Donnerstag, 26. August 2021

Jenatschhütte: Bunte Steinwüste zwischen Julierpass und Val Bever

@wandernohneende
Vor zwei Jahren hatte ich den Jahreswechsel auf der Jenatschhütte verbracht. Mir hatte die - damals tiefverschneite - Landschaft sehr gut gefallen. Entsprechend wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Tour im Sommer zu wiederholen. 

Ich hatte in Bivio übernachtet und da der Rest der Wandergruppe erst gegen Mittag vom Unterland kommend eintrudelte, beschloss ich, mich zu Fuss zum Treffpunkt bei La Veduta - etwas unterhalb der Julierpasshöhe - aufzumachen. 

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Am Anfang führte der Weg noch abwechslungsreich entlang von Wasserfällen und der rauschenden Güglia, doch bald bildete vornehmlich das Rauschen der Passstrasse die Geräuschkulisse. Es hatte am Vortag kurz geregnet und die feuchte Wärme brachte mich ins schnell ins Schwitzen, obwohl es noch früher Vormittag war. Ich brauchte schliesslich länger als gedacht, bis ich beim Ospizio La Veduta ankam, doch es reichte noch für eine kühlende Cola, bevor meine Wanderkollegen mit dem Postauto eintrafen.

Die Passstrasse liessen wir schnell hinter uns, als wir ins Val d'Agnel einbogen. Beim Aufstieg durch die karge Landschaft fielen uns Gruppen von Leuten auf, die grosse runde Objekte den Hang hinauf schleppten. Bald erfuhren wir, dass es sich dabei um die mühseligen Aufbauarbeiten für ein Kunstprojekt handelte: Eine überdimensionale Uhr soll in einem Felsentor bei der Fuorcla digl Leget aufgehängt werden, wobei die Uhr langsamer wird, wenn sich ein Wanderer nähert (oder schneller; die entsprechenden Erklärungen blieben widersprüchlich). Mir schien Kunst vor allem anstrengend zu sein, wenn man sah, wie sich die zahlreichen Helfer mit den schweren Einzelteilen abmühten. Reto hatte schliesslich Erbarmen und half beim Tragen.

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Der Rest von uns überholte die Kunstbegeisterten rasch und stieg durch ein letztes steiles Geröllfeld zur Fuorcla d'Agnel (2'983 m) hinauf. Rund um uns herum gab es nichts als Fels und Stein, doch die Landschaft war alles andere als eintönig grau: Vielmehr leuchtete der Fels in allen Farben von grün und violett über rot bis braun. Über lockeren Schotter und glattgeschliffene, rot leuchtende Felsen, über welche Wasserfälle rauschten, ging es hinunter zum Talboden zu einem milchig-blauen See. 

Von dort war es dann nicht mehr weit zur Jenatschhütte. Kurz bevor wir diese erreichten, forderte uns ein Pfeil unmissverständlich auf, den direkten, flachen Weg entlang der Höhenlinie zu verlassen und stattdessen einen Umweg zu nehmen, welcher einen Abstieg und einen kurzen Gegenanstieg erforderte. Wir folgten der Aufforderung brav, diskutierten dann aber beim Bier auf der sonnigen Hüttenterrasse heftig, ob die Umleitung einer möglichen Steinschlaggefahr geschuldet war oder der Boshaftigkeit des Hüttenwarts.

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Nach einer kurzen Nacht im voll besetzten Massenlager - ich hatte schon lange nicht mehr so schlecht geschlafen in einer Hütte - starteten wir  fast pünktlich unseren Abstieg. Am Anfang war der Weg noch schmal und steil, aber bald wandelte er sich zu einer breiten Feldweg mit einem angenehmen Gefälle. Die Strecke durch das weitläufige Val Bever war ziemlich lang und nicht zum ersten Mal lenkte mich die Schönheit des Tals, durch welches der gletscherfarbene Bever fliesst, von etwaigen Müdigkeitserscheinungen ab.

In Spinas blieb Zeit für eine kurze Erfrischung, bevor es zurück ins Unterland ging. Die Fahrt nach Zürich dauerte schliesslich fast so lange wie die Wanderung von der Jenatschhütte nach Spinas. Doch trotz der langen Reise, es hatte sich auf jeden Fall gelohnt, der Jenatschhütte auch im Sommer einen Besuch abzustatten. Leider konnte Nicole, welche die schöne Tour ausgesucht und organisiert hatte, unfallbedingt nicht teilnehmen - aber hoffentlich bald wieder!



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 14./15. August 2021
  • Route: Bivio - Mot - Tgesa Brüscheda - La Veduta - Val d'Agnel - Fuorcla d'Agnel - Jenatschhütte (Samstag); Jenatschhütte - Tegia d'Val - Uember da Palüd Marscha - Spinas (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 5 h 45 min (Samstag); 3 h 10 min (Sonntag)
  • Distanz: 15,9 km (Samstag); 12,5 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'400 m (Samstag); 100 m (Sonntag)
  • Übernachten: Chamanna Jenatsch CAS
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Donnerstag, 19. August 2021

Val Piora: Unter Murmeltieren

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Der Ritomsee war schon lange auf meiner Wander-to-do-Liste und ein spontaner Abstecher ins Tessin, bei welchem sich das einzig verfügbare Hotelzimmer in (Ambri-)Piotta fand, bot unverhofft die Gelegenheit, diese Pendenz abzuhaken. 

