Freitag, 26. März 2021

Via del Mercato: Auf schmalen Saumpfaden durchs Centovalli

@wandernohneende
Im Norden kam der Winter zurück, im Süden kündigte sich der Sommer an. Eigentlich war für das verlängerte Wochenende eine Schneeschuhtour über die Greina geplant gewesen, doch das Wetter machte mir (schon wieder) einen Strich durch die Rechnung. Da es mit dem Schnee nicht klappte, entschloss ich mich, nach der Sonne zu suchen, und im Tessin wurde ich fündig. 

Nachdem ich am Freitag bereits alleine hoch über dem Lago Maggiore unterwegs gewesen war, stiess am Samstag Karin zu mir und zusammen tuckerten wir mit dem Centovalli-Bähnchen bis nach Intragna. Vor fast drei Jahren hatte ich in diesem kleinen Dörfchen, das mit dem höchsten Kirchturm des Tessins aufwarten kann, eine Wanderung entlang der Via delle Vose beendet. Auch dieses Mal hatte ich einen historischen Saumpfad ausgesucht, die Via del Mercato, über welche die Bauern früher Waren nach Locarno gebracht hatten.

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Wir stiegen entlang von Weinbergen den Hang hoch und hatten schon bald eine schöne Sicht zurück auf Intragna und das Maggiatal in der Ferne. In Costa - bis dorthin hätte es auch ein Bähnchen gegeben - hatten wir den grössten Teil der Steigung hinter uns. Danach ging es mehr oder weniger der Höhenlinie entlang immer tiefer ins Centovalli hinein. 

Der Weg schmiegte sich dem Hang entlang und war abwechslungsweise mit Wurzeln überwuchert oder in den nackten Fels gehauen. Zahlreiche Bäche hatten tiefe Einschnitte in den Bergrücken gegraben, die jeweils zu kurzen Ab- und Aufstiegen führten. Am Kehrpunkt dieser Einschnitte gab es immer wieder eine kleine Überraschung: Mal eine Brücke, mal eine historische Mühle, mal einen kleinen Wasserfall.

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Dazwischen passierten wir kleine Weiler mit oft schön restaurierten Rustici, wo man gerne ein paar faule Ferientage verbracht und die Ruhe genossen hätte. Durch die kahlen Bäume konnte man einen Blick auf den Lago di Palagnedra werfen, der tief unter uns im Tal lag. Nach Borgnone folgte schliesslich der Abstieg nach Camedo zum letzten Bahnhof vor der italienischen Grenze. 

Wir mussten eine ganze Weile auf den nächsten Zug warten, doch angelehnt an eine sonnige Hauswand liess sich die Wartezeit gut aushalten. Auf der Rückfahrt durch die ganze Länge des Centovalli konnten wir ganz bequem nochmals einen ausgiebigen Blick in das tief eingeschnittene Tal werfen.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag, 13. März 2021
  • Strecke: Intragna - Pila - Costa - A Slögna - Verdasio - Borgnone - Camedo (Via del Mercato/ lokale Route Nr. 631)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 50 min
  • Distanz: 13 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 900 m
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Sonntag, 14. März 2021

Montägliche Schneeschuhtouren

Montags nicht arbeiten zu müssen, hat viele Vorteile. Einer davon ist, dass man dann auf den Schneeschuhen unterwegs sein kann, wenn andere im Büro sitzen. Über die Schneeschuhsaison verteilt habe ich mehrmals mit Karin, welche ebenfalls montags frei hat, Innerschweizer Schneeschuhtrails getestet.

Es handelte sich allesamt um kurze Touren entlang von offiziellen, ausgeschilderten Trails - auch wenn wir manchmal unsere liebe Mühe hatten, den richtigen Markierungspfosten zu folgen...


