzen, die sich im Tal zu einem Fluss vereinen und in einen türkisfarbenen See fliessen.

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   Gletschermühle von Cavaglia
Der Wanderweg, der tiefer in den Talkessel hineinführt, war leider wegen Steinschlaggefahr teilweise gesperrt. So blieb mir nichts anderes übrig, als den direkten Abstieg zur Alp Grüm zu wählen. Deren üppig grüne Wiesen bildeten einen schönen Gegensatz zu den schroffen Felswänden. Es war mein erster Besuch im Val Poschiavo und ich war schon jetzt restlos begeistert von der Schönheit und Vielfalt der Landschaft.

Entlang der tiefen Schlucht des Palü-Bachs - den man mehr hörte als sah - erreichte ich die ausgedehnte Ebene von Cavaglia. Am Ausgang der Ebene besuchte ich den Gletschergarten, welcher mit zahlreichen grossen und tiefen Gletschermühlen aufwarten kann. Der weitere Abstieg führte durch einen Wald und immer wieder überquerte ich die Geleise der Berninabahn, die sich den Hang hinauf schlängelt. Unten im Tal leuchtete der Lago di Poschiavo in einem tiefen blau.

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Auf dem Dorfplatz von Poschiavo beschloss ich meine Wanderferien bei einem Bier. Auf der Rückfahrt über die Albula- und Berninabahnstrecke konnte ich dann am nächsten Tag meine Wanderungen der letzten fünf Tage bequem vom Zugfenster aus nochmals Revue passieren lassen.


Alle Etappen der Via Albula Bernina gibt es hier.







Wanderinfos:
  • Gewandert: Freitag, 3. Juli 2020
  • Route: Ospizio Bernina/Berninapass - Sassal Mason - Alp Grüm - Cavaglia - Cardera - Poschiavo (Etappen 8 und 9 der Via Albula Bernina/Regionale Route Nr. 33)
  • Meine Wanderzeit: 4 h 30 min
  • Distanz: 16,5 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 270 m
  • Übernachten: Hotel Suisse, Poschiavo


Mittwoch, 8. Juli 2020

Mittagessen auf der Diavolezza (Via Albula Teil 3/4)

@wandernohneende
Nach einem "Ruhetag" in Pontresina ging es weiter auf der Via Albula oder, wie die Strecke korrekt heisst, der Via Albula Bernina, was ich erst nach drei Tagen und unzähligen entsprechenden Aufklebern bemerkt hatte. Der Zusatz "Bernina" macht auch Sinn, denn ab Pontresina geht es entlang des Berninabachs Richtung Berninapass mit Sicht auf den Piz Bernina.

Ich startete den Wandertag gemütlich. Auf einem breiten Weg ging es durch den lieblichen Wald am Rande des Tals und als ich nach etwas über einer Stunde Morteratsch erreichte, machte ich im gleichnamigen Restaurant bereits eine erste Pause. An diesem sonnigen Tag waren zahlreiche andere Wanderer unterwegs, doch die meisten bogen ins Morteratschtal ein. 

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Cascata da Bernina
Dagegen schienen sich sämtliche Velofahrer mit mir zum Berninapass aufzumachen. Kurz nach Morteratsch fliesst der Berninabach rauschend über zahlreiche Felsen hinunter und bildet die Cascata da Bernina - man hätte sich in der kanadischen Wildnis wähnen können, wenn man nicht immer hätte aufpassen müssen, nicht von einem Mountainbiker überfahren zu werden.

Bald darauf öffnete sich das Tal und ich wanderte durch die weite Ebene. Als ich gegen Mittag die Diavolezza-Talstation erreichte, entschied ich mich spontan für einen Abstecher in die Höhe mit der Gondelbahn. Auf der Terrasse des Bergrestaurants Diavolezza (2'903 m) mit Sicht auf Piz Palü, Piz Bernina und die schrumpfenden Eisfelder von Pers- und Morteratschgletscher genoss ich mein Mittagessen. 

