Sonntag, 20. März 2022

Wintertage auf der Greina

@wandernohneende
Vor fast sechs Jahren machte ich im Sommer eine zweitägige Wanderung über die Greina, die ich seither unbedingt im Winter wiederholen wollte. Mehrere Anläufe in den letzten Jahren scheiterten an schlechten Wetter- und Lawinenbedingungen, doch diesmal klappte es: Bei schönstem Wetter und wolkenlosem Himmel fuhren wir mit dem Bus das Val Lumnezia hoch. 

Die Wanderung - zunächst noch ohne Schneeschuhe - begann beim kleinen Weiler Sogn Giusep. Die Schneeschuhe brauchten wir erst, als wir bei Parvalsauns einen kleinen Bach überquert hatten und der Aufstieg anfing. Die Sonne sorgte schon fast für sommerliche Temperaturen. Über die ausgedehnte Alp Diesrut erreichten wir den gleichnamigen Pass (2'428 m) und damit das Tor zur Greina. Die weitläufige Hochebene lag unter einer dicken Schneedecke, die im Lichte der Sonne glänzte, doch selbst mit all dem Schnee waren die Wasserläufe erkennbar, welche die Ebene durchziehen. Genauso hatte ich mir die Greina im Winter vorgestellt! 

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Gut zu sehen und eigentlich ganz nah war auch die Terrihütte, die prominent auf einem Felsen thront. Leider war der direkte Zustieg nicht passierbar. So mussten wir einen grossen Bogen um den Muot la Greina machen, um die Hütte von Süden her anzusteuern. 

Die Terrihütte lag bereits im Schatten, als wir sie schliesslich erreichten. Schnell heizten wir den Winterraum ein und begannen Mengen an Schnee zu schmelzen, so dass es nicht nur angenehm warm wurde, sondern wir auch bald ein leckeres, selbst gekochtes Abendessen auf dem Tisch hatten. Die Nacht unter einem dicken Duvet und zwei Wolldecken war dann aber eher kühl.

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Am nächsten Morgen waren die Berge in dicke Wolken gehüllt. Wir wanderten entlang der Greinaebene, ohne etwas von ihr zu sehen oder auch nur zu erkennen, wo der Schnee aufhörte und der Nebel anfing. Das entsprach eindeutiger weniger meinen Vorstellung einer Schneeschuhwanderung über die Greina. 

Bis zum Passo della Greina (2'358 m) war die Strecke fast flach, doch dann fing der Anstieg zur Fuorcla Sura da Lavaz an. Ich hätte zugegebenermassen den Abzweiger nicht gefunden, die Wolken verdeckten sämtliche Orientierungspunkte. Doch Tal, unser Bergführer, hatte die Routenführung trotz den miserablen Sichtverhältnissen jeder Zeit fest im Griff.

Der Schnee im abschüssigen Hang war hart gepresst, so dass wir in die Steigeisen wechselten und die Schneeschuhe auf den Rucksack banden. Ein kalter Wind blies uns um die Ohren und liess die Eiseskälte noch etwas kälter erscheinen. Wir kamen zudem nur extrem langsam vorwärts, weil einer unserer Mitwanderer sowohl konditionell wie auch technisch Schwierigkeiten mit der anspruchsvollen Tour hatte. Dies führte zu einem ständigen Stop-and-go, so dass es mir trotz des steilen Aufstiegs nie richtig warm wurde. 

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Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten die Fuorcla Sura da Lavaz (2'702 m). Bei schönem Wetter bietet sich hier sicher ein toller Blick über die Greina und ins Val Lavaz, doch an diesem Tag gab es nichts ausser frostige Windböen, so dass wir uns sofort an den Abstieg machten. Irgendwann erreichten wir die Reste des Lavaz-Gletschers, doch davon war natürlich auch nichts zu sehen, vielmehr hatte ich das Gefühl, mich durch einen weissen Windkanal zu kämpfen.

Zum Abschluss stand dann noch der Gegenaufstieg zur Medelserhütte an. Hoch oben sah man bereits die Fahne im Wind flattern, doch es dauerte noch eine ganze Weile, bis wir endlich vor der Hütte standen, wo wir von den Hüttenwarten mit heissem Tee begrüsst wurden. Fast zehn Stunden waren wir alles im allem bei diesen garstigen Wetterbedingungen unterwegs gewesen. 

