Donnerstag, 20. Juni 2019

Schneefelder im Regen - Grenzwertiges Finale auf der Via Alpina (19. + 20. Etappe Via Alpina)

@wandernohneende
"Bei jedem Wetter" war von Anfang an das Motto all unserer Wanderprojekte gewesen. Insbesondere Regen hatte uns nie vom Wandern abgehalten und gerade auf dem ersten Drittel der Via Alpina hatten wir ausgiebig testen können, wie wetterfest wir wirklich waren. Daher passte es irgendwie, dass auch das Finale der Via Alpina im Zeichen des Regens stand.

Bereits beim Frühstück konnte man durch ein grosses Fenster dem Regen zusehen. Wir gönnten uns schliesslich für die kurze Strecke von unserer Unterkunft in L'Etivaz nach La Lécherette den Bus. Dann spannten wir unsere Regenschirme auf und machten uns auf, ein weiteres Mal dem Wetter zu trotzen.

Unsere Route führte zunächst hoch über dem Lac de l'Hongrin durch und am grauen Horizont tauchte schon bald unser Ziel, der Rochers de Naye, auf. Vor dem Aufstieg dorthin mussten wir zunächst aber den Abstieg durch eine abschüssige, durchweichte und sehr matschige Kuhweide meistern. Am Schluss klebte der Dreck zentimeterdick an den Sohlen unserer Wanderschuhe.

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Lac de l'Hongrin mit
Rochers de Naye (rechts)
Da sich der Regen auch zur Mittagszeit keine Auszeit nahm, machten wir im Schutz einer grosser Tanne Pause. Danach folgte der letzte Aufstieg der Via Alpina. Am Col de Chaude galt es einen unmarkierten Abzweiger nicht zu verpassen, und da sich unsere Gruppe im Nebel teilweise aus den Augen verloren hatte, war eine Weile unklar, ob wirklich alle auf dem richtigen Weg waren - doch am Schluss erwischten alle die richtige Kurve.

Der nachfolgende Aufstieg über einen Grat hätte bei schönem Wetter sicher eine beeindruckende Aussicht geboten. Bei Wolken und Regen sah man indessen nur ein paar Meter weit und ohnehin galt unsere ungeteilte Aufmerksamkeit dem ausgesetzten, nassen Pfad. Bei einer besonders abschüssigen Stelle, wo ein Teil des Wegs abgerutscht war, kamen uns die ersten Bedenken, wie sicher die Wanderung bei diesen Wetterbedingungen war.

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Wolkige Abendstimmung über
dem Genfersee
Diese Bedenken verstärkten sich merklich, als wir die Nordseite des Grats erreichten und plötzlich oberhalb eines steilen, schneebedeckten Abhangs standen, dessen genaue Ausmasse durch den Nebel verdeckt wurden. Nachdem wir uns zunächst von Fussspuren im Schnee zu einer Querung des ersten Schneefeldes verleiten liessen, fanden wir schliesslich doch noch einen Weg um den Schnee herum. Eine luftige Treppe durch den schneebedeckten Kräutergarten ersparte uns das zweite Schneefeld, doch dann - das Ziel war bereits in Sichtweite - gab es keine Alternativen mehr, als durch Schnee zu stapfen. Die Wolken hatten sich unterdessen zumindest so weit gelichtet, dass wir sehen konnten, dass ein Sturz nicht über einer Felswand, sondern in einem Lawinennetz geendet hätte.

Nass, dreckig und leicht unterkühlt kamen wir schliesslich auf dem Rochers de Naye (1'967 m) an. Mit der Bahn ging es zu unserer Unterkunft etwas unterhalb des Gipfels. Die Herberge war eine etwas seltsame Mischung aus einem sehr gediegenen Restaurant, für welches wir  - selbst nachdem wir unsere nassen und dreckigen Kleider gewechselt hatten - nicht schick genug angezogen waren, und einem sehr rudimentären Hotel, wo wir uns zu zwölft eine einzige, sehr dürftige Etagendusche teilen mussten.

