Sonntag, 25. August 2019

Lappland ist...weitläufig (Nordkalottleden 3/5)

@wandernohneende
Vor zwei Jahren auf dem Kungsleden hatte ich mich morgens regelmässig über den Porridge beschwert, den es gefühlsmässig täglich zum Frühstück gegeben hatte. Dieses Jahr hatte ich schon fast ein schlechtes Gewissen, was sich Steffi alles hatte einfallen lassen, um Abwechslung in den morgendlichen Essensplan zu bringen: Neben Pancakes gab es unter anderem süssen Couscous und Haferküchlein mit eingelegten Früchten. Da wähnte man sich gar nicht mehr in einer Selbstversorgerhütte mitten in der Wildnis.

Gerade für die nächsten zwei Tagen brauchten wir die Energie eines reichhaltigen Frühstücks, denn vor uns lagen die längsten Etappen der Wanderung. Sie starteten mit der Überquerung einer ziemlich wackeligen Brücke, die scheinbar aus freischwingenden Holzpaletten bestand. Wie am Vortag ging es zu Beginn vornehmlich aufwärts. Wir liessen das grüne Tal von Rostdalen hinter uns und vor uns öffnete sich die schier endlose Weite, die für Lappland so typisch ist. Je weiter nach oben wir kamen, je steiniger wurde die Landschaft, bis wir schliesslich über ein ausgedehntes Geröllfeld aus eckigen Steinbrocken jeglicher Grösse balancieren mussten, was einiges an Konzentration und Kraft erforderte.

Die Wanderwege in Norwegen sind - obwohl weit weg von jeder Zivilisation - sehr üppig mit markierten Steinmännchen gekennzeichnet. Beim Abstieg zur Daertahytta trafen wir auf eine Frau, die gerade dabei war, Steine zu schichten und mit dem typischen roten Punkt zu versehen. Sie erzählte uns, dass sie als Freiwillige für den norwegischen Tourismusverband jedes Jahr mehrere Wochen damit verbringt, von Hütte zu Hütte zu ziehen, die Wege zu kontrollieren und wo notwendig, neu zu markieren. Eine Sisyphusarbeit, wenn man die schiere Ausdehnung des Gebiets bedenkt.

Die Daertahytta lag einsam in der Mitte einen grossen Seenplatte. Dieser folgten wir am nächsten Tag bis uns ein niedriger Übergang ins nächste Tal brachte, in welchem noch mehr Seen aufgereiht aneinander lagen. Wir durchquerten die breite Ebene und kamen dabei das erste Mal so richtig ausgiebig in Genuss von einer weiteren lappländischen Spezialität, die ich schon fast vermisst hatte: Sumpf. Die beste Strategie, die sumpfigen Stelle zu passieren, war, möglichst schnell zu gehen und auf keinen Fall stehen zu bleiben.
@wandernohneende

Wir überquerten einen breiten, flachen Fluss, der so mit so vielen Steinen übersät war, dass wir die Schuhe nicht auszuziehen mussten, sondern einfach von Stein zu Stein balancieren konnten. Danach folgte einer der längsten und steilsten Aufstiege der ganzen Wanderung, für den wir uns mit Snickers stärkten, die uns ein Schweizer Wanderer, den wir in den letzten Tagen mehrmals in den Hütten getroffen hatten, geschenkt hatte. Die Belohnung für die Anstrengung kam schliesslich, als sich vor uns das nächste Tal öffnete: Unter uns lag eine riesige Waldfläche des Dividalnationalparks. Am Horizont glitzerte ein Fluss in der tiefstehende Sonne. Nach der kargen Landschaft der letzten Tage war die plötzlich üppige Vegetation überwältigen.

Durch einen Birkenwald, in welchem die Blumen teilweise kniehoch standen, stiegen wir ab bis zur Hütte, die auf einer baumlosen Kuppe lag und beste Sicht in den Nationalpark bot, so dass die schmerzenden Füsse nach der langen Etappe schnell in den Hintergrund rückte.