Den Aufstieg kürzte ich grösstenteils mit Standseilbahn ab und die Fahrt den Berg hoch war beeindruckend: Die Ritombahn ist eine der steilsten der Welt und von Abschnitt zu Abschnitt schien das Gefälle zuzunehmen. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass es fast senkrecht hoch ging. Ich hatte zunächst mit dem Gedanken gespielt, zu Fuss zum Ritomsee hochzusteigen, doch während der Fahrt war ich froh, dass ich von diesem Gedanken wieder abgekommen war.

Von der Bergstation der Bahn war es nur ein kurzer Spaziergang entlang einer Fahrstrasse bis zur Staumauer des Ritomsees. Ich entschied mich, entlang des unbewaldeten Ufers zu wandern und so hatte ich eine schrankenlose Sicht auf den blauen See. 

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Nachdem ich den See hinter mir gelassen hatte, öffnete sich die Landschaft und ich erreichte das Val Piora. Tief unten hatte sich ein Wildbach ins helle Gestein gegraben. Piora resp. die "Piora-Mulde" war mir bisher vor allem als berüchtigte geologische Störzone beim Bau des Gotthard-Basistunnels ein Begriff. Von aussen gesehen war die Piora-Mulde eine liebliche, ausgedehnte Weidelandschaft.

Eine Bewegung im Augenwinkel erregte meine Aufmerksamkeit und schon war das Murmeltier in seinem Bau verschwunden. Doch plötzlich schienen die putzigen Tierchen überall aufzutauchen. Während die älteren Tiere friedlich grasten, zeigten sich die Jungen verspielt und jagten sich gegenseitig über die Wiese. So viele Murmeltiere, so nahe und so lange hatte ich noch nie beobachten können. Ich kam mit dem Fotografieren fast nicht mehr nach. Selbst als ich Pause machte und mich hinsetzte, liessen sie sich nicht von mir stören. Ich konnte mich fast nicht mehr losreissen von so viel Niedlichkeit!

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Schliesslich bog der Weg Richtung Val da Tiarms ab. Ein kurzer Aufstieg brachte mich auf den Passo dell'Uomo (2'218 m), wo ein hässlicher, verlassener Betonstall den höchsten Punkt meiner Wanderung markierte. Von da an war der Wanderweg mit lockerem Geröll bedeckt, was das Gehen mühsam machte, so dass der Abstieg wenig Freude bereitete. Richtig Mitleid hatte ich mit den zahlreichen Mountainbikern, die vom Lukmanier herkommend ihr Velo den Schotter hinaufschoben. 

Einziger Pluspunkt beim Abstieg war die Sicht auf den Lai da Sontga Maria, der immer näher kam. Vor einem Monat hatte ich bereits eine Wanderung zur Capanna Bovarina auf dem Lukmanier begonnen resp. beendet. Im Gegensatz zu damals war der Stausee diesmal gut gefüllt. 

Auf der Passhöhe deckte ich mich noch mit regionalen Spezialitäten ein, bevor es mit dem Postauto bereits wieder ins Unterland ging.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Freitag, 6. August 2021
  • Route: Piora, Bergstation - Lago Ritom - Alpe Ritom - Scopello - Alpe Piora - Val Piora - Passo dell'Uomo - Lai da Sontga Maria - Lukmanierpass
  • Meine Wanderzeit: 3 h 30 min
  • Distanz: 14 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 550 m

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Donnerstag, 12. August 2021

Firn, Fels, Grat - Hochtour auf das Vrenelisgärtli

@wandernohneende
Die Hochtour auf das Vrenelisgärtli stand schon lange auf meiner Wunschliste. Bereits zweimal hatte ich die Tour auf den bekannten Gipfel im Glärnisch fest gebucht, beide Male kam etwas dazwischen: Beim ersten Mal spielte das Wetter nicht mit, beim zweiten Mal mein Blinddarm. Doch alle guten Dinge sind bekanntlich drei und so machte ich mich an diesem verregneten Sonntag auf den Weg ins Glarnerland. 

Die Wolken hingen tief ins Klöntal hinein, als wir zunächst mit Bus und Alpentaxi bequem bis nach Käsern fuhren. Im Nieselregen begannen wir unseren Aufstieg zur Hütte. Durch den Nebel konnte man den Firnbachfall erkennen, doch bald verschwand auch er unter uns in den Wolken und wir hörten nur noch sein Rauschen. Rund um uns herum war es grau und nass und der Weg hatte sich mehr oder weniger mit den zahlreichen Bächen vereint, die den Hang hinunter strömten. 