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Gorge du Chauderon
Am nächsten Morgen zog es die Hälfte unserer Gruppe vor, mit der Bahn nach Montreux hinunter zu fahren. Der Rest beschloss, die Via Alpina - trotz Starkregenwarnungen - zu Fuss zu beenden. Und wir wurden für unsere Unerschrockenheit belohnt! Nicht nur gab es kurze sonnige Abschnitte, die sogar einen Blick auf den Genfersee erlaubten, sondern die Gorge du Chauderon bescherte uns einen unerwarteten Höhepunkt zum Abschluss: Die senkrechten Felswände der tiefen Schlucht waren mit einer üppigen grünen Vegetation überzogen, so dass wir uns in einem tropischen Regenwald wähnten.

In Montreux stiessen wir schliesslich auf unseren Via Alpina-Erfolg an: 3 Jahre, 6 Kantone, 14 Alpenpässe, 390 Kilometer und über 20'000 Höhenmeter - quer durch die Schweiz von Vaduz bis Montreux. Wir hatten es geschafft!





Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag/Montag, 9./10. Juni 2019 (Teil 2 Pfingstwochenende 2019)
  • Route: Le Lécherette - Col de Sonlomont - La Marmette - Col de Chaude - Plan d'Areine - Rochers de Naye (Sonntag); Haut-de-Caux - Glion - Gorge du Chauderon - Montreux (Montag) (Etappen 19 und 20 der Via Alpina/ nationale Route Nr. 1)
  • Unsere Wanderzeit: 6 h 10 min (Sonntag); 2 h (Montag)
  • Distanz: 19,5 km (Sonntag); 6,5 km (Montag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'450 m (Sonntag); 80 m (Montag)
  • Übernachten: Hotel Le CouCou, Haut-de-Caux
  • Alle Etappen der Via Alpina gibt es hier


Donnerstag, 13. Juni 2019

Bergfrühling im Berner Oberland (16. + 17. Etappe Via Alpina)

@wandernohneende
Trütlisbergpass
Nach drei Jahren und über 300 km stand Pfingsten endlich das Finale unseres Via Alpina-Projektes an. Nicole hatte die übrig gebliebenen Etappen so strukturiert, dass sie in das verlängerte Wochenende und zu den vorhandenen Übernachtungsmöglichkeiten passten. Von ihr stammte auch der beste Ausrüstungstipp für das Wochenende: Winterteller für die Wanderstöcke.

Bei strahlendem Sonnenschein starteten wir ins der Lenk. Zu Beginn führte die Strecke durch eine hübsche Schlucht, wo der Wallbach über kleine Wasserfälle die Felsen hinab sprudelte. Kurz danach erreichten wir die Baumgrenze und die ersten Schneefelder, die dieses Jahr einfach nicht verschwinden wollten. Doch dort wo der Schnee bereits geschmolzen war, blühten die Krokusse, so dass man sich entscheiden musste, ob man lieber im Schnee nasse Füsse holen oder die Blumenpracht niedertrampeln wollte. Auf dem Trütlisbergpass (2'037 m) hatten wir den höchsten Punkt des Tages erreicht und während wir die Aussicht genossen, flüchtete eine Murmeltierfamilie quer über ein Schneefeld.

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Trittlisattel
Auf uns wartete anschliessend der lange Abstieg nach Gstaad, der schier endlos zu sein schien: Zuerst rutschten wir durch Schnee und Matsch den Hang hinab (froh waren die, die ihre Gamaschen eingepackt hatten). Dann wanderten wir über einen breiten Schotterweg, bis die Landschaft kurz vor den Luxuschalets von Gstaad wieder lieblicher wurde, und wir dem Uferwäldchen des Turbachs folgten. Die Jugendherberge, wo wir die Nacht verbrachten, erreichten wir schliesslich gerade noch rechtzeitig, bevor der Regen einsetzte und das Abendessenbuffet abgeräumt wurde.

Am nächsten Morgen stockten wir in Gstaad zunächst die Essensvorräte für die nächsten Tage auf und ich kaufte mir einen Regenschirm, obwohl auch an diesem Tag kaum eine Wolke am Himmel zu sehen war - doch die Investition von CHF 8.95 würde sich an diesem Wochenende noch auszahlen. Nach dem Einkaufen fing der anstrengende Teil des Tages an: Die Wanderung begann mit einem Aufstieg durch den Wald, wobei ein Mitwanderer vorschlug, die Steigung in meinem Blog als "sanft" zu beschreiben - dies wäre aber eine glatte Lüge gewesen.