Gewanderte Etappen:

  • Tag 4 (Donnerstag, 25. Juli 2019): Rostahytta - Buossir - Daertahytta (17 km/7 h)
  • Tag 5 (Freitag, 26. Juli 2019): Daertahytta - Jertaskard - Dividalshytta (24 km/8,5 h)


  • Hier geht es weiter auf dem Nordkalottleden => Teil 4: Lappland ist...Wildnis pur






    Donnerstag, 22. August 2019

    Rund um den Mürtschenstock - Quer durch die Mutterkühe

    @wandernohneende
    Kampferprobte Mutterkuh
    Die "rund um den Mürtschenstock"-Wanderung im Glarnerland stand schon länger auf meiner Wunschliste und als ich am Freitag eher ungeplant zu einem freien Tag kam, nutzte ich die Gelegenheit, den Wunsch in die Tat umzusetzen.

    Mit dem Sessellift schaukelte ich gemächlich von Filzbach zur Habergschwänd. Ein kurzer Spaziergang brachte mich zum Talalpsee, der noch im Schatten lag. Das steile Ufer spiegelte sich in der glatten Wasseroberfläche. Ein Ort, der zum Verweilen einlud, doch dafür hatte ich leider nur wenig Zeit, da es ja einen Berg zu umrunden galt.

    Ich folgte dem See zum Ende des Talkessels, wo aus dem Spaziergang dann eine "richtige" Wanderung mit einem kräftigen Anstieg wurde. Nachdem ich etwas an Höhe gewonnen hatte, führte die Strecke nahe an den senkrechten und sichtbar bröckelnden Felswänden des Mürtschenstocks vorbei. Ein Schild warnte vor erhöhter Steinschlagsgefahr und Spuren von schweren Baumaschinen zeugten von kürzlich erfolgten Wiederherstellungsarbeiten am Weg.

    @wandernohneende
    Talalpsee
    Ich folgte der Anweisung, das gefährdete Wegstück möglichst schnell zu passieren; die Mittagspause hatte ich ohnehin auf der Mürtschenfurggel geplant. Doch dieser Plan wurde von einer weiteren Naturgefahr durchkreuzt, vor welcher ein anderes Schild warnte: Mutterkühe.

    Der Ratschlag, den Kühen und ihren Kälbern nicht zu nahe zu kommen, klang in der Theorie zwar gut, war in der Praxis aber eher schwierig umzusetzen, weil sich die Kühe gleichmässig über die Weide verteilt hatten und sich die Mütter zudem ausgerechnet den Wanderweg ausgesucht hatten, um ihre Jungen zu säugen. Entsprechend musste ich in den Sumpf und den Steilhang ausweichen. Eine einhörnige Mutterkuh musterte mich besonders misstrauisch und ich war mir ziemlich sicher, dass sie ihr fehlendes Horn im Bauch eines Wanderers verloren hatte.

    @wandernohneende
    Mürtschenstock
    Ich kam schliesslich schadlos am anderen Ende der ausgedehnten Weide an und war erleichtert, als ich den Elektrozaun hinter mir schliessen konnte. Weiter ging es der Flanke des Mürtschenstocks entlang, dessen Wände auf der Ostseite weiss und glattgeschliffen in die Höhe ragten. Im Talboden unter mir floss der Mürtschenbach durch eine mit Felsen übersäte Sumpflandschaft.

    Ich hatte mir für die Habergschwänd-Seilbahn ein Retourticket gekauft, weil ich den Mürtschenstock ja ganz umrunden und mir zudem den zusätzlichen Abstieg bis ans Walenseeufer ersparen wollte. Leider bedeutete dies, dass ich 400 Höhenmeter Abstieg gegen 300 Höhenmeter Aufstieg eingetauscht hatte. Doch die Talfahrt war die zusätzliche Mühe wert: Auf dem Sessellift hatte man einen Logenplatz für die Aussicht auf die aufgereihten Kurfirsten und den türkisfarbenen Walensee mit dem Seerenbachfall, den ich zwar schon aus der Nähe, aber noch nie in seiner ganzen Höhe gesehen hatte. Sogar der Zürichsee kam noch ins Sichtfeld.