In der gemütlichen Gaststube wurde es mir aber schnell wieder warm, und als selbst das Gefühl in den Fingerspitzen zurückkehrte, war ich schon fast wieder bereit für die Gipfeltour auf den Piz Medel vom nächsten Tag.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Donnerstag/Freitag, 10./11. März 2022
  • Route: Vrin, Sogn Giusep - Puzzatsch - Parvalsauns - Alp Diesrut - Pass Diesrut - Plaun la Greina - Terrihütte (Donnerstag); Terrihütte - Plaun la Greina - Passo della Greina - Fuorcla Sura da Lavaz - Glatscher da Lavaz - Fuorcla da Lavaz - Medelserhütte (Freitag)
  • Unsere Wanderzeit: 5 h (Donnerstag); 8 h (Freitag)
  • Distanz: 9 km (Donnerstag); 10,6 km (Freitag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'050 m (Donnerstag): 1'060 m (Freitag)
    • Übernachten: Camona da Terri CAS (Donnerstag); Camona da Medel CAS (Freitag)

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    Terrihütte - Medelserhütte (Freitag)



    Donnerstag, 24. Februar 2022

    San Bernardino: Passüberquerung in Schneeschuhen

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    Es war ein ungewöhnlich später Start für eine Schneeschuhtour. Geschuldet war er den spärlichen Postautoverbindungen am Hinterrhein und den Wetterprognosen, welche für den frühen Morgen noch dicke Wolken vorhergesagt hatten. Als wir aber kurz vor halb elf Uhr am Nordportal des San Bernardino-Tunnels aus dem Bus und in unsere Schneeschuhe stiegen, hatte sich die Sonne bereits durchgesetzt.

    Wir folgten der schneebedeckten Passstrasse, die sich in unzähligen Haarnadelkurven in die Höhe schlängelte. Es war ein sehr sanfter Anstieg, der nach dem "Oberscht Cheer" sogar noch etwas flacher wurde. Das Gelände öffnete sich und wir folgten weiter der Strasse entlang von schneebedeckten Felsen. Grosse Betontürme - Lüftungsschächte des unter uns liegenden Strasentunnels - hoben sich futuristisch von der unberührten Winterlandschaft ab.

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    Unterdessen hatte der Wind aufgefrischt und als wir die Passhöhe (2'066 m) erreichten, fanden wir an einer sonnigen Hauswand nahe des geschlossenes Hospiz ein geschütztes Plätzchen für einen Mittagsrast. Danach führte uns Martin, unser Bergführer, quer über den gefrorenen Laghetto Moesola. Etwas zögerlich folgten wir ihm über die Eisfläche, die sich aber als stabil erwies.

    Beim Abstieg auf der Südseite entwickelte sich die Schneeschuhtour dann zu einer Schneesuchtour: Wind und Sonne hatten den Schnee über weite Teile zum Verschwinden gebracht und mehr als einmal kratzten die Zacken unserer Schneeschuhe mit einem unangenehmen Geräusch über Asphalt und Steine.

    Ein sehr hässliches Hochhaus zeigte uns schliesslich an, dass wir das kleine Dörfchen San Bernardino erreicht hatten, das auf den ersten Blick keinen besonders heimeligen Eindruck machte. Für einen zweiten hatten wir keine Zeit, denn wir erreichten minutengenau die Busstation und das Postauto brachte uns - diesmal durch den Tunnel - auf die andere Seite des San Bernardino-Passes zurück.


    Wanderinfos:

    • Gewandert: Sonntag, 19. Februar 2022
    • Route: Hinterrhein, Tunnel Nordportal - Dürrenbüel - Villa Thöni - Passo del San Bernardino - S. Bernardino
    • Unser Wanderzeit: 3 h 45 min
    • Distanz: 10,6 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 485 m

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    Donnerstag, 10. Februar 2022

    Von Rothenthurm auf den Nüsellstock: Aussichtsreiche Schneeschuhtour in der Innerschweiz

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    Endlich gab es wieder eine Portion Schnee und ich nutzte die Gunst der Stunde für eine verlängerte Variante einer Schneeschuhtour, die ich vor zwei Jahren zum ersten Mal gemacht hatte: Von Rothenthurm auf den Nüsellstock und dann in einem grossen Bogen via Näbekenfirst zurück nach Biberegg.