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In der Glärnischhütte hatte der Hüttenwart den Holzofen eingefeuert, um all seine durchnässten Gäste wieder trocken zu bekommen. Und uns blieb in der kurzen Nacht nur die Hoffnung, dass die Wetterprognose recht behalten und die versprochene Wetterbesserung tatsächlich eintreffen würde.

Am nächsten Morgen war es noch dunkel, als wir uns gegen halb sechs Uhr in Richtung Vrenelisgärtli auf machten. Die Wassertropfen an den Grashalmen glitzerten im Schein der Stirnlampen, doch von oben blieb es trocken. Nur einzelne Nebelschwaden zogen noch an den senkrechten Felswänden entlang. Beim unteren Firenband gab es die ersten ausgesetzten Stellen zu überwinden, bevor wir schliesslich den Fuss des Glärnischfirns erreichten. Hier montierten wir die Steigeisen und Hans-Peter, unser Bergführer, verband uns zu einer Seilschaft.

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Leicht ansteigend ging es längs über den schneebedeckten Gletscher. Sehr gross ist der Glärnischfirn nicht mehr; ich fand es aber bereits erstaunlich, dass es auf nur rund zweieinhalbtausend Meter überhaupt noch Gletscher gibt. Am anderen Ende des Firns angekommen, deponierten wir unsere Steigeisen. Vor uns lag die Schlüsselstelle der Tour, der Abstieg über eine senkrechte Steilstufe zum Schwander Grat. 

Fix montierte Ketten und einige Stahlstifte helfen beim Abstieg. Ganz wohl war es mir bei der Sache aber trotzdem nicht - das Kletter-Gen fehlt mir immer noch. Viel passieren hätte aber wohl nicht können, da wir immer von unserem Bergführer gesichert wurden; trotzdem war ich froh, als ich unten ankam.

Über den schmalen Schwander Grat - objektiv gesehen wohl gefährlicher als die Kletterpassage, aber für mich eindeutig einfacher zu meistern - ging es weiter. Senkrechte zweitausend Meter unter uns lag der Klöntalersee. Das letzte Stück kraxelten wir über lockeres Geröll hoch und dann standen wir auf dem Vrenelisgärtli (2'905 m). Was für eine Aussicht! Wir nahmen uns viel Zeit, das Gipfelerlebnis in vollen Zügen zu geniessen. 

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Auf dem Gipfelkreuz des Vrenelisgärtlis hängt ein Kessel. Wohl eine Anspielung auf die namensgebende Sage, wonach es sich das junge Mädchen Vreneli in den Kopf gesetzt hatte, auf dem Glärnisch einen Blumengarten anzulegen. Mit einem grossen Kessel auf dem Kopf wollte sie sich gegen den Schneefall schützen, wurde aber zusammen mit Kessel und Blumen vollständig eingeschneit. Ich habe die Moral der Geschichte nie verstanden und fand das Ansinnen, auf fast dreitausend Metern einen Garten anlegen zu wollen, ziemlich unsinnig. Doch zugegebenermassen entdeckten wir inmitten der Steinwüste bunte Blümchen, die dem harschen Klima trotzten - vielleicht doch die Reste von Vrenelis Blumengärtchen.

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Wir mussten uns schliesslich wieder auf den Rückweg machen. Nachdem wir den Schwander Grat wieder überquert hatten, kam erneut die Kletterstelle (Auf- und Abstieg sind übrigens  richtungsgetrennt und fein säuberlich markiert). Hinaufklettern finde ich generell einfacher als hinunter, und mit etwas weniger Mühe brachte ich die Schlüsselstelle erneut hinter mich.

Danach stiegen wir wieder in unsere Steigeisen und hinab ging es über den Glärnischfirn. Unten angekommen, zogen allmählich immer dichtere Wolken vom Klöntal her hinauf. Uns war es egal, das Wetter hatte an diesem Tag perfekt gepasst. Vor uns stand aber noch ein sehr langer Abstieg, gut achtzehnhundert negative Höhenmeter gilt es zwischen dem Vrenelisgärtli und Käsern zu vernichten. 

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Bei der Glärnischhütte gab es einen kurzen Zwischenstopp für Kaffee und Kuchen. Im Gegensatz zum Vortag sah man dann Weiterwandern etwas von der Umgebung: Unzählige Bäche fielen über die senkrechten, grün bewachsenen Felswände und fast wähnte man sich in irgendwo in einem asiatischen Dschungel. 

Die lange Tour machte sich langsam aber sicher in meinen Beinen bemerkbar und ich war froh, dass in Käsern das Alpentaxi auf uns wartete. Doch auch wenn ich wusste, dass der Muskelkater in den nächsten Tagen garantiert war - für dieses tolle Erlebnis hatte er sich allemal gelohnt!