    Wanderinfos:
    • Gewandert: Freitag, 16. August 2019
    • Route: Habergschwänd - Talalpsee - Spanneggsee - Mürtschenfurggel - Robmen - Hüttenberg - Talhütten - Habergschwänd (Rundtour)
    • Meine Wanderzeit: 5 h 45 min
    • Distanz: 19 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1'150 m







    Sonntag, 18. August 2019

    Lappland ist...anders (Nordkalottleden 2/5)

    @wandernohneende
    Gappohytta
    Am zweiten Wandertag meiner Wanderferien fing das Wandern schliesslich ernsthaft an. Als ich meinen Rucksack schulterte, kamen mir aber kurz Zweifel am Erholungsfaktor der gewählten Urlaubsart: Neben unserer persönlichen Ausrüstung hatten wir Nahrungsmittel für acht Tage dabei, die schwer auf unseren Schultern lasteten.

    Die Wanderung begann mit der Durchquerung eines Birkenwäldchens voll knorriger Bäume und Scharen hungriger Mücken. Doch schon bald liessen wir den Wald hinter uns und vor uns lag eine mit Flechten und Steinen überzogene, weite Ebene. Wir hielten auf die Berge am Horizont zu, deren Hänge von Schneefeldern bedeckt waren. Von einer Anhöhe aus warfen wir einen letzten Blick auf Finnland zurück. Auf norwegischem Boden, aber immer nahe an der Grenze zu Schweden, wanderten wir durch die karge Landschaft.

    In einem Flussbett auf flach geschliffenen Steinen machten wir Pause und gönnten unseren beanspruchten Füssen eine Abkühlung im kühlen Wasser. Auf dem letzten Stück zur Hütte lernten wir dann die norwegische Variante des Nacktwanderns kennen: Bikini-Wandern. Auch wenn es mir in meinen langen Hosen langsam warm wurde, in dieser Mücken verseuchten Gegend schien mir Schwitzen die schmerzfreiere Option.

    @wandernohneende
    Letzter Blick auf Finnland

    Die Nacht verbrachten wir in der Gappohytta und als wir am nächsten Morgen aufstanden, stellten wir fest, dass nicht nur alle Betten der kleinen Hütte besetzt waren, sondern sich auch auf den Bänken während der Nacht weitere müde Wanderer schlafen gelegt hatten. Damit trat ein weiterer Unterschied zwischen schweizerischer und norwegischer Wanderkultur zu Tage: Während man uns Schweizern von Kind auf beigebracht hatte, dass man vor Sonnenuntergang zurück in der Hütte ist, haben die Norweger offensichtlich verinnerlicht, dass es im Sommer keinen Sonnenuntergang gibt und es entsprechend keine Rolle spielt, ob man tagsüber oder nachts wandert.

    @wandernohneende
    Isdalen
    Wir waren also die ersten, die sich an diesem Tag auf den Weg machten. Die Strecken wurden weiter, der Rucksack aber nicht leichter. Den ganzen Vormittag ging es immer leicht aufwärts, doch ohne die ungewohnte Last auf den Schultern wäre die Steigung nicht der Rede wert gewesen. Dazwischen durchquerten wir unseren ersten lappländischen Fluss und einen Zipfel von Schweden.

    Der höchste Punkt des Tages war ein Pass, der nur aus Geröll und See bestand, beides teilweise noch dick mit Schnee bedeckt. Eine Herde Rentiere rannte von einem Schneefeld an einer der Bergflanken zum Pass hinunter und an uns vorbei, um sich etwas später auf einem anderen Schneefeld neu zu versammeln.

    @wandernohneende
    Bei unserem eigenen Abstieg über die steilen Schneefelder konnte man einen ersten Blick ins breite, grüne Tal unter uns werfen. Am Talboden angekommen, musste erneut ein Fluss überquert werden. Sein Ursprung lag im schneebedeckten See auf der Passhöhe - entsprechend eisig war die Wassertemperatur. Kaum waren die Füsse danach wieder etwas aufgewärmt, kam der nächste kalte Bach. Das Durchqueren der Flüsse stellte sich auch als nicht ganz ungefährlich heraus: Eine Mitwanderin holte sich an einem scharfen Stein einen tiefen Schnitt.

    Die Zwangspause zur anschliessenden Wundversorgung verbrachten wir an einem grünen See, in welchen ein rauschender Wasserfall hinabstürzte. Eine einzelne Möwe drehte Kreise über dem Wasser, was die Idylle perfekt machte. Ein kurzer Abstieg brachte uns schliesslich ins Haupttal hinunter, wo unsere nächste Unterkunft, die Rostahytta, direkt an einem breiten Fluss lag.