    Dank dem Schneefall der letzten Tage konnte ich die Schneeschuhe bereits am Dorfrand von Rothenthurm montieren. Hier folgte ich dem ausgeschilderten Schneeschuhtrail, zunächst über offenes Gelände, das den Blick auf die überdimensionierte Kirche von Rothenthurm und die verschneite Moorlandschaft frei liess, später durch ein Wäldchen entlang eines kleinen Bachs.

    Bei der Ruchegg bog ich rechts ab und verliess damit den Schneeschuhtrail. Flach ging es der Strasse entlang, bis ein Wegweiser die Abzweigung zum Nüsellstock markierte. Hier begann das steilste Stück der Tour: Über ein abschüssiges Waldstück erreichte ich einen Grat, dem ich bis zum Gipfel folgte.

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    Der Nüsellstock (1'478 m) bietet eine schöne Sicht auf Sihl- und Ägerisee und die vielfältige Innerschweizer Bergwelt. Er hat auch eine einladende Bank, um sich vom anstrengenden Aufstieg zu erholen. Diese war aber bereits von anderen Schneeschuhwanderern besetzt, so dass ich mit meinem Rucksack vorlieb nehmen musste. Doch bald machte ich mich ohnehin wieder auf, denn es lag noch eine weiter Weg vor mir und die Temperaturen waren trotz Sonne zu winterlich für lange Pausen.

    Ein Abstieg und ein kurzer Gegenanstieg wärmte mich wieder auf und brachte mich zum Höch Tändli (1'523 m). Die weite, unberührte Schneefläche glitzerte in der Sonne. Einzelne Wolkenbänder hoch am blauen Himmel und tief unten in den Tälern verliehen die Landschaft in eine atmosphärische Stimmung.

    Ich folgte dem Kamm von Gipfel zu Gipfel. Nach einem abwechslungsreiche Teilstück durch einen Wald, wo sich der Weg zwischen den Bäumen hindurchschlängelte, erreichte ich die Näbekenfirst (1'542 m). Von da aus hat man nicht nur die beiden Mythen direkt vor den Augen, sondern auch Sicht nach Brunni und ins Alpthal hinunter. Die Gipfelbank war leider auch da schon besetzt. 

    Via Grossbrechenstock (1'559 m; auch ohne freie Gipfelbank) erreichte ich das Skigebiet Haggenegg und bog dort Richtung Banegg ab. Von der Banegg aus konnte ich einen Blick zurück auf die lange Hügelkette werfen, der ich entlang gelaufen war. Ich war zufrieden mit meiner Leistung, so dass es schade gewesen wäre, den letzten Gipfel auszulassen. Also stieg ich noch zur Spilmettlen hoch (1'503 m; keine Bank).

    Für das letzte Stück folgte ich wieder einem ausgeschilderten Schneeschuhtrail. Langsam spürte ich in den Beinen die Länge der Tour und der harte Schnee machte den Abstieg mühsam. Vorbei an der Hängebrücke "Skywalk" führte die Strecke in einem langen Bogen zunächst fast flach und dann steiler hinunter bis nach Biberegg.  

    Als ich die Schneeschuhe zusammenpackte und trotz meinen müden Beinen einen kurzen Sprint einlegte, um den Zug zu erreichen, war klar: Für mich ist diese Tour die schönste Innnerschweizer Schneeschuhwanderungen überhaupt - und beliebig oft wiederholbar.


    Wanderinfos:

    • Gewandert: Samstag, 5. Februar 2022
    • Route: Rothenthurm - Biberstock - Ruchegg - Nüsellstock - Teuffi - Höch Tändli - Chli Tändli - Näbekenfirst - Brüschrainhöchi - Banegg - Spilmettlen - Hals - Halsbann - Mäderen - Geissgütsch - Biberegg
    • Meine Wanderzeit: 5 h 15 min
    • Distanz: 16,8 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 980 m
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    Donnerstag, 23. Dezember 2021

    Spital mit Schneeschuhen

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    Es war an der Zeit, die Schneeschuhe aus dem Keller zu holen und nach Schnee zu suchen. Während der Anfahrt in die Innerschweiz setzte sich im Zug von Wädenswil nach Einsiedeln eine gesprächige ältere Dame zu mir ins Abteil, die auf dem Weg war, ihre Schwester im Spital zu besuchen. Wie der Zufall wollte, war das (fast) auch mein Ziel, doch ich wollte auf den Spital und nicht in das Spital.