@wandernohneende
Nachdem der erste Steilhang überwunden war, wurde das Gelände offener und die Wanderung abwechslungsreicher: Sie führte durch sonnendurchflutete Wälder und blühende Wiesen, bis wir den zerklüfteten Trittlisattel (1'951 m) erreichten. Auf dem Grat lagen noch ein paar Schneereste, die uns aber nicht behinderten. Am Col du Jable überschritten wir die Kantonsgrenze und stiegen steil in den Kanton Waadt hinunter.

Die Via Alpina führte uns zielgenau zu unserer nächsten Unterkunft, dem Hotel du Chamois in L'Etivaz, das von aussen etwas verlassen aussah, sich von innen aber als ein gemütliches und uriges Haus herausstellte, wo wir sehr herzlich empfangen wurden - und wir uns für die angekündigte Regenschlacht des nächsten Tages stärken konnten.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Freitag/Samstag, 7./8. Juni 2019 (Teil 1 Pfingstwochenende 2019)
  • Route: Lenk - Wallegg - Undere/Obere Lochberg - Trütlisbergpass - Wintermatte - Turbach - Gstaad (Freitag); Gstaad - Obers Motzi - Vorders/Hinders Eggli - Wilde Bode - Trittlisattel - Col de Jable - Gros/Petit Jable - L'Etivaz  (16. und 17. Etappe der Via Alpina/ nationale Route Nr. 1)
  • Unsere Wanderzeit: 6 h (Freitag); 5 h 20 min (Samstag)
  • Distanz: 21 km (Freitag); 17 km (Samstag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'100 m (Freitag); 1'200 m (Samstag)
  • Übernachten: Jugendherberge Gstaad Saanenland, Saanen (Freitag); Hotel Du Chamois, L'Etivaz (Samstag) 
  • Weitere Etappen der Via Alpina gibt es hier 





Donnerstag, 6. Juni 2019

Walliser Spezialitäten: Sonne, Suonen, Schluchten (2/2)

@wandernohneende
Aussicht auf Brig
Da ich am zweiten Tag meines Walliser Wochenendes nicht von der wankelmütigen SBB abhängig war, konnte ich früh starten. Dieser Frühstart zahlte sich auch aus, denn diesmal ging auf die Südseite des Rhonetals und beim Aufstieg nach Blatten war ich froh um jeden schattenspendenden Baum. Etwas oberhalb des Weilers Hegdorn hatte ich die erste Hälfte der Höhenmeter hinter mir und der Weg führte etwas flacher unterhalb eines Felsbandes durch und bot einen schönen Ausblick nach Brig hinunter - obwohl zugegebenermassen Brig von oben nur beschränkt schön ist und im Wesentlichen aussieht, als würde es nur aus Geleisen und Bahnhof bestehen.

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Geimen
Ich durchquerte das hübsche Mini-Dörfchen Geimen und bog danach ins Blindtälli ein. Darauf hatte ich mich schon gefreut, denn ich kannte das idyllische Tal, welches zwischen senkrechten Steilwänden eingebettet liegt, schon von einer früheren Wanderung und ich war immer noch der Meinung, dass es mit der schönsten Vita Parcours-Strecke der Schweiz aufwarten kann. Ein letzter steiler Anstieg brachte mich nach Blatten, wo ich erstmal Pause machte und das Bergpanorama genoss.

Kurz nach Blatten tauchte ich wieder in den Wald ein und  dieser konnte es in Sachen Idylle dem Blindtälli aufnehmen: Knorrige Bäume, die auf moosüberzogenen Felsen wuchsen, grüne Tümpel, in welchen sich die Sonnenstrahlen spiegelten, und der Duft von Tannnadeln und Harz machten den Eindruck vom Märchenwald perfekt!

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Massaschlucht
Das Märchen endete etwas abrupt auf einer asphaltierten Strasse. Eine breite Brücke führte über die Massa und auf der einen Seite konnte man tief die Schlucht hinabsehen und auf der anderen hoch zur Gibidum-Staumauer. Ich folgte dem Massaschluchtweg aus dem Tal heraus, der immer schmaler wurde, bis er ausgesetzt der Felswand entlang führte - nach dem Kettenweg durch die Saltinaschlucht vom Vortag trieb dies meinen Puls aber nicht mehr in die Höhe.