    Gewanderte Etappen:

  • Tag 2 (Dienstag, 23. Juli 2019): Kuohikmajärvi Tupa - Valljihat - Gappohytta (14 km/4,5 h)
  • Tag 3 (Mittwoch, 24. Juli 2019): Gappohytta - Isdalen - Rostahytta (19 km/6,5 h)


  • Hier geht es weiter auf dem Nordkalottleden => Teil 3: Lappland ist...weitläufig




    Sonntag, 11. August 2019

    Lappland ist...weit weg (Nordkalottleden 1/5)

    @wandernohneende
    Schon zum zweiten Mal zog es mich zum Wandern in den Norden. Vor zwei Jahren war ich vornehmlich auf dem schwedischen Kungsleden unterwegs gewesen, dieses Mal ging es nochmals etwas weiter nördlich auf den Nordkalottleden (norwegisch: Nordkalottruta), ein Fernwanderweg, der die skandinavischen Länder Finnland, Norwegen und Schweden umspannt. Ich war wieder mit WeitWandern unterwegs und wie das letzte Mal führte uns Steffi sicher durch die lappländische Wildnis.

    Die Anreise in den hohen Norden jenseits des Polarkreises war lang und beinhaltete eine extensive Nutzung des öffentlichen Verkehrs, obwohl ich mit dem Flugzeug abkürzte und erst in Stockholm zum Rest der Gruppe stiess. Mit dem Nachtzug ging es von Stockholm weiter quer durch Schweden nach Luleå. Die Kleinstadt war am frühen Sonntag morgen wie ausgestorben, doch einen Kaffee konnten wir schliesslich doch noch auftreiben. Mit dem Bus ging es anschliessend bis nach Haparanda an der schwedisch-finnisch Grenze. Dieser Ort schien nur aus dem Busbahnhof und einem überdimensionierten IKEA zu bestehen.

    @wandernohneende
    Dreiländereck
    Wir überquerten die Grenze und stellten unsere Uhren eine Stunde vor - Finnland ist in einer anderen Zeitzone als seine skandinavischen Nachbarn, wie ich erstaunt feststellte. Das letzte Stück an diesem Tag legten wir mit dem Zug zurück und erreichten am Nachmittag Rovaniemi, die inoffizielle Hauptstadt von Lappland. Wir verbrachten die Nacht in einem Hostel und genossen ein letztes Mal die Annehmlichkeiten der Zivilisation: Ein Cocktail auf der Terrasse, ein umfangreiches Frühstücksbuffet und eine heisse Dusche.

    Am nächsten Morgen brachte uns schliesslich eine achtstündige Busfahrt nach Kilpisjärvi am gleichnamigen See. Wir überquerten den See mit dem Boot und dann begann endlich der Wanderteil meiner Wanderferien. Den ersten Stopp machten wir am Dreiländereck, wo Schweden, Finnland und Norwegen aufeinander treffen. Die Stelle ist mit einem grossen, gelben Betonklotz markiert. Die erste Nacht verbrachten wir in einer finnischen Hütte und schlugen unsere erste Schlacht gegen ein Heer lappländischer Mücken.


    Gewanderte Etappen:

  • Tag 1 (Montag, 22. Juli 2019): Kilpisjärvi/Koltaluokta - Kuohikmajärvi Tupa (3,5 km/1 h)


  • Hier geht es weiter auf dem Nordkalottleden => Teil 2: Lappland ist...anders



    Donnerstag, 18. Juli 2019

    Windegghütte: Brücke ins Nirgendwo

    @wandernohneende
    Triftbrücke
    Die wohl prominenteste Brücke, die mir bei meiner "Hängebrücken-Sammlung" noch fehlte, war die Triftbrücke im Berner Oberland. Daher zögerte ich nicht lange, als sich die Gelegenheit bot, diese Lücke zu schliessen.

    Der Weg von Guttannen zum Furtwangsattel war "so angelegt, dass man schnell Höhe gewinnt", sprich: Er war sehr steil. Dazu kam das sehr ambitionierte Tempo meiner Mitwanderer und - wenigstens am Anfang - eine drückende Hitze. Bei Holzhüs hatten wir bereits eine knappe Stunde Vorsprung auf die angegebene Marschzeit und ich die ersten Minderwertigkeitskomplexe, weil ich als Jüngste der Gruppe offenbar die schlechteste Fitness hatte.