    Von der Busstation in Unteriberg waren es nur wenige Meter bis zum Einstieg in den durchgehend ausgezeichnet markierten Schneeschuhtrail. Die Tour begann mit einem Aufstieg über einen Sonnenhang und bald versorgte ich meine beiden Jacken im Rucksack. Am Berghaus Höchgütsch vorbei erreichte ich den Waldrand, wo sich eine geschützte Bank an der prallen Sonne geradezu für einen Halt aufdrängte.

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    Mit Blick auf den Druesberg schlürfte ich meinen Tee, bis ich die Pause schliesslich abbrechen musste, weil es mir zu warm wurde. Ich war froh, dass das nächste Stück durch den schattigen Wald führte und etwas abflachte. Der Weg schlängelte sich durch die Bäume und über diverse Waldlichtungen, bis schliesslich das Gipfelkreuz auftauchte, wohin ein letzter, etwas steilerer Aufstieg führte.

    Der unbewaldete, freistehende Gipfel des Spitals (1'573m) bot eine überraschend schöne und umfassende Rundsicht über die Innerschweizer Bergwelt, mit der ich nicht gerechnet hatte. Es war höchste Zeit gewesen, dass ich diesen kleinen Berg entdeckt hatte. Ein Blick auf die SAC Tourenkarte zeigte zudem, dass es auch eine Option gibt, den Spital mit dem Furggelenstock zu verbinden. Doch für meinen Formstand wäre dies an diesem Tag zu viel gewesen.

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    Entsprechend stieg ich entlang des Kamms mit direkter Sicht auf Einsiedeln und den Sihlsee ab. Nach der Bögliegg bog der Trail abschüssig in ein Tobel ein mit dem seltsamen Namen Ijenruns. Beim Ijenschatten erreichte ich den Talboden und dann ging es flach entlang des Grossbachs talauswärts. Die Äste der Bäume am Ufer waren von dichten Eisnadeln bedeckt und vermittelten das Gefühl von einem Märchenwald.

    Bei der Rämpelensäge musste ich kurzzeitig meine Schneeschuhe ausziehen, um eine geräumte Strasse zu überqueren, doch danach konnte ich sie fast bis zur Busstation in Gross anbehalten. Eine tolle Tour, die ich sicher wiederholen werde, und die ein würdiger Start in die Schneeschuhsaison war.


    Wanderinfos:

    • Gewandert: Samstag, 18. Dezember 2021
    • Route: Unteriberg, Guggelstrasse - Höchgütsch - Alt Plangg - I de Blätze - Wettsteinrain - Spital - Bögliegg - Ijenruns - Ijenschatten - Rämpelensäge - Entenbach - Gross, Ebenau (ausgeschilderter Schneeschuhtrail) => die Route führt durch eine Wildruhezone, markierte Wege nicht verlassen
    • Meine Wanderzeit: 3 h 30 min
    • Distanz: 9,7 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 670 m
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    Donnerstag, 25. November 2021

    Von Arosa nach Davos: Brünstige Hirsche, heimeliges Heimeli und ein steiler Tritt

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    Die Anzeichen des herannahenden Herbstes waren nicht zu übersehen, als mich erneut eine Wanderung ins Graubünden führte, diesmal für eine Tour, die Rico organisiert hatte. Gemütlich tuckerten wir mit dem Bähnchen bis nach Arosa. Dort gab es eine Stärkung in einem Café, bevor wir uns dem Wandern zuwandten. Ohnehin war an diesem Wochenende das Kulinarische mindestens so wichtig wie das Wandern.

    Zunächst ging es durch das Dorf abwärts zum kleinen Isel-Stausee und auf dessen anderen Seite mit einer stetigen, angenehmen Steigung immer leicht aufwärts durch einen herbstlich gefärbten Wald und verlassene Alpen. Im beschaulichen Weiler Medergen legten wir auf der Terrasse des Restaurants Alpenrose eine Pause ein und genossen ein Bier in der warmen Herbstsonne.