Auf dem Rückweg ins Tal sah man von der Gondel aus bereits den Berninapass mit dem Lago Bianco und beides schien ganz nah. Doch zu Fuss zog sich die wenig abwechslungsreiche Strecke durch die karge Landschaft dann noch ziemlich hin und die Mountainbiker wurden auch nicht weniger. Ohne meinen Abstecher auf die Diavolezza wäre es eine ziemlich eintönige Wanderetappe gewesen.

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Blick von der Diavolezza 
Etwas Spannung kam dann noch auf, als ich beim Einchecken ins Hotel auf dem Berninapass Fieber messen musste. Doch erstaunlicherweise war meine Temperatur trotz des Aufstiegs an diesem warmen Sommertag normal, so dass ich nicht in Quarantäne musste, sondern mein Abendessen mit Blick auf den Lago Bianco geniessen konnte.

Weitere Etappen der Via Albula Bernina gibt es hier.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Donnerstag, 2. Juli 2020
  • Route: Pontresina - Morteratsch - Bernina Suot - Bernina Diavolezza (Talstation) - Ospizio Bernina/Berninapass (verkürzte Etappe 7 der Via Albula Bernina/Regionale Route Nr. 33)
  • Meine Wanderzeit: 4 h 5 min
  • Distanz: 16 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 660 m
  • Übernachten: Ospizio Bernina, Berninapass


Mittwoch, 1. Juli 2020

Eisenbahnviadukte, idyllische Wasserwelten und eine Helikopterlandung (Via Albula Teil 2/4)

@wandernohneende
Mein zweiter Tag auf der Via Albula fing sehr ähnlich an wie der erste: Mit einem wolkenverhangenen Himmel und einem Weg, der abwechslungsreich entlang der Albula führte, bevor er schliesslich immer höher hinauf in den Hang stieg. Wenn man mit dem Zug von Filisur nach Preda fährt, verliert man schnell die Orientierung ob der vielen Viadukte, Kehr- und Spiraltunnel. Und ich stellte fest, dass der Blick von aussen nicht half, Ordnung ins scheinbare Chaos zu bringen: Mal war die Bahnlinie unter mir, mal hoch über mir, mal auf der anderen Bergseite. 

Während ich versuchte, den Überblick zu behalten, näherte sich plötzlich ein Helikopter im Tiefflug, machte eine Schleife und setzte direkt vor mir auf dem Wanderweg zur Landung an. Ein paar Arbeiter brachten eine Longline an und danach holte der Helikopter in beeindruckender Frequenz Baumstämme aus einem steilen Waldstück, das irgendwo zwischen Bahntrasse, Felswand und Hochspannungsleitung lag.

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Lai da Palpuogna
Die 4. Etappe der Via Albula endet in Preda. Doch für eine bloss zweistündige Wanderung war ich nicht so früh aufgestanden, zumal endlich die Wolken verschwanden und dem blauen Himmel Platz machten. Ich verliess die offizielle Route, um mir den Abstecher zum Bahnhof Preda zu ersparen, und folgte stattdessen einem Seitenlauf der Albula, der sich zunächst idyllisch durch die Wiese schlängelte und dann in einem Urwald zwischen Felsbrocken verschwand. 

Die nächste Idylle folgte kurz danach mit dem Lai da Palpuogna. Der glasklare Bergsee war umgeben von einem lichten Lärchenwald und in seiner glatten Oberfläche spiegelten sich die umliegenden Berggipfel. Noch malerischer geht nicht mehr. Dies hatten sich wohl auch die Teilnehmer eines Malkurses gedacht, die sich mit Aquarellfarben bewaffnet rund um den See verteilt hatten und versuchten, die märchenhafte Landschaft auf Papier zu bannen.

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Für mich ging es nach einer Fotopause weiter, denn ich hatte erst ungefähr die Hälfte meines heutigen Höhenmeter-Pensums hinter mir. Ich erreichte eine ausgedehnte Ebene, die von steilen, mit bunten Alpenblumen übersäten Hängen kesselartig umgeben war. Der Wanderweg stieg entlang der Kesselwand in einem ausladenden Halbkreis stetig an - offenbar werden im Graubünden nicht nur Bahnlinien, sondern auch Wanderwege nach dem Spiralprinzip gebaut. 