Haldi ob Schattdorf (Halditrail)

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Haldi bewirbt sich selber als die "Sonnenterrasse oberhalb Schattdorf". Bei unserem Besuch präsentierte sich das Hochplateau zumindest am Anfang ziemlich wolkenverhangen. In der Nacht hatte es geschneit, so dass alles - inklusive der Schneeschuhspuren - mit einer dicken Neuschneeschicht bedeckt war. Der offizielle Trailwegweiser beim Ausgang der Gondelbahn zeigte direkt in eine meterhohe Schneewand. Eine Richtung, die wir als offensichtlich fehlerhaft verwarfen. Nach einigem Suchen entdeckten wir etwas entfernt einen besser zugänglichen farbigen Pfosten und so fanden wir doch noch den Einstieg in den Trail - wenn auch in die umgekehrte Richtung als geplant. Ohnehin hatten wir etwas Mühe, den rot, blau oder auch rot und blau gefärbten Pfosten zu folgen - was aber vermutlich an uns lag. 

Als wir schliesslich den Billenwald erreichten, waren wir aber definitiv wieder auf dem richtigen Weg. Der Abschnitt durch den tiefverschneiten Wald war der schönste Teil der Tour. Beim Billentrog mussten wir uns den Aufstieg durch den unberührten Schnee zurück auf das Plateau selber spuren. Danach ging es  in einem weiten Bogen dem Rand der Hochebene entlang retour zur Seilbahnstation. Dort sahen wir dann auch, wo der Anfang der Route gewesen wäre: Direkt hinter der Schneewand, auf welche der Wegweiser zielgenau hingewiesen hatte.


Wanderinfos:
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  • Gewandert: Montag, 18. Januar 2021
  • Route: Haldi (Bergstation) - Billenwald - Böschberg - Sonntagsboden - Haldi (Bergstation) (ausgeschildeter Schneeschuhtrail Nr. 885 "Haldi Trail")
  • Unsere Wanderzeit: 2 h 50 min
  • Distanz: 8 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 400 m



Melchsee-Frutt (Bonistock- und Erzeggtrail)

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Die Seilbahnen Stöckalp-Frutt hatten ein Corona-Schutzkonzept eingeführt, das je eine separate Schlangen vorsah, um ein Ticket zu kaufen, die Toilette zu benutzen und in die Gondel zu steigen. Ich weiss nicht, wie effizient dieses System bei grossem Andrang ist, da aber an diesem Montag - trotz schönstem Wetter und besten Schneeverhältnissen - nur wenige Leute unterwegs waren, hatten wir alle drei Schlangen schnell hinter uns.

Direkt vor der Bergstation schnallten wir unsere Schneeschuhe an und stiegen zum Bonistock (2'169 m) auf, den wir bereits nach nicht einmal einer Stunde erreichten. Wir setzten uns vor dem Selbstbedienungsrestaurant auf die Terrasse, genossen unseren Punsch und blinzelten in die Sonne. So lässt sich der Winter erleben! Schliesslich machten wir uns wieder auf und nach einem kurzen steilen Abstieg bei Chringen ging es locker bis zum Tanneboden. Dort gab es ebenfalls eine sonnige Terrasse und Getränke, so dass unsere Schneeschuhtour immer mehr zu einer Beizentour wurde. 

Zum Ausgleich - und um behaupten zu können, dass wir uns an dem Tag tatsächlich sportlich bestätigt hatten - stiegen wir auf der anderen Seite nochmals hoch in Richtung Erzegg. Auf dem Gumm (2'130 m) genossen wir die Bergsicht, bevor es hinunter und quer über die Ebene zurück zur Seilbahnstation ging.


Wanderinfos:

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  • Gewandert: Montag, 8. Februar 2021
  • Route: Melchsee-Frutt (Bergstation) - Bonistock - Chringen - Tannalp - Gumm - Distelboden - Melchsee-Frutt (Bergstation) (ausgeschildete Schneeschuhtrails Nr. 791 "Bonistock Trail und Nr. 790 "Erzegg Trail")
  • Unsere Wanderzeit: 3 h 10 min
  • Distanz: 9,9 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 500m


Wirzweli (Panoramwelt/Tannenpfad)


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Wirzweli ist ein bekanntes Schneeschuhgebiet, welches ich schon lange erkunden wollte. Schnee und Wetter waren gerade noch akzeptabel, aber uns war klar, dass unsere Montags-Schneeschuhtouren bald vorbei sein würden, wenn es nicht Schneenachschub geben würde.