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    Über eine offene Heidelandschaft erreichten wir schliesslich das Sapün, wo wir vom lauten Röhren eines zunächst unsichtbaren Hirsches begrüsst wurden. Beim Seebjiboden - wo es tatsächlich einen kleinen Tümpel gab - fing der Abstieg ins Tal hinunter an und wir waren uns bewusst, dass wir diese Strecke am nächsten Tag wieder hochsteigen mussten. 

    Wir hielten immer wieder Ausblick nach dem Hirsch und dann sahen wir ihn: Majestätisch mit seinem riesigen Geweih stand er hoch oben auf dem Bergkamm und schaute auf uns herunter. Etwas weiter unten entdecken wir auch sein umfangreiches Harem, das in einer steilen Wiese weidete.

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    Die Nacht verbrachten wir im Berggasthaus Heimeli, wo der Name Programm ist: In der liebevoll dekorierten Unterkunft liessen wir uns mit einem Gourmetmenu verwöhnen, bevor wir uns - begleitet vom anhaltenden Röhren des Hirsches - in bequemen Betten schlafen legten.

    Am nächsten Morgen als wir zurück zum Seebjiboden hochstiegen, versuchte der Hirsch noch immer, seine Damen lauthals zu bezirzen; seine Ausdauer war bewundernswert. Unsere Ausdauer sollte noch getestet werden, doch nachdem wir wieder den kleinen See beim Seejiboden erreicht hatten, ging es zunächst fast flach ins Chüpfer Tälli hinein und nur die vielen reifen Heidelbeeren, die degustiert werden mussten, verlangsamten unser Vorwärtskommen. 

    Je näher wir der senkrechten Felswand kamen, welche den Talkessel abschloss, desto unwahrscheinlicher schien es mir, dass es dort ein Weiterkommen gab. Doch schliesslich konnte man die rotbraune Treppe im grauen Fels gut erkennen. Die letzten Meter vor dem Einstieg in den Tritt führten über ein abschüssiges Schotterfeld, das ausgesetzter war als die anschliessende Treppe. Tritt für Tritt ging es 220 Eisenstufen hinauf. So bringt man Höhenmeter effizient hinter sich!

    Über eine sumpfige Wiese erreichten wir die Latschüelfurgga und von da war es nicht mehr weit zum Strelapass, wo wir uns mit einem leckeren Flammenkuchen stärkten. Anschliessend ging es nur noch abwärts und wir hatten eine guten Ausblick auf das "Goldene Ei" von Davos. Bei der Mittelstation der Parsennbahn beendeten wir die Wanderung und gönnten uns für den Rest des Abstiegs die Bahn.



    Wanderinfos

    • Gewandert: Samstag/Sonntag, 2./3. Oktober 2021
    • Route: Arosa - Stausee Isel - Furggenalp - Medergen - Seebjiboden - Jatz (Samstag); Jatz - Seebjiboden - Tritt - Latschüelfurgga - Strelapass - Schiawang - Parsennbahn, Höhenweg (Sonntag)
    • Unsere Wanderzeit: 3 h 30 min (Samstag); 4 h (Sonntag)
    • Distanz: 11 km (Samstag); 11,5 km (Sonntag)
    • Höhenmeter (Aufstieg): 600 m (Samstag); 800 m (Sonntag)
    • Übernachten: Berghotel Heimeli, Sapün
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    Donnerstag, 4. November 2021

    Auf dem Walliser Sonnenweg von Crans-Montana nach Leukerbad

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    Passend zu einem sonnigen Herbsttag im Wallis machte ich die Wanderung über den "Walliser Sonnenweg" von Crans-Montana nach Leukerbad. Ausgerechnet hatte ich eine Wanderzeit von ungefähr sieben Stunden, entsprechend war ich bereits früh auf den Beinen.

    Es dauerte eine Weile, bis ich die letzten Häuser von Crans-Montana und die kahlen Skipisten, auf denen die Schneekanonen für die herannahende Wintersaison schon bereit standen, hinter mir gelassen hatte. Erste Sonnenstrahlen fanden ihren Weg durch die letzten Wolkenreste und liessen das Rhonetal erstrahlen. Die morgendliche Idylle wurde gestört durch laute Motorengeräusche, für die ich zunächst keine Erklärung fand. Als ich schliesslich eine Lichtung erreichte, löste sich das Rätsel auf: An den Hängen oberhalb von Sierre fand an diesem Tag die Rallye du Valais statt und ich sah nicht nur einige der Rennautos, die lärmend und staubend durch den Wald rasten, sondern auch zahlreiche Zuschauer, die es sich am Wegrand bequem eingerichtet hatten.