Wanderinfos:
  • Gewandert: Sonntag/Montag, 8./9. August 2021
  • Route: Käsern - Glärnischhütte (Sonntag); Glärnischhütte - Glärnischfirn - Schwander Grat- Vrenelisgärtli - Schwander Grat - Glärnischfirn - Glärnischhütte - Käsern (Montag)
  • Unsere Wanderzeit: 1 h 45 min (Sonntag); 8 h (Montag)
  • Distanz: 3,8 km (Sonntag); 13 km (Montag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 720 m (Sonntag); 1'100 m (Montag)
  • Übernachten: Glärnischhütte SAC



Donnerstag, 29. Juli 2021

Gipfel-Hexalogie mit Fürstein

Glaubenberg, Fürstein, Langis
Wieder einmal eine Montagstour mit Karin; diesmal zwar ohne Schneeschuhe, dafür nach einer Routenbeschreibung, die eigentlich als Schneeschuhtour gedacht war. Wir hielten es für eine gute Idee, uns die Sache vorerst ohne Schnee anzusehen.

Für das kurze Stück von Langis zur Glaubenberg Passhöhe nahmen wir das Postauto, das wir fast verpasst hätten, obwohl wir zwanzig Minuten zu früh an der Haltestelle standen - einfach an der falschen. Vom Glaubenberg aus stiegen wir durch einen wunderschönen, lichten Wald, dessen Boden und Lichtungen mit einem Meer aus Alpenrosen und anderen bunt blühenden Blumen bedeckt war. Das Einzige, was das Erlebnis etwas trübte, war - neben dem wolkenverhangenen Himmel - der pflotschige Untergrund. Innert kürzester Zeit klebte an meinen Schuhen eine dicke Schicht aus nasser Erde.

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Kurz nachdem wir die Waldgrenze hinter uns gelassen hatten, erreichten wir mit dem Rickhubel (1'943 m) den ersten Gipfel des Tages. Hier hatten wir auch erstmals die Übersicht, um uns zu orientieren und einen ersten Blick auf den Hauptgipfel des Tages, den Fürstein zu werfen. 

Vom Rickhubel zum Fürstein mussten wir zunächst eine sumpfige Hochebene überqueren und die karge Vegetation mit den baumlosen Gipfeln erinnerte mich an Lappland. Ein kurzer, steiler Anstieg brachte uns schliesslich auf den Fürstein (2'040 m). Der Wind bliess uns hier kalt um die Ohren und ich war mir sicher, im Winter könnte es nicht ungemütlicher sein. Unsere Pause auf der zugigen, aber unbestrittenermassen sehr aussichtsreichen Gipfelbank war daher nur kurz.

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Die Mittagspause holten wir nach dem Abstieg beim Sewenseeli nach, an dessen Ufer eine kleine, einsame Kapelle steht. Ein idyllischer Ort! Danach folgten wir kurz einem breiten Feldweg, bis es via Trogenegg wieder hoch ging bis zum Miesenstock (1'891 m). Schliesslich folgte das schönste und abwechslungsreichste Stück der ohnehin schon sehr schönen und abwechslungsreichen Wanderung: Über einen schmalen, dicht überwucherten Grat und ein paar kraxlige Felsen führte der schmale Pfad via Nollen (1'891 m, unmarkiert) zum Riedmattstock (1'786 m, temporär ohne Gipfelkreuz). 

Nachdem wir schon fünf Gipfel hinter uns hatten, fanden wir, dass wir den sechsten auch noch mitnehmen könnten, so dass wir einen kurzen Abstecher zum Aussichtspunkt des Selispitz (1'736 m) machten, um auch noch den Blick auf den Sarnersee zu werfen.

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Danach ging es sehr steil ein paar sehr nasse Weiden hinunter. Der Weg war zwar gut mit Pfosten markiert, die Schwierigkeit war aber, von einem Pfosten zum nächsten zu gelangen, ohne im Matsch stecken zu bleiben (Pfosten zu folgen ist ein bekanntes Problem von Karin und mir). Ab der Ochsenalp begann der Gegenanstieg zurück nach Langis hinauf. Mittlerweile hatte sich die Sonne entschieden, hinter den Wolken hervorzukommen, so dass es mir beim Aufstieg plötzlich mehr als warm wurde und ich schon fast den kühlen Wind vom Gipfel zurücksehnte.

Es war eine schöne, aber lange Wanderung gewesen und Karin und ich waren uns einig: Mit den Schneeschuhen machen wir auf keinen Fall die ganze Runde - viel zu anstrengend.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Montag, 5. Juli 2021
  • Route: Glaubenberg, Passhöhe - Rickhubel - Fürstein - Sewenseeli - Trogenegg - Miesenstock - Nollen - Riedmattstock - Selispitz - Mettlenbüel - Münchenboden - Ochsenalp - Langis
  • Unsere Wanderzeit: 5 h 15 min
  • Distanz: 15 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'130 m

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Donnerstag, 22. Juli 2021

Aperol Spritz auf der Leutschachhütte

@wandernohneende
Diese Saison will der Schnee einfach nicht verschwinden! Es war bereits Mitte Juni und wieder hatte ich meine Spikes griffbereit oben in den Rucksack gepackt. 