Der Abstieg nach Bitsch führte über einen steilen, sonnenausgesetzten Hang, so dass ich selbst beim Runterlaufen ins Schwitzen kam. Abkühlung bot das milchig weisse Wasser der Bitscheri, welcher ich ein Stück folgte, bis ich endgültig von den Suonen und Schluchten Abschied nehmen musste. Die Sonne blieb mir auf der - störungsfreien - Heimreise erhalten.


Der erste Teil des Walliser Wochenendes mit Suone Visperi und Saltinaschlucht findet sich hier.




@wandernohneende
Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag, 2. Juni 2019
  • Route: Brig - Naters - Hegdorn - Bitschji - Geimen - Blindtälli - Blatten - Blattnerschliecht - Cholnera - Massaschlucht - Wasen - Bitsch
  • Meine Wanderzeit: 5 h
  • Distanz: 16,9 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 950 m


Montag, 3. Juni 2019

Walliser Spezialitäten: Sonne, Suonen, Schluchten (1/2)

@wandernohneende
Visperi
Endlich kam der Sommer! Ich beschloss, dieses lang ersehnte Ereignis mit einem spontanen Wanderwochenende im Wallis zu feiern. Dagegen beschloss die SBB, meine Feierlaune einem Test zu unterziehen: Mein Zug ins Wallis endete ausserplanmässig bereits in Spiez. Nach einer informationsarmen Wartezeit auf dem überfüllten Bahnsteig wurden schliesslich sämtliche gestrandeten Passagiere der gut besetzten Doppelstockkomposition in den ebenfalls gut besetzten nachfolgenden - einstöckigen - Zug gepackt und dieser dann noch über die alte Lötschbergstrecke umgeleitet. Meine Nerven waren daher leicht angespannt, als wir mit einer zweistündigen Verspätung doch noch in Visp eintrafen, wo ich endlich mit Wandern anfangen konnte.

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Zutraulicher Wanderkollege
Ich durchquerte die Visper Altstadt und nach einem kurzen Aufstieg zum Waldrand erreichte ich die Visperi, die Suone der ich im ersten Teil der Wanderung folgen wollte. Der Pfad führte immer direkt dem schmalen Wasserkanal entlang und schnell ging es meinen Nerven wieder einwandfrei und ich konnte die Wanderung in vollen Zügen geniessen. Über weite Teile lag die Strecke im Wald, welcher einen angenehmen Schutz vor der Mittagshitze bot. Zwischendurch hatte man immer wieder Blick hinunter in das lärmige Rhonetal, wobei es bei den zeitweise ausgesetzten Wegstellen anzeigt war, sich mehr auf die Füsse als auf die Aussicht zu konzentrieren.

Ich folgte der Visperi bis sie schliesslich ins Nanztal abbog. Dort stieg ich kurz ins Tal hinunter, um die Gamsa zu überqueren, und stieg auf der anderen Seite wieder den Hügel hoch zur nächsten Suone, der Oberen Gliseri. Diese floss ziemlich versteckt durch eine Wiese und ich hätte sie verpasst, wenn ich sie nicht plötzlich hätte plätschern hören.

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Kettenweg Saltinaschlucht
Nach der Gliseri endeten die Suonen vorerst und über breite Waldwege der Talflanke entlang erreichte ich den zweiten Teil meiner Wanderung: Die Saltinaschlucht. Der Einstieg zur Schlucht war mit einer beunruhigenden Anzahl von Warntafeln und einem umfassenden Haftungsausschluss der Gemeinde Brig versehen. Nach einem kurzen Abstieg und einem Durchstieg durch einen Tunnel erreichte ich den "Kettenweg". Der schmale Pfad schmiegte sich ausgesetzt an die Felswand, während tief unter mir die Saltina rauschte. Spektakulär war auch der Blick auf die senkrechten Felswände gegenüber, wobei man sich auch hier von der Aussicht nicht zu sehr ablenken lassen durfte - bei einem falschen Schritt hätten auch die namensgebenden Ketten nichts genutzt.