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    Das laute Dröhnen der Motoren bildete einen scharfen Gegensatz zur lieblichen Landschaft: Entlang der Bisse de Tsittoret ging es auf einem sorgfältig angelegten Wanderweg durch gelb verfärbte Lärchenwälder. Erst als es ich die Suone hinter mir liess und den kleinen Wildbach La Tièche überquerte, verstummten allmählich auch die Motorengeräusche.

    Richtig spektakulär wurde die Wanderung schliesslich, als ich die Baumgrenze erreichte und die Sonne die letzten Wolkenfetzen aufgelöst hatte, so dass nichts mehr den Blick auf das Panorama der Walliser Bergprominenz störte: Aufgereiht einer neben dem anderen hoben sich die schneebedeckten Viertausender vom blauem Himmel ab. Einer davon - aus dieser Perspektive kaum erkennbar - das Matterhorn, wie mir Peak Finder verriet. 

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    Das Planigrächtli (2'231 m) bildete den höchsten Punkt der Wanderung. Ich genoss die Sonne, die schier unbegrenzte Bergsicht, die leuchtenden Herbstfahren und trödelte einfach nur so vor mich hin, bis mich ein Wegweiser daran erinnerte, dass ich noch ein ziemliches Stück von meinem Ziel entfernt war. Da war es gut, dass es nur noch abwärts ging: Über einen steilen, ausgewaschenen Pfad stieg ich zunächst bis zum Chäller ab, wo ich der kleinen Theodulskappelle einen Besuch abstattete. 

    Danach bog der Weg in Richtung Leukerbad ab und führte unter den senkrechten Steilwänden der Chällenflüe durch. Bald kamen im Talgrund die ersten Häuser von Leukerbad in Sicht. Bis ich aber das Ortszentrum ganz am Ende des Talkessels erreicht hatte, dauerte es noch eine Weile: Der Abstieg durch die bunten Laubwälder war zwar nicht steil, aber lang und machte sich langsam aber sicher in meinen Füssen bemerkbar. 

    Ich erreichte schliesslich Leukerbad noch früh genug, um auf dem Balkon meines Hotelzimmers die letzten Sonnenstrahlen mit hochgelagerten Beinen und mit einem kühlen Bier geniessen zu können. Als ich indes zur Gemmi hoch sah - das Ziel für den nächsten Tag - fingen die Füsse sofort wieder zu schmerzen an.



     Wanderinfos:

    • Gewandert: Samstag, 23. Oktober 2021
    • Route: Crans-Montana - Les Marolies - Courtavey - Bisse de Tsittoret - Cave du Sex - Plänigrächtli/Vaneralp - Chäller - Larschi - Fiess - Grantscheten - Leukerbad (Etappe 1 des Walliser Sonnenwegs/Regionale Route Nr. 61)
    • Meine Wanderzeit: 6 h 15 min
    • Distanz: 23 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1'230 m

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    Sonntag, 10. Oktober 2021

    Albrunpass und Alpe Devero - Italienische Köstlichkeiten

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    Das Jahr 2021 entwickelte sich langsam aber sicher zum "Bündner Jahr". Schon wieder stand eine Wanderung im Graubünden an, diesmal im Binntal. Da ich bereits am Vortag nach Fiesch angereist war, ergatterte ich noch einen Sitzplatz im überfüllten Postauto Richtung Binn. Daniel, der Organisator des Wochenendes, stieg erst eine Station später zu und musste wie viele andere Wanderer mit einem Stehplatz vorlieb nehmen.

    In Binn stieg unser Grüppchen vom grossen Postauto in einen kleinen Mini-Postbus um, der uns über eine sehr enge Strasse - manchmal kaum mehr als ein Feldweg - bis nach Brunnebiel brachte. Nach einem Startkaffee in einem kleinen Alpbeizli startete die eigentliche Wanderung. Entlang der rauschenden Binna ging es auf einem breiten Weg immer tiefer ins Binntal hinein. Ich hatte das Tal schon einmal durchquert, im Winter auf Schneeschuhen von der Mittlenberghütte herkommend. 