Zunächst begann das Wochenende aber bunt blühen und schwül warm: Wir trafen uns beim Arnisee und nach einem kurzen Startkaffee ging es ohne grosse Steigung durch Wald und Alpwiesen in Richtung Intschitalp. Erst als wir den Intschialpbach überquert hatten und der Weg im Zickzack das Tal hinauf führte, wurde die Sache schweisstreibend. 

Wir hatten schliesslich noch nicht einmal die Hälfte der geplanten Höhenmeter hinter uns, als wir den Schnee erreichten und ich tatsächlich meine Spikes hervorholen musste. In der Schindlachhütte wäre eigentlich eine Pause geplant gewesen. Dafür hätten wir aber den unter dem Schnee verstecken Bach überqueren müssen, was Michel, unser verantwortungsvoller Wanderleiter, als zu gefährlich einstufte, weil wir die Tragfestigkeit der Schneedecke nicht kannten - womit er natürlich recht hatte.

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Damit mussten wir ohne Stärkung das steilste Stück des Tages - den Einstieg ins Schindlachtal -  in Angriff nehmen. Da der Weg unter dem Schnee ebenfalls nicht sichtbar war, stiegen wir mehr oder weniger in direkter Linie den abschüssigen Hang hoch - steiler geht fast nicht mehr.

Nachdem wir das Gröbste hinter uns hatten, gab es doch noch eine Pause mit Blick zurück zur Intischialp. Danach kamen wir um eine Bachüberquerung nicht mehr herum: Praktischerweise hatte aber das Schneefeld, welches den Wildbach bedeckte, ein strategisch platziertes Loch genau über dem schmalen Steg, der über das rauschende Wasser führte. Etwas Überwindung brauchte der Schritt vom Schnee auf das Brett, Ausrutschen wäre keine gute Idee gewesen. 

Hinter einer Felsengruppe weitete sich das Tal und es wurde etwas flacher. Wir passierten kleine Seen, deren Ausmasse unter der dicken Schneedecke nur zu erahnen waren und ein letzter Aufstieg brachte uns schliesslich auf den Wichelpass (2'558 m). Von diesem Übergang sah man das erste Mal die Leutschachhütte, die auf einem Felsen in der Talflanke thront. 

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Für den Abstieg über die Felswand vom Wichelpass ins Leutschachtal soll es eine Leiter geben. Diese war aber unter all dem Schnee nicht auffindbar. Wir fanden dann doch noch einen Abstieg über ein abschüssiges Schneefeld und konnten so die Felsen umgehen. Über den Schnee ging es auch weiter nach unten und einige von uns rutschten auf dem Hintern den Abhang hinunter und entwickelten dabei ein ziemliches Tempo.

Danach war es nicht mehr weit bis zur Hütte. Auf der sonnigen Terrasse mit Blick auf den türkisfarbenen Nidersee - ebenfalls noch teilweise mit Schnee bedeckt - gönnte ich mir einen Aperol Spritz und fand, das Leben könnte schlechter sein.

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Am nächsten Tag war der Himmel bedeckt und die Wetterapp warnte vor Gewittern. Deshalb verzichteten wir auf den geplanten Abstecher zum Sunniggrat - mein Bedürfnis an Höhenmeter war vom Vortag ohnehin mehr als gestillt - und stiegen über den direkten Hüttenweg ab. Doch auch dieser lohnte sich: Nach dem Abstieg zum Nidersee folgten wir dem Leutschachbach, der über die Felsen und unter dem Schnee das Tal hinabrauschte. Kaum hatten wir den Schnee hinter uns gelassen, tauchten die ersten blühenden Alpenrosen auf.

Es dauerte schliesslich keine zwei Stunden, bis wir zurück beim Restaurant am Arnisee waren. So früh, dass der Kuchen, auf den Michel gehofft hatte, noch gar nicht im Ofen war. War trotzdem ein sehr schönes Wochenende gewesen!


Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 19./20. Juni 2021
  • Route: Arnisee - Heissigegg - Rostwald - Seewlisegg - Schindlachtal - Wichelpass - Leutschachhütte (Samstag); Leutschachhütte - Bödemli - Heitersbüel - Torli - Arnisee (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 45 min (Samstag); 1 h 45 min (Sonntag)
  • Distanz: 10 km (Samstag); 5,7 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'300 m (Samstag); 30 m (Sonntag)
  • Übernachten: Leutschachhütte SAC

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Sonntag, 4. Juli 2021

Lukmanier-Rundtour: Vier Pässe und viel Tessiner Gastfreundschaft

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Auch dieses Jahr gibt es wieder ein Wanderprojekt, diesmal unter dem sehr breit auslegbaren Motto "Special Effect". Nicoles Beitrag dazu führte uns auf den Lukmanierpass an der Grenze zwischen Graubünden und Tessin. 