Ich überquerte ein letztes Mal die Albulapassstrasse, wo sich vollgepackte Velofahrer die Steigung hochquälten, und kehrte dem Albulatal dann den Rücken zu. Nach einer letzten Pause bei den Lais digl Crap Alv quälte ich mich schliesslich selber den Schlussanstieg zur Fuorcla Crap Alv (2'466 m) hoch. Und dann lag plötzlich unter mir das Val Bever, in dessen Talsohle der Beverin in der Sonne glitzerte. 

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Einer der Lais digl Crap Alv
Der Abstieg ins Tal hinunter führte über eine Wiese, die teilweise fast senkrecht zu sein schien. Der Weg war mit zahlreichen Zickzack-Kurven geschickt in den Hang gelegt worden, doch es erschien mir endlos, bis ich endlich mit weichen Knien den Talboden erreichte. Auf einem der zahlreichen Steine am Flussufer wollte ich eine Verschnaufpause einlegen, doch grosse Klammerameisen hatten diese ausnahmslos für sich in Beschlag genommen.

Im Januar hatte ich das Val Bever von der Jenatschhütte her kommend mit den Schneeschuhen begangen. Mit einer dicken Schneeschicht bedeckt hatte mir das Tal bereits damals sehr gefallen. Doch im Sommer legt hier die Natur noch einen drauf: Pink blühende Alpenrosen vor dem gletscherfarbenen Wasser des Beverins, umrahmt vom satten Grün der Lärchen - es grenzte bereits an Kitsch.

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Blick ins Val Bever Richtung      
Jenatschhütte
Die Schönheit der Landschaft lenkte mich etwas von meinen Füssen ab, die sich allmählich schmerzhaft bemerkbar machten. In Spinas hätte ich eigentlich die Gelegenheit gehabt, die Wanderung zu beenden, doch der Bahnhof von Spinas wird von der Rhätischen Bahn nur sehr selektiv bedient. Viel besser waren die Verbindungen nach Pontresina - wo ich meine nächste Unterkunft hatte - ab Bever. Das bedeutete gemäss Wegweiser eine weitere Stunde Fussmarsch und ich hatte bereits festgestellt, dass ich mit den offiziellen Bündner Wegzeiten nicht mithalten konnte. 

Tatsächlich lag ich schliesslich über der angegebenen Zeit, als ich mich endlich in Bever erschöpft in den Bus fallen lassen konnte. Die Nachwirkungen dieses über siebenstündigen Gewaltmarsches würde ich noch lange spüren - und noch war ich nicht am Ende meiner Via Albula-Wanderung. 




Meine weiteren Etappen auf der Via Albula gibt es hier.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Dienstag, 30. Juni 2020
  • Route: Bergün -  Plan digls Bouvs - Punt Ota - Naz - Egsla - Ruidals - Lai da Palpuogna - Crap Alv - Pkt. 2178 - Lais digl Crap Alv - Chamanna Spinas - Fuorcla Crap Alv - Spinas - Bever (Etappe 4 und 5 der Via Albula/Regionale Route Nr. 33)
  • Meine Wanderzeit: 7 h 15 min
  • Distanz: 23 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'370 m
  • Übernachten: Hotel Albris, Pontresina

   



   

Dienstag, 30. Juni 2020

Bahnlinien und Hochspannungsleitungen (Via Albula Teil 1/4)

wandernohneende
Die Via Albula führt in 10 Etappen entlang der mit dem Prädikat "Weltkulturerbe" geadelten Bahnlinien der Rhätischen Bahn von Thusis nach Tirano. Ein Teil der Strecke bildete nun das kurzfristig zusammengestellte Ersatzprogramm für meine abgesagten Sommerferienpläne. 

Die beiden ersten Etappen liess ich aus und startete mit der 3. Etappe in Filisur, was den Nachteil hatte, dass ich das Landwasserviadukt, einer der bekanntesten Höhepunkte der Albulalinie nur mit dem Zug bei der Anreise überquerte, aber nicht selber "erwanderte".