Am Ende des Kettenwegs führte die Route hinunter zum Fluss und über einen breiten, ungefährlichen Spazierweg wanderte ich wieder aus der Schlucht hinaus und folgte der Saltina weiter direkt bis ins Stadtzentrum von Brig. Dort fand ich auch heraus, warum ich an diesem Tag so wenig Wanderern begegnet war: Offenbar hatte die ganze Briger Bevölkerung den Sommeranfang im Schwimmbad gefeiert.


Den zweiten Teil des Walliser Wochenendes mit der Massaschlucht gibt es hier.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 1. Juni 2019
  • Route: Visp - Hubel - Suone Visperi - Waldmatte - Suone Obere Gliseri - Holzji - Saltinaschlucht - Wickert - Napoleonsbrigga - Brig
  • Distanz: 16,7 km
  • Meine Wanderzeit: 4 h 30 min
  • Höhenmeter (Aufstieg): 550 m


Donnerstag, 30. Mai 2019

Lückenfüllung auf dem Alpenpanoramaweg

@wandernohneende
Ränggeloch
Die Lückenfüllung auf dem Alpenpanoramaweg ging weiter: Ich setzte in Luzern ein, wo ich zwei Wochen früher aufgehört hatte, wobei ich die Stadt schnell hinter mir liess. Der einzige Hügel, den ich an dìesem Tag erklimmen musste, war der Sonneberg. Beim Einstieg in den Aufstieg verpasste ich aber irgendwo eine Abzweigung, so dass ich schliesslich über die Downhill-Strecke hochsteigen musste - gut sind die Luzerner Mountainbiker keine Frühaufsteher.

Ich überquerte den ganzen Sonneberg der Länge nach - unterdessen auch wieder auf dem offiziellen Wanderweg -, bis es auf der anderen Seite wieder runterging. Dabei war das Ränggeloch, eine kleine Schlucht mit senkrechten Felswänden, eine hübsche Überraschung. Kurz vor Malters erreichte ich die Emme und danach ging es für den Rest der Strecke immer dem Fluss entlang. Abwechslung vor dem Schlussspurt nach Wolhusen bot der kleine Schlenker zur Wallfahrtskirche Werthenstein, die schon von weit her sichtbar auf einer Anhöhe thronte. 





Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag, 26. Mai 2019
  • Route: Luzern - Sonneberg - Blatten - Malters - Werthenstein - Wolhusen (Etappen 12 und 13 des Alpenpanoramawegs/ nationale Route Nr. 3)
  • Meine Wanderzeit: 5 h
  • Distanz: 22,7 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 560 m
  • Weiter Etappen des Alpenpanoramawegs finden sich hier


Donnerstag, 23. Mai 2019

Wolfsschlucht: Steil ist geil

@wandernohneende
Wolfsschlucht
"2K19:NIL2R" ist nicht etwa mein extra sicheres Computerpasswort, sondern der nicht aussprechbare Name unseres neuen Wanderprojekts. Statt einer vorgegebenen Wanderroute zu folgen, kann jeder seine eigene (Wander-)Idee verwirklichen. Ivan - in seinen Verwirklichungsmöglichkeiten wetter- und saisonbedingt indes eingeschränkt - führte uns in die Wolfschlucht im Solothurner Jura.

Es war nicht meine erste Wanderung durch die malerische Schlucht; vor ziemlich genau einem Jahr war ich schon einmal - damals meinem höhlenforscherischen Drang folgend - entlang der senkrechten Steilwände und moosbewachsenen Felsen gewandert. Der idyllische Ort lohnte den wiederholten Besuch allemal.

@wandernohneende
Nach dem Ausstieg aus der Schlucht wollten wir - treu nach unserem neu gefundenen Motto "steil ist geil" - auf direktem Weg auf den Grat des Rinderbergs aufsteigen. Leider fanden wir den Einstieg nicht, so dass wir schliesslich auf dem Wanderweg zum Hinteren Brandberg hochstiegen, wobei dieser eigentlich steil genug war.