Von der Bergstation aus folgten wir dem "Panoramawelt-Trail" den Hang hoch Richtung Gummenalp. Karin und ich waren den gleichen Weg bereits im Sommer gewandert, damals mit dem Ziel Stanserhorn. So hoch hinaus wollten wir diesmal nicht. Hingegen war die Aussicht auf den Titlis vom Wirzweligrat aus im Winter genauso schön wie im Sommer. Als deutlich niedriger gelegenem "Gipfel" nahmen wir den Gummen (1'614 m) mit, der direkt am Weg lag, bevor es kurz nach der Gummenalp entlang des "Tannenpfads" abwärts ging. Der Abstieg im Zickzack durch den Dürrenbodenwald war abwechslungsreich und idyllisch - bis ich mit den Schneeschuhen hängen blieb und gesichtsvoran im harten Schnee landete. Verletzungen trug aber nur mein Stolz davon.

Unten am Waldrand angekommen wollten wir eigentlich dem "Sonnenpfad" zurück zur Seilbahn folgen. Doch wieder einmal hatten wir Probleme, den richtigen Pfosten zu folgen. Keine Probleme hatten wir hingegen, eine offene Sonnenterrasse zu finden, und so beschlossen wir die Tour - nach einem Abstieg über die Skipiste - beim Restaurant Waldegg.


Wanderinfos:
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  • Gewandert: Montag, 15. Februar 2021
  • Route: Wirzweli (Bergstation) - Horn - Gummen - Gummenalp - Dürrenbodenwald - Eggwaldried - Restaurant Waldegg ausgeschildete Schneeschuhtrails "Panoramawelt-Trail" und "Tannenpfand")
  • Unsere Wanderzeit: 2 h
  • Distanz: 6,3 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 450 m





Montag, 8. März 2021

Keschhütte, die Zweite

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Auf dem Programm stand an diesem Wochenende die Schneeschuhtour zur Keschhütte, die ich bereits vor zwei Jahren gemacht hatte und die mir als sehr schön, aber auch sch... anstrengend in Erinnerung geblieben war. Ivan war auch dieses Mal der Organisator und ganz untypisch für ihn starteten wir so pünktlich in Bergün, dass ich kaum Zeit hatte, meine Sonnenbrille aufzusetzen. 

Das erste Stück - zum grössten Teil noch ohne Schneeschuhe - führte fast flach durch das Val Tuors bis nach Chants. Ivan versuchte - auch eher untypisch für ihn - das Tempo unseres sehr fitten Grüppchens zu bremsen, wofür ich dankbar war, denn ich wusste, dass ich meine Kraftreserve für den nun beginnenden Aufstieg brauchen würde.

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Der Aufstieg durch den Wald war auch diesmal streng, doch längst nicht so steil, wie ich ihn Erinnerung hatte. Ein zunächst verpasster Abzweiger führte zwar zu einem zusätzlichen Schlenker über die Alp digl Chants, dafür konnten wir von dort einen kurzen Blick ins idyllische Val Plazbi werfen, bevor es zurück auf den richtigen Weg ging.

Als wir die Bäume hinter uns liessen und das Gelände wieder abflachte, wurden wir von den Wolken eingeholt. Ich wusste, dass uns noch der Schlussaufstieg zur Hütte bevorstand, doch nachdem ich den ersten Anstieg so gut hinter mich gebracht hatte, war ich optimistisch, dass auch der Rest kein Problem sein würde. Doch da hatte ich mich ver- und überschätzt; selten habe ich bei einem Anstieg so geflucht, während die Hütte - durch den Nebel nur schemenhaft erkennbar - nicht näher zu kommen schien.

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Ich schaffte es schliesslich doch noch vor dem totalen Kollaps bis zur Keschhütte (2'627 m) und spätestens beim Essen kam auch die Energie langsam zurück. Die brauchte ich auch, denn am nächsten Tag ging es bei strahlendem Sonnenschein weiter. Gemütlich wanderten wir das Val dal Tschüvel hinunter, bis der Wiederanstieg zum Sertigpass begann. Rund um uns herum gab es nichts ausser weisse Berge und blauen Himmel. Auf dem Sertigpass (2'738 m) hatten wir den höchsten Punkt des Tages erreicht und danach ging es nur noch abwärts durch das Chüealptal bis nach Sertig.