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    Langsam gewannen wir an Höhe, doch steil wurde es nie wirklich. Ab und zu gab es Stellen mit weissem, glitzerndem Sand, der eher in die Südsee als in die Alpen gepasst hätte, doch für Mineralien ist das Binntal ja bekannt. Bald kam unser erstes Zwischenziel, die Binntalhütte, in Sicht. Dort gab es Kuchen und ein erstes Glas Wein, um auf das bis dahin sehr sonnige Wochenende anzustossen. 

    Nach der Hütte wurde die Landschaft felsiger und schliesslich erreichten wir den Albrunpass, der nur noch aus grossen Gesteinsblöcken bestand. Einer davon war der Grenzstein zu Italien. Auf der italienischen Seite ging es wieder abwärts und nach einer Biegung öffnete sich die Landschaft. Unter uns lag die ausgedehnte Hochebene mit dem grossen Lago di Devero und dem kleinen, namenlosen alten Stausee. Die beiden Seen hoben sich blau glitzernd von der grünen Umgebung ab. Einfach nur schön! 

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    Ein Ziegenbock mit seinem ansehnlichen Ziegenharem begleitete uns auf unserem Weg zum kleineren der beiden Seen und posierte als Fotosujet. Am grossen See angekommen, entschieden wir uns, diesen rechter Hand zu umlaufen. Dafür mussten wir wieder ein paar Höhenmeter hochsteigen, wurden aber für die zusätzliche Anstrengung mit einer schönen Sicht über den blauen Stausee belohnt.

    Der See wurde durch eine massive Staumauer abgeschlossen. Von dort war es nur noch ein Katzensprung bis zu unserem Zielort: Crampiolo ist ein idyllisches, herausgeputztes Minidörfchen mitten auf einer grünen Wiese. Wir übernachteten in der Albergo La Baita und die grösste Herausforderung des Tages war schliesslich, all die italienischen Köstlichkeiten zu verspeisen, die uns serviert wurden, ohne dass der Bauch platzte.

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    Für den nächsten Tag war geplant gewesen, über den Geisspfad zurück nach Binn zu wandern. Eine Strecke, von der ich schon viel gehört und auf die ich mich sehr gefreut hatte. Doch die Regenmenge, welche die Wetterprognose für den Sonntag vorhersagte, stieg kontinuierlich an und schliesslich war klar, dass jeder Wanderversuch in kürzester Zeit in völliger Durchnässung geendet hätte. 

    Doch in der Krise zeigte Daniel seine wahren Qualitäten als Organisator: Mit seinem mehrsprachigen Verhandlungsgeschickt organisierte er uns nicht nur ein Taxi ab der Alpe Devero, sondern auch einen Transport von Crampiolo bis zur Alpe Devero im Pinzgauer des Restaurantsbesitzers, so dass wir trotz strömendem Regen völlig trocken in Domodossola ankamen. Dort kannte Daniel zudem das hippste Café der Stadt, so dass wir die Wartezeit, bis der Zug zurück in die Schweiz fuhr, stilvoll überbrücken konnten. Und weil Daniel sich als ein so guter Organisator erwiesen hatte, muss er die Wanderung nächstes Jahr nochmals organisieren, damit wir den Geisspfad nachholen können.



    Wanderinfos:

    • Gewandert: Samstag/Sonntag, 18./19. September 2021
    • Route: Binn, Brunnebiel - Chiestafel - Binntalhütte SAC - Albrunpass - Pianboglio - Alpe Perego - Lago di Devero - Crampiolo
    • Unsere Wanderzeit: 4 h 30 min
    • Distanz: 13,7 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 700 m
    • Übernachten: Albergo La Baita, Crampiolo

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    Donnerstag, 23. September 2021

    Besuch beim Gletscherseeli am Klausenpass (mit Abstecher auf den Chamerstock)

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    In meinem Facebook-Feed tauchten in den letzten Monaten wiederholt Fotos von einem idyllischen Gletscherseeli in der Nähe des Klausenpass auf. Ein Blick auf die Karte zeigte, dass sich eine Wanderung dorthin gut mit einer kleinen Gipfeltour zum Chamerstock verbinden liess. Dieser markante Gipfel, der den Eingang zum Urnerboden flankiert, war während der kurvigen Postautoanfahrt bereits gut erkennbar - ebenso die Höhenmeter, die es hinaufgehen würde.