    @wandernohneende
    Danach wurde der Weg gerölliger und noch etwas steiler. Ein paar Schafe beobachteten neugierig unseren Schlussanstieg zum Furtwangsattel (2`562 m), der in den Wolken lag. In Guttannen war die Wanderzeit bis hierhin mit fünf Stunden angegebenen gewesen, wir hatten es in drei geschafft. Geschafft war ich in dem Moment auch selber.

    Hinter dem Übergang eröffnete sich der Blick in einen noch mit dicken Schneefeldern bedeckten Talkessel. Wir liessen uns beim Abstieg über den rutschigen Schnee viel Zeit und legten zahlreiche Pausen ein, um die Aussicht auf das noch halb von Lawinenschnee bedeckte Tälliseewli und den Triftgletscher zu geniessen. Kurz vor der Windegghütte kam dann auch ein erstes Mal die Triftbrücke in Sicht.

    @wandernohneende
    Tälliseewli
    Wir erreichten die Windegghütte in dem Moment, als es zu regnen anfing. In der kleinen Hütte mit einer sehr gastfreundlichen Hüttenwartin verbrachten wir einen gemütlichen Abend. Am nächsten Tag beim Frühstück regnete es immer noch. Also begruben wir unseren Plan, auch noch der Trifthütte einen Besuch abzustatten und beschränkten uns auf einen Abstecher zur Triftbrücke.

    Diese hatten wir für uns alleine. Leider verdeckten die Wolken die Sicht auf Gletscher und See fast komplett. Nach einem Testlauf über die Brücke und zurück machten wir uns an den Abstieg ins Tal. Trotz des schlechten Wetters kamen uns zahlreiche Wanderer entgegen, die auch auf dem Weg zur Brücke waren.

    Da die Wanderung an diesem Tag kürzer ausgefallen war als geplant, gingen wir an der Bergstation der Triftbahn vorbei und machten den ganzen Abstieg zu Fuss. Dieser führte durch einen üppig grünen Wald und beinhaltete erstaunlich viel Aufstieg. Als wir dann in Fu(h)ren auf den Bus warteten, schien wieder die Sonne.




    Wanderinfos:
    • Gewandert: Sonntag/Montag, 14./15. Juli 2019
    • Route: Guttannen - Holzhüs - Furtwangsattel - Bin der Chlempen - Windegghütte (Sonntag); Windegghütte - Triftbrücke - Schattige Trift - Triftbahn Bergstation - Im üssren Hori - Weid - Fuhren (Montag)
    • Unsere Wanderzeit: 4 h 50 min (Sonntag); 3 h (Montag)
    • Distanz: 10,4 km (Sonntag); 9 km (Montag
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1`520 m (Sonntag); 280 m (Montag)
    • Übernachten: Windegghütte SAC




    Donnerstag, 11. Juli 2019

    Sardonahütte: Im Hagelsturm auf dem Schneefeld

    @wandernohneende
    Am Wochenende organisierte Rico eine Tour durch die Tektonikarena Sardona. Wir rechneten von Anfang an mit einem anstrengenden Tag, doch nicht damit, dass das Ganze in einen  Kampf gegen die Elemente ausarten würde. Doch der Reihe nach:

    Die Wanderung startete gemütlich mit einer Postautofahrt durch das Weisstannental und dabei kamen Erinnerungen hoch an die Via Alpina-Etappe, auf welcher wir das Tal zu Fuss durchquert hatten und - wenn uns unser Gedächtnis nicht trog -, offenbar in jedem Restaurant eingekehrt waren. Dafür hatten wir dieses Mal keine Zeit, denn der Wegweiser gab die Wanderzeit bis zu unseren Tagesziel, der Sardonahütte, mit sieben Stunden an.