Das erste Stück der Wanderung durch Filisur war mir bereits bekannt: Vor zwei Jahren  hatte hier eine bitter kalte Schneeschuhtour zur Ela Hütte begonnen. Dieses Mal folgte ich weiter der tosenden Albula durch das Tal. Der Weg - mal auf dieser mal auf jener Flussseite - führte durch eine liebliche Uferlandschaft und immer wieder luden Rastbänke zum Verweilen ein. Nur die Hochspannungsleitung, die durch das Tal führt und sich in jedes Foto drängte, beeinträchtigte das Naturerlebnis etwas. Nach einer Weile fand ich heraus, dass die Stromleitungen auch die Quelle des knisternden Geräusches war, das mich zu verfolgen schien.

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Hochspannungsleitung
im Albulatal
Während die Strecke zunächst dem Talboden folgte, schmiegte sich die Bahnlinie hoch oben an den Hang. Dort hinauf musste ich schliesslich auch. Der Aufstieg durch den Wald brachte mich ins Schwitzen, obwohl die Sonne kaum schien und ab und zu sogar leichter Nieselregen aus den tiefhängenden Wolken tropfte. Der Rucksack - gepackt für eine Mehrtagestour - drückte schwer auf die Schultern. Bei der (ehemaligen) Bahnstation Stugl hatte ich die Höhe der Bahnlinie (und der Drähte der Hochspannungsleitung) erreicht und der Weg folgte ihr dem Hang entlang. 

Nach knapp drei Stunden kam schliesslich Bergün in Sicht und während ich mir im hübschen Dörfchen mit den bemalten Steinhäusern auf einer Terrasse ein Bier gönnte, verzogen sich die Wolken und endlich kam das erhoffte schöne Bündner Wetter zum Vorschein.


Meine weiteren Etappen auf der Via Albula gibt es hier.


Wanderinfos:
  • Gewandert: Montag, 29. Juni 2020
  • Route: Filisur - Frevgias - Bellaluna - Stazium Stugl/Stuls - Bergün (Etappe 3 der Via Albula/Regionale Route Nr. 33)
  • Distanz: 9,5 km
  • Meine Wanderzeit: 3 h
  • Höhenmeter (Aufstieg): 600 m
  • Übernachten: Hotel Piz Ela, Bergün


Donnerstag, 18. Juni 2020

Mit den Wanderschuhen auf den Hüttkopf

@wandernohneende
Diese Wanderung war die Wiederholung einer Route, die ich drei Jahre zuvor mit den Schneeschuhen gemacht hatte. Das Ziel war der Hüttkopf im Zürcher Oberland. Wie damals startete ich in Wald und folgte dem Schmittenbach durch das Sagenraintobel, das im Sommer ebenso bezaubernd ist wie im Winter.

Bei Tüfi stieg ich aus dem Tobel heraus und über eine sumpfige Kuhweide ging es hinauf Richtung Josenberg, wobei der Weg dessen Spitze linkerhand umging. Bei der Scheidegg lud eine schöne Terrasse zum Verweilen ein, doch leider war ich zu früh unterwegs und das Restaurant hatte noch geschlossen. 

Dafür kam bereits nach der nächsten Wegkurve der Hüttkopf in Sicht; ein grüner, baumloser, gleichmässig geformter Gupf (1'231 m). Ein letzter Aufstieg brachte mich auf den Gipfel, der eine schöne Aussicht über das ganze Zürcher Oberland bietet.

Der Abstieg nach Steg entlang dem Hügelkamm zog sich dann länger hin als ich ihn in Erinnerung hatte, doch der aussichtsreiche Weg über Wiesen wurde nie langweilig. 




Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag, 24. Mai 2020
  • Route: Wald ZH - Tüfi - Scheidegg - Hüttkopf - Tannen - Oberberg - Steg
  • Meine Wanderzeit: 3 h 40 min
  • Distanz: 12,5 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 750 m
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Donnerstag, 11. Juni 2020

Hirzli - Planggenstock: (Unfreiwillig) verlängerte Gratwanderung im Glarnerland

@wandernohneende
Ich hatte mir ein Paar neue Bergschuhe gekauft und brauchte eine geeignete Wanderung, um sie einzulaufen. Im Glarnerland wurde ich schliesslich fündig: Vom Bahnhof Ziegelbrücke aus durchquerte ich Niederurnen. Am Ende des Dorfes würde es eigentlich eine kleine Gondelbahn geben, um die ersten fünfhundert Höhenmeter abzukürzen, doch diese fuhr Corona-bedingt nicht.

Also ging es zu Fuss hoch und das schmale Strässchen, das sich entlang des Dorfbachs den Wald hochwand, hatte es in Sachen Steilheit in sich. Irgendwie hatte ich mir die Sache weniger anstrengend vorgestellt. Bei Morgenholz gab es Gelegenheit, etwas zu verschnaufen und die ersten wunden Stellen zu verarzten, die meine neuen Schuhe an meinen Fersen hinterlassen hatten. Danach ging es nicht minder steil weiter, wenn auch mit weniger Wald, der Schatten spendete. Dafür konnte man über die Schulter einen schönen Blick auf den Walensee und die Kurfirsten werfen.

Richtig geniessen konnte ich die Aussicht aber erst, als ich das Hirzli (1'640 m) erreicht hatte. Neben dem Walensee überblickte man den ganzen Zürichsee und hatte einen schönen Rundumblick vom Zürcher Oberland bis zu den Glarner Alpen. 

Ich folgte dem Weg weiter, der über den Nagelfluhgrat und teilweise etwas abschüssig durch den Hang verlief zum Planggenstock (1'674 m), der eine nicht minder schöne Aussicht bot. Nach einer weiteren (Foto-) Pause stieg ich über den Kamm vom Planggenstock hinunter. Konzentriert auf den teilweise ausgesetzten Weg, musste ich irgendwo die Abzweigung verpasst haben, und als ich meinen Fehler bemerkte, hatte ich keine Lust mehr umzudrehen. Also folgte ich einfach weiter dem Kamm. Damit wurde meine Wanderung nicht nur länger als geplant, sondern es gab auch mehr Höhenmeter, denn statt nur noch runter, ging es auf dem teilweise schmalen Grat munter auf und ab.

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Ausblick vom Planggenstock Richtung Hirzli, mit Walensee. Kurfirsten und Glärnisch

Der Grat endete schliesslich auf einer ausgedehnten, moorigen Hochebene mit bunten Blumen und herumflatternden Schmetterlingen. Da hatte sich mein unfreiwilliger Abstecher doch gelohnt! Ich passte aber genau auf, die Abzweigung bei der Alp Lachen nicht zu verpassen, und danach ging es wirklich nur noch runter. Zuerst durch Wiesen und dann - ebenso steil und lang wie der Aufstieg gewesen war - durch den düsteren Ussbergwald. Die Durchquerung von Reichenburg war schliesslich nur noch ein lockeres Auslaufen bis zur Busstation.


Wanderinfos:
  • Gewandert: Pfingstmontag, 1. Juni 2020
  • Strecke: Ziegelbrücke - Niederurnen - Tannholz - Morgenholz - Forsthaus - Hirzli - Planggenstock - Kämmli - Pkt.  1465 und 1520 - Lachen - Nöchen - Ausserbergweid - Reichenburg
  • Meine Wanderzeit: 6 h 15 min
  • Distanz: 19 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'450 m




Donnerstag, 4. Juni 2020

Umrundung Wohlensee mit Wildniseinlage

Wohlensee
Unser Wanderprojekt für das Jahr 2020 steht unter dem Motto "See". Aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen rechnete ich nicht wirklich damit, dass wir das Projekt wirklich würden starten können. Doch zu meiner Überraschung kam ein paar Tage vor dem reservierten Termin die Einladung von Dani zu einer Umrundung des Wohlensees. Ich freute mich darauf, wieder einmal in Gesellschaft zu wandern. Die Wanderung selber erschien mir zunächst weder besonders herausfordernd noch versprach sie Abenteuer - doch da unterschätzte ich das wilde Ufer des scheinbar harmlosen Wohlensees.