Beim Hinteren Brandberg steuerten wir direkt auf die gleichnamige Bergwirtschaft zu. Da drinnen kein Platz mehr war, machten wir es uns auf der Terrasse gemütlich, auch wenn wir feststellen mussten, dass die Temperaturen noch nicht ganz sommerlich waren. Die heisse Käseschnitte schaffte da Abhilfe.

Nach dem Mittagessen kamen wir doch noch zu unserer Gratwanderung. Immer direkt entlang der Gemeindegrenze folgten wir einem auf der Karte nicht* eingezeichneten Trampelpfad über den Bergrücken. Ab und zu hatte man bereits Blick hinunter nach Welschenrohr, unserem Ziel. Das "Pièce de Résistance" des Tages war schliesslich der Abstieg vom Grat - und da waren auch nicht mehr alle der Meinung, dass steil wirklich geil ist: Weglos rutschten wir ein abschüssiges Waldstück hinunter, wobei man aufpassen musste, nicht zum Abschluss im Stacheldraht hängen zu bleiben.

Der Rest der Wanderung entlang eines Forstwegs war dann im Vergleich dazu fast so bieder wie die Vorgärten der Einfamilienhäuser von Welschenrohr.


* Anmerkung: Auch wenn unser Wanderleiter nur schwer zu überzeugen war: Gepunktete Linien auf der Karte stellen Grenzen dar, keine Wege.


Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag, 18. Mai 2019
  • Route: Herbertswil, Wolfschlucht - Wolfschlucht - Tufftbrunnen - Rinderberg - Hinterer Brandberg - Harzergraben - Welschenrohr
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 15 min
  • Distanz: 9,7 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 650 m





Donnerstag, 16. Mai 2019

Von See zu See, von Hauptort zu Hauptort

@wandernohneende
Die Wetterprognosen für das Wochenende waren wieder einmal durchzogen und auf der Suche nach einer dazu passenden Wanderung erinnerte ich mich an mein mittlerweile seit ein paar Jahren laufendes Projekt "Alpenpanoramaweg." Als ich in meinem Blog herumstöberte, um herauszufinden, welche Stücke mir noch fehlten, stellte ich fest, dass der Alpenpanoramaweg offenbar meine Standardrückfalloption für durchzogenes Wanderwetter ist, denn bisher war das Wetter auf kaum einer Etappe wirklich schön gewesen.

Auch dieses Mal war es also wieder bedeckt und ausser den wolkenverhangenen Rigi und Pilatus - beide zudem bis weit unten mit Schnee bedeckt - war wenig vom Alpenpanorama zu sehen, als ich in Zug loswanderte. Das erste Teilstück führte dem Zugersee entlang, doch man bekam mehr von der Bahnlinie zu sehen als vom See. Bei Rotkreuz überquerte ich die Autobahn und dann begann der leichte Anstieg nach Michaelskreuz. Als ich bei der kleinen Kapelle ankam, war gerade der Gottesdienst zu Ende und ich fand heraus, dass die Luzerner nicht nur fleissige Kirchgänger sind, sondern dies auch sehr traditionell in der Tracht tun.

@wandernohneende
Weiter ging der Weg durch Wiesen, Weiden und kleine Dörfer - unspektakulär und leider meistens über asphaltierte Strassen. Letzteres spürte ich schliesslich vor allem in meinen Hüften, so dass ich froh war, als unter mir endlich das Luzerner Seebecken in Sicht kam.

Ein kurzer Abstieg brachte mich direkt zur Seepromenade hinunter und mitten in die Schwärme von Touristen und Sonntagsspaziergängern hinein. Die Menschenmassen machten wenig Lust zum Verweilen am See, so dass ich direkt auf den Bahnhof zusteuerte, immer darauf achtend, nicht über einen Kinderwagen zu stolpern oder von einem Selfiestick aufgespiesst zu werden.




Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag, 12. Mai 2019
  • Route: Zug - Cham - Buonas - Meierskappel - Michaelskreuz - Udligenswil - Adligenswil - Luzern (Etappe 11 des Alpenpanoramawegs/ nationale Route Nr. 3)
  • Meine Wanderzeit: 6 h 10 min
  • Distanz: 31,8 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 760 m
  • Weitere Etappen des Alpenpanoramawegs finden sich hier




Donnerstag, 2. Mai 2019

Hängebrücke Carasc: Tibetischer Nervenkitzel im Tessin

@wandernohneende
Hängebrücke Carasc
Ich hatte schon immer eine kleine Schwäche für Hängebrücken gehabt und die tibetische Brücke von Carasc stand spätestens seit der letzten Tessinwanderung, bei welcher ich von der Seilbahn aus einen ersten Blick auf die Hängebrücke hatte werfen können, ganz oben auf meiner Hängebrücken-to-do-Liste. Das sommerliche Wetter und der (arbeitsfreie) Tag der Arbeit boten einen guten Vorwand für einen spontanen Abstecher in die Südschweiz.

In Bellinzona nahm ich den Bus nach Monte Carasso und von dort aus stieg ich zu Fuss die direkteste Route den Berg hinauf. Beim steilen Aufstieg kam ich wieder einmal in den Genuss der berüchtigten Tessiner Treppenstufen. Den ersten Zwischenstopp machte ich bei der Kirche San Bernardo. Nicht nur die Aussicht ins Tal lud zum Verweilen ein, sondern auch der mit Fresken üppig geschmückte Innenraum der pittoresken Kirche.

@wandernohneende
San Bernardo von aussen
Nach der Kirche war der Weg nicht mehr so steil, dafür traf ich auf immer mehr Wanderer, was ich als Zeichen deutete, dass ich der Hängebrücke näher kam. Tatsächlich öffnete sich nach einer Kurve der erste Blick ins Tal hinein und auf die Brücke hinunter. Schon von hier zeigte sich ihre beeindruckende Länge.

Von nahem sah sie nicht weniger lang und beeindruckend aus. Gemäss Internet ist die Hängebrücke von Carasc 270 m lang und überspannt das Valle di Sementina in 160 m Höhe. Sie machte zwar einen stabilen Eindruck, doch als ich irgendwo in der Mitte der Brücke in die Schlucht tief unter mir schaute, hatte ich doch kurz die ungemütliche Vision von einer brechenden Holzplanke. Die Brücke ist auf jeden Fall ein guter Test für die eigene Schwindelfreiheit! Und ein Test, ob man auch unter leicht schwankenden Bedingungen fotografieren kann.

@wandernohneende
San Bernardo von innen
Ich kam schliesslich problemlos und holzplankenbruchfrei auf der anderen Seite an. Die Temperaturen hatten unterdessen endgültig den sommerlichen Bereich erreicht, so dass ich meine Wanderhosen zu Shorts kürzte und meinen winterweissen Beinen auch etwas Sonne gönnte.

Ich folgte weiter dem offenbar neu ausgebauten Wanderweg, der bis zum kleinen Weiler San Defendente sehr gut begangen war, was die Popularität der Brücke zeigte. Dort beendeten aber die meisten Besucher ihre Wanderung, entweder weil sie direkt nach Sementina ab- oder auf dem grossen Parkplatz in ihr Auto einstiegen.

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Alternative Brücke
Ich dagegen hatte mich entschlossen, noch etwas weiter zu wandern. Ich folgte dem nun nur noch schmalen Pfad, der sich abwechslungsreich dem Hang entlang schlängelte. Einzig Heerscharen von kleinen Eidechsen leisteten mir auf diesem Abschnitt Gesellschaft - beziehungsweise flüchteten eilig, sobald sie mich kommen hörten.

Es gab sogar noch ein paar weitere Brücken zu überqueren, auch wenn keine davon auch nur annähernd an die Hängebrücke von Carasc heranreichte. Bei Al Bosco kam ich aus dem Wald heraus und durch die Rebberge stieg ich wieder in die Magadino-Ebene hinunter. In Cugnasco beendete ich meine Wanderung und nahm den Bus nach Locarno, wo ich den warmen Frühlingstag ausklingen liess.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Mittwoch, 1. Mai 2019
  • Route: Monte Carasso, Cunvént - Santa Trinità - San Bernardo - Hängebrücke Carasc - San Defendente - Pian Palerm - Al Bosco - Sciarana - Cugnasco, Posta
  • Meine Wanderzeit: 3 h 15 min
  • Distanz: 11 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 730 m
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