Der Pass selber war zwar bereits schneefrei, doch weil wir uns unsicher waren in Bezug auf die Begehbarkeit des Passo di Gana Negro, beschlossen wir, am ersten Tag auf Nummer sicher zu gehen und die tiefer gelegene, aber weitere Route zur Capanna Bovarina zu nehmen.

Wir wanderten also zunächst eine Weile abwärts in Richtung Tessin. Wir waren noch keine Viertelstunde unterwegs, als sich die Sohle von Retos Wanderschuh löste. Während dieser umkehrte, um Ersatzschuhe aus dem Auto zu holen, folgten wir weiter dem Wanderweg, der zwischen Passstrasse und jungem Brenno eingeklemmt ist. Ein ständiges Rauschen, sowohl von der Strasse wie auch vom Wildbach, war damit unser Begleiter. 

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Bei Acquacalda liessen wir die Strasse hinter uns, dafür begann die Steigung durch den Hang. Der Wald spendete angenehmen Schatten, denn die Sonne sorgte für sommerliche Temperaturen und unsere Organisatorin legte ein flottes Tempo vor. 

Über eine letzte Felsstufe erreichten wir schliesslich den Croce Portera (1'917 m) und plötzlich öffnete sich die Landschaft: Eine weite Hochebene lag vor uns und dahinter erhoben sich die weissen Berge. Wir waren begeistert von der heideartigen Landschaft und Vegetation. Unter einem schattigen Baum gönnten wir uns eine ausgedehnte Pause.

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Auf einem breiten Weg ging es bis zum malerischen Dörfchen Dötra, das mit zahlreichen pitoresken, sichtlich mit viel Liebe restaurierten Häuschen aufwarten konnte. Ein flaches, leider asphaltiertes Strassenstück brachte uns nach Anvéuda, ebenfalls ein schönes, von Blumenwiesen umgebenes Örtchen. 

Kurz vor dem Aufstieg zum dritten Pass des Tages gab auch Daniels Sohle ihre Bereitschaft auf, am Wanderschuh kleben zu bleiben. Diese wurde mit Kabelbinder schon fast fachmännisch geflickt, so dass alle den Aufstieg zum Passo Cantonill unter die (mehr oder weniger stabil besohlten) Füsse nehmen konnten.

Insgesamt waren an diesem Tag nur um die achthundert Höhenmeter zu absolvieren, dies auch noch verteilt auf sechzehn Kilometer. Nur fühlte es sich für mich nach viel mehr Aufstieg an; die Verschnaufpause auf dem Passo Cantonill (1'936 m) brauchte ich dringend und keiner von uns liess sich zu einem Abstecher auf den Pizzo Rossetto motivieren.

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Durch einen leuchtend grünen Wald ging es wieder abwärts. In der Ferne entdeckten wir eine Staumauer, die wir als diejenige des Lago di Luzzone identifizierten. Irgendwo hinter den Bergen musste die Greina liegen. Ein letzter Anstieg brachte uns schliesslich zu Capanna Bovarina, wo Reto, der die Abkürzung über den Passo di Gana Negra genommen hatte, in neuen Schuhen schon auf uns wartete.

Die Capanna Bovarina ist von Aussen nicht gerade eine Augenweide. Die äusserlichen ästhetischen Defizite wurden aber von den inneren Werten, nämlich einem grosszügiges Massenlager mit Bergsicht und der charmanten Tessiner Gastfreundschaft des Hüttenwartes, mehr als aufgewogen.

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Am nächsten Morgen wurden wir von der Sonne geweckt, die direkt in unsere Betten schien. Nach einem leckeren Frühstück machten wir uns wieder auf zum Lukmanierpass, diesmal aber auf dem direkten Weg über den Passo di Gana Negro. Dank Retos Sohlenunglück wussten wir, dass die Strecke trotz Schnee begehbar war. 

Wir folgten einem Wildbach durch die weitläufige Alpe Bovarina. In einem kleinen, namenlosen See spiegelten sich die Berge und der blaue Himmel. Bald erreichten wir die ersten Schneefelder, zwischen denen sich Krokusse und andere unerschrockene Frühlingsblumen hervorkämpften. Aus den Schneefeldern wurde schliesslich eine geschlossene Schneedecke, aus der nur die riesigen, schwarzen Felsbrocken herausragten, welchen der Pass seinen Namen verdankt. Ein Murmeltier brachte sich über den Schnee vor uns in Sicherheit. 

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Wir genossen die Wanderung durch diese eindrucksvolle Landschaft in vollen Zügen. Kurz vor der Passhöhe passierten wir ein weiteres, ebenfalls namenloses Seelein, das man unter dem Schnee noch kaum erkennen konnte. Der Wind verhindert ein lange Pause auf dem Passo di Gana Negra (2'433 m) und kurz danach forderten einige abschüssige Schneefelder unsere Aufmerksamkeit.