Nachdem wir uns in Hinterkappelen versammelt hatten - aufgrund der zahlreichen Bushaltestellen in nächster Nähe mit jeweils unterschiedlichem Namen kein triviales Unterfangen -, wanderten wir über breite Wege zum See hinunter und gelangten über die Wohleibrücke ans gegenüberliegend Ufer. Schon bald führte uns die Route vom Wasser weg und in den Wald hinein, so dass die Wanderung mehr Aufstiege und weniger Seeblicke aufwies, als man gemeinhin von einer Seeumrundung erwarten würde. 

Wohlenseeumrundung
Wanderleiter Dani 
auf Wegsuche
Wir passierten zwei Schilder, die eine Sperrung des Wanderwegs vorankündigten, wobei zunächst unklar blieb, wo genau der Weg unpassierbar sein sollte. Als wir schliesslich kurz nach der Jaggisbachau tatsächlich auf eine Absperrung trafen, waren wir zunächst unschlüssig, ob wir trotzdem unser Glück versuchen sollten. Organisator Dani sprach schliesslich das Machtwort für eine gesetzestreue Umgehung. 

Leider wurde die erste Ausweichvariante von zwei Lamas belagert, die uns misstrauisch musterten, so dass wir es nicht wagten, ihr Gehege zu durchqueren. Damit blieb uns nur ein wegloser Aufstieg über ein abschüssiges Waldstück übrig. Der Plan war, den Grat zu überqueren und auf der anderen Seite wieder zum Wanderweg abzusteigen. Als wir über Stacheldrahtzäune und umgestürzte Bäume den Grat schliesslich erreichten, wurde aber schnell klar, dass die Flanke für einen Abstieg viel zu steil war. Also blieb uns nichts anderes übrig, als weiter dem Grat zu folgen. Man kann darüber diskutieren, ob es zumindest eine Wegspur gab - teilweise hatte es einfach eine (sehr) schmale Lücke im dicht stehenden Unterholz. Wir kämpften uns durch das Gebüsch immer höher bis wir schliesslich - Schweiss gebadet und ausser Atem - direkt neben der Deponie Teuftal wieder aus dem Wald herausfanden und auf einen richtigen Weg trafen.

Wohlensee, Kraftwerk Mühleberg
Der Strasse entlang ging es weiter durch kleine Weiler und wir erkundigten uns bei jedem Einheimischen, den wir antrafen, nach der nächsten Einkehrmöglichkeit, denn nach dem unfreiwilligen Abstecher in die Wildnis hatten wir uns eine Abkühlung verdient. Leider tendierte die Restaurantdichte in der Gegend gegen null. Beim Wasserkraftwerk Mühleberg überquerten wir die Aare wieder und machten uns am anderen Ufer an den Rückweg. Kurz danach stiessen wir auf einen Selbstbedienungsladen bei einem Bauernhof, welcher Glace verkaufte, so dass wir doch noch zu einer Abkühlung kamen.

Der Wanderweg führte lange entlang einer asphaltierten Strasse, die wir mit vielen Velofahrern und vereinzelten Autos teilen mussten, was etwas auf den Erlebnisfaktor drückte. Dafür folgte dem ersten Hofladen in immer kleineren Abständen weitere, so dass man sich vom Obstsaft bis zur Züpfe mit allem Nötigen eindecken konnte. Das letzte Stück bis zurück zur Wohleibrücke war dann wieder ein Feldweg direkt dem See entlang und an den zahlreichen Badeplätzen lagen die Leute an der Sonne.