Als wir dort aufs Postauto warteten, wusste ich, dass mich meine Erinnerung nicht getrogen hatte: Die Tour zur Keschhütte ist sehr schön, obwohl sie sch... anstrengend ist. Und wenn ich mich in zwei Jahren davon erholt habe, mache ich sie vielleicht auch noch ein drittes Mal.



Wanderinfo:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 27./28. Februar 2021
  • Route: Bergün - Tuors Davant - Tuors Chants - Schegvel - Keschhütte (Samstag); Keschhütte - Sertigpass - Bin Schära - Sertig, Sand (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 5 h (Samstag); 3 h 30 min (Sonntag)
  • Distanz: 13 km (Samstag); 10,4 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'370 m (Samstag); 380 m (Sonntag)
  • Übernachten: Keschütte SAC


Sonntag, 7. Februar 2021

Schneeschuhtouren im Avers

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Ich hatte - um wieder einmal etwas zu haben, worauf ich mich freuen konnte - bereits im Dezember ein verlängertes Schneeschuhwochenende im Lötschental gebucht. Doch Rekordniederschläge, Lawinengefahr und einfach furchtbar schlechte Wetteraussichten verpassten meiner Vorfreude einen deutlichen Dämpfer. Als dann der Veranstalter anrief und mitteilte, dass die Tour vom Wallis ins Graubünden verlegt wurde, war ich einen Moment lang in Versuchung, dies als Gelegenheit zur Absage zu nutzen; ich hatte wenig Lust, drei Tage in der Kälte durch Schneegestöber zu stapfen. Doch mein freier Tag war bereits genehmigt und andere Pläne hatte ich schlichtweg nicht.

Also stieg ich am Freitag sehr früh am Morgen in den Zug und fuhr Richtung Graubünden. Irgendwo zwischen Thusis und Andeer verwandelte sich der strömende Regen in Schneefall und ich bewunderte die Fahrkünste des Busfahrers, der uns sicher und pünktlich über die schneebedeckte Strasse durchs abgelegene Avers nach Juf brachte.

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In Juf, seines Zeichens das höchstgelegene dauerhafte bewohnte Dorf der Schweiz, bezogen wir zunächst unser Hotel, bevor wir direkt davor in die Schneeschuhe schlüpften. Aufgrund der schlechten Sicht und der angespannten Lawinensituation begannen wir mit einer einfachen Schneeschuhwanderung entlang des Talbodens. Doch kaum waren wir etwas talauswärts gelaufen, drückte plötzlich die Sonne durch die Wolken. Zur Mittagspause machten wir es uns auf einer sonnigen Bank vor einem kleinen Stall gemütlich, und unsere einzige Sorge war, keinen Sonnenbrand zu bekommen. Am späteren Nachmittag stiegen wir in Cresta wieder ins Postauto und liessen uns zurück zu unserem Hotel fahren.

Am nächsten Tag begrüsste uns der Vollmond, der am fast wolkenlosen Himmel stand. Nach der lockeren Aufwärmtour vom Vortag sollte es diesmal höher hinaus gehen. Mit dem Postauto - der Busfahrer kannte uns bereits - ging es ein kurzes Stück das Tal hinab bis zur Station Rufana. Von hier bogen wir ins Bergalgatal ein, das zunächst noch im Schatten lag. Das erste Stück führte über präparierte Winterwanderwege, bis wir schliesslich in den unberührten Hang hinein zogen. 

Damit begann - zumindest für Adi, unseren Bergführer - die Schwerstarbeit uns einen Weg durch den kniehohen Neuschnee zu bahnen. Der Rest der Gruppe hatte trotz der Steigung genug Zeit und Musse, ausgiebig Fotos von den schneebedeckten Hängen zu machen. Nach gut fünfhundert Höhenmeter wurde der Anstieg sanfter und es begann eine lange Traverse. Eine Spur, die zwei Tourenfahrer hinterlassen hatten, erleichterte unserem Bergführer die Arbeit. Dafür zog gegen Mittag ein böiger Wind auf und die Wolken begannen, die Berggipfel um uns herum zu verhüllen. 