    Ich stieg etwa in der Mitte des Urnerbodens aus dem Bus und dann ging es tatsächlich eine Weile nur nach oben, wenn auch längst nicht so steil, wie ich befürchtet hatte. Der erste Teil des Aufstiegs führte durch einen angenehm kühlen Wald, der zweite durch weitläufige Weiden mit viel Blick über den langgezogenen Talboden (der Urnerboden ist - gemäss den lehrreichen Ausführungen des Postautochauffeurs - die grösste Alpwirtschaft der Schweiz). 

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    Beim Punkt 2150 m erreichte ich den Fisetengrat und für den Abstecher zum Gipfel musste ich sogar ein paar Meter abwärts laufen. Doch diese lohnten sich: Der Chamerstock (2'123 m, keine Gipfelmarkierung) bot eine tolle Aussicht nach Linthal und zum Vrenelisgärtli mit dem Schwandergrat (und weckte damit Erinnerungen an meine Hochtour vom August). Drehte ich mich um, gab es einen Einblick ins Limmerntal mit dem Limmerstausee (und Erinnerungen an eine Wanderung von vor zwei Jahren). Und über allem thronte der Tödi.

    Ich ging die paar Schritte zurück zum Fisetengrat und folgte seiner abschüssigen Krete bis zum Fisetenpass. Dorthin würde auch eine kleine Seilbahn fahren, man könnte sich den Aufstieg also sparen, doch heute bereute ich meine Wahl nicht. Weiter ging es zunächst leicht abwärts, direkt am Fuss von Gemsfairenstock und Clariden entlang (ebenfalls Berge, die Erinnerung hochkommen liessen). Beide Gipfel verhüllten sich immer wieder vornehm in den Wolken. Grosse, von Gras und Blumen überwachsene Felsbrocken prägten die Landschaft.

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    Beim Gemsfairenhüttli hätte es Gelegenheit zum Einkehren gegeben, doch ich wähnte mich nur noch einen Katzensprung vom Gletscherseeli entfernt. Eine Fehleinschätzung, wie ich feststellte, als der Weg wieder einstieg. Je näher ich dem See kam, desto gerölliger wurde der Untergrund; frische Wegmarkierungen sorgten dafür, dass der Weg durch die Steinwüste problemlos zu finden war. 

    Während ich auf dem ersten Teil der Wanderung fast alleine unterwegs gewesen war, nahm die Anzahl der Wanderer plötzlich exponentiell zu. Auffällig viele davon waren im besten Instagram-Alter; der Facebook-Algorithmus hatte das Gletscherseeli offensichtlich nicht nur in meinen Feed hochgespült.

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    Und dann lag es endlich unter mir, das Gletscherseeli, in natura genauso idyllisch wie auf den Fotos. Laut Karte ist es namenlos, inoffiziell wohl das Griessseeli. Die Uferwände aus Eis und das milchig-blaue Wasser machen es zweifellos zu einem kleinen Gletschersee, wobei unter dem Schutt am Claridenfuss kaum mehr viel Gletscher übrig ist. Ganz so idyllisch und harmlos, wie er mir auf den ersten Blick schien, ist der kleine See aber nicht immer: Zwei Kameras überwachen seinen Abfluss, seit er vor ein paar Jahren den Urnerboden zu überfluten drohte.

    Ich vergass etwas die Zeit, während ich mich am Seeufer ausruhte und die schöne Umgebung genoss. Schliesslich musste ich mich beeilen, um das Postauto zu erwischen. Da war es gut, dass es nur noch abwärts ging, nachdem ich die Moräne, die denn See umgibt, überstiegen hatte. Im Nu erreichte ich den Klausenpass, wo das Postauto bereits wartete.


    Wanderinfos:

    • Gewandert: Sonntag, 12. September 2021
    • Route: Urnerboden, Sonne - Wängi - Chamerstock - Fisetengrat - Fisetenpass - Hasentrittli - Gemsfairenhüttli - Gletscherseeli (Griessseeli) - Klausenpass
    • Meine Wanderzeit: 5 h 15 min
    • Distanz: 16,9 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1'300 m

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