Unter uns war der Lukmanierpass mit dem Stausee Lai da Sontga Maria bereits erkennbar. Kurz vor dem Mittag waren wir schliesslich zurück am Ausgangsort und damit sogar rechtzeitig, um einen Blick auf die Tour de Suisse zu erhaschen, die an diesem Tag über den Lukmanier fuhr. Wahrlich, an "Special Effects" hatte es dieser Wanderung nicht gefehlt!



Wanderinfos

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 12./13. Juni 2021
  • Route: Lukmanierpass - Acquacalda - Croce Portera - Fopp da Pönt - Dötra - Anvéuda - Passo Cantonill - Predasca - Capanna Bovarina (Samstag); Capanna Bovarina - Alpe di Bovarina - Passo di Gana Negra - Lukmanierpass (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h 30 min (Samstag); 3 h (Sonntag)
  • Distanz: 16 km (Samstag); 8 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 780 m (Samstag); 610 m (Sonntag)
  • Übernachten: Capanna Bovarina UTOE 
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Sonntag, 27. Juni 2021

Mont Bifé und Vanil des Cours - Gratwandern hoch über dem Lac de la Gruyère

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Das Magazin des SAC Uto hatte in seiner Mai-Ausgabe eine Gratwanderung im Greyerzerland vorgestellt. Fast gleichzeitig fragte mich Karin an, ob ich nicht Lust auf ein verlängertes Wochenende in der Schwarzseeregion hätte - manchmal passt eben alles zusammen.

Wir starteten in Broc und überquerten auf der Strassenbrücke den Jaunbach (Le Jogne), mit dem wir später an diesem Tag noch näher auf Tuchfühlung gehen würden. Der Wanderweg führte zunächst durch ein bewaldetes Waldstück, immer nahe an der vielbefahrenen Strasse in Richtung Jaunpass. Ein kleiner Abstecher führte uns zur Schlossruine Montsalvens. Danach wurden wir zwar vom Autolärm verschont, dafür nahm die Steigung spürbar zu. Am Vortag hatte es geregnet, so dass der Boden nass und glitschig war und man aufpassen musste, nicht immer wieder rückwärts zu rutschen. Ich zog mich teilweise an den Zaunpfosten am Wegrand hoch, um nicht unfreiwillig im Matsch zu landen.

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Als wir die Krete erreichten, wurde es etwas flacher und zudem boten sich schöne Tiefblicke über den langgezogenen Lac de la Gruyère. Wir folgten dem zerklüfteten Grat, der nach Westen fast senkrecht abfällt, und waren begeistert von dem schönen Weg, der abwechslungsreich durch Wälder und Wiesen führte. In einem ständigen Auf und Ab erreichten wir den ersten Gipfel, den Mont Bifé (1'482 m). Seine ausgesetzte Felsnase bot jedoch keinen bequemen Platz für eine längere Pause, so dass wir weitermarschierten bis zum Vanil des Cours (1'562 m), dem höchsten Punkt der Kette, der mit einer aussichtsreichen Ruhebank aufwarten konnte. 

Danach folgte ein steiler Abstieg über sehr viele, aber gut ausgebaute Stufen. Der Uto-Artikel hatte zur Vervollständigung der Gipfeltriologie noch einen Abstecher zum Mont des Chevalets empfohlen. Also verliessen wir den Wanderweg und stapften ein kurzes Stück über einen mit hohen Blumen bewachsenen Wiesengrat zum auffälligen Holzkreuz, welches den Gipfel des Mont des Chevalets (1'450 m) markiert. Tief unter uns lag Charmey und der (halb leere) Stausee Lac de Montsalvens.

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Wir stiegen weglos eine sehr abschüssige Weide hinunter, was ziemlich in die Knie ging. Wir hielten ungefähr auf einen leeren Kuhstall zu, wo wir wieder auf einen Trampelpfad stiessen. Ein paar Meter später erreichten wir ein Tor, an dem eine unmissverständlichen Warnung vor dem "Taurreau" angebracht war. Da Umkehren oder Ausweichen keine Option war, überquerten wir die Weide mit äusserster Vorsicht - immer so nahe am Zaun wie möglich. Doch die paar Kühe, die am anderen Ende der Wiese friedlich grasten (keine davon sah aus wie ein gefährlicher Stier), interessierten sich überhaupt nicht für uns. Wir passierten einen kleinen Bauernhof, aus dem laute Rockmusik dröhnte, und erreichten schon bald darauf eine asphaltierte Strasse.

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Der folgende Abschnitt durch die kleinen Dörfer Cerniat und Crésuz brachte wenig Abwechslung und langsam fing die lange Wanderung an, sich in den Beinen bemerkbar zu machen. In Crésuz wollten wir uns daher mit einem Eis für die bisherige Anstrengung belohnen, doch das ausgesuchte Restaurant konnte zwar mit einer schönen Terrasse und einem noblen Ambiente aufwarten, nicht aber mit einer effizienten oder freundlichen Bedienung, so dass wir uns mit einem Getränk als Stärkung zufrieden geben mussten, bevor wir zum Schlussteil der Wanderung aufbrachen.