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Als es schliesslich Zeit wurde, an eine Umkehr zu denken, waren wir so kurz unter dem Bödagrat, dass wir nicht anders konnten, als auch noch die letzten Höhenmeter dranzuhängen. Belohnt wurden wir für unsere Anstrengung, den höchsten Punkt des Bödagrat (2'951 m) auch noch erklommen zu haben, mit einer kurzen Windstille und einem freien Blick unter der Wolkendecke hindurch auf die italienischen Alpen. Danach begann der lange Abstieg entlang der Aufstiegspur und die anstrengende Tour begann sich langsam in meinen Beinen bemerkbar zu machen. Trotzdem mussten die Kräfte noch für einen Schlussspurt reichen, um den Bus nicht zu verpassen, denn das hätte eine unfreiwillige Verlängerung der Tour um eine weitere Stunde bedeutet.

Wir schafften es schliesslich rechtzeitig und als wir zurück fuhren, passierten wir einen Rega-Helikopter, der am Strassenrand gelandet war. Es war eine Ermahnung an die kritische Lawinensituation in den Alpen: Nur etwas weiter hinten im Avers war eine Lawine auf einen Wanderweg niedergegangen und hatte zwei Wanderer verschüttet. Glücklicherweise war das Ganze nochmals glimpflich abgelaufen.

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Beim Abendessen füllten wir unseren Kalorienspeicher mit Fondue auf. Meine Sportuhr, welche meinen Trainingszustand in den letzten Wochen, die ich vornehmlich im Home Office verbracht hatte, als "unproduktiv" eingestuft hatte, riet mir nach dieser Anstrengung zu einer dreitägigen Erholungspause. Doch daraus wurde nichts, insbesondere da auch am nächsten Tag das Wetter viel besser war als prognostiziert. 

Von Pürt aus überquerten wir den Averser Rhein - nicht mehr als ein kleiner Bach - und danach ging es gleichmässig aber stetig aufwärts durch den glitzernden Schnee. Während wir an den letzten beiden Tagen fast alleine unterwegs gewesen waren, teilten wir heute den Berg mit zahlreichen anderen Touren- und Schneeschuhgängern, so dass es auf jeden Fall genug Aufstiegsspuren gab, von denen man profitieren konnte. Auf dem windigen Gipfel des Grosshorns (2'780 m) verweilten wir gerade lange genug, um ein paar Fotos von der Aussicht zu machen. Der Abstieg durch den kniehohen, weichen Neuschnee machte sehr viel Spass, auch wenn es mehr als eine unfreiwillige und unelegante Landung im Schnee gab. 

In Pürt endete dann das Schneeschuhwochenende, an dem wir wider Erwarten nie durch Schneegestöber stapfen mussten, sondern nur durch herrlichen Neuschnee. Mit dem Postauto ging es entlang von steilen, mit unzähligen gefrorenen Wasserfällen geschmückten Steilwänden das Avers hinunter zurück ins verregnete Unterland. Und ich beschloss, dass ich mir dieses abgelegene Tal auch im Sommer unbedingt mal näher ansehen musste.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Freitag/Samstag/Sonntag, 30./31. Januar / 1. Februar 2021
  • Route: Juf - Podestatenhaus - Pürt - Cresta (Freitag): Avers, Rufana - Vorderbergalga - Fürgabärg - Bödagrat - Avers, Rufana (Samstag); Pürt - Grosshorn - Pürt (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 3 h (Freitag); 6 h 30 min (Samstag); 4 h 15 min (Sonntag)
  • Distanz: 6,8 km (Freitag); 12 km (Samstag); 6,5 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 140 m (Freitag); 1000 m (Samstag); 900 m (Sonntag)
  • Übernachten: Pension Edelweiss, Juf


Freitag, 1. Januar 2021

Furggelenstock mit Schneeschuhen zum Jahresabschluss

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Am letzten Tag des Jahres machte ich die erste Schneeschuhtour der Saison. Ich wählte dafür die Schneeschuhtrails bei Brunni in der Mythenregion aus, auf denen ich bereits öfters unterwegs gewesen war. Normalerweise herrscht hier ziemlich viel Trubel, weil es sich auch um ein beliebtes Familienskigebiet handelt, doch wegen/dank Corona waren die Bahnen geschlossen und die (zahlreichen) Schneeschuhläufer und Skitourenfahrer unter sich. 