    @wandernohneende
    Wir folgten einem breiten Weg mit einer massvollen Steigung ins Lavtina-Seitental hinein. Dieses endete im Talkessel Batöni, wo drei Wasserfälle die Felswände hinabstürzen und fünf Bäche zusammenfliessen. Die Stelle soll ein Kraftort sein, wovon ich - trotz der unbestreitbaren Schönheit - nicht viel spürte. Wir überquerten die neue Hängebrücke und danach fing der Aufstieg erst so richtig an. Bald waren wir höher als die Wasserfälle. Auf der Alp Valtüsch machten wir eine erste Verschnaufpause - da hatten wir aber noch nicht einmal die Hälfte der Höhenmeter hinter uns. Weiter ging es durch Felder von Alpenrosen, die bereits am Verblühen waren, und über Schneefelder, die noch nicht geschmolzen waren.

    Nach dem Heidelpass (2'387 m) flachte der Weg etwas ab und wir konnten einen ersten Blick in das Calfeisental hinunter werfen. Mir gefiel die einsame, rauhe Landschaft sehr. Wir passierten das hübsche Plattenseeli, verzichteten aber auf eine Badepause - die immer dunkler werden Wolken begannen, uns Sorgen zu machen. Wir hatten gerade den Heubützlipass (2'413 m) erreicht, als es anfing zu tröpfeln. Die Sardonahütte war in der Ferne auf einem Felsvorsprung knapp erkennbar; nicht zu übersehen waren dagegen die ausgedehnten Schneefelder, die noch vor uns lagen. Das Tröpfeln verwandelte sich innert wenigen Minuten in strömenden Regen und nur kurz darauf in einen ausgewachsenen Hagelsturm mit heftigen Windböen, begleitet von Blitz und Donner.

    @wandernohneende
    Plattenseeli
    Weit und breit gab es keine Möglichkeit, Schutz zu suchen, so dass uns nichts anders übrig blieb, als weiterzumarschieren. Die Hagelkörner schmerzten auf der Haut und es gab Momente, wo ich befürchtete, der Wind würde mich umhauen. Ich konzentrierte mich darauf, auf den rutschigen Schneefeldern das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Wo genau der Wanderweg lag, liess sich teilweise nur erahnen. Der Regen hatte die Bäche anschwellen lassen, so dass auch deren Überquerung zum heiklen Balanceakt wurde. Mittlerweile waren aber meine Füsse so nass, dass es keine Rolle mehr spielte, wenn ich dabei direkt ins Wasser trat.

    Als das Unwetter nach einer scheinbaren Ewigkeit endlich nachliess, war die Hütte immer noch fast eine Stunde entfernt. Kalt, dreckig und nass bis auf die Unterwäsche kamen wir dort schliesslich an. Der Hüttenwart begrüsste uns freundlich und zeigte uns direkt die Steinböcke, die etwas oberhalb weideten. Auf unserer Prioritätenliste war die einheimische Fauna in diesem Zeitpunkt aber ziemlich weit unten. Viel wichtiger war uns, wieder trocken und warm zu werden.

    @wandernohneende
    Gigerwaldstausee
    Nach dem ersten Bier und einem Teller Suppe ging es aber allen schnell wieder besser und wir konnten uns der Frage widmen, warum unsere Wandererlebnisse mit zunehmendem Alter immer grenzwertiger zu werden scheinen - nach unserer Pfingstwanderung war dies innert weniger Wochen bereits die zweite Wanderung unter heiklen Bedingungen gewesen.

    Zum Ausgleich war dann der zweite Tag des Wochenendes geradezu harmlos: Ein steiler Abstieg brachte uns hinunter ins Calfeisental und wir folgten der Tamina das Tal hinaus. Eindrücklich waren die Spuren des Lawinenwinters: Neben niedergedrückten Bäumen waren sogar noch meterhohe Schneereste direkt vor der kleinen Walsersiedlung St. Martin übrig geblieben. Entlang des Gigerwaldstausees ging es schliesslich zur Postautostation, welche sich direkt auf der Staumauer befand. Und bei der Rückfahrt waren wir uns einig: Es war eine dieser Wanderungen gewesen, an welche wir uns noch lange zurück erinnern würden.