Zurück in Hinterkappelen fanden wir schliesslich doch noch ein Restaurant, so dass wir den unerwartet erlebnisreichen Tag mit einer Pizza beschliessen konnten.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 30. Mai 2020
  • Route: Hinterkappelen - Wohleibrügg - Aebischen - Studenweid - Jaggisbauchau - Oberei - Fuchsenried - Kraftwerk Mühleberg - Wickacker - Steinisweg - Ausser-/Vorderprägel - Hofen - Hinterkappelen
  • Unsere Wanderzeit: 5 h 15 min
  • Distanz: 20,5 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 550 m
Umrundung Wohlensee



Donnerstag, 28. Mai 2020

"Rigi quer"

@wandernohneende
Blick vom Chli Dosse
Nach "Rossberg lang" gab es mit "Rigi quer" die nächste Wanderung über einen bekannten Berg in einer verlängerten Ausführung.

Die Wanderung begann in Gersau. Ich folgte dem Dorfbach durch das kleine Örtchen und in ein überraschend schönes Tälchen hinein. Sprudelnd floss das Wasser über die Steine, umgeben von einem üppigen Grün.

Durch Wälder und blumenübersäte Weiden gewann ich schnell an Höhe und wenn ich mich umdrehte, konnte ich einen Blick auf den blauen Vierwaldstättersee werfen.

@wandernohneende
Blick zurück kurz vor Rigi Scheidegg
Auf dem Glätterlipass hatte ich schon einen guten Teil der Höhenmeter hinter mich gebracht, doch an zusätzlichen sollte es nicht mangeln. Ein weiterer Aufstieg brachte mich auf den fast baumlosen Bergrücken, so dass ich nach beiden Seiten hin Seesicht hatte. Ebenfalls in Sicht kam die Antenne auf dem Rigi Kulm und damit die Erkenntnis, dass noch ein langer Weg vor mir lag.

Als nächstes Zwischenziel erreichte ich Rigi Scheidegg. Von dort führte zunächst ein breiter, fast ebener Weg weiter, doch ich tauschte diesen bald gegen einen ansteigenden Trampelpfad über eine Wiese ein, um mit dem Dosse (1'685 m) und seinem kleinen Bruder, dem Chli Dosse (1'670 m), noch zwei Gipfel mitzunehmen. Die zusätzlichen Höhenmeter lohnten sich, die Aussicht auf den Vierwaldstättersee waren genial und man hatte das Gefühl, mit einem Sprung über die Kante könnte man direkt im Wasser landen.

@wandernohneende
Über mit Enzian durchsetzte Wiesen ging es wieder hinunter zum Hauptweg. Ein weiterer Abzweiger führte mich über einen schmalen Pfad, der direkt in die hohen Nagelfluhwände gehauen schien. Via Wölfertschen erreichte ich schliesslich Rigi Staffel. Obwohl die Bahn nicht fuhr, wimmelte es dort von Wanderern. Auffallend viele junge Leute waren unterwegs; wenn die Clubs geschlossen sind, haben diese offenbar genügend Energie für Bergwanderungen.

Ich sparte mir das letzte Stück bis zum Kulm, mittlerweile waren meine Beine der Ansicht, dass ich für diesen Tag mehr als genug Höhenmeter gemacht hatte. Stattdessen machte ich mich direkt an den Abstieg Richtung Seebodenalp. Diese Strecke war ich schon ein paar Mal gegangen, bisher aber immer in der umgekehrten Richtung. Hinab ging es auf jeden Fall leichter.

Der volle Parkplatz auf der Seebodenalp zeigte, dass nicht alle Wanderer, die ich auf dem Staffel angetroffen hatte, von Seehöhe aufgestiegen waren. Für mich ging auch das letzte Stück des Abstiegs bis nach Küssnacht auf den eigenen Füssen weiter. Hochlegen konnte ich diese erst im Zug nach Hause.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 9. Mai 2020
  • Route: Gersau - Unter/Ober Rotzingel - Glätterli - Höcheli - Rigi Scheidegg - Hinder Dosse - Dosse - Chli Dosse - Am Schild - Wölfertschen - Rigi Staffel - Rütler Plangg - Seebodenalp - Alpenhof - Küssnacht am Rigi
  • Meine Wanderzeit: 6 h 20 min
  • Distanz: 22,4 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'600 m
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