Der Aufstieg durch den Wald via Furggelen bis auf den Furggelenstock (1'655 m) war mir eigentlich gut bekannt, trotzdem liess ich mich von einer schönen Spur, die ein paar Tourenfahrer gelegt hatten, verführen, so dass ich zwei extra Schlaufen machen musste, um auf den Gipfel zu kommen.

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Für den Abstieg wählte ich eine neue Variante: Statt via Holzegg zurück nach Brunni oder via Furggelen direkt nach Oberiberg, wählte ich die Schlaufe via Ibergeregg. Fast flach ging es bis zum Brünnelistock, wo ich ein sonniges Bänkchen fand, um eine Pause zu machen und die Sicht auf die Berge zu geniessen, wobei sich einige Gipfel in den Wolken versteckten. Der Skipiste entlang ging es dann hinunter zur Ibergeregg - bei Skibetrieb ist dieses Stück vermutlich nicht ganz so gemütlich; an diesem Tag musste ich aber nur ein paar Schlittlern ausweichen.

Ruhig war es dann wieder auf dem letzten Stück und das einzige Geräusch, das mich auf dem Abstieg begleitete, war das Klappern der Schneeschuhe auf dem zusammengepressten Schnee. Der Trail führte abwechslungsreich entlang von kleinen Wäldchen und über offene Hänge ins Tal hinab, und ich konnte mit den Schneeschuhen (fast) bis zur Busstation laufen.


Wanderinfos:

  • Gewandert: Donnerstag, 31. Dezember 2020
  • Route: Brunni - Langried - Furggelen - Furggelenstock - Halbegg - Brünnelistock - Ibergeregg - Rätigstutz - Änglisfang - Oberiberg/Hoch-Ybrig, Talst. Lauchern (violett ausgeschildeter Schneeschuhtrail)
  • Meine Wanderzeit: 3 h 25 min
  • Distanz: 10,2 km
  • Höhenmeter (Aufstieg): 670 m

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Samstag, 5. Dezember 2020

Salbithütte im Sonnenschein - Salbithütte im Mondschein

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Nach einer Woche Homeoffice unter dem Hochnebel freute ich mich auf das letzte Wochenende in den Bergen vor dem absehbaren Wintereinbruch. Bereits in Göschenen, wo sich unser kleines Grüppchen versammelte, zeigte sich der blaue Himmel und kaum hatten wir etwas an Höhe gewonnen, schien die Sonne durch die kahlen Bäume. Im Zickzack ging es den bewaldeten Steilhang hinauf. Vor einer Hütte beim Regliberg machten wir Mittagspause mit Sicht auf den Dammagletscher. Aus dem Cappuccino zum Dessert wurde dann aber nichts, das auf der Karte eingezeichnete Restaurant auf dem Regliberg gibt es nicht mehr, stattdessen warnten zahlreiche Schilder Wanderer vor dem Verweilen oder dem blossen Näherkommen.

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Etwas später erreichten wir die Waldgrenze und ab hier lagen ein paar Schneereste auf dem Weg, die vorsorglich eingepackten Spikes konnten aber im Rucksack bleiben. Überraschend bald kam dann bereits die Salbithütte (2'105 m) in Sicht. 

Wir genossen die sonnige Terrasse bis die Sonne hinter einem Berg verschwand und richteten uns dann im gemütlichen Winterraum der Hütte ein. Michel, der Organisator des Wochenendes, hatte in seinem Rucksack nicht nur die Zutaten für Fondue, sondern auch für echten Hüttenkafi die tausend Höhenmeter hinaufgeschleppt, so dass es einen stilgerechten Einstieg in einen vergnüglichen Hüttenabend gab. In der sternenklaren Nacht stieg dann der (Fast-) Vollmond über der Bergkette auf und machte selbst den Gang zum Klohäuschen, das ein Stück von der Hütte entfernt lag, zum spirituellen Erlebnis.