    Wanderinfos:
    • Gewandert: Samstag/Sonntag, 6./7. Juli 2019
    • Route: Weisstannen - Batöni - Alp Valtüsch - Heidelpass - Plattensee - Heubützlipass - Schafälpli - Sardonahütte (Etappe 4 des Sardona-Welterbe-Wegs/ regionale Route Nr. 73) (Samstag); Sardonahütte - Sardonaalp - St. Martin - Gigerwald Staumauer (Sonntag)
    • Unsere Wanderzeit: 6 h 30 (Samstag); 3 h (Sonntag)
    • Distanz: 16,2 km (Samstag); 12,5 km (Sonntag)
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1'800 m (Sonntag); 90 m (Sonntag)
    • Übernachten: Sardonahütte SAC



    Donnerstag, 4. Juli 2019

    Gocht: Prekäre Kraxeleien bei brütender Hitze hoch über dem Walensee

    @wandernohneende
    Ostschweizer Cousine
    von Gian & Giachen
    An einem der bisher heissesten Tagen des Jahres eine ausgesetzte Kraxeltour an der sonnenausgesetzten Südseite der Kurfirsten unternehmen? Schon der Gedanke daran brachte mich ins Schwitzen. Doch die Beschreibung der Wanderung, welche Nicole geschickt hatte, klang zu gut, um die Einladung abzulehnen. Also packte ich Sonnencreme (Lichtschutzfaktor 50), meinen grössten Sonnenhut, drei Liter Flüssigkeit und meinen Kletterhelm ein und fuhr nach Walenstadtberg. Ziel war der Gocht, ein Übergang vom Walensee ins Toggenburg.

    Bei der Reha-Klinik starteten wir die Wanderung, welche zunächst über breite Wege unterhalb der Kurfirsten durchführte. Warm war es von Anfang an und Pause machten wir nur, wenn wir ein Schattenplätzchen fanden. Kurz nach der Alp Säls kam dann die weiss/blau markierte Abzweigung zum Gocht und damit fing der interessante Teil der Wanderung an: Zuerst stiegen wir weglos eine Wiese hoch, bevor uns die Markierungen durch ein zerklüftetes Waldstück führten. Beim Säls Chamm ging es entlang der Falllinie eine mit Felsen und lockerem Gestein durchsetzte, abschüssige Wiese hoch. Oben angekommen musste ich mich erstmal hinsetzen - die Hitze und die Anstrengung setzten mir ziemlich zu. Und von der Karte wusste ich, dass es noch steiler werden würde.

    @wandernohneende
    Zunächst wurde der Pfad indes etwas flacher. Er traversierte ausgesetzt lockere Schotterfelder direkt unter den senkrechten Felswänden und forderte volle Konzentration beim Aufsetzen der Füsse. Ausrutschen war verboten, denn ein Sturz hätte wohl erst im Walensee geendet, der tief unter uns in der Sonne blitzte.

    Schliesslich erreichten wir das Schlusscouloir, welches zwischen zwei Felswänden fast senkrecht den Abhang hochführte. Kurz vor dem Einstieg flog uns ein Stein entgegen - die tierischen Steinewerfer würden wir später noch entlarven. Der lockere Schutt, der in der Aufstiegsrinne lag, gab wenig Halt und wir kraxelten auf allen Vieren den abschüssigen Steilhang hoch, vorsichtig darauf bedacht, nicht selber einen (zu grossen) Steinschlag auszulösen. Eine kurze Rast gab die Möglichkeit, den Tiefblick zum Walensee zu geniessen und wieder Atem zu holen - so hart an meiner Leistungsgrenze war ich schon lange nicht mehr gewesen. Nach einer letzten Anstrengung schafften wir auch noch das restliche Stück und erreichten nassgeschwitzt aber stolz über unsere Leistung den Gocht (1'949 m).

    @wandernohneende
    Blick zurück ins
    Aufstiegscouloir zum Gocht
    Im Schatten von ein paar grossen Steinbrocken machten wir Mittagspause. An einem Felsen gegenüber entdeckten wir eine Herde Steinböcke. Sie lagen ebenfalls im Schatten und sprangen nur ab und zu auf, um ein paar Steine das Couloir hinunter zu fliegen zu lassen.

    Eindeutig weniger elegant als die Steinböcke machten wir uns schliesslich an den Abstieg. Auf der Nordseite des Übergangs lag noch Schnee und man fühlte sich wie in einer anderen Welt. Am Horizont konnte man den Säntis erkennen - auch er noch mit zahlreichen Schneefeldern bedeckt. Mit jedem Meter, den wir abstiegen, nahm die tropenhafte Hitze zu. Als geradezu bösartig stellte sich bei diesen Temperaturen der kurze Gegenanstieg zum Tritt heraus. Die Aussicht auf ein kühles Getränk bei der Alp Looch trieb mich hoch. Doch zu unserer Enttäuschung wurde daraus nichts, die Alp Looch hatte geschlossen. Also konnten wir erst in Arvenbüel auf unseren Erfolg anstossen und uns mit Glacé abkühlen.