Wir stiegen hinab zum Lac de Montsalvens und folgten seinem Ufer bis zur Staumauer, die ihn abschliesst. Dort beginnt die Gorges de la Jogne (Jaunbachschlucht). Der Schluchtweg folgt über zahlreiche Brücken und ein paar (dunkle) Tunneln dem Jaunbach, der sich tief in die Felsen eingegraben hat. Es war ein passender Abschluss für eine lange, sehr schöne und abwechslungsreiche Tour durch eine Gegend, in der ich eindeutig zu wenig oft unterwegs bin.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Sonntag, 6. Juni 2021
  • Route: Broc - Ruine du Château Montsalvens - Châtel-sur-Montsalvens - Mont Bifé - Le Vanil des Cours - Mont des Chevalets - Pra Aubert - Cerniat - Crésuz - Lac de Montsalvens - Gorges de la Jogne (Jaunbachschlucht) - Broc
  • Unsere Wanderzeit: 6 h
  • Distanz: 18 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'200 m
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Donnerstag, 17. Juni 2021

Saisoneröffnung in der Windgällenhütte

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Zur Eröffnung der Hüttensaison machte ich mich auf zur Windgällenhütte im Maderanertal. Für Michel, welcher das Wochenende organisiert hatte, ist der Besuch der Hütte am Eröffnungswochenende schon Tradition. 

Wir starteten in Silenen und kürzten die ersten Höhenmeter mit der Seilbahn nach Chilcherberge ab. Ich hätte die luftige Konstruktion für eine Transportbahn gehalten, wenn ich nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, dass sich in der Holzkiste tatsächlich Leute den Berg hochschaukeln liessen. 

Ab der Bergstation Chilcherberge führte der Weg der Bergflanke entlang durch einen regelrechten Märchenwald voller moosbedeckter Felsen und grün leuchtender Farne. Ich war diese Strecke schon vor ein paar Jahren auf dem Weg zum Gotthard gewandert und war auch damals von der wuchernden Vegetation begeistert gewesen. Eine schwankende Hängebrücke führte über ein ausgetrocknetes Bachbett und sorgte für zusätzliche Abwechslung.

@wandernohneende
In kleinen Weiler Golzern angekommen, steuerten wir zielgerichtet die nächste Restaurantterrasse an. Geplant war - bei Michel ebenfalls Tradition - ein Kuchenhalt. Das Ganze endete aber schliesslich in einem sehr nahrhaften Käseschnitten-Mittagessen. 

Danach begann der eigentliche Aufstieg zur Hütte und der Käseklumpen im Bauch war dabei keine Hilfe. Zudem war der Himmel wolkenverhangen und ab und zu setzte sogar etwas Regen ein, so dass ich mich nicht einmal mit den Schönheiten des Maderanertals von der Anstrengung ablenken konnte. Die letzten zweihundert Höhenmeter führten über eine noch meterhohe Schneedecke und ich war froh, als endlich die Hütte im Nebel auftauchte.

@wandernohneende
Am nächsten Morgen waren Wolken und Nebel weggeblasen und es begrüsste uns blauer Himmel und die Maderaner Bergwelt in ihrer vollen Pracht. Der Schnee war während der kalten Nacht hart geworden und so bot sich endlich die Gelegenheit, meine Spikes zu testen, die ich seit Jahren unbenutzt in meinem Rucksack mitschleppe. Beim Abstieg bauten wir einen Zusatzschlenker um den Golzernsee ein, bevor es dann in Golzern doch noch den Kuchen gab, auf den wir vom Vortag zugunsten der Käseschnitten verzichtet hatten.

Schliesslich machten wir uns auf den Rückweg ins Tal hinunter. Wir folgten ein Stück unserem Aufstiegsweg, bevor wir Richtung Waldiberg hinunter abbogen. Blühende Wiesen und grüne Wälder säumten unseren Weg. In Frentschenberg verabschiedete ich mich von meinen Mitwanderern; während diese Richtung Silenen zurück wanderten, nahm ich den direkten Weg nach Amsteg. Entlang senkrechter Felswänden führte der Pfad steil den Wald hinunter. Begleitet wurde ich vom Rauschen der Gotthardautobahn und vom Dreiklanghorn des Postautos, das auf der gegenüberliegende Talseite die engen Kurven nach Bristen hochfuhr.



Wanderinfos:
  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 29./30. Mai 2021
  • Route: Bergstation Chilcherberge - Hängebrücke Schipfental - Golzern - Nossplatten - Schissenegg - Windgällenhütte (Samstag); Windgällenhütte - Schissenegg - Nossplatten - Würzen - Golzernsee - Golzern - Waldiberg - Frentschenberg - Amsteg (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 4 h (Samstag); 4 h 10 (Sonntag)
  • Distanz: 9,3 km (Samstag); 12 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'330 m (Samstag); 180 m (Sonntag)
  • Übernachten: Windgällenhütte AACZ