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Am nächsten Morgen war der Himmel immer noch blau, so dass es niemand eilig hatte, in den Nebel zurückzukehren. Stattdessen wanderten wir über den blau/weiss markierten Pfad - zuletzt etwas ausgesetzt über eine Leiter - bis zur Salbitbrücke (2'325 m). Weiter wagten wir uns aber nicht, der Klettersteig zur Voralphütte wird im Winter nicht unterhalten. Also kehrten wir um und machten uns über den gleichen Weg - mit einem zusätzlichen Schlenker über das Gruebenseeli - an den Abstieg zurück ins Tal. 

Bei der Hütte beim Regliberg setzten wir uns nochmals an die Sonne und tanken die letzten Sonnenstrahlen. Nur ein paar Höhenmeter tiefer tauchten wir schliesslich in den Nebel ein und im Eilzugstempo ging es steil hinab zurück nach Göschenen - und ins Homeoffice.



Wanderinfos:

  • Gewandert: Samstag/Sonntag, 28./29. November 2020
  • Route: Göschenen - Regliberg - Trögenstäfeli - Salbithütte (Samstag); Salbithütte - Salbitbrücke (T4) - Salbithütte - Gruebenseeli - Trägenstäfeli - Regliberg - Göschenen (Sonntag)
  • Unsere Wanderzeit: 2 h 20 min (Samstag); 4 h (Sonntag)
  • Distanz: 6 km (Samstag); 10.4 km (Sonntag)
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1'040 m (Samstag); 420 m (Sonntag)
    • Übernachten: Salbithütte SAC


    Donnerstag, 12. November 2020

    Rundtour Schwyz - Grosser Mythen

    @wandernohneende
    Auf der Suche nach der Sonne wiederholte ich eine Wanderung, die ich vor Jahren mit zwei Kollegen gemacht hatte. Ich erinnere mich noch, wie ich damals in Schwyz am Bahnhof stand, die senkrechte Wand des Grossen Mythen hochschaute und mich fragte, wie es überhaupt möglich sein sollte, diesen Berg ohne Kletterausrüstung zu besteigen.  

    Dieses Mal stellte ich mir diese Frage nicht. Einerseits weil ich die Antwort bereits kannte, andererseits weil der Nebel in Schwyz so dicht war, dass man kaum weiter als bis zum nächsten Haus sehen konnte. Zudem war es empfindlich kühl, doch das gab sich von alleine, als ich den Wald erreichte und die Route anfing anzusteigen. Kurz darauf strahlte die Sonne immer stärker durch den Nebel, bis ich ihn schliesslich ganz hinter mir liess, und über mir nur noch blauer Himmel war - und die senkrechte Steilwand des Grossen Mythen.

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    Bei Günterigs Grüebli gab es einen gemütlichen Unterstand, wo ich eine erste Pause machte und die Aussicht über das Nebelmeer genoss, an dessen anderem "Ufer" sich die Rigikette aus den Wolken erhob. Jemand hatte "Wir wollen ne Bergbahn!" an die Holzwand des Häuschens geschrieben und nur kurze Zeit später hatte ich diesen Wunsch auch: Über zahlreiche Treppenstufen führte der Weg steil unter der Felswand empor und ich erinnerte mich, dass diese mir bereits bei meiner Erstbegehung zugesetzt hatten.

    Beim Kreuz der Zwischenmythen gab es eine Verschnaufpause und auf einem breiten, fast ebenen Weg umrundete ich den Mythen halb bis zur Holzegg. Danach kam der berüchtigte Aufstieg durch die Mythenwand: Auf dem ausgesetzten, felsigen Pfad war ich alles andere als alleine. Eine Karawane von Wanderern bewegte sich in der steilen Wand und es war ein andauerndes Kreuzen, Überholen und überholt werden. In einer fast senkrechten Wiese am Rand grasten ein paar Gämsen, die sich von der Völkerwanderung, die an ihnen vorbeizog, nicht im Geringsten stören liessen. 

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    Mich trieb die Aussicht auf einen der berühmten Mandelgipfel im Berghaus des Grossen Mythen aufwärts. Doch als ich endlich oben ankam, musste ich feststellen, dass dieses bereits geschlossen hatte. Nach einer kurzen Pause - ohne Mandelgipfel - auf dem dicht bevölkerten Gipfel machte ich mich daher bald wieder an den Abstieg zurück zur Holzegg.