    Die Tour war eine der herausforderndsten Wanderungen gewesen, die ich bisher gemacht habe. Nicht nur wegen der Hitze und den Höhenmetern, sondern auch weil der technisch schwierige Teil (T4+) lang ist und sich nicht nur auf ein paar wenige Schlüsselstellen beschränkt.




    Wanderinfos:
    • Gewandert: Sonntag, 30. Juni 2019
    • Route: Walenstadtberg, Reha-Klinik - Schönegg - Hochrugg - Schwaldis - Säls - Säls Chamm - Gocht - Tritt - Alp Looch - Egg - Arvenbüel (zwischen Säls und Gocht weiss/blau markiert/T4+)
    • Unsere Wanderzeit: 5 h 10 min
    • Distanz: 14,5 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 1'200 m





    Donnerstag, 27. Juni 2019

    Schimbrig: Gratwanderung durch die Wolken

    @wandernohneende
    Schimbrig-Grat
    Eine Kollegin hatte eine Wanderung auf den Schimbrig vorgeschlagen , einen mir bisher unbekannten Gipfel im Entlebuch, und bei unbekannten Gipfeln bin ich immer gerne dabei - trotz durchzogener Wetterprognose.

    Der Schimbrig war von Gfellen aus bereits sichtbar, ebenso wie die Wolke, die seinen Gipfel umhüllte. Nach einem kurzen, flachen Abschnitt fing der Weg schnell an zu steigen. Wir durchquerten eine gut bestossene Kuhweide und die Kühe sahen uns leicht verwundert an, machten aber wenig Anstalte, für uns Platz zu machen. Ein ziemlich grosses Exemplar stellte sich an einer schmalen Stelle mitten auf den Weg und sah uns herausfordernd an. Wir blinkten zuerst und umgingen die standhafte Kuh grossräumig.

    @wandernohneende
    You shall not pass
    Kurz bevor wir das Bergrestaurant Schimbrigbad erreichten, stieg uns ein penetranter Schwefelgeruch in die Nase. Offenbar gab es hier früher tatsächlich Badequellen. Ein weiterer Aufstieg durch einen feuchten Wald brachte uns auf den Grat und damit stand ich innerhalb von einer Woche zum zweiten Mal auf einem exponierten Bergrücken - ohne die geringste Aussicht.

    Schliesslich konnte man durch die Wolken schemenhaft das Gipfelkreuz erkennen und während wir auf dem Schimbrig (1'816 m) Pause machten, gaben die Wolken zumindest zeitweise den Blick ins Tal frei. Dagegen blieb uns nur Spekulation, welche phantastischen Bergketten man von hier bei schönem Wetter wohl zu Gesicht bekäme.

    Vom Gipfel hätte man auf einem blau/weiss markierten Weg weiter dem Grat folgen und dann direkt steil absteigen können. Aufgrund des Wetters und des vom Regen der letzten Tage rutschigen Untergrunds verzichteten wir aber auf dieses Experiment und liefen ein Stück auf dem Grat zurück, bis wir schliesslich auf der anderen Seite über den normalen Wanderweg abstiegen und so den Schimbrig umrundeten. Auch hier war der Weg genügend steil und führte durch weitere Kuhweiden - ich fand die Kuhdichte auf dieser Wanderung aussergewöhnlich hoch.

    Im Tal folgten wir dem Bach zurück nach Gfellen und ich lernte noch, dass durch das Entlebuch tatsächlich die Entle fliesst.



    Wanderinfos:
    • Gewandert: Sonntag, 16. Juni 2019
    • Route: Gfellen - Understettili - Chüeschimbrig - Schimbrigbad - Schimbrig - Ober/Under Loegg - Hinter/Vordergrund - Brüdern - Gfellen
    • Unsere Wanderzeit: 4 h 5 min
    • Distanz: 14,5 km
    • Höhenmeter (Aufstieg): 900 m