    Damit hatten meine Knie mehr als genug von negativen Höhenmetern und ich wanderte das kurze Stück bis zur Rotenflue, von wo aus ich mich bequem mit der Bergbahn wieder zurück in den Nebel hinab gondeln liess.




    Wanderinfos:

    • Gewandert: Samstag, 7. November 2020
    • Route: Schwyz, Post - Klösterli St. Josef - Güntrigsgruebli - Zwischenmythen - Holzegg - Grosser Mythen - Holzegg - Stäglerenegg - Rotenflue
    • Meine Wanderzeit: 4 h 45 min
    • Distanz: 12,3 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1'600 m
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    Donnerstag, 5. November 2020

    Alpine Erlebnisse im Bödmerenwald

    @wandernohneende
    Die Idee für diese Wanderung in der hintersten Ecke des Muotatals hatte ich von den Wanderfreaks geklaut. Das Urwaldreservat Bödmerenwald liegt im Karstgebiet zwischen Muotathal und Pragelpass und bedeckt damit das Hölloch. Bei der Busstation "Hölloch" startete ich denn auch mit meiner Tour.

    Am Anfang führte der Weg - immer ansteigend - durch kleine Weiler und bunte Herbstwälder. Doch ganz plötzlich änderte sich der Charakter der Wanderung und im Schatten mächtiger Steilwände passierte man ein ausgedehntes Geröllfeld auf liebevoll drapierten Steinplatten - ich wähnte sich fast im Hochgebirge. Entlang eines rauschenden Wildbachs überquerte ich ausgedehnte Alpen mit verstreuten Ferienhäuschen, deren Zonenkonformität mir zumindest zweifelhaft erschien; das neue Raumplanungsgesetz scheint in der abgelegenen Gegend noch nicht angekommen zu sein. Am Wegrand bauten Ameisen an ihrem Hügel und ich fragte mich, was die berühmten Muotataler Wetterschmöcker wohl aus dem emsigen Tun fürs nächstjährige Wetter ableiten werden.

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    Beim Grossen Bärenloch kam dann der steile Aufstieg auf das Plateau des Bödmerenwalds. Ein schmaler  Pfad führte zwischen zwei Felswänden hindurch und schliesslich weglos über moosbedeckte Karstformationen und Baumwurzeln. Urwaldmässig war nicht nur die üppig grüne Vegetation, sondern auch die Einsamkeit - die meisten Spuren im nassen Untergrund waren eher tierischen als menschlichen Besuchern zuzuordnen. 

    Beim Unterroggenloch gelangte ich dann wieder auf breite Wanderwege und hier waren auch andere (menschliche) Wanderer unterwegs. Quer durch den "Urwald" erreichte ich Mittenwald, von wo aus es eine kürzere und eine längere Variante für den Rückweg nach Muotathal gab. Nach einem ziemlich langen, unentschlossenen Starren auf den Wegweiser entschied ich mich schliesslich für den langen Weg über das Gross Band. 

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    Damit gab es ein weiteres alpines Erlebnis: Der ausgesetzte Wanderweg führte direkt am Fuss einer hohen, teilweise überhängenden Felswand entlang. Der gelbe Stein passte farblich zu dem gelb gefärbten Grasstauden, die den Pfad säumten. Aussichtspunkte boten einen Tiefblick ins Tal, wobei es empfohlen war, die Aufmerksamkeit nicht zu lange vom schmalen Weg abzuwenden.

    Über zahlreiche Treppenstufen und laubbedeckte Waldwege verlor ich Höhenmeter um Höhenmeter, bis ich die Pragelpassstrasse erreichte, der ich die letzten Meter zurück zum Ausgangspunkt folgte.





    Wanderinfos:
    • Gewandert: Sonntag, 1. November 2020
    • Route: Muotathal, Hölloch - Egg - Haselbach - Schafmatt - Fruttli - Vorder Bärenloch - Unterroggenloch - Stägen - Mittenwald - Gschwänd - Gross Band - Fedli - Muotathal, Hölloch
    • Meine Wanderzeit: 5 h 30 min
    • Distanz: 18,5 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1'150 m
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